Ein paar Worte zu FontShop und Monotype

Im Grunde der Vollständigkeit halber – denn natürlich sind die Argumente für und wider bereits alle auf dem Tisch. Ich versuche, das ein wenig zusammenzufassen.

Was war die Ausgangssituation? Es gab (zumindest auf dem »westlichen« Markt) genau drei Stellen, an denen man als Designer eine große Vielzahl von professionellen Schriftarten erwerben konnte, die auch von unterschiedlichsten Herstellern kamen: MyFonts, FontShop und Monotype. Alle anderen Schrifterwerbsmöglichkeiten fallen bis heute unter die Kategorie »klein« oder »direkt vom Hersteller« – meist beides zusammen.

Nachdem Monotype im Jahr 2012 den Konkurrenten Bitstream samt MyFonts-Plattform geschluckt hatte, (dann im Jahr 2013 endlich auch namensmäßig mit der 100%-Tochter Linotype fusioniert ist), und nun im Jahr 2014 auch den anderen großen Rivalen FontShop geschluckt hat, gibt es also nur noch einen Konzern, unter dem alle größeren Font-Online-Shops, aber auch viele der wichtigsten Schrifthersteller vereint sind. Man kann sagen, dass nun nahezu alle herausragenden Schriftentwürfe der letzten 60 Jahre exklusiv von Monotype vertrieben werden – zu den eher älteren Exemplaren, die immer schon zum Portfolio von Linotype gehörten (Univers, Frutiger, Syntax, Sabon …) gesellen sich nun die modernen Klassiker mit dem »FF« im Namen (DIN, Meta, Dax, Fago, Trixie …). Müßig zu schätzen, aber bei mehr als 80 Prozent der insgesamt verkauften Vollpreisschriften dürfte jetzt sowohl der Hersteller als auch der Verkäufer ein Teil der Monotype-Familie sein. Wenn das nicht nach Monopol riecht, weiß ich auch nicht.

Ich finde das verhältnismäßig grauenhaft, unter anderem da ich davon ausging, dass FontShop ein gesundes Unternehmen ist. Okay, man hat gemerkt, dass es gewisse Schwierigkeiten gab, als man den bislang technisch unabhängigen deutschen Onlineshop unter fontshop.de auf den amerikanischen/weltweiten Shop unter fontshop.com umziehen musste. Aber für Innovationen wie die FontBook-App fürs iPad oder die verspielte Experimentalwebsite next.fontshop.com hat das Budget immer noch gereicht.

Es macht sich keine Freude bei mir breit. Das liegt, wohlgemerkt, in keinster Weise an den Einzelpersonen, die involviert sind. Ich kenne einige Leute, habe auch schon kleinere Projekte für beide Firmen durchgeführt. Das sind alles nachvollziehbare Entscheidungen und menschliche Reaktionen, darauf will ich nicht hinaus. Natürlich bleibt für den Kunden auch alles beim Alten, wie das ja immer so ist bei Fusionen. Man kennt das. Alles beim Alten.

Was ich persönlich kritisch sehe, ist die inkompatible Unternehmenskultur. Monotype ist eine superseriöse, altehrwürdige und verschwiegene Firma, in der mutmaßlich wenig gelacht, dafür viel Geld mit Enterprisekunden gemacht wird. FontShop ist offen, freundlich und kommunikativ – zum Anfassen und ohne 150 Jahre Druckmaschinentradition im Rücken. Klar, das ergänzt sich. Aber seien wir ehrlich: Wenn die Anzugträger mit dem Geld jetzt die neuen Überchefs sind, kann das für die Hipster doch nicht gut ausgehen.

Was bleibt, ist eine klare Ansage an alle potenziellen Schriftkäufer: Macht es dem Monopol nicht zu leicht und seht euch die Alternativen an. Hierzu vier Ratschläge, die man befolgen sollte:

  1. Gebt angemessenes Geld für Schriften aus und schaut ab und zu über den Google-Fonts-Tellerrand!
  2. Kauft die Schriften direkt beim Hersteller! Viele Schriftentwerfer haben sich das Recht, selber zu verkaufen, beibehalten – hier ein paar Adressen: Process Type, JAF, Typotheque, Emigre, Hoefler&Co, Adobe
  3. Kauft Schriften in (kleinen) Onlineshops, die noch nicht aufgekauft wurden. Hier ein paar Empfehlungen: Fontspring, Font Bros, Veer
  4. Ähnliches gilt für Webfonts zum Mieten oder Kaufen

Ich mag die FontShop-Leute, und ich mag auch die Monotype-Mitarbeiter, die ich kennen lernen durfte. Aber wir sollten gemeinsam für ein Gegengewicht sorgen, damit die nächste Frutiger oder die nächste DIN von einem unabhängigen Schriftentwerfer kommt, der dafür gutes Geld von euch bekommt und sich nicht an Google verschenken muss! Go Indiefonts!

7 Kommentare

This is Jack: So mein Name bei MyFonts bis zum 23. 02. 2018

Über Jahre habe ich dort 3910 Schriftschnitte (lassen sich einfacher zählen als Familien) lizensiert. Mehrere zehntausend Euros fanden so den Weg zu einem Monopolisten, der ein Portal betreibt, mithilfe dessen man Fonts identifizieren lassen kann.

Als deren Mitarbeiter – offensichtlich sind sie sich wegen der Menge der Schriften in meinem Account sicher gewesen, dass es Widerstand meinerseits niemals geben könne und würde und sie sich aufspielen könnten wie sie wollen – zunehmend frecher geworden sind und die HTML-Funktionen im WhatTheFont-Account

This is Jack: Fortsetzung

außer Kraft setzten, die ich zusätzlich mittels Permalinks dazu benutzte, künftige Fonts so zu setzen, dass ich durch das gewählte Aussehen in späterer Folge per einfachem Klick erkennen konnte, wie die Schriftart, für die ich mich interessierte, aussieht, habe ich mich eben doch entschlossen, den Account zu meines Ungunsten vollständig zu löschen.

Narzisstische Mitarbeiter lernen sonst nichts dazu. Meine Empfehlung: nicht bei diesem Kartell zu kaufen!

This is Jack

Hoefler&Co ist der Wahnsinn, wenn’s um Qualität geht;
Zu Adobe: sind die nicht mittlerweile Eigentümer von Fontspring oder zumindest dort eingestiegen? Bei FS hab ich nämlich einen ähnlichen Account. Nicht ganz so wild, aber wild genug, hehe.

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in Google Fonts nützen da leider auch nichts: Schrott bleibt Schrott, auch wenn’s über 81 Millionen Dilettanten nicht bemerken.

Was hab’ ich da bei einer Sonderausgabe der Financial Times Deutschland einmal leiden müssen, als der zuständige Grafiker eine Beilage von über 30 Seiten in der von Google herunter geladenen Exo gesetzt hatte, die ich schließlich mit Natanael Gama gemeinsam verbessert habe. Alle Rundungen sind zum schmeißen gewesen und keinem viel es vorher auf. Auch die ist als Schrott zu bezeichnen gewesen. Die Arbeit zur Otama mit Tim Donaldson, der Sagona von René Bieder, fast allen Fonts von Connary Fagen und dutzenden weiteren Designern (Martin Sommaruga, Ivan Gladkikh, Brian Willson …) verlief oft besser.

Gelernt haben wenige daraus, wie die neue von René zeigt, die er Franca nennt und deren Anführungszeichen besonders der dünnen Schnitte einfach nur eines sind: wieder einmal schrecklich!

http://www.veer.com

Toll! Gibt’s die auch ohne Kanji? Gut das keine Hiragana und Katakana zu finden sind, so weiß ich wenigstens eines, dass es sich um eine chinesische Seite handelt. Dass auch keine Hangul zu finden sind, bestätigt meine These.

Absolut, so ist das:

»… Im Grunde ein einfach zu durchschauender Trick: Bei Google Web Fonts finden sich ausschließlich Schriften mit Open-Source-Lizenz, und <strong>diese kommen in den seltensten Fällen von bekannten</strong > Studios oder < strong >Gestaltern</strong >. Vielmehr sind es junge Talente, Studenten und angehende Schriftentwerfer, die sich auf dieser Plattform einen Namen machen können – so die Idee dahinter. In der Praxis hat das spürbare Auswirkungen …«

Wenigstens ist das fett Gedruckte nun geklärt.

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in Google Fonts nützen da leider auch nichts: Schrott bleibt Schrott …

Hoppla, die sind gemeint gewesen:
http://www.omnibus-type.com

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