2005 noch nicht reif für sIFR?

Groß war die Begeisterung über sIFR (sprich »Siffer«), als diese automatische HTML-Text-zu-Flash-Filmchen-Technik im Herbst letzten Jahres in der Version 2 debutierte. Vor allem ich war begeistert, öffnete sich doch hier eine ganz neue Welt der typografischen Gestaltung auf Websites. Folgerichtig wurde das Jahr 2005 schnell zum Year of sIFR ausgerufen. Es sollte einer der großen Webdesign-Trends werden, die dieses nun fast vergangene Jahr prägen sollten.

Was ist daraus geworden? Nun, nicht viel. Es gibt zwar einige Beispiele über den gelungenen sIFR-Einsatz, aber die Begeisterung der Massen im großen Stile sehe ich nicht. Angesehene Start-Ups arbeiten sogar lieber mit einer per CSS eingebundenen Myriad Pro, wovon kaum ein Surfer etwas hat. Und Bloghosting-Anbieter schwenken nach einigen Monaten sIFR wieder um zu GIFs und JPGs.

Woran liegt’s? Ich kann mir folgende Gründe vorstellen:

  • Das Einbinden in eine Website ist zwar kein Hexenwerk, aber auch nicht ganz so reibungslos, wie man das sonst von der CSS-Schriftdefinition gewohnt ist: Ein bisschen Rumgefiddel ist stets vonnöten, sonst zerhaut es einem den Umbruch oder den Schriftgrad.
  • Die Rechtefrage ist nicht geklärt. Fonthersteller sehen sIFR zurecht als äußerst kritisch an, denn prinzipiell kann man eine mit sIFR erstellte .swf-Datei als ein neues Font-Format ansehen, wobei die Dateien – von außen sichtbar – auf einem Server herumliegen und daher natürlich sehr einfach geklaut werden können. Auch wenn man die Schrift gekauft hat – die Weiterverbreitung über das Netz ist natürlich nicht erlaubt. Somit fallen eigentlich sämtliche professionellen Schriften flach, wenn man sich lizenztechnisch nicht in die Grauzone begeben möchte.
  • Man fürchtet sich vor der wachsenden Anzahl von Firefox-Usern, die ihren Adblocker zu streng eingestellt haben. sIFR-Headlines werden nämlich hier mit einem kleinen Button versehen, der sie als vermeintliche Werbebanner anprangert. Unschön und nicht im Sinne des Erfinders.
  • Das Handling von Hyperlinks. Vielleicht der einleuchtendste Grund: Die Links funktionieren zwar, aber mit dem rechten Mausklick gibt es Probleme. Und weil es eine weit verbreitete Taktik ist, sich über das Kontext-Menü einen Link in die Zwischenablage zu kopieren, weist sIFR hier echte Defizite auf.

Was auch immer: Ich bin weiterhin ein Fan von sIFR, werde auch bei zukünftigen Projekten immer in Betracht ziehen, damit zu arbeiten, um die typografische Kultur im Webdesign zu fördern. Sollte es ein Facelift von praegnanz.de geben, wisst Ihr also schon jetzt, womit ihr zu rechnen habt!

13 Kommentare

Sebastian Werner

Noch ein Grund:
sIFR ist einfach ein Hack. Und alle die das verstanden haben, stehen der Sache schon kritischer gegenüber denke ich.
Es gibt immer mal wieder ein paar Szenarios, wo native Schriften besser funktionieren. Absolute Positionen, vergrößerte Schrift auf dem Client-Rechner, Paddings, Margins, … leider hat ich bei mehr oder minder komplexen Layouts immer wieder Probleme. Wahrscheinlich gibt es für manches mittlerweile Work-arounds. Aber was solls. Am besten wäre schlicht die Browser würden nativ irgendeine Form der Einbettung supporten (muss ja nicht das .ttf direkt sein).

Martin

Und weder Mittelklick noch Strg+Klick für ein neues Tab funktionieren, verflucht!

Lars Strojny

sIFR ist nun wirklich nix, was man einsetzen möchte. So nett es erscheint, so hässlich ist es.
-Es sieht doof aus. Die Schriften sind meist sehr verschwommen und es es deutlich erkennbar, dass es sich nicht »passt«
-Kein Kontextmenü, etc.
-Kein C&P mit dem dazugehörigen Text
Meine Erachtens muss HTML irgendwas unterstützen, damit man hüsch mit Fonts arbeiten kann. Solange das nicht so ist, kann man eben spezielle Fonts im CSS notieren und darauf hoffen, dass es zumindest ein bis zwei Benutzer sehen.

Arne

Ich schließe mich den hier genannten Nachteilen an:
* Kein Copy/Paste mit dem zugehörigen Text
* Kein Kontexmenü
* Kein mittlerer Mausklick (bei mir öffnen in einem neuen Tab).
* Längere Lade- bzw. Render-Zeit
* Seltsames, steifes Scrollverhalten in meinem Firefox
* Keine Schriftvergrößerung, -verkleinerung mit Browser-Mitteln
etc.
Alles genug gründe für mich, auf den Einsatz zu verzichten. Gerade auch die Ladezeiten und das Scrollverhalten nerven mich als Benutzer ziemlich. Da denke ich schon mal »nicht noch ne sIFR-Seite…«

Hauke Rehfeld

zusaetzlich:
kein Zoom in Opera
kein Mouse-Gestures
gruss hauke

Silke Schümann

Copy&Paste ist vorhanden. Man sollte sich schon mit der Technik auseinandersetzen, bevor man dagegen wettert.
Ladezeiten sind absolut im Rahmen, wenn man es für Überschriften verwendet.
Mehr als die von Gerrit angeführten Gründe, sprechen nicht gegen den Einsatz … vielleicht noch die unzureichende Unterstützung transparenter Hintergründe und dass Flash nicht von anderen Elemeten überlagert werden kann und der Platz entsprechend gerartet sein muss, dass man sIFR problemlos einsetzen kann.

johannes

was ist denn eigentlich an sIFR besser als an der
möglichkeit den inhalt von headline tags (h1, h2 …)
per php als bilder im gewünschten font zu erstellen,
diese an den browser zu schicken und dann per
javascript diese headline-tags mit den generierten
bildern zu ersetzen (ich kenne das »adäquate akronym«
nicht dafür). für alle, die mir nicht ganz folgen konnten
(räusper): http://alistapart.com/articles/dynatext
das kommt mir doch sehr ähnlich vor, doch habe ich mich
mit sIFR nicht wirklich beschäftigt.
man kann halt auch nicht den text markieren und größer
und kleiner machen, aber sonst funktioniert alles wie
erwartet (HTMLig)…

Silke Schümann

sIFR stellt geringere Ansprüche an den Host, das heißt man kann es wirklich fast überall einsetzen.

Jörg Petermann

Habe ähnliche Beobachtungen gemacht und kann mich den Vorbehalten momentan nur anschliessen.

Martin

Copy & Paste funktioniert (mittlerweile) offenbar tatsächlich. Jedoch wird der Flash-Text nicht mit markiert, was den Benutzer verwirren kann.
Zusammenfassend (im Hinblick auf das Verhalten ggü. normalem Text bzw. normalen Links) kann man sagen, dass man mit sIFR eine Menge langwierig durchdachter Browser-Benutzerführung, an die der Benutzer auch gewöhnt ist, über den Haufen wirft.

Martin

Ach ja noch was zu den Ladezeiten:
Ladezeiten sind absolut im Rahmen, wenn man es für Überschriften verwendet.
Das ist ja wohl eine subjektive Angelegenheit. Ich empfinde es jedenfalls als zu langsam. Die Ladezeiten sind vor allem deshalb störend, weil die elementaren gliedernden Elemente – die Überschriften – erst erscheinen, wenn schon einige Zeit der Rest der Seite da ist.

Mark Wubben

Please excuse me for my use of English. While I can understand the post and comments, my German writing skills aren’t very good :)
I’d say sIFR is a technique which is really only suitable to specific use cases — but isn’t that with all techniques? For example,
how many CSS based image replacements do you see? I think that the number of high profile sites which use sIFR show that it indeed has it’s place, and I would call it a success.
Martin, do you have some more background information on the legal reasons not to use sIFR — that is, real case studies? I understand the reasoning, but I haven’t heard any stories about it yet.
Also, exciting times ahead with sIFR 3 !

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