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Meine zerstörte iCloud-Mediathek

Gerrit, 05.07.2015

Meine iTunes-Bibliothek ist ganz schön alt. Ich stamme ja noch aus einer Generation, die mit dem Mantra „Rip. Mix. Burn.“ etwas anfangen konnte. Meine iTunes-Musiksammmlung besteht seit 2001 und hat seitdem alle Versionen von iTunes mitgemacht, wurde also schon ca. ein Dutzend Mal beim ersten Start einer neuen iTunes-Version „aktualisiert“, wie es so schön heißt.

Sie enthält allerlei digitale Kuriositäten aus den unterschiedlichsten Quellen. Die unorthodoxeste Form, wie ich an eine Handvoll digitaler Privatkopien gekommen bin, dürfte Megaradio gewesen sein. Wer kennt es noch? Eine Zeitlang wurde der Videotext-Datenstrom von NBC GIGA für das Streamen von MP3-Daten missbraucht. Mit einer TV-Karte am PC und einer entsprechenden Software konnte man mitschneiden und die mies komprimierten Musikstücke bei sich abspeichern.

Genug der Nostalgie. Mit der Software iTunes war ich, wie viele andere auch, in den letzten Jahren immer unglücklicher. Das lag vor allem daran, dass Apple nicht mutig genug war, die drölfzig Bestandteile, die iTunes auf dem Mac in sich vereint, aufzutrennen und separat weiterzuentwickeln. Im Grunde hätte man schon vor einigen Jahren getrennte Apps für den Store, die Videos und so weiter bauen müssen, wie das unter iOS ja geschehen ist. iTunes auf dem Mac ist überladener Schrott. Doch das Gegenteil ist passiert: Auch das neue Apple Music ist noch in iTunes 12 reingeflascht worden und verrichtet dort als eine von zwanzig weiteren Funktionalitäten seinen Dienst.

Ich mach das ja immer alles mit, ich bin so. Ich habe vor vier Jahren bei der Einführung von iTunes Match die Gelegenheit genutzt, meine Musiksammlung komplett in die Cloud zu laden, um sie ohne umständliches Kabelgesynce auch auf anderen Macs und meinem iPhone hören zu können. Nebenbei wurde die Klangqualität meiner abenteuerlicheren MP3s aufgewertet – auch nicht schlecht. Und iTunes Match funktionierte so gut, dass ich nach kurzer Zeit die Originaldateien von meinen iTunes-Bibliotheken gelöscht hatte, um Platz zu sparen. Das war risikoreich, aber es hat funktioniert. (Hinweis: Man soll Clouddienste nicht als Backup verstehen! Warnung! In diesem Falle hat es aber geklappt.)

Irgendwann letztes Jahr wurde mir iTunes Match zu teuer, und ich habe zwei Dinge gemacht: Alle Stücke von der iCloud wieder lokal in iTunes zurückgespielt, und dann alles zu Google Musik geschoben, weil dies kostenlos ist. Hat auch gut funktioniert!

Und zu meinem Glück habe ich dann vergessen, die Musik wieder aus iTunes heraus zu löschen! Zu. meinem. Glück. Nun hatte ich meine alte Musiksammlung wieder offline in iTunes, mit allen Kuriositäten, einmal durch iTunes Match gespült, und halbwegs intakten Playcounts, obwohl mir diese gar nicht so wichtig sind wie manchen anderen Nutzern.

Wir spulen in die Gegenwart vor: Ich melde mich vor einigen Tagen bei Apple Music an, um einerseits den Streamingdienst und beats1 auszuprobieren, andererseits natürlich die iTunes-Match-ähnliche Funktion wieder zu bekommen und meine gute alte Musiksammlung abermals in eine Cloud zustecken. Diesmal unter dem Namen „iCloud-Mediathek“. Mit dieser hatte ich im Rahmen der neuen Fotos-App insgesamt gute Erfahrungen gemacht, auch was das Syncing angeht. Allerdings habe ich bei „Fotos“ große Vorsicht walten lassen, was die Übertragung und die Umstellung meiner alten iPhoto-Bibliothek angeht.

Was soll ich sagen? Die Umstellung auf iCloud-Mediathek für Musik war eine absolute Katastrophe. Während viele Nutzer von vereinzelten falschen Coverfotos berichten, hat es mir fast die gesamte Struktur meiner Songs, Künstler, Alben, Cover und Verfügbarkeiten zerhäckselt:

So stelle ich es mir vor, wenn einer die Datenbank-Einträge einer Musiksammlung einmal mit einem Zufallsgenerator durchwürfelt. “The Truth is in the Cloud”, sagte Steve Jobs einmal über das Konzept des neuen iCloud. Lächerlich. “The Truth is in the Time Machine Backup” trifft es hier eher! Deshalb habe ich jetzt die Musik-iCloud komplett leergemacht, auf allen Geräten ausgeschaltet, die ganzen lokalen Bibliotheken gelöscht, und werde am Montag die alte iTunes-Bibliothek aus dem Backup wieder importieren. Allerdings vorsichtshalber nicht mit der offiziellen XML-Library-Datei, sondern wirklich die nackten Musikdaten manuell in iTunes lokal reinziehen. Mal sehen. (Wie gesagt: Playcounts interessieren mich kaum)

Was habe ich falsch gemacht?

Diese Frage sollte nicht nötig sein, denn natürlich ist Apple schuld, die Idioten! It just works, richtig? Dennoch trifft mich eine gewisse Mitschuld, denn ich habe mich durch die positiven Erfahrungen mit iTunes Match und der Fotos-Mediathek blenden lassen. Ich habe in kurzen zeitlichen Abständen drei Macs und drei iOS-Geräte auf die neue Musik-Cloud losgelassen, ohne jeweils abzuwarten, dass die Übertragung der Titel komplett und integer verlaufen ist. Kaum schien es komplett zu sein, habe ich die lokalen Dateien gelöscht. Aber da war es schon zu spät, und die “Wahrheit”-Version aus der Cloud war verhunzt und hat alle ans Ökosystem angeschlossenen Geräte infiziert. Die Bibliotheken von 6 Geräten haben sich gegenseitig kaputt gesynct.

Deshalb meine empfohlene Sicherheitsmethode beim Umstellen:

  1. iCloud-Mediathek noch nicht aktivieren, auf keinem Gerät.
  2. Eine sichere Offline-Version der Mediathek auf einem Mac erstellen oder sicherstellen, dass sie existiert.
  3. iTunes Match abschalten, falls vorhanden, auf jedem Gerät.
  4. Die in 2) erstellte Offline-Mediathek auf einem externen Datenträger backuppen.
  5. iCloud-Mediathek auf dem Mac von 2) aktivieren und alle Titel hochladen/erkennen lassen. Das kann dauern.
  6. Überprüfen, ob die gesamte Mediathek in der Cloud vorhanden ist, aber zunächst noch nicht lokal die Dateien löchen.
  7. Die Sache ein bis zwei Tage ruhen lassen. (Nur zur Sicherheit, eher Voodoo.)
  8. Auf allen anderen Geräten (am besten nacheinander!) die jeweiligen lokalen Mediatheken komplett löschen und im Anschluss die iCloud-Mediathek aktivieren und warten, bis alle Titel erscheinen und streambar sind. Anzahl der Titel vergleichen!
  9. Erst jetzt, wenn der initiale Sync abgeschlossen ist und alle Apps zur Ruhe gekommen sind, kann man wohl gefahrlos Titel zur Mediathek hinzufügen – entweder von Apple Music aus, oder als manueller Import von Dateien.

Weiterlesen

Seriöse und klare Informationen zu den iCloud-Mediathek/iTunes-Match-Grundlagen liefern dieser beiden Artikel bei iMore:

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Drittes Buch zur Webtypografie im Anmarsch

Gerrit, 24.06.2015

Nach meinem eigenen, inzwischen leicht angestaubten Buch über Webtypografie, hat sich vor einem Jahr auch mein amerikanischer Bloggerkollege Jason Santa Maria des Themas angenommen, im Rahmen von A Book Apart.

Nun folgt noch ein Kollege von der Insel, in diesem Falle Richard Rutter – auch bekannt von clagnut.com –, und bittet bei Kickstarter um 12.000 Pfund für ein weiteres (englichsprachiges) Werk zum Thema. Hier das Pitchvideo:

Zum Kickstarter-Projekt

Funfact: Richard Rutter hat mir vor 11 Jahren dabei geholfen, die EM-Einheit in CSS zu verstehen.

(via Typography.guru)

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Javascript Toolsammlung

Gerrit, 19.06.2015

Notiz: Hier der aktuelle Stand an empfehlenswerten UI-Frameworks, wie wir ihn aktuell nach Bedarf einsetzen.

Ach ja, jQueryUI gilt es zu vermeiden, wenn irgendwie möglich!

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„Sans Francisco“: Zwei Schriften, sie alle zu knechten (update)

Gerrit, 11.06.2015

Es hat sich herumgesprochen, dass Apple nach einem kurzen Ausflug ins Helveticaland nun alles auf eine Karte setzt, was die Systemtypografie angeht: Die bei der Apple Watch eingeführte Schrift San Francisco soll es nun auch unter iOS und OS X richten und das Helvetica-Disaster wieder gut machen.

Gute Idee! Doch so ganz einheitlich ist die Lage derzeit nicht: Unter iOS 9 und OS X El Capitan kommt nämlich (zumindest in den Beta-Varianten) eine modifizierte Version der Uhren-Frisco zum Einsatz, die etwas bauchiger und gänzlich ohne linear-vertikale Linienführung im o und e auskommt. Es ist die Lilo & Stitch-Version der San Francisco (gell, Timo?), und fällt darüber hinaus einen Hauch größer aus – bei gleichem nominellen Schriftgrad:

Sans Francisco im vergleich

Grundsätzlich ist es um die Einzigartigkeit und Charakterstärke der Sans Francisco eher so mau bestellt – vergleichbare Schriften sind absolut nichts Neues, und insbesondere Google hat bereits seit den beginnenden Zehnerjahren mit der Roboto eine verdammt ähnlichen Schriftfamilie am Start, die kontinuierlich weiterentwickelt und ebenfalls auf allen erdenklichen Anwendungen und Systemen zum Einsatz kommt.

Ähnlich wie die Roboto vermischt auch die San Francisco Elemente des modernen Klassikers Univers (1957, Adrian Frutiger) mit Elementen der DIN-Schrift (1926, Ludwig Goller), die insbesondere als FF DIN (1995, Jan-Albert Pool) und etwas später als DIN Next (2009, Akira Kobayashi) in typografischen Kreisen Furore machte.

Im Grunde nichts Neues also: bewährte neutralstmögliche Grotesk-Kost, die jedoch mit Liebe zum Detail für moderne Screens optimiert wird. Wie gut die „Sans Francisco“ unter iOS und OS X tatsächlich funktionieren wird, muss man über einen längeren Zeitraum ausprobieren; Apple ist sicher motiviert, hier weitere Verbesserungen anzubringen. Auf den ersten Blick wirkt mir das auf dem iPhone jedoch alles ein wenig zu rund und lieblich – die unmodifizierte Watchversion wäre wohl einen Hauch prägnanter gewesen. Wir werden sehen, ob sich das bis zum Release im Herbst noch ändert!

Update am 13. Juni:

Apple zeigte auf der WWDC in Form eines exzellenten Vortrags des hauseigenen Schriftentwerfer Antonio Cavedoni (hier die Videoaufzeichnung) dass meine obige Analyse grob zutrifft, und was grundsätzlich technisch und gestalterisch hinter der SF steht. Extrem sehenswert, auch für nicht-eingefleischte Typografen!

Darüber hinaus lassen sich die beiden Schriftfamilien nun auch offiziell herunterladen. Vom ungezügelten Einsatz der Fonts im Rahmen von kommerziellen Projekten rate ich aus rechtlichen Gründen derzeit jedoch noch ab!

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Meine praktische Streamingwelt

Gerrit, 20.04.2015

Ich glaube um das Jahr 2007, als das iPhone vorgestellt wurde und der iPod noch sehr populär war, dämmerte es vielen, dass man in Zukunft möglicherweise nicht mehr alle Daten für das persönliche Entertainment ständig mit sich herumschleppen würde. Das Internet würde es wohl richten, dass man auch auf einem mobilen Gerät mit nur 8GB oder 16GB Speicher alle Songs und alle Filme angucken könnte, die man besitzt. Allein die schlechte UMTS-Verbreitung und die grotesk überteuerten mobilen Datentarife standen uns noch im Wege – und natürlich entsprechende Cloudservices, die damals ja noch nicht so hießen, und die heute auch eher Streamingdienste heißen.

Einige Jahre später sind wir so einigermaßen angekommen. Nicht alles ist perfekt, aber im Jahre 2007 hätte ich den jetzigen Zustand meiner Entertainment-Welt für die verdammte Zukunft gehalten! Ähm, ja. Willkommen in der Zukunft, 28-jähriger Webdesign-Blogger!

In den letzten Monaten habe ich mich auf vier interessante Dienste eingeschossen, um meine SSD-Kapazitäten zu schonen und den allgegenwärtigen Zugriff auf Unterhaltung zu ermöglichen. Los geht’s mit

Kommerzieller Musik

Die vielen Musik-Streaming-Dienste am heutigen Markt sind beinahe nicht auseinanderzuhalten, aber immerhin existieren sie, sind bezahlbar (8–10 Euro im Monat), und haben alle ein mehr oder minder identisches Gesamtrepertoire. Die Künstler verdienen kaum Geld mit ihnen, aber immerhin mehr als mit Napster 1, schätze ich – und das wahre Geld steckt eh in Konzerten und Merchandising. Von daher fiel meine Wahl auf Spotify, weil sie die ersten ernstzunehmenden Player am Markt waren und weil Jon Hicks die Genre-Icons gemacht hat. Spotify rockt – bis auf die kaputte Integration in RunKeeper, aber das wird noch.

(Ernsthaft: Beim Joggen übers Feld live gestreamte Musik aus dem Internet hören, wie fucking 2015 ist das?)

Abwegige Musik

Nicht alles gibt’s bei Spotify – schon gar nicht selbstgemachte Tunes von früher, und eben auch nicht die Musik von der netten Liveband aus dem kleinen Pub in Cornwall. Aber gerippte CDs, Fundstücke aus den frühen Phasen von mp3.com (wer erinnert sich?), sowie von LP digitalisierte Raritäten von Jean-Michel Jarre überlasse ich ebenfalls nicht der lokalen Speicherung. Als mir iTunes in the Cloud zu teuer wurde, bin ich zu Google Music gewechselt, die eine anständige Browser-App, eine gute iOS-App und kein Speicherlimit besitzen. Hier findet sich all der Kram, der es bisher nicht zu Spotify geschafft hat, wie die seltsame Single „The Visitors“ von Gino Soccio von 1979.

Filme und Serien

Zum Glück ist zwischen 2002 und 2012 genügend gutes Material produziert worden, dass es noch ein wenig dauern kann, bis ich mir mal wieder eine Serie oder einen Film bei iTunes kaufen muss. Die Bewegtbild-Streamingdienste machen’s möglich. Lange Zeit war ich dem Früheinsteiger Watchever treu – doch so langsam ist das für mich leergeguckt, und besonders viel gutes Neues kommt gerade nicht nach, also habe ich derzeit den Plan, noch alles verwertbare auf Prime Instant Video zu konsumieren und dann später zu Netflix zu wechseln, wo ich wiederum meine 10 Euro im Monat investieren werden, um andere Dinge zu gucken. Für Abwechslung ist gesorgt, und solange ein munterer Wettstreit um die aktuellsten und hochwertigsten Deals im Gange ist, bleibt das auch erstmal so. Derzeit kein Bedarf nach illegalen Kopien – ich wüsste gar nicht, wann ich diese gucken sollte!

Private Fotos

Endlich hat auch Apple umgestellt vom seltsamen „Die neuesten Fotos in der Cloud, die alten Sachen auf der Platte“ zum deutlich intelligenteren „Alle Fotos in der Cloud, und die neusten obendrein noch auf dem Gerät“. Mit der neuen Fotos-App auf allen OS-X- und iOS-Geräten habe ich nun endlich Parität auf allen meinen in Benutzung befindlichen Geräten, was die selbstgemachten Fotos und Videos angeht. Finally. Und es klappt echt gut: keine Dubletten, keine Verluste, flottes Scrollen und sichtbares Potenzial nach oben, was die Möglichkeit der Organsiation angeht. Aber zuerst ist mal wichtig zu wissen, dass die iCloud-Fotobibliothek so ziemlich der erste Cloudsync-Dienst ist, den Apple stolperfrei hinbekommen hat. Dafür zahle ich auch meine 4 Euro im Monat, wenn auch ein 50GB-Volumen für mich völlig ausreichen würde.

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