Weglassen statt Anreichern

Auch wenn es eine Binsenweisheit ist, man kann es nicht oft genug wiederholen: In einem professionellen Designprozess muss man sich stets die Frage stellen, ob man dieses oder jenes Element nicht doch weglassen kann. Man nimmt so lange Elemente weg, bis das Gesamtdesign auf das Nötigste reduziert ist. Und dann hat man höchstwahrscheinlich etwas sehr prägnantes geschaffen. Oder etwas sehr langweiliges, das hängt dann von der Begabung ab.

Ein schönes Beispiel von der Vorgehensweise beim HTML-Screendesign liefert uns Ryan von 37signals. Ganz ähnlich bin ich übrigens bei der Planung des Loudblog-Backends vorgegangen, meine laienhaften Zeichnungen habe ich aber, im Gegensatz zu Ryan, aufgehoben ;-)

Wie man es nicht machen sollte, zeigt uns ein äußerst amüsantes und kurzweilig geschnittes Video, in dem gezeigt wird, was Microsoft-Designer aus der iPod-Verpackung machen würden, wenn man sie denn ranlassen würde.

9 Kommentare

Heiko

Diese Art und Weise der Enstehung einer Idee und des daraus resultierenden möglichen Designes, finde ich persönlich ideal ( mein Skizzenblog sieht dem Entwurf von Ryan recht ähnlich ;o) ). Viele fangen gleich an Quellcode zu schreiben und sitzen dann später an Änderungen, weil man es durchaus besser hätte machen können. Deshalb hat diese anfängliche Skizzierung eines Layouts durchaus sein Vorteile.

Nick Blume

Der Film ist leider nicht mehr da…

Florian Hardwig

»Man nimmt so lange Elemente weg, bis das Gesamtdesign auf das Nötigste reduziert ist.«

Wie wahr – nicht nur auf dem Screen, auch beim Buchgestalten, zum Beispiel. Und wenn endlich alles prägnant, schön, übersichtlich, logisch arrangiert und sauber gesetzt ist, kommt manch Kunde und sagt: »Sie haben ja überhaupt nix dran gemacht.« Und man fragt sich: Was will er? Ein paar Bildchen (welche?), bunte Farben und Zierat? Wildes ”ºCreativ-Styling”¹?

Da beobachte ich oft ein Unverständnis gegenüber der Tatsache, dass Design zu einem Großteil ”ºnur”¹ aus Entschlacken, Lesen, Ordnen, Hierarchisieren, Durchdenken und nochmals Entschlacken besteht. Ganz einfach; die Form folgt dann eh der Function, ne? Wenn’s nicht grad um Werbung geht, ist Design dann am besten, wenn es nicht störend wahrgenommen wird.

Armin

Der Film, der leider nicht mehr da ist,
ist eigentlich ganz tolles Anschauungsmaterial:
Läßt man sich als Designer zu sehr auf den ‘künstlerisch’ interessierten Kunden und seine ‘kleinen’ Änderungswünsche ein, so kann – wenn man den Prozeß nicht sehr vorsichtig gestaltet – genau das rauskommen
In dem Sinne ist es sehr schade, das der Film weg ist. Hätte das gerne dem einen oder anderen Kunden mal als warnendes Beispiel vorgeführt.

Carsten

Der Film ist doch noch da, sogar in mehrfacher Ausfertigung.

Einfach klasse, das beängstigende ist ja, dass die Microsoft-Verpackungen wirklich so aussehen … Da lob ich mir die Prägnanz von Apples Designern.

Robert

die Microsft sache ist leider nicht mehr unter dem obigen Link zu ereichen aber hier:
http://www.youtube.com/watch?v=aeXAcwriid0&search=microsoft%20ipod

sollte es jeder finden

Tomas Caspers

Dürfen wir die laienhaften Zeichnungen auch mal sehen?

Gerrit

Die kann man in meiner Diplomarbeit bewundern – die Theorie gibt’s hier zum Download ;-)

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