praegnanz.de Das private Weblog von Gerrit van Aaken tag:praegnanz.de,2005:b9374958e211727ae8ae76f7b6521d30 2018-01-02T00:00:00Z Gerrit van Aaken https://praegnanz.de/ Gerrit van Aaken 2018-01-02T00:00:00Z 2018-01-02T00:00:00Z Strukturierte CMS-Textproduktion – eine Typologie tag:praegnanz.de,2018-01-02:d2946b89b18827b605fa9cce4071a7b7 Nicht jeder hat die Zeit, einen meiner 90-Minuten-Vorträge in Gänze anzusehen. Zum Thema CMS gab es diesen Sommer wieder einen entsprechenden Mitschnitt. Umso besser, wenn ich dann mal die Zeit finde, die Essenz meiner mündlichen Ergüsse schriftlich herauszuarbeiten!

Wenn es darum geht, strukturierte Texte zu verfassen und im Rahmen eines CMS fürs Web aufzubereiten, haben wir Webdesigner bisweilen eine harte Nuss zu knacken: Wie bringen wir die technischen und gestalterischen Fähigkeiten (oder Nicht-Fähigkeiten) der Redakteure in Einklang mit dem Wunsch, abwechslungsreiche und spannungsvolle Layouts für die Leser zu erzeugen? Und das Ganze auch noch in responsiver Form?

In den vergangenen knapp 20 Jahren Web-CMS haben sich eine Reihe von Paradigmen entwickelt, wie dies zu handhaben sein könnte. Doch zunächst möchte ich zwischen den zwei extremen Anwendungsfällen unterscheiden, nämlich der Bleiwüste und dem Datenblatt.

Die Bleiwüste

Ein sehr einfach strukturierter Text, der im Grunde nur aus Absätzen, Überschriften, Hyperlinks und vielleicht einer kleinen Bullet-Liste besteht. Keine Bilder, keine Spalten, keine sonstigen Spielereien.

Diese Textart findet sich nur noch recht selten und stellt das geringste Problem dar. Die Redakteure lernen ein paar Brocken Markdown oder bekommen einen sehr stark abgespeckten WYSIWYG-Editor à la CKEditor vorgesetzt und können hier kaum etwas kaputt machen. Die Möglichkeiten zur individuellen Textaufwertung durch interessante Zusatzelemente ist allerdings nicht gebeben.

Als Beispiel mag ein typischer Blogbeitrag dienen, wie er auf Daring Fireball erscheint:

Das Datenblatt

Wenn es nicht um längere Freitexte geht, sondern um eine gewisse Anzahl von immer gleich strukturierten Daten und Metadaten (wie beispielsweise bei einem Shop oder Online-Katalog), so sieht die Eingabemaske im CMS entsprechend kleinteilig aus, wird einmalig vom Webdesigner in der sinnvollsten Form festgelegt und führt zu sehr einheitlich aussehenden Einzelseiten, die sich prima nach den Metadaten filtern und sortieren lassen.

Auf der kürzlich relaunchten Website der Fahrradmanufaktur Velotraum sind solche stark strukturierten Datenblätter zu begutachten:

Umgesetzt wird das alles im Handumdrehen mit individuell zusammengestellten und im Backend arrangierten Feldern in ProcessWire:


Alles dazwischen: Text mit Extras

Alle Inhaltsstrukturen, die zwischen diesen beiden Extremen liegen, bezeichne ich als frei strukturierbaren, reichhaltigen Inhalt. Oder kurz: Text mit Extras.

Und hier wird es erstmals richtig knifflig, denn die Ansichten darüber, wie dieser mittels CMS am besten umzusetzen sei, könnten unterschiedlicher nicht sein.

Über die Jahre habe ich fünf prototypische Ansätze gefunden, die jeweils verschiedene Ansprüche an das Zeitbudget des Webdesigners, die technischen Fähigkeiten des Redakteurs oder die Modernität des CMS stellen:

  1. What You See Is What You Get
  2. Shortcodes
  3. Matrix aus Widgets
  4. Stapel aus Komponenten
  5. Frontend-Editing

Und jetzt gleich nochmal im Detail – legen wir los!

1. What You See Is What You Get

Natürlich sind die WYSIWYG-Editoren im Laufe der Jahre besser geworden, doch ihr Ruf als HTML-Integritätskiller und Designverbrechen-Möglichmacher basiert schon irgendwie auf Fakten. MsoNormal, anyone?

Die ersten paar Jahre mit TinyMCE waren hart, doch ehrlicherweise muss man sagen, dass die Idee genial war, eine für Büromenschen vertraute Word95-Umgebung in das Backend eines CMS zu verpflanzen, um Webinhalte auf die gleiche Weise zu pflegen wie Printdokumente. Die anfänglichen Schwierigkeiten mit kaputtem HTML lassen sich inzwischen über Filter und sinnvolle Konfiguration in den Griff bekommen.

Konzeptionell gibt es jedoch immer noch zwei Herausforderungen. Zum einen das responsive Webdesign; hier trügt nämlich das WYSIWYG-Versprechen: Was man während der Inhaltserstellung sieht, ist nur in ganz bestimmten Sonderfällen das, was man bekommt.

Zum anderen gibt es oft ein gewisses Kompetenzgerangel zwischen Editor und CMS: Wer ist für die Extras zuständig, die den einfachen HTML-Text anreichern sollen: Bilder, Bildergalerien, Querverweise, Infoboxen usw.? Wird dies vom Editor übernommen, so muss dieser extrem individuell für das jeweilige CMS angepasst werden. Im Falle von WordPress geschieht das tatsächlich; den dort verwendeten TinyMCE erkennt man fast nicht wieder.

Kümmert sich hingegen das CMS um solche Extras, so sieht man im Editor meist nur einen Platzhalter, der über andere CMS-Felder mit Inhalt befüllt wird, nicht innerhalb des Editors.

Die meisten CMSe können und wollen sich den Einsatz eines hoch individualisieren WYSIWYG-Editors nicht leisten (insbesondere im Hinblick auf Third-Party-Plugins). Standard-Editoren können aber nur Standard-Aufgaben erledigen, keine fancy Spezialmodule sinnvoll integrieren. Es bleibt meist eine klapprige Lösung!

2. Shortcodes

Wer den Mut zur Abstraktion hat, vor allem aber den Mut, seinen Kunden eine gewisse Fähigkeit zur Abstraktion zuzubilligen, sollte sich überlegen, auf Shortcodes zu setzen. Das sind kryptische Platzhalter innerhalb von (meist mit Markdown) strukturiertem Text, die für die Platzierung der Extras, manchmal auch für kleinere Layout-Fragmente wie Spalten zuständig sind. Eine klassische Bildergalerie könnte dann so eingebunden werden:

## Unser Sommerausflug

Das war eine *ganz* besondere Sache. Aber seht selbst:

[[gallery name="sommerausflug" style="slider"]]

Das Konzept ist aus WordPress bekannt und stellt eine der präzisesten und auch zukunftssichersten Lösungen dar. Präzise deswegen, weil es quasi kaum möglich ist, aus Versehen falschen oder überflüssigen HTML-Code zu erzeugen. Man kann Shortcodes als eine Wortschatz-Erweiterung von Markdown verstehen – es gibt hier keine falschen Verschachtelungen oder leere p-Elemente.

Die Zukuftssicherheit des Codes liegt darin, dass das konkrete HTML, welches beispielsweise die Bildergalerie beschreibt, nicht im Editor lebt und ausgegeben wird, sondern vom Galerie-Plugin erzeugt wird. Wenn sich irgendwann Änderungen ergeben sollten, weil man Bildergalerien im Jahr 2017 anders codet als im Jahr 2025, kann man das global in einem Template ändern und alle Shortcodes sind trotzdem weiterhin gültig. Für den Redakteur ändert sich nichts!

Idealerweise überstehen hinreichend abstrakte Shortcodes sogar Relaunches mit komplett neuem HTML-Frontend, und im extremen Falle wäre sogar ein CMS-Wechsel denkbar. Ein Plugin, um WordPress-kompatible Shortcodes zu parsen und auszuwerten, existiert in jedem vernünftigen CMS.

3. Matrix aus Widgets

Die Lösungsansätze 1 und 2 fokussieren sich auf eine linearisierte Inhaltsbearbeitung, beschreiben also einen im Wesentlichen einspaltig gedachten Textfluss mit gelegentlichen Extras hier und da. Ganz anders die Matrix! Hier steht ein zweidimensionales Layout-Raster im Vordergrund, welches auf einzelnen Zeilen basiert, die wiederum in mehrere nebeneinander stehende Zellen geteilt sein können.

Es gibt eine ganze Reihe von CMS-Plugins, die ein solch freies Layout für Redakteure möglich machen: SiteOrigin Page Builder, WPBakery Page Builder, Grid. Der clevere Deal: Die Matrix kümmert sich nur um das Basis-Layout des Rasters, liefert hierfür ein hoffentlich stabiles und responsive HTML/CSS-Gerüst, für den Inhalt der einzelnen Zellen ist hingeben jeweils ein Text- oder WYSIWYG-Editor zuständig, oder eben ein sogenanntes Widget, wie es insbesondere aus WordPress oder Drupal bekannt ist.

Ein cleveres System, denn man verheiratet hier zwei bewährte Konzepte aus vielen CMSen: Einfache Textverarbeitung (siehe Bleiwüste) und systemweit wiederverwendbare Widgets.

Der Nachteil liegt allerdings auch auf der Hand: Eine frei gestaltbare Matrix verlangt nach einem Gestalter-Auge, wenn es gut aussehen soll. Unbedarfte Redakteure sind mit den Layout-Möglichkeiten leicht überfordert oder setzen die Matrix als Waffe gegen den guten Geschmack ein. Enttäuschungen in Sachen Linearisierung für Mobile sind außerdem vorprogrammiert. Für ansprechende Ergebnisse braucht es Einschränkungen und Leitfäden, die vom erfahrenen Webdesigner vorgegeben werden müssen.

4. Stapel aus Komponenten

Das in den letzten Jahren als sehr innovativ bejubelte Konzept ist eigentlich steinalt; bereits die allerersten Versionen von TYPO3 benutzten nämlich untereinander angeordnete Seitenabschnitte, die der Redakteur aus einer fixen Auswahl von Layout-Minivorlagen zusammenstellen konnte, ganz nach dem Motto „Text mit Bild links“, „Reiner Text“, „Slider-Galerie“ usw.

Die Benutzung in TYPO3 und TypoLight war damals etwas umständlich, insbesondere im Vergleich zu den simplen, universellen Textboxen, welche man von WordPress und anderen Blog-CMSen der Nuller Jahre kannte.

Doch eine regelrechte Renaissance hebt seit Mitte der Zehnerjahre das Stapelkonzept in das Bewusstsein vieler Webdesigner: bei craftCMS als Matrix bekannt, bei Kirby als Kirby Page Builder, bei ProcessWire als RepeaterMatrix und demnächst möglicherweise im WordPress-Core als Gutenberg.

Wieviel Freiheit der Redakteur bei diesem Spiel erhält bzw. wie groß die Auswahl an verfügbaren Komponenten-Typen ist, bestimmen Seitenbetreiber, Webdesigner und das Budget ;-) Klar ist: bei einem individuell erstellten responsiven Webdesign bedeutet jeder Komponententyp einen gewissen Aufwand für die Aufbereitung im Backend und Frontend. Zum Glück skaliert das Konzept sehr gut: Wir gehen oft mit einem begrenzten Set an Möglichkeiten an den Start und ergänzen nach und nach je nach Bedarf weitere Komponenten bzw. schaffen Variationsmöglichkeiten.

Volle Code-Kontrolle für den Webdesigner, visuell miteinander harmonisierende Komponenten, und eine kuratierte Freiheit für den Redakteur – das Stapelkonzept gehört klar zu den Stars im modernen CMS-Workflow!

5. Frontend-Editing

Einen vermeintlichen Blick in die Zukunft gewährt uns schon seit einigen Jahren das Bearbeiten von Seiteninhalten direkt im Frontend. Oft behauptet, selten tatsächlich in der Praxis eingelöst, aber nichtsdestotrotz hochinteressant.

Bildrechte: 20th Century Fox / DreamWorks Pictures

Konzeptionell sehen wir hier meist eine weitergedachte Version der Konzepte 3 und 4, wobei die angezeigten Preview-Inhalte bereits zu 100 % dem Endergebnis entsprechen und die ganzen Bedienelemente meist als schwebende Menüs über dem Inhalt platziert werden, dynamisch an den Stellen, wo sie gerade gebraucht werden.

Da die Trennung zwischen Front- und Backend aufgehoben ist, lassen sich individuell entwickelte Websites nur schwer entsprechend nachrüsten. Falls jemand Frameworks kennt, mit denen sich das machen lässt: Ab in die Kommentare! Die mir bekannten Frontend-Editing-Lösungen sind alle Teil eines größeren Theme-Pakets (siehe Divi) oder einer gehosteten Komplettlösung (wie bei Squarespace).

Sollte man einem Redakteur ein Tool wie Divi an die Hand geben? Eher nicht! Zu vielfältig sind die Möglichkeiten, Dinge visuell zu zerstören. Ich sehe Frontend-Editing eher als die moderne Version von Dreamweaver: ein Tool für Designer ohne Code-Ambitionen, die individuelle Einzelseiten für eine eher kleinere Kundenwebsite zusammenstellen. Solchermaßen eingesetzt bin ich von den grundsätzlichen Möglichkeiten durchaus beeindruckt. Aber ohne Reinfuchsen klappt das freilich auch hier nicht!

tl;dr

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie CMS-Redakteure strukturierte Texte mit Extras erstellen können – alle mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen für Redakteur, Webdesigner und Budget. Welches die beste Methode ist, lässt sich nicht pauschal beantworten, aber der Stapel aus Komponenten ist ganz schön gut.

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Gerrit van Aaken 2017-10-27T00:00:00Z 2017-10-27T00:00:00Z Richard Rutters „Web Typography“ tag:praegnanz.de,2017-10-27:71c6a07a57ad52e125678230bd22de72 Bücher über Typografie gibt es wie Sand am Meer! Bei der Webtypografie sieht das anders aus, und das schon seit Jahren. Doch mein britischer Bloggerkollege Richard Rutter hat es nun endlich auch getan: ein aktuelles Werk zu dem Thema geschrieben, welches mir selber besonders am Herzen liegt.

Dass mir Richard Rutter (alias @clagnut) erstmals im Netz aufgefallen ist, liegt exakt dreizehneinhalb Jahre zurück. Im Mai 2004 erschien sein legendärer Artikel über den Einsatz von em bei CSS-Schriftgraden. Es war die goldene Zeit der Webdesign-Blogartikel; beinahe jede Woche erschien ein wegweisendes How-To bei einem amerikanischen, britischen oder kanadischen Webdesign-Helden, und die ganze Welt lernte mit.

Später trat Richard Rutter als Gründer des Online-Schriftverleihs FontDeck erneut in Erscheinung. Der Service musste sich Ende 2016 leider gegen die Konkurrenz geschlagen geben. Er war vielleicht ein bisschen zu teuer.

Genau wie ich musste Rutter seit mehreren Jahren mit dem inneren Drang zurechtkommen, ein Buch über Webtypografie verfassen zu müssen, einem so dynamischen Thema im ständigen Fluss der Veränderung. Vier Jahre nach meinem eigenen Wurf namens #webtypobuch und ein Jahr nach Jason Santa Marias On Web Typography ließ es sich offenbar nicht mehr aufhalten: Eine Kickstarter-Kampagne im Sommer 2015 und zwei Jahre Wartezeit später halten wir seit ein paar Wochen das gedruckte Werk in den Händen. Zugegeben, das exzellent aufbereitete E-Book stand schon Anfang Mai 2017 zum Download bereit.

Wie viel Print steckt noch drin?

Jeder Webtypografie-Autor muss sich in der Planungsphase Gedanken darüber machen, wie viel klassische Typografie in seinem Buch Platz finden soll. Stellt man sich als Leserin eher eine typografisch erfahrene Person vor, die sich gewissermaßen nur das technische und gestalterische Delta zur Webtypografie aneignen möchte? Das war ein Stück weit mein Ansatz.

Oder sind auch Schriftlaien eingeladen, zunächst die allgemeingültigen typografischen Regeln kennenzulernen, um danach jeweils Codebeispiele und spezifische Erläuterungen fürs Web zu erhalten? Das ist der Ansatz, den Richard Rutter gewählt hat. Unter anderem (aber nicht nur) deshalb ist sein Buch Text auch fast dreimal so lang wie meiner.

Für absolute Neulinge kann Web Typography durchaus als solider Einstieg in die Welt der Serifen und Zeilenabstände fungieren, ganz unabhängig vom Webdesign mit seinen speziellen Tücken. Anknüpfungspunkte zur Vertiefung von Printthemen finden sich zur Genüge.

Der schreibt so schön!

Richtig beeindruckt hat mich der elegante, britisch-zurückhaltende und trotzdem präzise Schreibstil im Buch. Die Kapitel lassen sich wunderbar am Stück lesen, folgen zwar jeweils einem ähnlichen Muster, finden aber immer wieder individuelle Worte, um die Themen anzureißen, sie ausführlich genug zu erklären und ganz konkrete Handlungsanweisungen zu geben.

Insbesondere die Balance zwischen historischen Herleitungen (immer interessant), Probleme mit älteren Browsern (nur ganz vereinzelt) und zukunftsweisenden Techniken aus den letzten zwei Jahren ist hervorragend gelungen. Man fühlt sich wohlig eingebettet in elegante Worte voller Kompetenz. An manchen Stellen ist mir persönlich der Tonfall der motivational speeches ein wenig zu dick aufgetragen und gerät ins floskelhafte Pathos.

Die Illustrationen sind ästhetisch gut gelungen, könnten aus meiner Sicht aber zahlreicher sein. Ich weiß selber, wie viel Arbeit das macht, aber es lohnt sich! Ein wenig zu oft wird ein bestimmter Sachverhalt nur mit Prosa umschrieben, könnte mittels einer durchdachten Bebilderung aber noch präziser dargestellt werden.

Codeanteil

Das Verhältnis von konkreten Codebeispielen zu umschreibendem Text ist angenehm gering. Alles andere wäre auch unklug, schließlich ändert sich alles so schnell. Die alte CSS-Syntax für font-feature-settings hat als Fallback-Methode den Sprung in die Beispiele gerade noch geschafft, obwohl die neuere Syntax über font-variant in Zukunft alle Open-Type-Features übernehmen wird.

Das sind dann aber auch schon die komplexesten Abschnitte. Meist bleibt es bei simpelsten CSS-Notationen für einzelne Anwendungen, ohne unnötigen BEM- oder Sass-Spuk.

Unerwartete Schätze für alte Hasen

Hand aufs Herz: Wer von euch kennt die CSS-Längeneinheit ch? Und wem war klar, wie man recht komfortabel die Nummern einer ordered list unabhängig stylen kann? Jeder hat so seine Wissenslücken, und das vollständige Lesen eines Buches hat immer das wunderbare Potenzial, diese unbewussten Wissenslücken zu füllen. Ich kann bestätigen, dass dies auch im vorliegenden Fall wunderbar gelingt.

Zusammengefasst

Web Typography ist ein ausgesprochen komplettes Buch. Es behandelt in sehr ausgewogener Form alle gestalterischen und technischen Aspekte zum Thema, wobei der Schwerpunkt eher auf der Gestaltung liegt. Esoterische Spitzfindigkeiten wie PPOFLS (Perceived Performance Optimized Font Loading Strategies) oder das Font-Rendering unterschiedlicher Font-Formate in verschiedenen Versionen von Windows werden zwar gestreift, aber (zum Glück) nicht in voller Geek-Tiefe durchbesprochen.

Was mir tatsächlich fehlt, sind mehr zeitgenössische Beispiele für gelungene Webtypografie. Der Autor bleibt größtenteils auf der Theorieebene und zeigt selbstgebaute Beispiele von einzelnen Details. Eine Demonstration der Erkenntnisse im Rahmen von real existierenden Websites ist extrem selten und wäre doch gleichzeitig so anschaulich!

Qualität des E-Books

Neben dem in Eigenregie gedruckten Buch gibt es mehrere Versionen des Textes als E-Book. Einmal das Original-Layout als PDF (Doppel- oder Einzelseiten, jedoch ohne entsprechende Anpassung des Satzspiegels). Besonderes Lob verdient sich das Werk aber für die echten E-Book-Versionen im EPUB- und MOBI-Format. Diese enthalten die eingebetteten Originalschriften, sind vom Layout her an das Printdokument angelehnt und gleichzeitig mit freiem Textfluss konsumierbar. Selbst auf meinem hundert Jahre alten Kindle 4 kann man das Buch angenehm lesen. Das liegt unter anderem daran, dass – ähnlich wie beim #webtypobuch – sämtliche Illustrationen eher im Panorama-Format angelegt sind und stets über die volle Textbreite gehen.

Am meisten profitiert man natürlich unter iBooks auf Mac und iPad. Dies dürfte nach wie vor die mit Abstand beste Plattform zum Lesen von reichhaltig gestalteten EPUBs sein.

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Gerrit van Aaken 2017-09-03T00:00:00Z 2017-09-03T00:00:00Z Probefahrt mit dem Hyundai Ioniq Elektro tag:praegnanz.de,2017-09-03:b030f58f368aa9ced17fb0ba9ca3889f Ich bin den aktuellen Liebling der Elektroautoszene für zwei Stunden zur Probe gefahren und schreibe euch natürlich gerne mein Fazit hier ins Blog.

Das Würzburger Autohaus Schürer ist offenbar einer der wenigen Händler, die jetzt bereits alle drei Varianten des Ioniq zum Testen bereit hält: Hybrid, Elektro und Plugin-Hybrid. Für mich war selbstverständlich nur die reine Elektrovariante interessant, und so machte ich mit meiner Frau einen kleinen Trip durch Würzburg und Höchberg, auf die A3 bis zum Rasthof Haidt an die Ladesäule, und zurück.

Ganz grundsätzlich: Der Ioniq Elektro ist ein bemerkenswert vollständiges Auto, vollgestopft mit Funktionen, und das bereits in der Basis-Variante. Die Möglichkeiten zur Individualisierung sind ohnehin gering: Es gibt drei Ausstattungslinien (33.300 €, 35.500 € und 38.000 €), die sich gar nicht dramatisch voneinander unterscheiden. Da bei der teuren Variante „Premium“ nur Ledersitze möglich sind (buh!) und die günstige Variante „Trend“ keinen Wärmetauscher besitzt (will man schon), kommt eigentlich nur die mittlere Variante „Style“ in Frage, und diese sind wir auch gefahren. Überall identisch sind die Batteriekapazität von 28 kWh, die Ladebuchsen (CCS bis 100 kW, Typ2 bis 6,6 kW) und serienmäßige Kabel für Typ2 und Schuko.

Die vielbeschworene gute Verarbeitung des Koreaners ist Realität: sattes Ploppen der Türen, hochwertige Materialien, Wohlfühlambiente – ein deutlich gehobener Standard, wie man ihn von deutschen Herstellern kennt. Das Fahrgefühl ist top, Beschleunigung, Rekuperation wunderbar, alles ist zudem einstellbar: Es gibt drei Fahrmodi (Eco, Normal, Sport), wobei die jeweilige Rekuperation nochmal unabhängig davon in vier Stufen modifiziert werden kann, inkl. „Segelmodus“. Wenn man die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten klug nutzt, ist der Ioniq ein echtes Sparwunder und verbraucht angeblich nur ca.  10 bis 11 kWh auf 100 km im Sommerhalbjahr. Aber auch im Winter soll der Verbrauch nicht so heftig ansteigen wie beispielsweise bei der ZOE. Die 28er-Batterie dürfte ähnliche Reichweiten zwischen 200 und 260 km erzielen wie eine (theoretische) 33er ZOE-Batterie. Dank CCS-Schnellladung verliert die Autobahn aber definitiv ihren Schrecken.

Aber nochmal zurück zur Ausstattung: Es fehlt quasi nichts in diesem Ausstattungsprimus: Tempomat mit Abstandshalter, 12V-Buchsen und Qi-Handyladung an allen möglichen Stellen, CarPlay und Android Auto, DAB-Radio, Sitzheizung und Lenkradheizung. Letztere sind echte Stromsparfunktionen, da man die Innenraumbeheizung reduzieren kann!

Sagen wir es so: Minimalismus geht anders. Und das wäre auch einer meiner Kritikpunkte. Das Ding hat definitiv zu viele Knöpfe und Schalter, sowohl am Lenkrad als auch an der Konsole und im Cockpit-Display. Man ist ein wenig erschlagen von den hundert Möglichkeiten. Ich bin, was diese Dinge angeht, wohl eher im „Team Model 3“ angesiedelt, wo einfach alle Einstellmöglichkeiten virtualisiert auf einem großen Touchscreen stattfinden statt überall im Innenraum verteilt.

Der andere Kritikpunkt ist die Garantie auf die Kaufbatterie. 8 Jahre sind natürlich fein, aber leider wird erst unter 70 % Batteriegesundheit oder weniger ausgetauscht. Zum Vergleich: Renault und Nissan machten’s jeweils bei unter 75 %.

Ach ja, und da wäre die Sache mit der Lieferzeit: zwischen zwei und zwölf Monaten ist alles drin, so die offizielle Sprachregelung für die Händler. Das ist natürlich hart, zumal die Vorführmodelle definitiv nicht zum Verkauf stehen und gebrauchte Wagen noch rar sein dürften.

Ob der Wagen insgesamt schick ist – Geschmackssache. Für uns ist er sicherlich etwas zu groß und ein bisschen spießig gestaltet im Innenraum, eben ein echtes „Auto-Auto“, kein „Elektroauto-Auto“. Der Vergleich mit der ZOE liegt für mich zwar irgendwie nahe, passt aber nicht wirklich, da sehr unterschiedliche Geschichten erzählt werden: Pragmatischer und erschwinglicher Minimalismus bei Renault, klassischer Komfort und Features satt bei Hyundai. Fairer wäre wahrscheinlich ein Vergleich mit dem Kia Soul EV. Dazu müsstet ihr dann mal die (noch) aktuelle Folge von CleanElectric anhören.

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Gerrit van Aaken 2017-08-20T00:00:00Z 2017-08-20T00:00:00Z Trends im Content Management tag:praegnanz.de,2017-08-20:574ed68c2108cfa96e3f90431d20a41c Ein 108-minütiger Videovortrag über fast alles, was ich über Content-Management-Systeme weiß. Oder zumindest, was wir als Agentur in den letzten Jahren ganz praxisnah darüber gelernt haben.

Audiotechnisch suboptimal mitgeschnitten bei der Vortragsreihe Technik & Zukunft der Typografischen Gesellschaft München (19. Juli 2017):

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Gerrit van Aaken 2017-08-19T00:00:00Z 2017-08-19T00:00:00Z Wahlprogramm-Design-CheckUp 2017 tag:praegnanz.de,2017-08-19:d9eadf79d1b08b4ba071f7d387aee604 Es ist wieder soweit – die Wahlprogramme der Parteien zur Bundestagswahl müssen analysiert und verglichen werden. Allerdings selbstverständlich nicht inhaltlich, sondern nach typografischen Gesichtspunkten. Starten Sie Ihren PDF-Viewer und los geht’s!

Zunächst jedoch ein paar Aspekte, die ich im Vergleich zur 2004er-, 2005er- und 2009er-Edition dieses Artikels für erwähnenswert halte. Auch wenn alle Parteien nach wie vor ein Hauptdokument im PDF-Format anbieten, so existiert inzwischen eine Vielzahl von Darreichnungsformen, die dem realen Konsum der Inhalte sehr viel mehr entgegen komme als das sperrige 150-Seiten-Büchlein, das sich nur echte Idealisten und ungewöhnlich engagierte Sozialkundelehrer durchlesen werden. Es gibt Zusammenfassungen von 1 bis 10 Minuten Leselänge, Versionen in einfacher Sprache, EPUBs für E-Book-Reader, vorgelesene Audiodateien und natürlich hunderte von Sharepics mit den Kernthesen. Miniwebsites zum bequemen Navigieren machen den Einstieg in die Lieblings-Themen einfach. Endlich ist den Wahlkämpfern klar geworden, dass die Menschen heutzutage an Bildschirmen jeder Größe Inhalte lesen und bieten passende Formate an. Großes Lob für diese mediendiverse und Barrieren abbauenden Entscheidungen!

Dennoch wollte ich aus Gründen der Tradition und der Vergleichbarkeit nur das ungekürzte, vom Parteitag abgesegnete Dokument betrachten, und zwar von allen sechs Fraktionen, die eine realistische Chance auf 5% bei der Bundestagswahl im Herbst haben. Und ich sage es gleich dazu: Ja, ich halte die AfD aus inhaltlichen Gründen für einen echten Schandfleck in dieser Reihe! Ich werde dennoch ihren demokratisch erarbeiteten Erfolg respektieren, während ich gleichzeitig auf anderen Kanälen ihre Inhalte und Protagonisten mit voller Verve rhetorisch bekämpfe!


CDU/CSU

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Merkel strengt sich nicht einmal mehr an, so geht das Mantra der vergangenen Tage. Und das „Regierungsprogramm“ bzw. #fedidwgugl getaufte Wahlprogramm der CDU/CSU ist eine direkte Entsprechung dieser Geisteshaltung. Es hat noch nicht einmal für Doppelseiten gereicht. Das 76-seitige PDF kommt als DIN-A4-Einzelseiten-Textwüste daher, enthält nicht eine einzige Abbildung, dafür gelangweilte Standard-Formatvorlagen in der CDU-Hausschrift Kievit (immerhin nicht Arial). Das PDF wurde mit Word 2000 erstellt, wahrscheinlich auf dem virenbefallenen Windows-XP-Rechner des GF-Sekretärs. (Der letzte Halbsatz ist allerdings spekulativ.)

In seiner formatvorlagigen Schlichtheit sind keine allzu groben Fehler erkennbar: Abstände, Größenverhältnisse und Lesbarkeit passen soweit. Einzig der linke Einzug der zahlreichen Bullet-Points ist zu groß, und der vertikale Abstand zur Seitenzahl zu klein. Das Titelbild ist blau hinterlegt, im angedeuteten neuen Corporate Design der CDU, aber sehr gemäßigt – immerhin ist die bayerische CSU ja irgendwie zu einem Sechzehntel an diesem Dokument beteiligt.

Note 4–


SPD

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Die SPD hält auch nichts von Abbildungen im Innenteil Ihres optimistisch „Regierungsprogramm“ getauften Dokumentes, aber es ist etwas mehr Gestaltungswille vorhanden als bei der CDU. Die Sozen-Agentur nutzte InDesign CC 2017, wir erblicken Doppelseiten, und wir haben das rote Quadrat an verschiedenen Stellen: zum einen als Bullet-Points, zum anderen als neckisches Daumenkino rechts oben, wo es einen animierten Ladebalken oder Fortschrittsanzeiger mimt. Verstehste? Fortschritt! SPD! Da war mal was!

Warum die SPD nach Futura in den Neunzigern, TheSans in den Nuller- und Zehnerjahren nun auf die Neutralität der Neuen Helvetica setzt (und zwar konsequent), ist nicht ganz klar ersichtlich. Eine ironische Hipsternutzung dieser Schrift kann es irgendwie nicht sein. Ich verstehe es nicht: Die Helvetica hat nichts Kämpferisches oder Progressives, sie ist einfach nur Standard. Eine schwache Botschaft des Herausforderers! Immerhin wird im Fließtext der Blick auf fettgedruckte Schlagwörter gelenkt, die das Lesen auflockern.

Note 3


FDP

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Die FDP sieht sich gemäß ihres Wahlkampf-Designs als progressive „Kursiv“-Partei. Da Ungeduld die Tugend der Stunde ist, haben sie scheinbar keine Zeit für eine mega-sorgfältige und ausgewogene Gestaltung investiert, sondern rotzen ihre Kernaussagen und Claims dahin, von der Ungeduld getrieben, in den Basis-Druckfarben Magenta, Cyan und Gelb.

So soll es vielleicht ein bisschen wirken. Das Programm der Lindner-Partei ist in dieser modernen Rumpeligkeit gesetzt, die man nur mit viel Coolness hinbekommt. Der Fließtext mit zu engem Zeilenabstand in der Scheißdrauf-Calibri, die Einschübe in einer zu fetten DIN-Schrift in kursiv, nicht mal für die Lizenz einer feingeschliffenen DIN Next hat es gereicht. Das Dokument ist mit 158 DIN-A5-Seiten alles andere als kurz, wird aber durch einige Diagramme aufgelockert.

Aber: Es sieht halt leider geil aus! Lässig und kraftvoll, ein kleiner Affront gegen das Beständige und – in diesem Falle – die reine typografische Lehre. Zu verlieren hat die FDP bekanntlich nichts. Mit ihrer Kampagne und diesem Wahlprogramm kann sie punkten!

Note 1


Die Linke

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Müssen Sozialisten immer soviel schreiben? Die Linke gewinnt mit 480.000 Zeichen das Rennen um das ausführlichste bzw. geschwätzigste Wahlprogramm. Das Layout ist seit 2009 übrigens unverändert: eine schmale Corporate S – ach, diese Ironie! – in zwei engen Spalten, alles etwas zu gedrungen gesetzt. Dennoch insgesamt gut lesbar dank DIN-A5-Doppelseiten mit Flattersatz und guter Struktur. Die Bullet Points sind nicht mit einem Einzug versehen, was sie besser in den Text integriert. Ungewöhnlich, aber für diese Art von Texten wohl sinnvoll. Bei der CDU sieht man, dass es andersrum doof aussieht.

Auch die Linke verzichtet auf Abbildungen jeglicher Art. Die Titelseite könnte auch ein Plakat sein. Keine Überraschungen von links, die Konzentration auf den Inhalt sei ihnen gegönnt. Und der Kontrast zur FDP ist dieses Jahr mehr als deutlich. Eine Besonderheit: Nach dem Index finden sich jede Menge Call-To-Actions: Spendenaufrufe, Beitrittsformulare, SEPA-Antrag usw.

Note 2–


Die Grünen

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Die Grünen haben das Layout ihres Parteiprogramms seit 2005 nicht mehr geändert. Das sind inzwischen zwölf Jahre! Lediglich die Schrift wird anscheinend immer wieder der aktuellen Kampagne angeglichen, so haben wir es mit der Mac-Systemschrift PT Sans im Fließtext und dem Freefont Arvo in den Headlines zu tun.

Das Doppelseitenlayout wird von allen Seiten eingerahmt: Themenheadlines, Striche, graue Kästchen, insgesamt wirkt das leider etwas unruhig und der eigentliche Text kann sich nicht souverän ausbreiten. Der Blocksatz und der Verzicht auf Bullet-Points führt zu bemerkenswert gleichartigen Seitenansichten, über sage und schreibe 248 abbildungslose DIN-A5-Seiten. Einzig die grau hinterlegten Zusammenfassungen lenken den Blick, sind aber mit zu geringem Innenabstand keine Augenweide. Die angeblich so progressive Partei bleibt vom Layout her in den späten Neunzigern stecken. Hier wäre mit der richtigen Agentur wesentlich mehr drin gewesen!

Note 3–


Die AfD

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Die Wahl der fetten Futura als rumpeliger Hingucker für die AfD funktioniert stilistisch sehr gut, ist aber auch schrifthistorisch interessant. Einerseits klar: Futura = Zukunft, passt immer – war ja auch lange Zeit SPD-Hausschrift. Andererseits stammt die Futura aus dem Jahr 1927, und das finden die völkischen Spinner in den AfD-Reihen bestimmt ausgesprochen schicklich.

Die AfD hat sich für das ungewöhnliche Querformat entschieden, was das Durchblättern der gedruckten Fassung sperrig macht, aber auch einen selbstbewussten und hochglanzkatalogigen Touch hat. Die Powerpoint-Anmutung wird unter anderem auch durch die vollformatigen Thementrennerseiten verstärkt, die ich aber als Atempause ganz angenehm finde. Die Doppelspalten im Fließtextbereich sind dann wieder relativ standardisiert gestaltet: Georgia als blutleere Brotschrift, etwas unsouveräner Umgang mit den vertikalen Abständen, aber im Großen und Ganzen okay. Ein typografischer Kardinalfehler hingegen: Die AfD benutzt sowohl eine Leerzeile zwischen den Absätzen, als auch einen Einzug am Anfang jedes Absatzes. Es ist aber nur eine der beiden Maßnahmen sinnvoll, nie beide zusammen! Die großzügigen Weißflächen um die Textblöcke herum erfüllen ihren Zweck, wären auf der Doppelseite spiegelbildlich angeordnet noch schöner, täuschen aber auch nur unzureichend darüber hinweg, dass das Programm mit 140.000 Zeichen nur ein Viertel des Umfangs einnimmt, den die Linke oder die Grünen zu bieten haben.

Note 2–


Bemerkung

Auch wenn man die eine oder andere Tendenz zu erkennen glaubt – die Gestaltung der Wahlprogramme hat nichts mit der täglichen Arbeit der Parteien zu tun. Bitte wählt um Gottes Willen nicht auf Basis dieser kleinen scherzhaften Beurteilung!

Hinweis: ich bin seit fast zehn Jahren Mitglied der Grünen und habe 2009 aus Lust und Laune das Wahlprogramm der Piraten gestaltet.

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Gerrit van Aaken 2017-06-26T00:00:00Z 2017-06-26T00:00:00Z Nur noch E-Zulassungen ab 2030? tag:praegnanz.de,2017-06-26:68551c4090546332cddfe72df6192a92 Wenn es nach der Grünen Bundestagsfraktion und dem Bundesrat geht, wird es in Deutschland ab 2030 keine neuen Zulassungen für Verbrenner-Autos mehr geben. Ist das überhaupt machbar oder bricht dann alles zusammen? Wie realistisch ist der Zeitplan? Ich gebe sachliche Antworten zu berechtigter Skepsis.

1. Tankstellen haben nicht genug Platz für ladende E-Fahrzeuge.

Wenn die jetzigen Tankstellen die einzigen Orte wären, an denen man Elektroautos aufladen kann, wäre das korrekt. De facto lassen sich aber überall Ladesäulen aufstellen, wo elektrischer Strom verfügbar ist – insbesondere an Orten, wo das Fahrzeug sowieso einige Zeit steht (Tiefgarage, Supermarkt, Arbeitsplatz oder die eigene Garage).

2. Lange Autobahnfahrten kosten viel Zeit.

Das ist korrekt. Wer auf der Autobahn schneller als 120 km/h fährt, verbraucht deutlich mehr Energie und muss häufiger aufladen, was mehr Zeit kostet als man durch die schnelle Fahrweise gespart hat. Autobahnfahrten über 200 Kilometern dauern mit E-Autos merklich länger. Wir müssen uns als Gesellschaft allerdings die Frage stellen, ob stundenlanges Rasen bei 160 km/h der Maßstab aller Dinge ist. Sollte nicht eine sichere und entspannte Reisegeschwindigkeit mit ausreichend langen Pausen das Ziel sein, ganz unabhängig von der Frage nach der Antriebsart der Fahrzeuge?

3. Die Rohstoffe für Batterien sind nicht unendlich verfügbar.

Es stimmt, dass die heutigen Li-Ion-Akkus auf seltene Erden und Lithium angewiesen sind. Dies betrifft auch die Batterien von Smartphones und Laptops, welche einen weit größeren Anteil an der weltweiten Gesamtkapazität halten. Mit den enormen Innovationen, die aktuell in der Batterieforschung stattfinden, wird die aktuelle Technologie jedoch in absehbarer Zeit durch nachhaltigere Lösungen ersetzt.

Quellen:

4. Es gibt keinen Plan für die Altbatterien.

Nicht richtig. Gebrauchte Fahrzeugbatterien mit nachlassender Kapazität können für Notstromaggregate, als Heimbatterie oder zum Ausgleich von Lastspitzen in Kraftwerken verwendet werden. Da erst seit 2010 Elektroautos in Serie hergestellt werden, ist diese „Second-Life“-Nutzung noch nicht in vollem Gange; Infrastruktur und Geschäftsmodelle sind aber vorbereitet.

Quellen:

5. Die CO2-Bilanz von E-Autos ist nicht besser als bei Verbrennern.

Kommt drauf an. Die Herstellung von großen Batterien erfordert tatsächlich viel elektrische Energie. Entscheidend ist der jeweilige Energiemix des Fertigungsstandorts. In Teslas Gigafactorys setzt man auf Solarstrom, andere Batterieproduktionen arbeiten noch mit Anteilen von Kohlestrom. Als Faustregel gilt: Wer sein Elektroauto mit 30-kWh-Akku größtenteils mit Ökostrom auflädt, fährt nach weniger als drei Jahren mit einem kleineren CO2-Fußabdruck als ein vergleichbarer Verbrennerfahrer. Öffentliche Ladesäulen werden übrigens sehr häufig mit erneuerbaren Energien betrieben.

Quellen:

6. Der Bedarf an Strom kann nicht zuverlässig gedeckt werden.

Von heute auf morgen ist ein Ausbau der Kapazitäten tatsächlich nicht zu schaffen. Es bleiben jedoch noch einige Jahre, in denen der Anteil an E-Fahrzeugen Schritt für Schritt ansteigt. Die Stromnetze werden seit Jahren intelligenter und dezentraler. Der heimische Ladevorgang könnte automatisch zu einer Zeit stattfinden, wenn das Netz weniger belastet und der Strom billig ist. Autarke Stromversorgung vor Ort ergänzt sich prima mit Autobatterien zur Kapazitäts- und Lastverteilung.

Quellen:

7. Elektroautos sind teurer als Verbrenner.

Das ist Stand 2017 natürlich richtig, wenn man nur den Anschaffungspreis betrachtet. Dieser entwickelt sich nach unten, wenn Batterien und elektrische Antriebsstränge in höheren Stückzahlen gefertigt werden, was seit einigen Jahren bereits geschieht. Die laufenden Fahrtkosten in Form von Strom und ggf. Batteriemiete hängen von sehr vielen Faktoren ab und müssen individuell betrachtet werden. Als grobe Faustregel zahlt man pro Kilometer etwa 50 % des Benzinpreis für den verbrauchten Strom. In Sachen Verschleiß und Wertverlust stehen Elektromobile sehr gut da. Eine echte Preisparität in Bezug auf die Total Cost Of Ownership wird – je nach Studie – für Anfang bis Mitte der Zwanziger Jahre erwartet.

Quellen:

Fazit

Es gibt viel zu tun. Nicht alle Kritikpunkte von E-Auto-Skeptikern sind als „dämlich“ von der Hand zu weisen. Die Politik und die Wirtschaft sind nun gefragt, richtungsweisende Entscheidungen zu treffen und Innovationskultur zu fördern – Lippenbekenntnisse, wie sie die alteingesessene Autoindustrie fast täglich in die Welt posaunt, reichen alleine nicht aus!

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Gerrit van Aaken 2017-06-10T00:00:00Z 2017-06-10T00:00:00Z Richtige Gedankenstriche mit HTML – so geht’s! tag:praegnanz.de,2017-06-10:1318f67d83c8b45a32e2daf6ece99c14 Ein beliebtes Stilmittel für Autoren, Essayisten und Blogger ist der Gedankenstrich. Leser dieses Blogs, Word-Autokorrektur-Nichtausschalter und andere typografisch interessierte Personen wissen selbstverständlich, dass ein schnöder Trennstrich noch lange kein echter Gedankenstrich ist (Tipp: auf die Länge kommt es an). Doch es gibt noch mehr zu beachten, wenn man lesefreundlich mit diesem Sonderzeichen umgehen möchte.

Insbesondere stellt sich regelmäßig die Frage, wo der Gedankenstrich sich bei einem Zeilenumbruch eher zuhause fühlt: am Ende der oberen Zeile oder am Anfang der unteren Zeile? Diese Frage ist nicht komplett trivial zu beantworten, denn es gibt durchaus verschiedene Kontexte, in denen der Gedankenstrich verwendet wird:

  1. Der fragliche Gedankenstrich markiert den Beginn eines Einschubs, der einige Wörter später mit einem weiteren Gedankenstrich – hier haben wir ein treffliches Beispiel – wieder beendet wird, bevor der eigentliche Satz schließt. In diesem Falle wäre es schön, wenn beide Gedankenstriche sich ähnlich wie eine Klammer verhalten und jeweils am ersten und letzten Wort des Einschubs fixiert würden. Wir erreichen das in HTML natürlich über geschützte Leerzeichen, die mittels   maskiert werden. Auch hier ist – ohne jeden Zweifel – ein Beispiel sinnvoll!
  2. Die ähnliche, aber doch leicht anders gelagert Variante eines einzelnen Gedankenstrichs markiert eine Kunstpause und schließt den eigentlichen Satz meist grammatikalisch ab – um dann doch noch einen weiteren Gedanken an den Schluss zu hängen! In diesem Kontext wäre es schöner, wenn der Gedankenstrich gleichsam als Satzzeichen des ersten Teils fungierte und im Falle eines benötigten Zeilenumbruchs oben stünde. Dies verhindert, dass der Leser nach dem Zeilenwechsel überrascht ist vom plötzlichen Ende des ersten Satzteils. Somit setzen wir unser geschütztes Leerzeichen in diesem Falle vor den Gedankenstrich – ganz nach Art des typografischen Hauses!

Wer mag – und es nicht eh schon getan hat –, kann nun die Breite des Browserfensters kleiner und größer ziehen, um zu gucken, ob der van Aaken das auch alles richtig gemacht hat, denn natürlich ist auch das Setzen von geschützten Leerzeichen ein wichtiger Teil von Responsive Design: das Festlegen von Gestaltungsregel für eine unbekannte Bildschirmgröße! Ich kann nur hoffen, dass mich KirbyText die geschützen Leerzeichen auch wirklich machen lässt – sonst wäre das jammerschade!

Kleine Wiederholung: Mac-User setzen das geschützte Leerzeichen mit alt + <space>, Windows-User vertrauen auf alt + 0160. Weitere Sonderzeichen gibt’s in meinem Buch.

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Gerrit van Aaken 2017-04-17T00:00:00Z 2017-04-17T00:00:00Z Ladesysteme im Überblick tag:praegnanz.de,2017-04-17:7b9d6dbb3b8a6614e96eb66854f82100 Ergänzend zu meinem 2016er Artikel über die Stecker- und Stromsituation bei Elektroautos habe ich nun eine kompakte Grafik gebastelt, die das ganze noch ein wenig besser verdeutlicht:

Diese Grafik darf gerne geteilt, verlinkt, verändert und kommerziell verwendet werden, sie steht unter einer entsprechenden CC-Lizenz.

Hier der etwas ältere Artikel mit Prosa

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Gerrit van Aaken 2017-04-10T00:00:00Z 2017-04-10T00:00:00Z Und irgendwo er … tag:praegnanz.de,2017-04-10:166e193afda19de7f0f2a16c307b0e4f … lachend, in einem weiß getünchten Loft, die fernen Finger zärtlich auf dem Deck, das Gesicht von Tränen der Erleichterung überströmt.

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Gerrit van Aaken 2017-04-03T00:00:00Z 2017-04-03T00:00:00Z Beyond 1280 tag:praegnanz.de,2017-04-03:1868ec4940c2aec1573dcd72c3ed491b Bei all dem Affentanz, der in den letzten fünf Jahren um das Mobile-First-Konzept betrieben wurde, blieb leider ein scheinbar exotisches Nutzungszenario auf der Strecke: Der gute alte große Bildschirm. Ein paar Ideen, wie man diesen sinnvoll bespielen könnte, möchte ich euch selbstverständlich nicht vorenthalten.

Wer Websites ganz oder teilweise im Browser entwirft und entwickelt, hat sich üblicherweise ein individuelles Bildschirm-Setup zurechtgelegt: Browser rechts – Texteditor links, Browser am Laptop – IDE auf dem großen stationären Monitor, oder etwas ganz anderes. Und auch außerhalb der Webdev-Szene kenne ich kaum jemanden, der seinen Browser auf eine Breite von mehr als 1440 (logischen) Pixeln zieht. Es gibt in aller Regel ja nicht viel Spannendes zu sehen an den Rändern links und rechts, wie beispielsweise Spiegel Online beweist:

Wäre es nicht sinnvoller, das Missverhältnis von Layoutbreite und Bildschirmbreite ein bisschen besser zu kaschieren, indem man zumindest erstere zentriert darstellt? Das machen die meisten anderen Kandidaten. Mal etwas lustlos, wie die BUNTE, welche zusätzlich den dunklen Headerbalken einfach über die komplette Breite zieht:

Oder etwas inspirierter, wie bei The Verge oder A List Apart, wo man mit interessanten Mustern oder typografischen Elementen versucht, den Weißraum außerhalb der Textspalte spannender zu inszenieren:

Man kann natürlich auch krass drauf sein, und das gesamte Layout mitsamt aller Schriftgrade gnadenlos proportional skalieren, bis man sich beim Augenoptiker wähnt. Aber wer macht sowas schon?

Fakt ist, dass niemand bei klarem Verstand auf die Idee kommt, die tatsächlichen Textspalten breiter als ca. 100 Anschläge zu gestalten, denn dann wäre die Lesbarkeit dahin. Insbesondere bei Publikationen, die sehr textlastig sind und bei denen Lesbarkeit an vorderster Stelle … Ach komm, wem mache ich hier was vor?

Wer hingegen ausschließlich Inhalte in Bildform zu bieten hat, kann gerne einmal mit der vollen Breite experimentieren, wie beispielsweise Fotografen:

Bei User Generated Content (ist dieses Wort arg 2004?) kommt es darauf an, ob man es den Minipublizisten selber überlassen möchte, wie Ihre Inhalte dargestellt werden sollten. Das aufgrund seiner guten Typografie weltbekannte Medium Medium macht das so. Normalerweise spielt der breite Bildschirm hier keine wichtige Rolle:

Aber gnade uns Gott, wenn ein Autor ein redaktionelles Bild im Text mit voller Breite einstellt:

Ihr seht – es gibt verschiedene Techniken, um mit dem Problem umzugehen, dass Kunden und Nutzer eben nicht nur kleinere Bildschirme einsetzen als wir bei der Entwicklung von Websites, sondern eben auch immer größere Exemplare. Letztere werden natürlich – wie alle Gadgets dieser Welt – immer billiger und immer größer, aber die unbedarften Gelegenheitsnutzer verändern ihr gelerntes Verhalten nicht analog dazu. Kaum ein Windows-Anwender nutzt die Möglichkeit, das Browserfenster auf eine vernünftige Dimension zu konfigurieren. Wie alle anderen Programme läuft der Browser selbstverständlich immer im Vollbild, weil das zu 1280px-Zeiten so üblich war und auch gerade noch knapp Sinn ergeben hat. Im Laufe der Jahrzehnte, angefangen von 640×480 über 800×600 und 1024×768 bis hin zu den 13-Zoll-Laptop-Größen wie 1280px und 1440px hat niemals jemand „Stopp“ gerufen und den irrationalen Vollbildwahn verhindert!

Da wir Webdesigner uns aber immer an der tatsächlich Realität orientieren müssen, ist es geboten, auch diese unerfahrenen Falschbenutzer (jaja, ich weiß!) mitzunehmen und ihnen ein Angebot zu machen, welches sie zumindest im Ansatz zufrieden stellt. Denkt euch etwas nettes für den Hintergrund aus, fügt noch eine Schriftgrad-Stufe mehr ein, experimentiert eventuell ein wenig mit Textspalten (Vorsicht – nicht in die diversen Scrolling-Fallen tappen!)

Habt ein Herz für unsere Breitschirmfreunde – auch wir müssten da bei dem einen oder anderen Kundenprojekt nochmal kritischer ran, das ist sicher.

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