Total einfach zu lesen, Mann!

Weil’s gerade so schön in die schwelende Diskussion um Pixel und em und auch Schriftgrößen passt: Oliver Reichenstein, ein in Japan lebender Schweizer, promotet einen neuen »Standard« (naja), den er 100% Easy-2-Read nennt. Er trommelt für hohe Ausgangsschriftgrade (am besten Browser-Standard mit 16px), kürzere Zeilenbreiten, bessere Zeilenabstände usw. Nichts Aufregendes für geübte Typografen, aber dennoch sehr radikal, weil schlicht groß.

Ich bin auch in der offiziellen Liste von Supportern eingetragen, was mich freut. Obwohl ich gar nicht aktiv gefragt wurde. Aber ist ja für ’ne gute Sache. Und ich unterstütze das inhaltlich auch grundsätzlich, obwohl weiß, dass sich kein zahlender Kunde dieser Welt eine 16-Pixel-Schrift im Netz andrehen lassen wird. Die 14 Pixel von praegnanz.de sind ja vielen schon viel zu groß.

Egal. Davon lasse ich mir meinen Idealismus nicht verderben. Deshalb: Mal durchlesen, bitte! – Groß ist das neue Schwarz.

(via Kilian)

20 Kommentare

Lars Krahl

Gerade abends mag ich es doch, wenn die Texte auf den Seiten größer sind. Hinzu kommt, dass ich recht weit vom Monitor entfernt sitze.
In den meisten Fällen muss ich mit Strg und + nachjustieren – das zerschiesst zwar oft das Layout, aber mir kommt es ja meistens auf die Inhalte an.
Deshalb befürworte ich grundsätzlich große Schrift bei nicht-Grafik-Seiten. So auch hier auf praegnanz. Hier empfinde ich die eingestellte Größe als richtig und angenehm.

Peter

Größer als hier würde ich auch nicht gehen, aber kleiner auch nur wenn es sein muss. Seltsamerweise scheinen die Kunden eigentlich eher auf große Schriften stehen, die Grafiker, der die Seiten entwerfen (die ich dann in Typo3 umsetzen muss), aber eher auf kleine. Sehr begehrt zwischen 8 und 10 Pixel  … also etwa so groß wie in Drucklayut. Ohne zu berücksichtigen, dass der Betrachtungsabstand größer und die Auflösung geringer ist.

nodh

Die Schriftgröße hier ist perfekt, im Kommentarfeld vielleicht ein Pixel zu groß ;)

Stefan

Find ich gut, werde ich auf meiner Page wohl auch machen… Und Oliver Reichenstein meint ja man könne auch 90, 80, … E2R machen, wenn 100 für den Anfang zu groß sind ;)
Ãœbrigens – deine 14px sind genau richtig, ich will ja entspannt vorm Monitor sitzen und nicht mit der Nase darankleben.

Daniel

Ich lese den Artikel minimal anders: Ich verstehe es nicht so, dass man große Schriften benutzen soll. Man soll keine kleinen Schriften benutzen. Eben „100%“ anstelle der verbreiteten „font size=-3“.

Die „100% easy-2-read“ gibt die Schriftgröße nicht vor (bzw. eben „100%“), dadurch erscheint sie beim IE in der Standardeinstellung mit recht großer Schrift (16px?), aber das sei auch in Ordnung so.

Das bestätigt er meiner Meinung nach auch in seinem Kommentar vom 19.11., 9:38:

„1. 100% 1em means default font size. Don’t change it.[...]“

Kann es sein, dass Du Mitte November noch die Default-Schriftgröße hattest und er praegnanz.de deshalb in die Liste aufgenommen hat, nicht wegen der 14px, die Du jetzt hast?

Weiter sagt er im gleichen Kommentar:

„3. Changing font sizes is not an option. No one wants to change font sizes, neither through a key combination, nor through the preferences nor through a CSS bigger button. We all just want to read away. And by keeping the size default, your readers sure will.“

Das lese ich so, dass er meint, es gefällt keinem, wenn man bei jeder Seite die Einstellungen ändern muss. Man sollte die Schriftgröße nie (weil die 16px vom IE seiner Meinung nach passen) oder maximal ein einziges Mal ändern müssen.

Am 5.12, 12:48 sagt er nochmal ausdrücklich: „Note: This is not 16px. It’s 100%.“ Er ist also klar gegen eine explizite Größenangabe. Daher halte ich den Artikel auch für sehr sehr gut. ;-)

Oliver Reichenstein

Daniel,

Kann ich alles genau so unterschreiben.

Wie ich dazu gekommen bin, praegnanz in die Liste aufzunehmen, weiss ich nicht mehr genau, bin aber relativ sicher, dass Dich einer vorgeschlagen hat, den ich fuer Dich gehalten habe.

Ich nehm Dich ungern wieder raus, weil das, was Du hier bietest, wirklich beispielhaft lesefreundlich ist. 14 px sind wirklich schoen zu lesen und gross genug. (Obwohl, wie Daniel bemerkt hat es ja nicht um gross oder px geht).

Standard oder Manifest? Die Italiener von html.it haben mich auch schon »un po pretenzioso« genannt deswegen. Die Sache ist die: Solang es keinen offiziellen serioesen Standard gibt, bleib ich mal dabei, da saemtliche Unterpunkte entweder anerkannte Usabilityregeln (100% Schriftgroesse, kein Text in Bildern) oder typographische Standards sind (Laufweite, Zeilenabstand …). Allein ein Manifest rauszugeben, waer ja nicht viel weniger »pretenzioso«.

Dass ich dabei den einen oder anderen etwas empoer – »wie erfrecht der Grosshans sich da, einfach mir-nichts-dir-nichts Standards zu setzen?!« – ist mir ja ganz recht.

Kilian

Generell sind 100% Font Size am besten Lesbar, bei Deiner Seite ist allerdings zu bemerken, dass die Lucida Grande einfach sehr groß wirkt bei gleicher Punkt-/Prozentgröße wegen der sehr hohen Mittellängen. Du kannst ja mal nur zum Spaß mal auf Helvetica umschalten, und dann wärst Du wahrscheinlich auch eher mit 100% font size zufrieden.

Darum finde ich, wenn man Lucida Grande verwendet ist Dein Schriftgrad ideal. Da muss man halt verschiedene Schriften auch ausprobieren. z.B. wirkt die Palatino auch größer als die Hoefler Text weil sie höhere Mittellängen hat.

lemming

»Don’t tell us scrolling is bad«
Wo er Recht hat. Nur weil mal ein dahergelaufener Usability-Guru gesagt hat »Die Leute wollen nciht Scrollen«, werden wir heute tagtäglich mit »Blättern-Funktionen« auf Internetseiten genervt.

Ich gehe bei n-tv, Netzzeitung, etc. mittlerweile immer gleich den Umwegüber die Druckvorschau.

So ist’s halt, wenn man was kritisiert, ohne Alternativen zu bieten.

Maik

Sinnvoll! Ich haue derzeit bei fast allen Seiten vor dem Lesen zwei bis drei Mal auf Strg-+, weil es sonst einfach unangenehm ist, zumindest größere Textmengen zu lesen.

Scheint mir eine weitere Variante von »Ich entwerfe so, dass es mit meinem Browser und Bildschirm gut aussieht«: Es werden zwar relative Fontgrößenangaben verwendet, weil man irgendwo mal gelesen hat, das sei toll, aber dann diese so gewählt, dass die absolute Größe auf dem eigenen Display passt — und bei niemandem sonst.

Boris

Ich kann da eigentlich nur zustimmen, auch wenn ich mich im Moment selbst nicht unbedingt dran halte. Es ist eine ehrliche leserzentrierte Sichtweise, die im ersten Moment radikal wirken mag. Aber »leserzentriert« zu arbeiten heißt für viele Webworker eben auch: umdenken. Und über Details mag gerne diskutiert werden. Aber es ist ein klarer Anstoß, und nicht einmal der erste seiner Art.

[philosophie]
Früher arbeiteten wir designerzentriert: Der Designer musste sich verwirklicht sehen. Der Auftraggeber (und schließlich der Leser) mussten mit der entstandenen »Kunst« leben oder verschwinden.

Dann auftraggeberzentriert: Der Auftraggeber und der Designer (der zur Selbst-Gefälligkeit die entsprechende Ãœberzeugungsarbeit leisten musste) sahen sich gleichermaßen verwirklicht.

Schließlich gelangten wir zur Webstandard-Konformität. Alles wurde syntaktisch und semantisch korrekt, barrierefrei und maschinenvalidierbar. Alle nahmen es an, weil es moralisch korrekt war.

Vielleicht gelangen wir in Zukunft auch mal in die Nähe der Leser unserer Websites? Und wir nehmen dabei selbstverständlich alle guten Aspekte aus den vorangegangenen Ansätzen mit – dann wird sich womöglich der Kreis schließen.

Denn sind wir nicht alle ein bisschen Leser?
[/philosophie]

Gerrit

Spannend, Boris. Leider ist es so, dass sehr viele Webuser (Die unmündigen vor allem) inzwischen gewohnt sind, wie das Netz üblicherweise auszusehen hat. Kleine Fonts, Kästen, Weiterblättern, »Druck mich«-Buttons. Wer da ankommt und Dinge anfängt, die zwar besser für den Leser sind, dann wird dieser das zunächst trotzdem nicht akzeptieren, weil es zunächst ungewohnt und radikal aussieht. Deshalb dauern solche Paradigmenwechsel immer so scheißelange.

Mike

Eidgenössische Typographie war und ist ein Synonym für gute Lesbarkeit. Dies gilt sowohl für Druckerzeugnisse als auch für den Bildschirm. Der Standard »100% Easy-2-Read« gibt Anlaß zur Hoffnung auf ein besseres, lesefreundlicheres Web, mahnt aber gleichzeitig zur Reduzierung auf das Wesentliche.

Wenn Inhalte einer Website nicht in komprimierter Form wiedergegeben werden können, weil sie zu komplex sind oder sich der Autor einer ausschmückenden Sprache bedient, hilft auch eine größere Schriftart nicht weiter. Auch bei der Formulierung des jeweiligen Textes sollte auf Lesbarkeit und leichte Erfassbarkeit geachtet werden. Sonst verkommt das Ganze zu einer Modeerscheinung die schneller vorüber sein wird, als angenommen.

thomas

www.abtei-gerleve.de ist nicht zuletzt auch durch den mut von gerrit entstanden endlich mal mit zu kleinen und kompress gesetzten texten aufzuräumen. auch wenn die größe, die er hier benutzt da nicht verwendbar war, so ist sie doch deutlich offener gehalten dadurch und lesbarer, wie ich fnde ;-)

typneun

Ganz offen gesprochen steht und fällt das Thema »Lesbarkeit im Web« doch mit den tatsächlich verfügbaren Schriften. Wenn ich eine Website mit Times New Roman in 14 Punkt um die Ohren, Verzeihung, Augen geschlagen bekommen, dann nützt mir auch die große Schrift nichts. Apple-User habens hier mit der Lucida Grande ja noch gut …

Will sagen: die vorhandenen Typomöglichkeiten im Web sind (derzeit) viel zu stark eingeschränkt, um hier groß über Lesbarkeit zu diskutieren. Erst wenn Typografie wirklich ins Web Einzug genommen hat (ich meine keine GIF oder Flash-Sachen), dann hat man auch die Möglichkeiten lesbare Schriften mit angenehmer Größe zu kombinieren. Vorher hat man nur wenige Möglichkeiten: Schrift groß, Design klein – oder beides irgendwie miteinander vermischen …

Retrax

Folgener Leitsatz ist für mich die Quintessenz im Webdesign:

Innovation entsteht durch Reduktion.

Der Webdesigner muss sich fragen, welche Aspekte wirklich relevant sind und welche ihrem eigenen »Flow« überlassen werden können.

Die Schriftgröße gehört zu letzterem, und ist daher nicht vorzugeben. Es ist Sache des Users eine für ihn genehme Schriftgröße einzusetzen.

Der Webdesigner hat dafür zu sorgen, daß die Seite »funktioniert«, egal ob bei großen oder kleinen Schriftvergrößerungen.

Kilian

Gute Typographie steht und fällt NICHT unbedingt mit einer guten Schrift. Auch mit mittelmäßig lesbaren Schriften kann man entsprechendes erreichen, solange man versucht die Mängel, die diese Schriften aufweisen auszugleichen. Und wahrhaft gute Typographie bedarf schon einer grauenhaften Schrift um dennoch schlecht lesbar zu werden.

Ich muß zugeben, auch wenn z.B. Georgia keine besonders elegante Schrift ist, funktionell und sehr lesbar als Bildschrimschrift ist sie allemal (dafür wurde sie auch konzipiert). Ich persönlich bin gar kein Helvetica-Fan, kann diese Schrift also nicht empfehlen, aber die meisten übersehen ein Juwel, das auf ihrer Harddisk schlummert:

Die meisten Webuser haben nämlich Palatino oder einen Clone davon auf ihrem Rechner (unter Windows XP »Palatino Linotype« und unter Win98 die »Book Antiqua« ein Palatino Clone von Monotype, im alten Mac OS war Palatino sowieso mit von der Partie und unter OS X ist sie i.d.R. auch vorinstalliert). Diese Schrift von Herrmann Zapf erfreut sich hervorragender Lesbarkeit und wartet nur darauf von typographisch ambitionierten Web-Designern entdeckt zu werden.

Kai Laborenz

Einfach ist gut. Zumindest, wenn es nicht zu einfach wird. Daher finde ich die Initiative erst einmal gut (auch wenn es mich ein wenig mißtrauisch macht, dass eine Initiative, bei der es um Einfachheit geht, einen Namen wie »100E2R« wählt …).
Die meisten Hinweise kann ich auch gut unterschreiben: Passende Zeilenhöhe, genügend Weißraum, Kontraste, Wahl einer angemessenen (!) Standardschriftgröße, etc.
Die Forderung, auf eine Anpassung der Schriftgröße generell zu verzichten, halte ich jedoch generell für unpraktikabel und meist auch unnötig.
Bei einem Blog-artigen Design geht ja (fast) alles. Wenn jedoch eine Navigation (links) und eine Marginalie untergebracht werden müssen, haben wir bei einer Fensterbreite von 1024Pixel kaum eine Chance. Von kleineren Screens will ich gar nicht erst reden.
Je größer die Schrift, desto eher bekommen wir auch ein Problem mit zu langen Worten – bekanntermaßen gibt es keine Silbentrennung im Web.
Das wird auch der Grund sein (neben der – hm – weniger überzeugenden Optik von Schriften wie Verdana in größeren Punktzahlen), dass es nahezu unmöglich ist, selbst bei aufgeklärten Kunden, solch eine Schriftgröße durchzusetzen.
Nutzer, die eine bestimmte Schriftgröße benötigen, werden dies über die Einstellungen des Betriebssystems oder des Browsers ohnehin erzwingen. Allen anderen ist mit einer plausiblen Wahl der Standardschriftgröße und einer generellen Skalierbarkeit gut geholfen.

Hugo Strange

Diese Philosophie ist sicher ein interessanter Denkansatz, aber es schießt für meinen Geschmack über’s Ziel hinaus.

Usabillity ist natürlich ein sehr wichtiges Thema bei jeglicher Gestaltung, aber mir ist das oft zu religiös geprägt. Gerade Webdesigner sind Fanatiker und jeder hat die Weisheit mit Löffeln gefressen (Pixelschubser == Erbsenzähler).

Letztlich gestaltet man IMMER für bestimmte Menschen, Sehgewohnheiten und Ausgabemedien und deswegen finde ich diesen Ansatz auch noch zu inkonsequent. Der logische nächste Schritt wäre, überhaupt nichts mehr zu formatieren. Es ist für die User am einfachsten und übersichtlichsten, wenn alle Seiten gleich aussehen. Aber wer will denn sowas?

In Seiten hinein zu Zoomen, bzw. die Schriftgröße zu ändern ist ja heutzutage schon Superdau-Knowledge, das macht schon meine Oma. Und wir leben im schönen CSS-Zeitalter, man kann jederzeit auf die Default-Darstellung des Browsers switchen …

Hugo Strange

Und nicht vergessen: Menschen sind unterschiedlich.

Wie oft habe ich mir schon anhören können was Kunden für sinnvoll und Benutzerfreundlich hielten und was ihrer Meinung nach gar nicht ging – um dann spätestens vom Ãœbernächsten das genaue Gegenteil erklärt zu bekommen.

Udo Maslo

Die 14 Pixel von praegnanz.de sind ja vielen schon viel zu groß.
Mir nicht, mit etwas (positivem) Zoom komme ich auf lesbare 12pt. In diesem Sinne schließe ich mich auch als Techniker obigem
Nichts Aufregendes für geübte Typografen, ellipse
betreff 16-Pixel-Programm an.
Gab es zur Schulzeit heutiger Pixel-Schriftgrößen-Fetischisten schon Pisa-Studien?

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