CSS-Design – Die Tutorials für Einsteiger

Viel Buch für viel Geld – das scheint für die meisten der Neuerscheinungen, und ganz besonders beim Galileo-Verlag – das Motto der Stunde zu sein. Abermals landete neulich ein 450-Seiten-Wälzer in meinem Briefkasten und wartet nun schon viel zu lange auf eine würdige Besprechung.

CSS Design

(Bild geklaut bei pixelgraphix)

Dabei war sich Webstandards-Kenner Heiko Stiegert schon bewusst, dass man nicht immer bei Adam und Eva anfangen muss: Angenehmerweise verzichtet sein Workshop-Buch auf eine grundsätzliche HTML- oder CSS-Einführung, sondern legt sofort mit Praxiskapiteln los, in denen auf jeweils 15-20 Seiten ein kleines Designbeispiel fachgerecht und Schritt für Schritt in semantisches HTML und modernes CSS verwandelt wird. Der Leser sollte also schon generell wissen, wie HTML und CSS funktioniert und idealerweise schon eigene, einfache Layouts umgesetzt haben. Das Buch soll ihn nun in die Lage versetzen, auch komplexere, pfiffigere Techniken zu lernen und ihn auf frische Umsetzungs-Ideen einschwören.

Insgesamt werden knapp dreißig separierte Designbeispiele gezeigt und erläutert, von der aufgehübschten Datentabelle über eine Tab-Navigation bis hin zu einer Visitenkarte mit Mikroformat-Funktionalität – da ist aus dem üblichen Repertoire der CSS-Techniken fast alles mit dabei, was man als solider Frontend-Coder kennen sollte. Abgerundet wird das Themenfeld mit vier netten Exkursen, in denen dann noch ein bisschen ergänzend ausgeschweift wird.

Eigentlich lässt sich über das Buch nur wenig wirklich Negatives sagen: Es ist sachlich und gut geschrieben, sauber recherchiert und sicher ordentlich getestet. Die Beispiele sind in der Tat meist recht praxisnah, lassen jedoch auch an der einen oder anderen Stelle ein bisschen Kreativität durchblitzen. Vieles erinnert übrigens auch an Webdesign mit CSS von Jens Meiert, an dem ich damals die Ehre hatte, ein wenig mitzuarbeiten.

So richtig begeistern kann mich das Werk jedoch auch wieder nicht, was mitunter daran liegen mag, dass sich wahnsinnig viele Arbeitsschritte immer und immer wiederholen. Fast jedes Designbeispiel besitzt eine Überschrift, und der Autor lässt es sich nicht nehmen, die entsprechenden Stylings jedes Mal exakt zu beschreiben. Das kann man natürlich machen. Aber nach der 5. Headline hat man das Prinzip dann doch begriffen. Ähnliches gilt für viele andere Standard-Elemente, die eigentlich keiner genauen Erläuterung bedürfen. Man hätte sich in jedem der Beispiele auf das eine besondere Element, den einen interessanten Kniff beschränken können. Dadurch hätte man dem Umfang auf die Hälfte reduzieren und das Buch dadurch günstiger machen können!

Heiko Stiegert versucht den Spagat zwischen Anfängern und Fortgeschrittenen, der an genau dieser Stelle krankt: Zum einen sind zwar die vorgestellten Techniken teilweise relativ anspruchsvoll und quergedacht (schlecht für Neulinge), zum anderen werden auch die trivialsten Dinge stets ausführlich dargestellt (nervig für Fortgeschrittene).

Es folgen noch einige ungeordnete Beobachtungen:

  • Die Beispieldarstellungen zeigen abwechselnd und wild gemischt ein großes Sammelsurium an Browsern und Schriftglättungen. Zunächst ungewohnt, aber eigentlich sinnvoll: So wird klar gemacht, dass Pixelgenauigkeit nicht das Ziel sein kann.
  • Es werden an einigen Stellen CSS3-Techniken gezeigt, das ist sehr interessant!
  • Allein die ganzen Zusatz-Kästen auf den Seitenrändern zu lesen, hat selbst mich noch einiges Neues gelehrt.
  • Die gestalterische Qualität der Designbeispiele ist leider wieder nur mittelmäßig bis fortgeschritten und weit von Zen-Garden-Maßstäben entfernt.
  • Mit dem Weglassen des HTML-Head in den Codebeispielen (»Struktur festlegen« & »CSS-Datei integrieren«) könnten noch ein paar Dutzend Seiten gespart werden. Jeder Leser überfliegt doch diese Schritte nur! Hier wird formale Vollständigkeit über knackige Didaktik gestellt, schade.
  • Angenehm: Browserhacks spielen nur eine sehr kleine Rolle. Zu diesem Thema ist ja auch von Dirk Jesse in seinem YAML-Buch alles gesagt worden :-)
  • Anachronistisch: An einer Stelle wurde auf den IE5/Mac Rücksicht genommen, was ich für – nun – unzeitgemäß halte.
  • Die CSS-Codebeispiele sind Platz sparend in zwei Spalten abgedruckt (eine weise Entscheidung, da CSS-Code meist recht kurze Zeilen aufweist.)

Fassen wir zusammen: Wer ein wenig CSS kann, seine Kenntnisse auf ein ordentliches Niveau hieven möchte, Lust auf pragmatische Erfolgserlebnisse ohne Fundamentalismusdiskussion hat und über 40 Euro verfügt, kann durchaus zuschlagen. Wer (wie ich) ungeduldig ist und immer schnell und ohne Umschweife zum Kern einer Sache kommen will, der sollte sich wahrscheinlich gar keine Bücher mit Schritt-für-Schritt-Ansatz kaufen!

Update: Auch Dirk Jesse hat etwas über das Buch zu sagen!

4 Kommentare

Peter

Auch wenn ich als »ambitionierter Anwender« bislang nur einen längeren Blick in das Buch werfen konnte, greift die Rezension doch einige Punkte auf, die mir dabei auch aufgefallen sind.

Sehr positiv finde ich ja immer den Aspekt des »kein Nachschlagewerks«: Für eine bloße Referenz des Befehlsumfangs greife ich dann doch auf das Internet zurück. Die Beispiele hier finde ich dagegen insgesamt praxisnah und gelungen.

Insgesamt würde das Buch dann doch eher als »Einsteiger-Buch«, wenn auch mit deutlichem Praxisbezug, verorten.

Alexandra

Gegenüber diesem Buch kann ich nur meine Empfehlung aussprechen. Ich habe es selbst erst vor kurzem erworben, bin noch nichtmal ganz durch, jedoch kann ich jetzt schon als résumé geben »sehr gut Buch«. Vielleicht sogar ein must-have für jeden der sich damit beschäftigt.

Für mich und meine selbsterworbenen Kenntnisse in diesem Bereich ist es ein idealer Lückenfüller.

Sven

Hallo,

also ich finde das Dirk Jesse Buch nicht schlecht. Aber meiner Meinung nach gibt es noch ein besseres:
Transcending CSS – Neue kreative Spielräume im Webdesign (Broschiert)
http://tinyurl.com/66gm4w
… kann ich wirklich empfehlen!

Webdesign Berlin

Hi,

die Bücher sind tatsächlich okay. Ich habe aber auch immer das Problem, dass die OFFline-Schritt-für-Schritt Tutorials weniger Spaß machen, als online.

Trotzdem eine Empfehlung!

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