Das Weblog kann Spuren von Apple-Begeisterung enthalten.

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Designmäßig zwar Off-Topic, aber aus medienkritischer Sicht trotzdem passend hier im Blog: Ich frage mich, wie authentisch die Livetabelle bei der Castingshow »Unser Star für Baku« tatsächlich ist. Und das aus mehreren Gründen:

  1. Da ich eine Zeitlang fürs Fernsehen gearbeitet habe, weiß ich, dass man dort nichts gerne dem Zufall überlässt und überall betrügt, wo man kann und darf.
  2. Die letzten Minuten und Sekunden der USFB-Abstimmungen sind mir eine ganze Spur zu spannend und zu gut getimed. Soviel Glück, so oft hintereinander? Wie realistisch ist das?
  3. Die Tabelle hat sich die ganze Show über relativ gleichmäßig immer wieder bewegt, wo man normalerweise erwarten würde, dass sie sich spätestens nach Ende des letzten Gesangs-Acts stabilisiert.

Wenn ich lange Autobahnfahrten absolvieren muss, beobachte ich gerne die Durchschnittsgeschwindigkeit im Bordcomputer. Da tut sich nach eine Stunde nicht mehr viel. Und wenn man dann ein paar Minuten lang mal Stop & Go fahren muss, dauert es erstaunlich lange, bis man beispielsweise die 100 km/h Durchschnitt wiederunterschreitet. Rein gefühlsmäßig: Die Votings müssten sich schneller auf ein stabiles Level einpendeln, und davon nicht mal so eben ruckartig abzurücken sein.

Nun kann man Mutmaßungen anstellen:

  • Eventuell werden gar nicht alle Stimmen seit Votingbeginn komplett kumuliert?
  • Eventuell werden ja nur die letzten 5 Minuten oder 30 Sekunden als Basis herangezogen? Oder eine unbestimmte Zeitspanne, abhängig vom aktuell vorherrschenden Grundrauschen an Stimmen? Eventuell immer die letzten 1000 Stimmen?
  • Eventuell auch eine Mischkalkulation aus echten Stimmen und gewissen dramaturgischen »Dehnungen«. Zeit soll ja relativ sein… (Das Endergebnis kann dann ja ruhig vom ESC-Notar überprüft werden, aber die Zwischenwerte lassen sich locker ein wenig spannender in Szene setzen als sie tatsächlich sind.)
  • Oder aber – und das wäre eine sympathische Theorie – die Anzahl der Anrufer steigt immer dann extrem an, wenn die Tabelle sich zu stabilisieren droht (weil Fans der unterlegenen Künstler vermehrt gegensteuern wollen), und steigt insgesamt im Laufe des Abends linear an (um die bisherige Kumulation zu übertreffen), und wird gegen Ende des Votings tatsächlich exponentiell, und ist damit auch nach drei Stunden ständigen Addierens noch in der Lage, die Stabilität der Tabelle aufzubrechen.

Diese Tabelle! Ein interessantes, fast lebendiges Objekt. Der eigentliche Star der Sendung. (Man sollte die Blitztabelle nach Baku schicken, um dort aufzutreten. Als Band könnten Die Märkte fungieren.)

Ich meine: Wenn man schon auf maximale Voting-Transparenz setzt (was ich begrüße!), sollte man noch deutlicher erklären, wie es zu den ungewöhnlich spannenden Instabilitäten – gerade gegen Ende der Show – kommt. Eventuell sollte man die Entwicklung der Gesamtanruferzahlen auf einem Zeitstrahl abbilden. Keiner erwartet absolute Zahlen. Aber viele erwarten eine Erklärung für die wiederholte dramaturgische Punktlandung: Einfach nur gutes Konzept und ein bisschen Glück? Oder wird nachgeholfen?

(Statistiker und Spieltheoretiker würden – wenn sie irgendwann mal die Rohdaten der Votings bekämen – in Freudentränen ausbrechen. Sie könnten dann riesige selbstregulierende Systeme in Reinkultur analysieren, die relative Annäherung der Gesamtstimmen zum Ende einer festgelegten Zeitfrist. Spannender Stoff!)

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Wochenlinks

30. Januar 2012

Netzfundstücke vom 23.01. bis zum 30.01.:

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Beim medientheoretischen Podcast Stimmen der Kulturwissenschaften war ich neulich zu Gast und erzähle aus den Anfangstagen des Podcasting. Bisserl Technik, bisserl Kultur – eine entspannte gute halbe Stunde zum Hören. Viel Spaß!

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Herzliche Einladung zum Jubiläum!

Seit Ende Januar 2011 werden in den Räumlichkeiten der Frankenhalle (Veitshöchheimer Straße 14) moderne Arbeitsformen gelebt: Vor einem Jahr öffnete der erste Coworking Space in Würzburg seine Pforten und bietet seitdem interessierten Medienschaffenden einen spannenden Arbeitsplatz sowie einen beliebten Treffpunkt für den informellen Austausch. Mehrmals im Monat finden außerdem Branchentreffs und Fortbildungsveranstaltungen der (unter)fränkischen Medienszene statt. Übersicht der vergangenen Events: http://www.coworking-wuerzburg.de/termine/vergangenes

Das einjährige Jubiläum von »CoWoWue« muss gefeiert werden, und das wollen wir mit dem 12. Webmontag tun – einer konstant populären Veranstaltung, die natürlich seit geraumer Zeit in den Coworking-Räumen stattfindet. Beim Webmontag gibt es interessante und stets praxisnahe Kurzvorträge, meist aus den Bereichen Social Media, Informatik, Medienproduktion und Journalismus. Wir laden Sie ein, mit dabei zu sein:

12. Webmontag & Coworking-Jubiläum
am 23. Januar 2012, ab 19.00 Uhr
Veitshöchheimer Straße 14

(Optionale) Anmeldung auf folgenden Websites:

Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

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Im Grunde kann niemand einen wirklich ausführlichen Praxistest eines E-Book-Readers schreiben, wenn die Autorin oder der Autor nicht mindestens einen mittellangen Roman oder ein prosalastiges Sachbuch unter realistischen Bedingungen damit gelesen hat.

Von daher kommen hier, etwas später als anderswo, meine Erfahrungen mit dem Kindle 4 (auch 99-Euro-Kindle genannt). Gleich vorweg: Ich mag das Ding, wenn es auch viele Schwächen hat.

Die Hardware ist vor allem eins: angenehm leicht. Bei kaum einem elektronischen Gerät ist mir das Gewicht wirklich wichtig. Ich bin meist eher der Vertreter der »Gewicht steht für Qualität«-Fraktion. Doch bei E-Book-Readern muss man einfach eine Ausnahme machen. Hier ist geringes Gewicht Trumpf! Man kann den Kindle locker zwischen zwei Fingern oder in einer Hand halten; auch den Screen zu betatschen ist für das Erreichen einer angenehmen Lesehaltung nicht Tabu (es ist ja kein Touchscreen!), so dass man sich nach ein paar Stunden Lesezeit seine drei oder vier Lieblingspositionen zurechtgelegt hat, die man dann unbewusst durchwechselt. Ist ja beim Taschenbuch nicht anders.

Überhaupt Taschenbuch! Das Kindle-Leseerlebnis ist eher ein Ersatz für das Taschenbuch statt für das Hardcover. Die Kindle-Hardware wirkt etwas billig (aber nicht schäbig), das Format und das Gewicht sind handlich und praktisch. Die Umblättertasten sind zunächst gewöhnungsbedürftig, weil sie untereinander angeordnet sind, und zwar sowohl links als auch rechts. Normalerweise würde man denken, dass links zurück, und rechts weiter platziert wäre, doch dem ist nicht so. Die Verarbeitung der Blättertasten ist so lala und könnte sich definitiv hochwertiger anfühlen. Doch immerhin ist das Klickgeräusch angenehm leise und weckt schlummernde Zweitpersonen nicht auf. Seltsam ist, dass man die Tasten aus einem bestimmten 45-Grad-ähnlichen Winkel drücken muss, damit sie reagieren. Man denkt bald nicht mehr drüber nach, aber komplett intuitiv ist das zunächst nicht.

Die Software-Ergonomie in der Menüführung und beim Stöbern ist ganz allgemein nicht komplett perfekt durchdacht. Als Apple-User fühle ich mich da schon ein wenig unwohl. Gleichzeitig bewegt man sich ja nur einen Bruchteil der gesamten Nutzzeit in den Menüs, und letztlich kommt man schon irgendwie zurecht. Alles, was mit Texteingabe zu tun hat (WLAN-Passwort, Anmerkungen, Shop-Suchen) sind naturgemäß eine große Katastrophe, aber das ist der fehlenden Hardwaretastur und/oder dem fehlenden Touchscreen geschuldet. Immerhin ist es überhaupt möglich, mit dem Gerät autark zu agieren (iOS 1-4 konnte das ja nicht!), aber das Einkaufen ist definitiv bequemer, wenn man es auf dem heimischen Rechner oder dem iPhone macht.

Kommen wir zu einem der interessantesten Punkte für mein anspruchsvolles Publikum: Die Lesbarkeit. Die ist nicht eindeutig als gut oder schlecht zu bezeichnen, hängt sie doch von mehreren Faktoren ab.

1) Darstellungsqualität. Die entspricht gefühlt einem mittelmäßigen Taschenbuchdruck. Ich habe schon miesere (englische) Taschenbücher gesehen, die katastrophale Verschmierungen und Unregelmäßigkeiten aufwiesen. Hochwertige deutsche Taschenbücher hingegen sind deutlich sauberer bedruckt. Das E-Ink-Display des Kindle ist in den Feinheiten manchmal ein wenig rumpelig, aber nach anfänglichem Eingrooven fallen die Pixel nicht mehr ins Gewicht und man genießt die ruhige und nicht-strahlende, nicht-flackernde Darstellung. Das passt. Der kühle neutrale Grauton des Fonds wirkt für den eingefleischten Papierleser etwas ungewohnt – Taschenbuchpapier hat zumindest auf dem deutschsprachigen Markt üblicherweise eine etwas gelblichere Tönung – aber auch das ist reine Gewöhnungssache und nicht von grundsätzlichem Nachteil. Der Kontrast ist auf jeden Fall angenehm gewählt und bei ausreichender Beleuchtung gut zum Lesen geeignet.

2) Satzqualität. Hier leider keine positiven Nachrichten! Der Kindle versucht sich wie viele andere Lese-Applikationen am (fatalen) silbentrennungslosen Blocksatz, was überhaupt nicht gut geht. Es geht sogar so schlecht, dass bei solchen Zeilen, wo die Löcher zwischen den Wörtern zu groß wären, der Blocksatz für diese eine Zeile ausgesetzt wird. So sehen wir also Seiten, bei denen von insgesamt 26 Zeilen nur 17 Zeilen tatsächlich im Blocksatz stehen. 7 Zeilen sind künstlich verkürzt, weil die Löcher zu groß wären, und 2 Zeilen sind aufgrund von Absatz-Enden kürzer. (siehe Bild)

Dazu kommen hässliche Fehler in den E-Books, wie im obigen Beispiel die doppelten Leerstellen nach Gedankenstrichen, und auch die unschöne Platzierung von Fußnoten. Das sind alles Sachen, die über Software-Updates meines Erachtens relativ leicht behoben werden können. Mittels Silbentrennung ließe sich ein annehmbarer Blocksatz realisieren, und eine Option zum Ein- und Ausschalten des Blocksatzes dürfte eigentlich auch nicht fehlen. Schade, dass auch hier die englische Sprache der einzige Maßstab zu sein scheint; Unsere deutschen Wörter sind halt nunmal länger, lassen sich aber prinzipiell gut automatisch trennen, wenn man denn wirklich wollte!

3) Schriftwahl. Auf dem Kindle findet man nur drei Schriften: Eine moderne, screenoptimierte Serifenschrift ohne Schnörkel, die gleiche Schrift in schmal, und eine helveticaeske Serifenlose. Zum Lesen sind die alle gut geeignet, da gibt es nichts zu meckern. Ein bisschen mehr Auswahl hätte jedoch wohl nicht geschadet. Gerade eine etwas historischer angehauchte Antiqua hätte als zusätzliche Option nicht geschadet.

Fazit

Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich auf dem iPad einen kürzeren Roman gelesen, und bin dann an Frank Schätzings »Limit« gescheitert – zu anstrengend der selbstleuchtende Bildschirm und zu schwer und unhandlich zum entspannten Rumlungern. Und natürlich die Akku-Problematik! Der Kindle muss nur alle paar Wochen aufgeladen werden, was den Umgang damit extrem erleichtert. Es ist eine komplett andere Gerätekategorie. Die Auswahl an deutschen E-Books ist ganz okay, wenn auch lange nicht vollständig. Und wenn man – wie ich – so langsam in die englischsprachige Literatur einsteigt, ist es sowieso praktisch: Englische E-Books kosten nämlich oftmals nur ein Bruchteil dessen, was man im deutschen Handel für das entsprechende Taschenbuch ausgeben würde.

Insofern freue ich mich über mein neues, leichtes Lesegerät, mit dem ich aufgrund des Preises nicht allzu sorgsam umgehen muss (Lesen in der Badewanne erfolgreich praktiziert!), und dass sich als treues, unprätentiöses Arbeitspferd erweisen könnte. Und hoffentlich mit ensprechenden Software-Updates auch noch ordentlichen Satz lernt!

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Twitter: @gerritvanaaken

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Auf praegnanz.de gibt es keine Kategorien oder Tags. Manchmal fasse ich aber mehrere Artikel zu einem Special zusammen:

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