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Unser Weblog

Wie geht das? Heute: Webdesign-Anfrage

Gerrit, 22.10.2014

Es bleibt ein Mysterium: Was kostet eine Website? Damit wir nicht immer mit einem wenig hilfreichen “Kommt drauf an” antworten müssen, gibt es zahlreiche Leitfäden und Checklisten, was man als potenzieller Kunde dem Webdesigner mitteilen sollte, damit dieser einen Preisrahmen festlegen kann, der halbwegs realistisch ist. Allein, es fehlt an positiven Beispielen.

Als ich heute meinen StudentInnen zeigen wollte, wie so eine “perfekte” Anfrage aussieht, musste ich passen, denn ich habe leider keine in meinem Postfach gefunden. (Wenig verwunderlich, wissen die Webdesign-Kollegen.) Also habe ich mir eine ausgedacht. So, liebe potenzielle Kunden, so sieht eine hilfreiche Erstanfrage aus, die letztlich in einer groben Schätzung sowie einem konkreten Angebot münden kann:

Betreff: Anfrage Webdesign

Sehr geehrter Herr van Aaken,

Ich habe Ihren Webauftritt gesehen und möchte mir gerne ein Angebot für ein kleines Webprojekt bei Ihnen einholen. Ich bin seit 8 Jahren als Krankengymnastin tätig (angestellt bei verschiedenen Institutionen) und möchte mich ab 2015 mit einem eigenen Massage-Studio in der Würzburger Innenstadt selbstständig machen.

Ich werde medizinische und Wellness-Massagen anbieten, habe jedoch keinen Bezug zum asiatischen Raum, demnach sollte keine fernöstliche Stimmung verbreitet werden. Damit kann ich mich auch vom sonstigen regionalen Angebot absetzen.

Es gibt noch kein Logo und kein sonstiges Design, aber ich habe mich schon für einen Namen entschieden: “Bodywell (by Andrea)”

Ich möchte folgende Inhalte rüberbringen:

  • naheliegenede Informationen wie Adresse, Telefon, E-Mail und Anfahrtsskizze)
  • Fotorundgang im Studio (Fotos werden in zwei Wochen von einem Fotografen gemacht)
  • Beschreibung meiner Person und meiner Qualifikation (mit Portraitfoto)
  • Beschreibung meiner Massage-Angebote: Derzeit sind 8 Massageprogramme geplant, die von 20€ bis 250€ reichen
  • Buchungs/Reservierungsmöglichkeit über ein einfaches Formular. Keine Bezahlfunktion nötig. Bezahlt wird vor Ort.
  • Ein paar Youtube-Videos über Massage-Techniken möchte ich einbinden
  • Eine Verlinkung (Like-Button?) zu meiner Facebook-Page, die schon existiert, wäre auch sinnvoll (facebook.com/bodywellwuerzburg)

Ich möchte vor allem die Produkte/Services gerne selber pflegen und mit neuen Preisen/Beschreibungen, sowie individuellen Fotos versehen können.

Die Website sollte auch auf Smartphones und iPads gut aussehen und benutzbar bleiben. Geht das?

Wir können uns gerne am Telefon über Details unterhalten. Ein grober Preisrahmen vorab wäre aber wüschenswert. Mehr als 3000 Euro kann ich mir jedoch auf keinen Fall leisten, besser wäre etwas um die 2000 Euro, wenn dies realistisch ist.

Viele Grüße,
Andrea Musterfrau

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Gedanken zu 10 Jahren Textpattern

Gerrit, 21.09.2014

Es war mein erstes CMS, und bis heute läuft praegnanz.de darauf: Das blogzentrierte CMS namens Textpattern. Offenbar wurde vor 10 Jahren die erste Version veröffentlicht, was mich dazu anregt, ein wenig zu schwelgen!

Textpattern kam fast zeitgleich mit seinem schärfsten Konkurrenten WordPress auf den Markt, und beide Systeme hatten etwas für sich. Bei WordPress war es der Baukastenansatz mit Themes und Plugins, bei Textpattern waren es der Minimalismus und das elegante, XML-ähnliche Templating-System. WordPress hat das Rennen ganz klar gewonnen, von Textpattern spricht heute kein Mensch mehr. Es hat sich auch seit 2008 nicht mehr maßgeblich weiterentwickelt – denn es ist einfach ein bescheidenes Blogsystem geblieben, während WordPress zu einem Baukasten für jede Art von Website geworden ist.

Früher dachte ich, dass Textpattern einfach nur eine Schnittstelle für einfach zu installierende, fertige Themes benötigt hätte, so wie WordPress eben. Doch heute weiß ich, dass das gar nicht beabsichtigt war, und dass das auch gut so war. Dazu muss ich ein wenig ausholen.

Erst gestern las ich einen lesenswerten Forumsbeitrag des ProcessWire-Machers Ryan Cramer, indem er sich gegen zuviel Fertigbauteile und scheinbare Nutzerfreundlichkeit in professionellen CMSen ausspricht.

Beitrag gelesen? Gut.

Textpattern hat mehrere Nachfolger im Geiste. Zum Beispiel MODx 1.x, welches das Konzept des entwicklerfreundlichen CMS auf komplexere, hierarchische Websites übertrug. Und jetzt natürlich Kirby und ProcessWire, welche in die gleiche Kerbe schlagen, aber noch einmal deutlich moderner angelegt sind und nicht zu einem Monster mutiert sind wie MODX in der Version 2.x.

Was diese vier Systeme (Textpattern, MODx, Kirby und ProcessWire) verbindet, ist ihre klare Absage an fertige Themes, fertigten HTML-Code, fertige Plugins. Sie machen es der erfahrenen Webdesignerin leicht, ihre Ideen ohne Frontend-Kompromisse in produktive Websites umzusetzen, aber sie ermöglichen es eben nicht einem Laien, sich ohne Vorkenntnisse ein paar Bauklötze zusammenzustecken, die dann notdürftig mit ein bisschen Farbe an die ursprüngliche Idee angeglichen werden.

Mit den Worten von Ryan: WordPress verkauft fertige Fischbrötchen, während Textpattern und seine Nachfolger einem das Angeln beibringen und einen großen See zur Verfügung stellen.

Dieses Grundprinzip hat sich seit 10 Jahren nicht verändert, und deshalb: Lasst uns darauf anstoßen, dass wir unsere Websites stets im Griff haben!

(Und gleich mal das Jubiläumsrelease 4.5.7 installieren, was – wie immer – nur marginale Mini-Verbesserungen anbietet. Wie seit vielen, vielen Jahren :-) Aber die Tätigkeit des Bloggens hat sich ja seitdem auch nicht wirklich weiterentwickelt, wenn ich das richtig beobachte.)

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Ein paar Worte zu FontShop und Monotype

Gerrit, 29.07.2014

Im Grunde der Vollständigkeit halber – denn natürlich sind die Argumente für und wider bereits alle auf dem Tisch. Ich versuche, das ein wenig zusammenzufassen.

Was war die Ausgangssituation? Es gab (zumindest auf dem »westlichen« Markt) genau drei Stellen, an denen man als Designer eine große Vielzahl von professionellen Schriftarten erwerben konnte, die auch von unterschiedlichsten Herstellern kamen: MyFonts, FontShop und Monotype. Alle anderen Schrifterwerbsmöglichkeiten fallen bis heute unter die Kategorie »klein« oder »direkt vom Hersteller« – meist beides zusammen.

Nachdem Monotype im Jahr 2012 den Konkurrenten Bitstream samt MyFonts-Plattform geschluckt hatte, (dann im Jahr 2013 endlich auch namensmäßig mit der 100%-Tochter Linotype fusioniert ist), und nun im Jahr 2014 auch den anderen großen Rivalen FontShop geschluckt hat, gibt es also nur noch einen Konzern, unter dem alle größeren Font-Online-Shops, aber auch viele der wichtigsten Schrifthersteller vereint sind. Man kann sagen, dass nun nahezu alle herausragenden Schriftentwürfe der letzten 60 Jahre exklusiv von Monotype vertrieben werden – zu den eher älteren Exemplaren, die immer schon zum Portfolio von Linotype gehörten (Univers, Frutiger, Syntax, Sabon …) gesellen sich nun die modernen Klassiker mit dem »FF« im Namen (DIN, Meta, Dax, Fago, Trixie …). Müßig zu schätzen, aber bei mehr als 80 Prozent der insgesamt verkauften Vollpreisschriften dürfte jetzt sowohl der Hersteller als auch der Verkäufer ein Teil der Monotype-Familie sein. Wenn das nicht nach Monopol riecht, weiß ich auch nicht.

Ich finde das verhältnismäßig grauenhaft, unter anderem da ich davon ausging, dass FontShop ein gesundes Unternehmen ist. Okay, man hat gemerkt, dass es gewisse Schwierigkeiten gab, als man den bislang technisch unabhängigen deutschen Onlineshop unter fontshop.de auf den amerikanischen/weltweiten Shop unter fontshop.com umziehen musste. Aber für Innovationen wie die FontBook-App fürs iPad oder die verspielte Experimentalwebsite next.fontshop.com hat das Budget immer noch gereicht.

Es macht sich keine Freude bei mir breit. Das liegt, wohlgemerkt, in keinster Weise an den Einzelpersonen, die involviert sind. Ich kenne einige Leute, habe auch schon kleinere Projekte für beide Firmen durchgeführt. Das sind alles nachvollziehbare Entscheidungen und menschliche Reaktionen, darauf will ich nicht hinaus. Natürlich bleibt für den Kunden auch alles beim Alten, wie das ja immer so ist bei Fusionen. Man kennt das. Alles beim Alten.

Was ich persönlich kritisch sehe, ist die inkompatible Unternehmenskultur. Monotype ist eine superseriöse, altehrwürdige und verschwiegene Firma, in der mutmaßlich wenig gelacht, dafür viel Geld mit Enterprisekunden gemacht wird. FontShop ist offen, freundlich und kommunikativ – zum Anfassen und ohne 150 Jahre Druckmaschinentradition im Rücken. Klar, das ergänzt sich. Aber seien wir ehrlich: Wenn die Anzugträger mit dem Geld jetzt die neuen Überchefs sind, kann das für die Hipster doch nicht gut ausgehen.

Was bleibt, ist eine klare Ansage an alle potenziellen Schriftkäufer: Macht es dem Monopol nicht zu leicht und seht euch die Alternativen an. Hierzu vier Ratschläge, die man befolgen sollte:

  1. Gebt angemessenes Geld für Schriften aus und schaut ab und zu über den Google-Fonts-Tellerrand!
  2. Kauft die Schriften direkt beim Hersteller! Viele Schriftentwerfer haben sich das Recht, selber zu verkaufen, beibehalten – hier ein paar Adressen: Process Type, JAF, Typotheque, Emigre, Hoefler&Co, Adobe
  3. Kauft Schriften in (kleinen) Onlineshops, die noch nicht aufgekauft wurden. Hier ein paar Empfehlungen: Fontspring, Font Bros, Veer
  4. Ähnliches gilt für Webfonts zum Mieten oder Kaufen

Ich mag die FontShop-Leute, und ich mag auch die Monotype-Mitarbeiter, die ich kennen lernen durfte. Aber wir sollten gemeinsam für ein Gegengewicht sorgen, damit die nächste Frutiger oder die nächste DIN von einem unabhängigen Schriftentwerfer kommt, der dafür gutes Geld von euch bekommt und sich nicht an Google verschenken muss! Go Indiefonts!

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Krautreporter benötigen noch eure Unterstützung

Gerrit, 05.06.2014

Es wäre zu schade, wenn das Experiment bereits im Vorfeld scheitern würde, denn ich glaube, dass der deutschsprachige Journalismus das Krautreporter-Magazin gut gebrauchen kann.

Die Idee ist schnell erzählt: Knapp 30 teils bekannte, teils weniger bekannte Journalisten wollen eine dauerhafte Online-Redaktion bilden und ein neues Online-Magazin herausbringen, welches sich ausschließlich über Abo-ähnliche Mitgliedschaften ihrer Leser finanziert. Keine Werbung, kein Sponsoring, keine Paywalls. Die Inhalte sind für alle frei im Netz verfügbar, aber die Kernleserschaft zahlt (im Endeffekt freiwillig) monatliche 5 Euro für den Betrieb der Plattform.

Der Vorteil dieses Deals: Die Reporter sind unabhängig von den tatsächlichen Abrufzahlen des Magazins – und aufmerksamkeitsheischende, pseudoskandalöse Stücke braucht es nicht, um die gut recherchierten und interessanten Geschichten zu subventionieren.

Geplant sind derzeit Stories zu israelischen Siedlern, dem Regionalitätswahn, Schlaflaboren, Lobbying im Fernsehen, und vieles mehr. Klingt interessant? Ich denke doch.

Derzeit sind noch 8 Tage Zeit, um beim Crowdfunding dabei zu sein, und den Reportern zu 8000 fehlenden Unterstützern zu verhelfen. Für 60 Euro unterstützt ihr das Projekt ein ganzes Jahr lang. Falls aus der Sache nichts wird, fließt logischerweise auch kein Geld.

Die Krautreporter haben meinen Segen, trotz derzeitigem Frauenmangel und einer technisch eher klapperigen Infowebsite. Seid ihr auch dabei? Ich fänd’s gut.

» Hier klicken, um Unterstützer zu werden

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Die CMS-Landschaft im Jahr 2014

Gerrit, 15.05.2014

Dreimal habe ich hier im Blog bereits verschiedene Content-Management-Systeme verglichen und Empfehlungen ausgesprochen:

Höchste Zeit für ein Update, denn es verändert sich ja so vieles! Nach wie vor sind bei den meisten Kundenprojekten entsprechende Systeme angesagt, auch wenn wir inzwischen ein wenig restriktiver mit der Frage umgehen, ob und wieviel Pflege seitens des Kunden tatsächlich zu erwarten sind.

Fangen wir zunächst mit den CMSen an, die wir derzeit aktuell in Betracht ziehen bzw. aktiv anbieten:

ProcessWire

Unser aktueller persönlicher Liebling, der sich bei einer Handvoll Projekte auch schon bewährt hat. Ein schlankes und von Altlasten größtenteils unbelastetes CMS, welches die besten Konzepte aus vorhandenen Systemen klaut und zu einem großartigen Gesamtpaket schnürt. Die Inhaltstypen sind von Haus aus komplett leer – bis auf einen pflichtmäßigen Titel und URL-Titel – und müssen vom Entwickler von Null aufgebaut werden. ProcessWire macht nichts von sich aus, aber macht es dem Entwickler gleichzeitig sehr einfach, die Strukturen Schritt für Schritt aufzubauen. So entsteht kein Overhead – man bekommt jedoch auch nichts geschenkt.

Bei ProcessWire gibt es keine nennenswerten, fertigen Frontend-Themes. Warum auch? Im Regelfall hat jede gut gemachte Website ganz individuelle Inhaltstypen und Felder, denen man mit einem Standardtheme gar nicht gerecht werden kann. Aber auch hier gilt: Dem Entwickler wird es sehr leicht gemacht, die individuellen Themes schnell und pragmatisch aufzubauen. Gecodet wird direkt in PHP in den Template-Dateien, mit einer sehr einfachen API, die im Wesentlichen aus dem Objekt $pages besteht, und dann in jQuery-ähnlicher Manier für die Ausgabe einzelner Feldwerte, sowie für foreach-Loops mit Filtern usw. genutzt wird.

Das Backend ist mit der Version 2.4 nochmal deutlich schicker geworden und führt den Redakteur durch visuell schlanke, aber potenziell sehr mächtige Eingabemasken. Eben genauso simpel oder komplex, wie es die jeweilige Website verlangt.

Kirby

Besonders viel haben wir mit Kirby noch nicht gemacht, aber das kommt noch – zumal in einigen Tagen Version 2 erscheinen wird. Kirby ist – von der Denkweise her – eine datenbanklose Version von ProcessWire, besitzt eine sehr ähnliche Template-API und macht prinzipiell alles, was man für die meisten Websites benötigt.

Inwiefern das System sich für umfangreiche, komplexe, mehrsprachige und laiensichere Websites eignet, vermag ich noch nicht zu sagen. Aber für technisch interessierte Kunden, die gerne auch mal elegante Wege einschlagen, sollte man sich das überlegen. Keine Datenbank! Das bedeutet: Deployment und Migration in wenigen Sekunden und ohne Stress. Oder sogar: Continuous Integration von Struktur und Inhalt über Git oder Dropbox (oder andere Syncing-Dienste)!

Dass Kirby auch über ein normales Admin-Interface mit Browser-Login verfügt, wird da fast zur Nebensache. Allerdings ist hier natürlich der Knackpunkt für die Arbeit mit »normalen« Kunden. Es muss sich zeigen, wie realitätsnah das Backend von Kirby 2 ist, um auch für den Schreinermeister von nebenan eine sinnvolle CMS-Alternative darzustellen.

WordPress

Auch wenn wir insgesamt keine ausgewiesenen Freunde von WordPress (mehr) sind, so kommt man natürlich nicht drum herum. Kein System ist so schnell von 0 auf 100% aufgesetzt, nirgendwo findet man eine größere Vielfalt an Plugins für jeglichen Anwendungsfall.

WordPress ist die eierlegende Wollmilchsau und gleichzeitig ein historisch gewachsenes Ungetüm, welches immer noch den Geist eines Blogsystems atmet, das jedoch über viele voneinander unabhängige Krebsgeschwüre zu einem vollwertigen CMS mutiert ist, dabei niemals den klaren Schnitt eines Reboots gewagt hat, obwohl er dringend nötig wäre. Der Fluch des Erfolgs: Ständig neue Sicherheitslücken, eine völlig chaotische API mit unterschiedlichen Naming-Conventions, 20 verschiedenen Plugins für grundlegende CMS-Funktionen wie Content-Fields, und ein riesiger Markt an fertigen Amateurthemes, die dann mit großer Mühe an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden können – oder auch nicht.

Wir haben uns darauf verständigt, dass wir nur noch dann WordPress einsetzen, wenn

  • wir das Theme komplett selber machen können, oder ein fertiges Theme ohne Anpassungen einsetzen können.
  • die Website tatsächlich blogähnlich oder zumindest newslastig ist.
  • es ein expliziter und gut begründeter Kundenwunsch ist.

Das Problem ist nicht nur rein technisch, sondern auch kulturell zu verstehen: WordPress animiert den Seitenbetreiber, selbstständig auf Knopfdruck Plugins und Themes installieren zu können, was dieser in vielen Fällen auch gerne in Anspruch nimmt. Dass aber viele Plugins nicht mit anderen Plugins, und andere Plugins nicht mit allen Themes zusammenarbeiten, kann der Laie vorher nicht ahnen. WordPress verspricht, das ultimative Baukasten-CMS zu sein, nur dass in der Realität häufig Duplo, Lego und Playmobil kombiniert werden sollen.

Dennoch gibt es natürlich positive Aspekte: Der WYSIWYG-Editor ist einer der am besten integrierten, die Medienverwaltung ist vorbildlich und sehr, sehr nutzerfreundlich. Mehrsprachigkeit über das WPML-Plugin rockt – auch wenn WPML inzwischen fast genauso komplex ist wie WordPress selber. Und natürlich die allgemeine Bekanntheit und Beliebtheit des Systems. Wir kamen noch nie in argumentative Schwierigkeiten, wenn wir WordPress empfohlen habe.

Drupal

Wenn es groß sein soll, die Website und das Budget, kommt oftmals Drupal ins Spiel. Das CMS scheut sich nicht, alle paar Jahre inkompatible Major-Versionen zu veröffentlichen und damit alte Zöpfe abszuschneiden. Derzeit ist Version 7 aktuell, doch viele Websites arbeiten noch erfolgreich mit Drupal 6. Nummer 8 steht schon in den Startlöchern – und die Migration zwischen den Systemen kann extrem hakelig sein, da sämtliche Plugins/Module umgeschrieben werden müssen.

Ansonsten habe ich in Drupal immer noch am meisten Vertrauen, was Stabilität und Flexibilität angeht. Es ist zwar immer kompliziert, aber letztlich kann man mit Drupal jede Art von großen Brötchen backen. Als Richtwert setze ich gerne die magische 10.000-Euro-Grenze an. Erst ab diesem Budget für die gesamte Website lohnt es sich, die große Keule namens Drupal auszupacken. Falls das jedoch möglich ist, kann man tolle Dinge anstellen, denn Drupal kommt spielend leicht mit großen Datenmengen zurecht: Viele tausend Einzelinhalte, die in beliebiger Struktur in Form von Seiten, Tabellen oder anderen Auflistungen frei platziert werden können, quer über die Website verteilt und mit hunderten von Benutzern (falls gewünscht). Angeschlossene Foren, multiple User-Blogs, externe Datenströme, Redaktionsworkflows, Mehrsprachigkeit, Baukastenlayouts… Drupal kann alles! Aber es ist oftmals umständlich, es sauber und mit schlankem HTML-Code einzurichten. Wenn die Kiste jedoch einmal läuft, gibt es verhältnismäßig wenig Schwierigkeiten. Bis zum ersten Major-Uprade.


Es gibt jedoch eine Reihe von Systemen, zu denen wir inzwischen nicht mehr raten würden, obwohl wir früher viel und gerne mit ihnen gearbeitet haben:

Viel wurde versprochen, kaum etwas wurde gehalten. Die monströse Basis-Installation mit vielen tausend Einzeldateien, das superträge ExtJS-Backend, die völlig verkopfte und kaputte Rechteverwaltung, die überdimensionierte Package-Verwaltung, das umständliche Bearbeiten von Inhalten. MODX Revo ist aus meiner Sicht ein Fehlschlag: überkomplex, theoriegetrieben und praxisfern. Alle Kritikpunkte aus dem Jahr 2011 sind immer noch gültig – es hat sich kaum etwas getan.

Grundsätzlich immer noch ein feines CMS, welches es verdient hätte, dass man ernsthaft weiter daran arbeitet – inzwischen gibt es ja nur noch winzige, kosmetische Updates. Man könnte ProcessWire als den legitimen Nachfolger von MODX bezeichnen. Interessanterweise habe ich bei meinen noch aktiven Evo-Kundenwebsites insgesamt weniger Bauchschmerzen als bei den Revo-Kundenwebsites. Neue Projekte würde ich allerdings trotzdem nicht damit anfangen – zu wenig aktuelle Weiterentwicklung ist hier zu erwarten.

Alles hat seine Zeit. Textpattern ist immer noch ein okayes Blogsystem für Liebhaber, und für die eine oder andere kleinere Website verrichtet es seinen Dienst. Aber der Zahn der Zeit macht nicht halt, und Textpattern hat sich seit Jahren nicht mehr weiterentwickelt. Ruhe in Frieden!


Bleibt noch die lange Liste von Systemen, die wir nicht so genau kennen, zu denen ich deswegen erstmal kein negatives Urteil fällen möchte. Einige von den genannten Systemen sind aber nicht ganz ohne Grund hier unten gelandet – bei anderen mag das anders sein :-)

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