praegnanz.de Das private Weblog von Gerrit van Aaken tag:praegnanz.de,2005:b9374958e211727ae8ae76f7b6521d30 2018-07-28T00:00:00Z Gerrit van Aaken https://praegnanz.de/ Gerrit van Aaken 2018-07-28T00:00:00Z 2018-07-28T00:00:00Z PV-Autarkie und die Wette auf steigende Strompreise (update) tag:praegnanz.de,2018-07-28:af07987ea03289ab979f40f78d4ed5d1 Mit einer Wärmepumpen-Heizung und einem Elektroauto steigt der Strombedarf im Haushalt auf nie gekannte Höhen. Nur konsequent, wenn man dann einfach selber in die Stromproduktion einsteigt. Das haben wir gemacht – hier ein paar Einblicke.

Wer im Jahr 8.000 kWh Strom verbraucht, muss sich schon ein wenig rechtfertigen, immerhin sind das etwa 200 Euro im Monat, wo andere nur etwa 60 oder 70 Euro für ihren Strom zahlen. Wir bestreiten mit diesen 8.000 kWh jedoch nicht nur Staubsauger, Waschmaschine und Playstation, sondern eben auch Warmwasser, Heizung und 10.000 Autokilometer im Jahr.

Keine Frage, eine Photovoltaik-Anlage musste aufs Dach! Die Planungen dafür sind inzwischen fast zwei Jahre alt, es hat aus diversen extrem nervigen Gründen dann bis zur Inbetriebnahme viel länger gedauert, aber das soll nicht das Thema sein. Vielmehr ein paar technische Infos: Unser Satteldach zieren nun 26 PV-Module mit je 270 W Maximalleistung, macht also insgesamt rund 7 kW. Davon bleiben in der Realität dann knapp 6 kW übrig, wenn die Sonne absolut am Zenit steht, was man hier sehr schön erkennen kann:

Das war am 1. Juli, ein absolut wolkenloser Tag mit knalliger Sonne. Wenn ein paar Wolken vorbeiziehen, sieht das schon etwas krakeliger aus:

Im Juli habe ich bisher durchschnittlich 35 kWh Sonnenenergie pro Tag geerntet. Zunächst wird mit dem Strom natürlich die Hausbatterie vollgemacht, welche 7 kWh Kapazität hat. Wenn diese voll ist, wird der Reststrom ins Netz eingespeist. Sobald es dunkel wird, wird der Spaß umgedreht – die Batterie versorgt das Haus solange mit Strom, bis sie leer ist, und dann beziehe ich den noch notwendigen Strom aus dem Netz. Ein typischer Zyklus sieht also im Hochsommer so aus:

Die roten Verbrauchsspitzen sind der Warmwasser-Herstellung durch die Wärmepumpe zu verdanken. Und dann kommt man auf die Idee, die ZOE an der 22-kW-Wallbox aufzuladen:

Wie man sieht, packt das interne System die 22 kW bei weitem nicht – die Hausbatterie kann den angeforderten Strom gar nicht schnell genug hergeben, es muss noch massiv aus dem Netz Strom bezogen werden. Diese Situation wird sich mit dem neuen Auto dann entspannen – der Hyundai Ioniq lädt mit maximal 7 kW an der Wallbox, das kann dann im Hochsommer zur Mittagszeit von Sonne und Hausbatterie wohl gut geleistet werden, der Beweis steht aber noch aus.

Die finanzielle Situation

Was kostet jetzt so ein Spaß? Und rechnet sich das? Nun, das werden wir sehen. Wir haben uns für ein Flatrate-Modell unseres lokalen Stromanbieters entschieden, welches eine Laufzeit von zwanzig Jahren hat. Wir zahlen einmalig die Anschaffung der PV-Module und der Hausbatterie, und eine monatliche Pauschale (deutlich unter 50 Euro) für die Stromversorgung. Damit ist alles abgegolten – egal, wieviel wir einspeisen oder aus dem Netz beziehen. Nur der Gesamtverbrauch von 8.000 kWh dürfte sich nicht zu deutlich ändern, es gibt aber einen Toleranzbereich.

Der Clou für mich: Planungssicherheit für die nächsten 20 Jahre, denn die monatliche Pauschale ist fix. Der Clou für den Versorger: Er kriegt meinen gesamten Reststrom für lau. Das führt dazu, dass es in seinem eigenen Interesse ist, dass die Anlage läuft und ordentlich PV-Strom generiert. Defekte Module werden ausgetauscht und ggf. sogar gesäubert, denn jede kWh, die ich mehr produziere aber nicht selber verbrauche, geht an den Versorger.

Die Anlage rechnet sich nach 7 bis 14 Jahren finanziell – abhängig davon, wie sich der Preis für Strom auf dem Markt entwickelt. Denn was ich hier mache, ist eine Verabschiedung vom verbrauchsabhängigen Strompreis. Je teurer der Strom für euch wird, desto besser für mich und meine Amortisierung. Ein ganz schöner Perspektivwechsel!

Der Autarkiegrad

Ach ja, für die Nachkriegsgeneration ist ja die Autarkie so wahnsinnig wichtig. Für mich eigentlich nicht, aber sei’s drum: Mir wurde ein Autarkiegrad von irgendwie 50 % errechnet. Das heißt allerdings im Wesentlichen, dass ich im trüben Herbst und Winter mit ständig laufender Heizung beinahe den gesamten Strom aus dem Netz beziehen werde (wie bisher auch), und im knalligen Sommer wie aktuell leicht auf 98 % Autarkie komme (ausgenommen an Tagen, wo ich den Wagen auflade). Insgesamt kein wichtiger Punkt für mich. Echte Autarkie hat man meines Erachtens nur mit wesentlich (wesentlich!) größeren Strom- oder Wärmespeichern, oder halt mit Dieselgeneratoren. Aber wo bekommt man den Diesel her? Eine andere Geschichte, fürchte ich.

Update 7.8.2018

Auf Wunsch der Kommentarsektion hier ein paar technische Details, obwohl ich nicht zuviel dazu weiß, da das gesamte System als Komplettpaket im Rundum-Sorglos-Modus verkauft wurde.

  • Die Hausbatterie ist eine "S10":https://www.e3dc.com/produkte/s10-e/ von E3DC mit derzeit 7 kWh Kapazität – das üppige Gehäuse würde aber noch ein paar mehr Batteriezellen aufnehmen.
  • Für die S10 gibt’s theoretisch auch eine Autarkie-Schaltung als Erweiterung, mit der man sich entweder manuell oder bei einem Stromausfall auch automatisch vom Netz abkoppeln kann – dies wurde jedoch vom Stromversorger nicht dazubestellt :-(
  • Ebenso als Zubehör gäbe es von E3DC eine passende Wallbox, die intelligent in der S10 angesteuert werden kann, so dass sie nur unter bestimmten Voraussetzungen den Wagen lädt. Leider ist so eine Steuerung mit Fremd-Wallboxen nicht möglich, so dass ich da nicht von profitiere.
  • Die PV-Module auf dem Dach sind von S-Energy, 26 Stück mit je 270 W, mehr weiß ich darüber nicht.
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Gerrit van Aaken 2018-04-02T00:00:00Z 2018-04-02T00:00:00Z Die Musik von Turrican tag:praegnanz.de,2018-04-02:8a2cfbf13c9cb66c85511d6015981157 Man kann Chris Hülsbeck wahrlich nicht vorwerfen, er kümmere sich nicht engagiert genug darum, sein musikalisches Vermächtnis für die Nachwelt zu erhalten.

Wir schreiben die frühen Neunziger Jahre, und Hülsbeck ist auf dem Zenit seines Primärschaffens angekommen. Neben zahlreichen anderen Videogame-Soundtracks sind insbesondere alle drei Teile der populären Turrican-Reihe für den Amiga erschienen und man munkelt, dass sich viele Gamerinnen die Titel nur wegen der Begleitmusik gekauft haben. Überhaupt der Amiga! Dieser Rechner dürfte sich für Hülsbeck inzwischen wie eine Art angewachsenes Klangerzeugungsorgan anfühlen, so intim sind seine Kenntnisse über die technischen und musikalischen Fähigkeiten des verbauten Soundchips. Auch der kreative Output seit den Achtzigern war beträchtlich: die Anzahl der Kompositionen allein für die Turrican-Reihe liegt bei über 100 Tracks, wenn man Endboss-Clips und Jingles mitzählt. Halbwegs vollständige Song-Arrangements liegen bei ca. 30 Stücken. Der Komponist schafft es wie kaum ein anderer, aus dem Fiepen und Quäken des 16-Bit-Computers Melodien und Harmoniesprünge zu kreieren, die einer ganzen Gamerinnen-Generation ans Herz wachsen. Die Gassenhauer sind allerdings gegen 1993 alle bereits geschrieben, und mit dem End Of Life des Amigas endet auch die erste Popularitätswelle des Turrican-Soundtracks.

Doch Hülsbeck wollte schon immer ein bisschen mehr. Bereits 1991 erschien seine erste studioproduzierte CD Shades, die mit einem 15-minütigen Medley des ersten Turrican-Spiels in gepflegtem Heimorgel-Synthieklang aufwartet. Gut zwei Jahre später gibt es weiteres Material aus den Nachfolgetiteln Turrican II und Turrican 3 – Zeit für eine weitere Studio-CD! Der Original Video Game Soundtrack von 1993 enthält 15 weitere Titel, deren Arrangements mal kaum, mal deutlich vom Amiga-Original abweichen. Auch dieses Album klingt aus heutiger Sicht eher lasch und künstlich, inklusive uninspiriert vor sich hindudelnder E-Gitarren. Aber hey – der druckvolle Eurodance-Sound der Neunziger, von dem sich Chris Hülsbeck allerdings stets distanzieren wollte, war schließlich auch gerade erst in der Entstehung.

Es wurde dann einige Jahre stiller um die Turrican-Musik. Mitte der Nuller Jahre jedoch werden dann erstmals die orchestralen Qualitäten der Kompositionen erkannt und im Rahmen der Symphonic Game Music Concerts ausgelebt: Bei einigen der von 2003 bis 2007 in Leipzig stattfindenden Gamescon-Konzerte können die Besucher Highlights aus der Spieleserie für das große Symphonieorchester genießen.

Aus dem gleichen Produzenten-Dunstkreis um Thomas Böcker entsteht im Jahr 2008 das Symphonic Shades-Konzert in Köln. Hier widmen sich WDR Rundfunk Orchester und Chor ausschließlich Chris Hülsbecks Musik. Das Turrican-3-Theme erklingt als Suite für Solo-Piano, und mit dem großen Orchester werden verschiedene Motive aus Turrican II auf recht extravagante Weise interpretiert. Dieses Konzert gibt es als hübschen Live-Mitschnitt – es ist jedoch insgesamt eher als Sammelsurium zu verstehen, nicht als homogenes Gesamtwerk.

Schön und gut, aber da geht noch was! So denkt sich Chris Hülsbeck einige Jahre später und stellt ab 2012 mit einer ganzen Reihe von Kickstarter-Kampagnen unter Beweis, dass seine Fans auch 20 Jahre nach Erscheinen der Turrican-Trilogie noch bereit sind, Geld für die Aufbereitung der Musikstücke auszugeben.

Als erstes steht eine komplett neu im Studio produzierte Anthologie auf dem Programm, die auf vier Audio-CDs erscheint und sämtliche längere Kompositionen aus Turrican, Turrican II, Turrican 3, Super Turrican und Super Turrican 2 enthält. Der Sound ist diesmal reichhaltiger und deutlich erwachsener als auf den ersten Soundtrack-Versuchen von 1991 und 1993, aber das Grundprinzip bleibt erhalten: die Stücke bleiben relativ werktreu und orientieren sich grob am Arrangement und Klang der Amiga- bzw. SNES-Version, kommen mit zusätzlichen E-Gitarren daher, versuchen aber immer noch nicht, aktuelle Dance- oder Pop-Musik nachzuahmen, was eigentlich spannend ist – läge die Versuchung doch so nah! Für die Fans von Symphonic Shades ist auch neues Material mit dabei, nämlich ein episches, weniger experimentelles Turrican-II-Medley, abermals mit großem Orchester und Chor des WDR.

Diese Anthologie hätte das endgültige musikalische Erbe sein können, aber einmal mit dem Kickstarter-Virus angefixt, geht es Ende 2014 munter weiter mit der sogenannten Piano Collection, in der Pianist Patrick Nevian 18 vermischte Hülsbeck-Klassiker (in bewährter Shades-Manier) auf dem Klavier einspielt und die dazu passenden Noten auch gleich zum Nachspielen mitliefert. Selbstverständlich dürfen dabei auch zwei Stücke aus dem Turrican-Kosmos nicht fehlen. Aus meiner Sicht hätte es dieses Album allerdings nicht zwingend gebraucht – die Klavierumsetzungen plätschern mir bisweilen arg gefällig durchs Ohr, ich hatte den einen oder anderen Richard-Clayderman-Moment, und das verheißt nichts Gutes.

Doch wir kehren zurück zum symphonischen Sound! Bisher gab es immer nur vereinzelte Turrican-Highlights und Medleys für die große Besetzung, was den Ehrgeiz von Chris Hülsbeck vermutlich angestachelt hat. Im Jahr 2016 gibt er deshalb noch einmal Gas und sammelt auf Kickstarter Geld für eine umfassendere Klassik-Produktion, das Turrican II – The Orchestral Album. Diesmal nicht mit dem WDR, sondern mit dem Symphonieorchester Norrköping. Das Ergebnis ist eine wirklich fantastische Produktion, die insbesondere durch das meisterhafte Arrangement von Roger Wanamo besticht. Er findet zielsicher die richtige Mischung aus Werktreue und abwechslungsreichen, sich dynamisch entwicklenden Spannungsbögen, die nur ein großes Orchester – wenn auch diesmal ohne Chor – in so überzeugender Weise hinbekommt. Zehn Stücke sind es, allesamt handverlesen aus dem Turrican-II-Fundus. Mein persönliches Highlight ist die wunderbar zarte Oboe am Anfang von The Great Bath, und wie sich das Stück dann langsam zu einer hinreißend epischen Hymne entwickelt.

Und weil das alles so schön war, findet im Jahr 2017 das Gleiche noch einmal statt, diesmal für die restlichen Perlen aus Turrican 1 und 3, ebenfalls zehn Stücke, ebenfalls mit dem Orchester aus Norrköping: Turrican – Orchestral Selections. Um keine Langeweile aufkommen zu lassen, arbeiten dieses Mal sieben verschiedene Arrangeure an der Umsetzung. Trotzdem entsteht kein Chaos, sondern ein in allen Aspekten ebenbürtiges Schwesteralbum, das nun unbedingt als Gesamtwerk anzusehen ist. Man kann nun fasziniert zuhören, wie beispielsweise eine Komposition wie Air Combat sich im Laufe der Jahrzehnte entwickelt hat, und nun so etwas wie einen finalen Ritterschlag erhält.

Keine Frage: Chris Hülsbeck hat sich und der Turrican-Musik mit all diesen Produktionen selber ein fettes Denkmal gesetzt. Allerdings darf man nicht vergessen, was für eine sympatische und im Grunde bescheidene Figur er dabei macht. Er wirkt als Mastermind im Hintergrund, kommuniziert engagiert mit den Fans, knüpft die Connections, kennt aber genau seine Grenzen. Insbesondere wenn es um die Orchesterarrangements geht, überlässt er das Feld den Profis, da er genau weiß, dass das Erfinden von Melodien und Programmieren von SID-Chips eine andere Kunst ist als das Aufsetzen einer amtlichen Orchesterpartitur aus wahrhaft exotischem Rohmaterial.

Und mit Blick zurück auf das Jahr 1993 kann man nur sagen: Chapeau! Chris Hülsbeck hat innerhalb von gut drei Jahren eine Fülle an Musiktiteln für ein vermeintlich kulturloses „Ballerspiel“ geschaffen, welche 25 Jahre später im hochkulturellen Kontext immer wieder neu interpretiert werden. Hände hoch, wer das nicht beeindruckend findet!

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Gerrit van Aaken 2018-03-19T00:00:00Z 2018-03-19T00:00:00Z Warten auf den Ioniq tag:praegnanz.de,2018-03-19:62c8414e0bb24ec73f907e1bd9866e4a Bestellt ist er nun seit Anfang des Jahres, unser neuer Hyundai. Natürlich rein elektrisch, in blaumetallic, mit Dreijahresleasingvertrag und somit ohne Risiko. Nun beginnt eine Wartezeit von unbestimmter Länge.

Unser Autohändler hat sich schon gar nicht mehr zum Liefertermin geäußert, als er erfahren hatte, dass ich mich mit der Materie schon hinreichend befasse. „Sie kennen ja die Situation!“ Ja, kenne ich! Die Autohersteller können derzeit nicht liefern, und auch Prognosen sind fast schon sinnlos, sie ändern sich alle paar Wochen. Eben waren es noch 9 Monate, jetzt schon wieder 12, und dann gibt es wieder Erzählungen von Leuten, die ihre Karre dann doch schon nach 8 Wochen abholen konnten. Das gilt für alle interessanten Stromautos, die derzeit im mittleren Preissegment angeboten werden: Hyundai Ioniq, BMW i3, VW e-Golf, Nissan Leaf 2, Renault ZOE 40. Keines dieser Fahrzeuge kann man einfach so beim Händler mitnehmen!

Aber ich bin ja geduldig, und ich fahre ja gottseidank schon elektrisch! Im Sommer haben wir unsere ZOE drei Jahre und können viel Positives berichten, aber natürlich auch die eine oder andere unschöne Ladepanikstory. Wie das halt so ist. Zusammengefasst sind wir, wie so viele, ein NEFZ-Opfer. Unsere „klassische“ ZOE wurde unter dem Namen Q210 verkauft. Das Q stand für Quick-Charging (die vollen 43kW Wechselstrom, was allerdings durchaus eine Rarität in der Ladesäulenlandschaft darstellt), das 210 stand für die NEFZ-Reichweite.

Nun hatte uns unser Renault-Händler durchaus gewarnt, dass man eher mit realistischen 160 km rechnen sollte, und das war auch nicht gelogen, wenn man zum einen im Sommer, und zum anderen Landstraße ohne Heizung fährt. Dann schafft man gegebenenfalls sogar 180 bis 190 Kilometer.

Wofür es leider nicht reicht, ist auch im Winter eine sichere Fahrt ohne Ladestopp an die Fahrtziele, die man dann doch alle paar Wochen mal relativ spontan erreichen möchte: Besuche bei Freunden und Verwandten in Schwäbisch Hall, Heilbronn, Frankfurt und Mainz – allesamt ca. 120 bis 160 Kilometer von uns entfernt, üblicherweise eine entspannte Fahrt in einem Rutsch. Vor Ort aufladen und am Abend zurück, so hatten wir uns das vorgestellt. Mit der ZOE 210 ist das aber leider nur unter Idealbedingungen und mit viel Angstschweiß möglich.

Deshalb muss jetzt eine etwas größere Karre her, und der Ioniq schreit geradezu danach! Auch wenn der Akku nominal nicht gigantisch viel größer ist (statt 22 kWh sind es 28 kWh), kommt der Hyundai merklich weiter, und hat keine gar so starken wetterabhängigen Schwankungen. Möglich macht es der geringe Gesamtverbrauch aufgrund eines beeindruckend geringen Luftwiderstands, sowie die bessere Klimatisierung des Akkus. Das Fahrzeug holt wirklich das meiste aus den 28 kWh raus, die ihm zur Verfügung stehen, und ich stelle mich auf stabile 200 km Reichweite ein, auch im Winter und (bei gemäßigter Geschwindigkeit) auch auf der A3 zwischen Würzburg und Frankfurt.

Der zweite Punkt, warum ich vom Ioniq überzeugt bin, ist die hohe Ladegeschwindigkeit unterwegs: Mit bis zu 70 kW saugt er an der CCS-Säule, das ist schneller als jedes andere Nicht-Tesla-Fahrzeug auf dem Markt. Und passende Ladesäulen gibt es immer mehr; nicht zuletzt in Kleinostheim, direkt auf der Hälfte der besagten A3-Strecke, nebendran ein McDonald’s. Auch wenn ich auf unseren typischen Strecken also gar nicht mehr unterwegs laden müsste – jetzt könnte ich es, und mehr als 15 Minuten brauche ich mich nicht mehr damit aufzuhalten.

Der Ioniq dürfte genau das Auto sein, welches wir für unseren Alltag benötigen. Denn es ist schon richtig, dass die meisten Menschen nur zwei- oder dreimal im Jahr wirklich lange Strecken mit dem Auto fahren. Aber man vergisst oft die halblangen Strecken von 100–200 km, die doch häufiger zum täglichen 10-km-Pendeln noch dazu kommen. Und zumindest diese Fahrten sollte ein vollwertiges Automobil hinbekommen. Und darauf freue ich mich eben jetzt doch sehr!

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Gerrit van Aaken 2018-03-10T00:00:00Z 2018-03-10T00:00:00Z Das Zwölfzoll-Macbook, dritte Iteration tag:praegnanz.de,2018-03-10:bfcccd004f667d79bae089918c5f00b1 Schnellschuss-Reviews zu neu erschienenen Gadgets gibt es zuhauf. Doch wie bewährt sich ein Laptop im Langzeittest? In diesem Falle schreibe ich ein paar unsortierte Gedanken zu meinem MacBook auf, das ich seit Juli 2017 im regelmäßigen, wenn auch nicht ständigen Einsatz habe.

Ist das schicke MacBook mit nur einem USB-C-Port ein fantastisches Gerät, dass ich sehr liebe? Auf jeden Fall! Würde ich das Gerät jemandem empfehlen? Um Himmels Willen, nein! Dieses Paradoxon hat damit zu tun, dass das Gerät, auf dem ich diese Zeilen schreibe, in beinahe jeder Hinsicht perfekt für seine Einsatzzwecke geeignet ist. Da jedoch die Tastatur nicht 100% zuverlässig funktioniert – ohne, dass Apple hierfür eine Lösung anbietet – kann ich keine Verantwortung übernehmen, wenn jemand auf Grundlage meiner Empfehlung 1.500 Euro auf den Tisch legt und dann nicht vernünftig tippen kann. Ja, es ist so schlimm.

Beginnen wir aber mit dem Lobpreis: Das MacBook „adorable“ ist fantastisch leicht und hervorragend verarbeitet. Die Proportionen von Tastatur und Touchpad, die Gewichtsverteilung, das gesamte Look and Feel, sind phänomenal. Das Gerät erinnert mich konzeptionell an mein Vorgänger-Laptop für unterwegs, das Elfzoll-MacBook-Air – nur dass es noch flacher, noch leichter und noch leiser daherkommt. Es hat keinen Lüfter. Wie geil ist das? Sehr geil.

Der Retina-Bildschirm ist brillant, leuchtstark, gestochen scharf und verrichtet völlig ohne Probleme seinen Dienst. Eine besondere Umgewöhnung, wenn ich von meinem hochwertigem 5K-iMac wechsele, ist nicht notwendig.

Die Batterie-Laufzeit bei meinen typischen Tätigkeiten wie dem Vorbereiten von Folien, dem Sortieren und Bearbeiten von Urlaubsfotos, dem Programmieren von Webanwendungen, oder dem Schreiben von Blogartikeln ist stets ausreichend bis zur nächsten Auflademöglichkeit. Sechs bis sieben Stunden bekomme ich hin. Länger kann man sich eh nicht konzentrieren.

Die Tatsache, dass Apple dem Gerät nur einen einzelnen Datenport auf der linken Seite und eine Audio-Klinkenbuchse auf der rechten Seite spendiert hat, empfinde ich als befreiend. Klar, ein Adapter für sporadisch notwendige Konnektivität ist Pflichtutensil für unterwegs, aber so ein kleiner Universalhub ist weniger sperrig als das MacBook-Netzteil samt USB-C-Kabel, was man ja auch dabei haben muss. Beides passt zusammen in ein kleines Herrentäschle, und ich bin für klassisches USB, Ethernet, HDMI und SD-Karten gerüstet. Voll okay – im Alltag keine merkliche Einschränkung.

Zusammengefasst: Das MacBook mit 12-Zoll-Bildschirm ist mein perfektes Gerät für unterwegs und für gelegentliche Home-Office-Tage. Solltet ihr jedoch gesteigerte Wert auf die Zuverlässigkeit der Tastatur legen, lasst die Finger davon!

Die Tastatur des Todes

Ganz ehrlich? Ich hasse das Tippen auf meinem MacBook. Es ist ja schön, dass die Tasten etwas größer und die Spalten etwas kleiner sind. Und durch die neue Mechanik ist es sicherlich möglich gewesen, größere Terrassenakkus einzubauen. Soll mir recht sein. Doch trotz der dritten Revision dieses MacBooks ist es Apple nicht gelungen, die Unzuverlässigkeit in den Griff zu bekommen. Nur wenige Wochen nach dem Kauf war es die Taste 9, welche nur auf jeden zweiten Tastendruck reagierte. Nachdem sich das Problem nach einigen Tagen von selbst erledigte, fing im Oktober die Taste n das Spinnen an. Ich habe dann gelernt, was schlimmer ist als eine Taste, die jedes zweite Mal versagt: eine Taste, die jedes zehnte Mal versagt! Auf einem Buchstaben, den man doch ab und zu mal beötigt.

Auch jetzt noch ist das n eine Taste, die ab und zu Probleme macht. Zugegeben, ich habe die empfohlene Methode, das Gerät im 33,5-Grad-Winkel schräg über den Kopf zu halten und mit einem Abstand von 22,7 cm mit einem Luftdruck von 4,5 bar zu beschießen, aus Trotz nicht angewendet. Ein wenig hoffe ich auf einen Durchbruch seitens Apple, was die Zuverlässigkeitsforschung der Tastaturen angeht. Realistischer wäre aus meiner Sicht jedoch, dass Apple über kurz oder lang am liebsten auf eine Full-Touch-Tastatur gehen möchte, mit Tactile Engine für das Feedback. Mark my words!

tl, dr;

Kauft das neue MacBook nicht; es ist ein fantastisches Gerät mit einem tödlichen Konstruktionsfehler. Wen das nicht stört, der kann damit sehr glücklich werden und sogar so etwas wie Zuneigung entwickeln.

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Gerrit van Aaken 2018-01-02T00:00:00Z 2018-01-02T00:00:00Z Strukturierte CMS-Textproduktion – eine Typologie tag:praegnanz.de,2018-01-02:d2946b89b18827b605fa9cce4071a7b7 Nicht jeder hat die Zeit, einen meiner 90-Minuten-Vorträge in Gänze anzusehen. Zum Thema CMS gab es diesen Sommer wieder einen entsprechenden Mitschnitt. Umso besser, wenn ich dann mal die Zeit finde, die Essenz meiner mündlichen Ergüsse schriftlich herauszuarbeiten!

Wenn es darum geht, strukturierte Texte zu verfassen und im Rahmen eines CMS fürs Web aufzubereiten, haben wir Webdesigner bisweilen eine harte Nuss zu knacken: Wie bringen wir die technischen und gestalterischen Fähigkeiten (oder Nicht-Fähigkeiten) der Redakteure in Einklang mit dem Wunsch, abwechslungsreiche und spannungsvolle Layouts für die Leser zu erzeugen? Und das Ganze auch noch in responsiver Form?

In den vergangenen knapp 20 Jahren Web-CMS haben sich eine Reihe von Paradigmen entwickelt, wie dies zu handhaben sein könnte. Doch zunächst möchte ich zwischen den zwei extremen Anwendungsfällen unterscheiden, nämlich der Bleiwüste und dem Datenblatt.

Die Bleiwüste

Ein sehr einfach strukturierter Text, der im Grunde nur aus Absätzen, Überschriften, Hyperlinks und vielleicht einer kleinen Bullet-Liste besteht. Keine Bilder, keine Spalten, keine sonstigen Spielereien.

Diese Textart findet sich nur noch recht selten und stellt das geringste Problem dar. Die Redakteure lernen ein paar Brocken Markdown oder bekommen einen sehr stark abgespeckten WYSIWYG-Editor à la CKEditor vorgesetzt und können hier kaum etwas kaputt machen. Die Möglichkeiten zur individuellen Textaufwertung durch interessante Zusatzelemente ist allerdings nicht gebeben.

Als Beispiel mag ein typischer Blogbeitrag dienen, wie er auf Daring Fireball erscheint:

Das Datenblatt

Wenn es nicht um längere Freitexte geht, sondern um eine gewisse Anzahl von immer gleich strukturierten Daten und Metadaten (wie beispielsweise bei einem Shop oder Online-Katalog), so sieht die Eingabemaske im CMS entsprechend kleinteilig aus, wird einmalig vom Webdesigner in der sinnvollsten Form festgelegt und führt zu sehr einheitlich aussehenden Einzelseiten, die sich prima nach den Metadaten filtern und sortieren lassen.

Auf der kürzlich relaunchten Website der Fahrradmanufaktur Velotraum sind solche stark strukturierten Datenblätter zu begutachten:

Umgesetzt wird das alles im Handumdrehen mit individuell zusammengestellten und im Backend arrangierten Feldern in ProcessWire:


Alles dazwischen: Text mit Extras

Alle Inhaltsstrukturen, die zwischen diesen beiden Extremen liegen, bezeichne ich als frei strukturierbaren, reichhaltigen Inhalt. Oder kurz: Text mit Extras.

Und hier wird es erstmals richtig knifflig, denn die Ansichten darüber, wie dieser mittels CMS am besten umzusetzen sei, könnten unterschiedlicher nicht sein.

Über die Jahre habe ich fünf prototypische Ansätze gefunden, die jeweils verschiedene Ansprüche an das Zeitbudget des Webdesigners, die technischen Fähigkeiten des Redakteurs oder die Modernität des CMS stellen:

  1. What You See Is What You Get
  2. Shortcodes
  3. Matrix aus Widgets
  4. Stapel aus Komponenten
  5. Frontend-Editing

Und jetzt gleich nochmal im Detail – legen wir los!

1. What You See Is What You Get

Natürlich sind die WYSIWYG-Editoren im Laufe der Jahre besser geworden, doch ihr Ruf als HTML-Integritätskiller und Designverbrechen-Möglichmacher basiert schon irgendwie auf Fakten. MsoNormal, anyone?

Die ersten paar Jahre mit TinyMCE waren hart, doch ehrlicherweise muss man sagen, dass die Idee genial war, eine für Büromenschen vertraute Word95-Umgebung in das Backend eines CMS zu verpflanzen, um Webinhalte auf die gleiche Weise zu pflegen wie Printdokumente. Die anfänglichen Schwierigkeiten mit kaputtem HTML lassen sich inzwischen über Filter und sinnvolle Konfiguration in den Griff bekommen.

Konzeptionell gibt es jedoch immer noch zwei Herausforderungen. Zum einen das responsive Webdesign; hier trügt nämlich das WYSIWYG-Versprechen: Was man während der Inhaltserstellung sieht, ist nur in ganz bestimmten Sonderfällen das, was man bekommt.

Zum anderen gibt es oft ein gewisses Kompetenzgerangel zwischen Editor und CMS: Wer ist für die Extras zuständig, die den einfachen HTML-Text anreichern sollen: Bilder, Bildergalerien, Querverweise, Infoboxen usw.? Wird dies vom Editor übernommen, so muss dieser extrem individuell für das jeweilige CMS angepasst werden. Im Falle von WordPress geschieht das tatsächlich; den dort verwendeten TinyMCE erkennt man fast nicht wieder.

Kümmert sich hingegen das CMS um solche Extras, so sieht man im Editor meist nur einen Platzhalter, der über andere CMS-Felder mit Inhalt befüllt wird, nicht innerhalb des Editors.

Die meisten CMSe können und wollen sich den Einsatz eines hoch individualisieren WYSIWYG-Editors nicht leisten (insbesondere im Hinblick auf Third-Party-Plugins). Standard-Editoren können aber nur Standard-Aufgaben erledigen, keine fancy Spezialmodule sinnvoll integrieren. Es bleibt meist eine klapprige Lösung!

2. Shortcodes

Wer den Mut zur Abstraktion hat, vor allem aber den Mut, seinen Kunden eine gewisse Fähigkeit zur Abstraktion zuzubilligen, sollte sich überlegen, auf Shortcodes zu setzen. Das sind kryptische Platzhalter innerhalb von (meist mit Markdown) strukturiertem Text, die für die Platzierung der Extras, manchmal auch für kleinere Layout-Fragmente wie Spalten zuständig sind. Eine klassische Bildergalerie könnte dann so eingebunden werden:

## Unser Sommerausflug

Das war eine *ganz* besondere Sache. Aber seht selbst:

[[gallery name="sommerausflug" style="slider"]]

Das Konzept ist aus WordPress bekannt und stellt eine der präzisesten und auch zukunftssichersten Lösungen dar. Präzise deswegen, weil es quasi kaum möglich ist, aus Versehen falschen oder überflüssigen HTML-Code zu erzeugen. Man kann Shortcodes als eine Wortschatz-Erweiterung von Markdown verstehen – es gibt hier keine falschen Verschachtelungen oder leere p-Elemente.

Die Zukuftssicherheit des Codes liegt darin, dass das konkrete HTML, welches beispielsweise die Bildergalerie beschreibt, nicht im Editor lebt und ausgegeben wird, sondern vom Galerie-Plugin erzeugt wird. Wenn sich irgendwann Änderungen ergeben sollten, weil man Bildergalerien im Jahr 2017 anders codet als im Jahr 2025, kann man das global in einem Template ändern und alle Shortcodes sind trotzdem weiterhin gültig. Für den Redakteur ändert sich nichts!

Idealerweise überstehen hinreichend abstrakte Shortcodes sogar Relaunches mit komplett neuem HTML-Frontend, und im extremen Falle wäre sogar ein CMS-Wechsel denkbar. Ein Plugin, um WordPress-kompatible Shortcodes zu parsen und auszuwerten, existiert in jedem vernünftigen CMS.

3. Matrix aus Widgets

Die Lösungsansätze 1 und 2 fokussieren sich auf eine linearisierte Inhaltsbearbeitung, beschreiben also einen im Wesentlichen einspaltig gedachten Textfluss mit gelegentlichen Extras hier und da. Ganz anders die Matrix! Hier steht ein zweidimensionales Layout-Raster im Vordergrund, welches auf einzelnen Zeilen basiert, die wiederum in mehrere nebeneinander stehende Zellen geteilt sein können.

Es gibt eine ganze Reihe von CMS-Plugins, die ein solch freies Layout für Redakteure möglich machen: SiteOrigin Page Builder, WPBakery Page Builder, Grid. Der clevere Deal: Die Matrix kümmert sich nur um das Basis-Layout des Rasters, liefert hierfür ein hoffentlich stabiles und responsive HTML/CSS-Gerüst, für den Inhalt der einzelnen Zellen ist hingeben jeweils ein Text- oder WYSIWYG-Editor zuständig, oder eben ein sogenanntes Widget, wie es insbesondere aus WordPress oder Drupal bekannt ist.

Ein cleveres System, denn man verheiratet hier zwei bewährte Konzepte aus vielen CMSen: Einfache Textverarbeitung (siehe Bleiwüste) und systemweit wiederverwendbare Widgets.

Der Nachteil liegt allerdings auch auf der Hand: Eine frei gestaltbare Matrix verlangt nach einem Gestalter-Auge, wenn es gut aussehen soll. Unbedarfte Redakteure sind mit den Layout-Möglichkeiten leicht überfordert oder setzen die Matrix als Waffe gegen den guten Geschmack ein. Enttäuschungen in Sachen Linearisierung für Mobile sind außerdem vorprogrammiert. Für ansprechende Ergebnisse braucht es Einschränkungen und Leitfäden, die vom erfahrenen Webdesigner vorgegeben werden müssen.

4. Stapel aus Komponenten

Das in den letzten Jahren als sehr innovativ bejubelte Konzept ist eigentlich steinalt; bereits die allerersten Versionen von TYPO3 benutzten nämlich untereinander angeordnete Seitenabschnitte, die der Redakteur aus einer fixen Auswahl von Layout-Minivorlagen zusammenstellen konnte, ganz nach dem Motto „Text mit Bild links“, „Reiner Text“, „Slider-Galerie“ usw.

Die Benutzung in TYPO3 und TypoLight war damals etwas umständlich, insbesondere im Vergleich zu den simplen, universellen Textboxen, welche man von WordPress und anderen Blog-CMSen der Nuller Jahre kannte.

Doch eine regelrechte Renaissance hebt seit Mitte der Zehnerjahre das Stapelkonzept in das Bewusstsein vieler Webdesigner: bei craftCMS als Matrix bekannt, bei Kirby als Kirby Page Builder, bei ProcessWire als RepeaterMatrix und demnächst möglicherweise im WordPress-Core als Gutenberg.

Wieviel Freiheit der Redakteur bei diesem Spiel erhält bzw. wie groß die Auswahl an verfügbaren Komponenten-Typen ist, bestimmen Seitenbetreiber, Webdesigner und das Budget ;-) Klar ist: bei einem individuell erstellten responsiven Webdesign bedeutet jeder Komponententyp einen gewissen Aufwand für die Aufbereitung im Backend und Frontend. Zum Glück skaliert das Konzept sehr gut: Wir gehen oft mit einem begrenzten Set an Möglichkeiten an den Start und ergänzen nach und nach je nach Bedarf weitere Komponenten bzw. schaffen Variationsmöglichkeiten.

Volle Code-Kontrolle für den Webdesigner, visuell miteinander harmonisierende Komponenten, und eine kuratierte Freiheit für den Redakteur – das Stapelkonzept gehört klar zu den Stars im modernen CMS-Workflow!

5. Frontend-Editing

Einen vermeintlichen Blick in die Zukunft gewährt uns schon seit einigen Jahren das Bearbeiten von Seiteninhalten direkt im Frontend. Oft behauptet, selten tatsächlich in der Praxis eingelöst, aber nichtsdestotrotz hochinteressant.

Bildrechte: 20th Century Fox / DreamWorks Pictures

Konzeptionell sehen wir hier meist eine weitergedachte Version der Konzepte 3 und 4, wobei die angezeigten Preview-Inhalte bereits zu 100 % dem Endergebnis entsprechen und die ganzen Bedienelemente meist als schwebende Menüs über dem Inhalt platziert werden, dynamisch an den Stellen, wo sie gerade gebraucht werden.

Da die Trennung zwischen Front- und Backend aufgehoben ist, lassen sich individuell entwickelte Websites nur schwer entsprechend nachrüsten. Falls jemand Frameworks kennt, mit denen sich das machen lässt: Ab in die Kommentare! Die mir bekannten Frontend-Editing-Lösungen sind alle Teil eines größeren Theme-Pakets (siehe Divi) oder einer gehosteten Komplettlösung (wie bei Squarespace).

Sollte man einem Redakteur ein Tool wie Divi an die Hand geben? Eher nicht! Zu vielfältig sind die Möglichkeiten, Dinge visuell zu zerstören. Ich sehe Frontend-Editing eher als die moderne Version von Dreamweaver: ein Tool für Designer ohne Code-Ambitionen, die individuelle Einzelseiten für eine eher kleinere Kundenwebsite zusammenstellen. Solchermaßen eingesetzt bin ich von den grundsätzlichen Möglichkeiten durchaus beeindruckt. Aber ohne Reinfuchsen klappt das freilich auch hier nicht!

tl;dr

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie CMS-Redakteure strukturierte Texte mit Extras erstellen können – alle mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen für Redakteur, Webdesigner und Budget. Welches die beste Methode ist, lässt sich nicht pauschal beantworten, aber der Stapel aus Komponenten ist ganz schön gut.

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Gerrit van Aaken 2017-10-27T00:00:00Z 2017-10-27T00:00:00Z Richard Rutters „Web Typography“ tag:praegnanz.de,2017-10-27:71c6a07a57ad52e125678230bd22de72 Bücher über Typografie gibt es wie Sand am Meer! Bei der Webtypografie sieht das anders aus, und das schon seit Jahren. Doch mein britischer Bloggerkollege Richard Rutter hat es nun endlich auch getan: ein aktuelles Werk zu dem Thema geschrieben, welches mir selber besonders am Herzen liegt.

Dass mir Richard Rutter (alias @clagnut) erstmals im Netz aufgefallen ist, liegt exakt dreizehneinhalb Jahre zurück. Im Mai 2004 erschien sein legendärer Artikel über den Einsatz von em bei CSS-Schriftgraden. Es war die goldene Zeit der Webdesign-Blogartikel; beinahe jede Woche erschien ein wegweisendes How-To bei einem amerikanischen, britischen oder kanadischen Webdesign-Helden, und die ganze Welt lernte mit.

Später trat Richard Rutter als Gründer des Online-Schriftverleihs FontDeck erneut in Erscheinung. Der Service musste sich Ende 2016 leider gegen die Konkurrenz geschlagen geben. Er war vielleicht ein bisschen zu teuer.

Genau wie ich musste Rutter seit mehreren Jahren mit dem inneren Drang zurechtkommen, ein Buch über Webtypografie verfassen zu müssen, einem so dynamischen Thema im ständigen Fluss der Veränderung. Vier Jahre nach meinem eigenen Wurf namens #webtypobuch und ein Jahr nach Jason Santa Marias On Web Typography ließ es sich offenbar nicht mehr aufhalten: Eine Kickstarter-Kampagne im Sommer 2015 und zwei Jahre Wartezeit später halten wir seit ein paar Wochen das gedruckte Werk in den Händen. Zugegeben, das exzellent aufbereitete E-Book stand schon Anfang Mai 2017 zum Download bereit.

Wie viel Print steckt noch drin?

Jeder Webtypografie-Autor muss sich in der Planungsphase Gedanken darüber machen, wie viel klassische Typografie in seinem Buch Platz finden soll. Stellt man sich als Leserin eher eine typografisch erfahrene Person vor, die sich gewissermaßen nur das technische und gestalterische Delta zur Webtypografie aneignen möchte? Das war ein Stück weit mein Ansatz.

Oder sind auch Schriftlaien eingeladen, zunächst die allgemeingültigen typografischen Regeln kennenzulernen, um danach jeweils Codebeispiele und spezifische Erläuterungen fürs Web zu erhalten? Das ist der Ansatz, den Richard Rutter gewählt hat. Unter anderem (aber nicht nur) deshalb ist sein Buch Text auch fast dreimal so lang wie meiner.

Für absolute Neulinge kann Web Typography durchaus als solider Einstieg in die Welt der Serifen und Zeilenabstände fungieren, ganz unabhängig vom Webdesign mit seinen speziellen Tücken. Anknüpfungspunkte zur Vertiefung von Printthemen finden sich zur Genüge.

Der schreibt so schön!

Richtig beeindruckt hat mich der elegante, britisch-zurückhaltende und trotzdem präzise Schreibstil im Buch. Die Kapitel lassen sich wunderbar am Stück lesen, folgen zwar jeweils einem ähnlichen Muster, finden aber immer wieder individuelle Worte, um die Themen anzureißen, sie ausführlich genug zu erklären und ganz konkrete Handlungsanweisungen zu geben.

Insbesondere die Balance zwischen historischen Herleitungen (immer interessant), Probleme mit älteren Browsern (nur ganz vereinzelt) und zukunftsweisenden Techniken aus den letzten zwei Jahren ist hervorragend gelungen. Man fühlt sich wohlig eingebettet in elegante Worte voller Kompetenz. An manchen Stellen ist mir persönlich der Tonfall der motivational speeches ein wenig zu dick aufgetragen und gerät ins floskelhafte Pathos.

Die Illustrationen sind ästhetisch gut gelungen, könnten aus meiner Sicht aber zahlreicher sein. Ich weiß selber, wie viel Arbeit das macht, aber es lohnt sich! Ein wenig zu oft wird ein bestimmter Sachverhalt nur mit Prosa umschrieben, könnte mittels einer durchdachten Bebilderung aber noch präziser dargestellt werden.

Codeanteil

Das Verhältnis von konkreten Codebeispielen zu umschreibendem Text ist angenehm gering. Alles andere wäre auch unklug, schließlich ändert sich alles so schnell. Die alte CSS-Syntax für font-feature-settings hat als Fallback-Methode den Sprung in die Beispiele gerade noch geschafft, obwohl die neuere Syntax über font-variant in Zukunft alle Open-Type-Features übernehmen wird.

Das sind dann aber auch schon die komplexesten Abschnitte. Meist bleibt es bei simpelsten CSS-Notationen für einzelne Anwendungen, ohne unnötigen BEM- oder Sass-Spuk.

Unerwartete Schätze für alte Hasen

Hand aufs Herz: Wer von euch kennt die CSS-Längeneinheit ch? Und wem war klar, wie man recht komfortabel die Nummern einer ordered list unabhängig stylen kann? Jeder hat so seine Wissenslücken, und das vollständige Lesen eines Buches hat immer das wunderbare Potenzial, diese unbewussten Wissenslücken zu füllen. Ich kann bestätigen, dass dies auch im vorliegenden Fall wunderbar gelingt.

Zusammengefasst

Web Typography ist ein ausgesprochen komplettes Buch. Es behandelt in sehr ausgewogener Form alle gestalterischen und technischen Aspekte zum Thema, wobei der Schwerpunkt eher auf der Gestaltung liegt. Esoterische Spitzfindigkeiten wie PPOFLS (Perceived Performance Optimized Font Loading Strategies) oder das Font-Rendering unterschiedlicher Font-Formate in verschiedenen Versionen von Windows werden zwar gestreift, aber (zum Glück) nicht in voller Geek-Tiefe durchbesprochen.

Was mir tatsächlich fehlt, sind mehr zeitgenössische Beispiele für gelungene Webtypografie. Der Autor bleibt größtenteils auf der Theorieebene und zeigt selbstgebaute Beispiele von einzelnen Details. Eine Demonstration der Erkenntnisse im Rahmen von real existierenden Websites ist extrem selten und wäre doch gleichzeitig so anschaulich!

Qualität des E-Books

Neben dem in Eigenregie gedruckten Buch gibt es mehrere Versionen des Textes als E-Book. Einmal das Original-Layout als PDF (Doppel- oder Einzelseiten, jedoch ohne entsprechende Anpassung des Satzspiegels). Besonderes Lob verdient sich das Werk aber für die echten E-Book-Versionen im EPUB- und MOBI-Format. Diese enthalten die eingebetteten Originalschriften, sind vom Layout her an das Printdokument angelehnt und gleichzeitig mit freiem Textfluss konsumierbar. Selbst auf meinem hundert Jahre alten Kindle 4 kann man das Buch angenehm lesen. Das liegt unter anderem daran, dass – ähnlich wie beim #webtypobuch – sämtliche Illustrationen eher im Panorama-Format angelegt sind und stets über die volle Textbreite gehen.

Am meisten profitiert man natürlich unter iBooks auf Mac und iPad. Dies dürfte nach wie vor die mit Abstand beste Plattform zum Lesen von reichhaltig gestalteten EPUBs sein.

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Gerrit van Aaken 2017-09-03T00:00:00Z 2017-09-03T00:00:00Z Probefahrt mit dem Hyundai Ioniq Elektro tag:praegnanz.de,2017-09-03:b030f58f368aa9ced17fb0ba9ca3889f Ich bin den aktuellen Liebling der Elektroautoszene für zwei Stunden zur Probe gefahren und schreibe euch natürlich gerne mein Fazit hier ins Blog.

Das Würzburger Autohaus Schürer ist offenbar einer der wenigen Händler, die jetzt bereits alle drei Varianten des Ioniq zum Testen bereit hält: Hybrid, Elektro und Plugin-Hybrid. Für mich war selbstverständlich nur die reine Elektrovariante interessant, und so machte ich mit meiner Frau einen kleinen Trip durch Würzburg und Höchberg, auf die A3 bis zum Rasthof Haidt an die Ladesäule, und zurück.

Ganz grundsätzlich: Der Ioniq Elektro ist ein bemerkenswert vollständiges Auto, vollgestopft mit Funktionen, und das bereits in der Basis-Variante. Die Möglichkeiten zur Individualisierung sind ohnehin gering: Es gibt drei Ausstattungslinien (33.300 €, 35.500 € und 38.000 €), die sich gar nicht dramatisch voneinander unterscheiden. Da bei der teuren Variante „Premium“ nur Ledersitze möglich sind (buh!) und die günstige Variante „Trend“ keinen Wärmetauscher besitzt (will man schon), kommt eigentlich nur die mittlere Variante „Style“ in Frage, und diese sind wir auch gefahren. Überall identisch sind die Batteriekapazität von 28 kWh, die Ladebuchsen (CCS bis 100 kW, Typ2 bis 6,6 kW) und serienmäßige Kabel für Typ2 und Schuko.

Die vielbeschworene gute Verarbeitung des Koreaners ist Realität: sattes Ploppen der Türen, hochwertige Materialien, Wohlfühlambiente – ein deutlich gehobener Standard, wie man ihn von deutschen Herstellern kennt. Das Fahrgefühl ist top, Beschleunigung, Rekuperation wunderbar, alles ist zudem einstellbar: Es gibt drei Fahrmodi (Eco, Normal, Sport), wobei die jeweilige Rekuperation nochmal unabhängig davon in vier Stufen modifiziert werden kann, inkl. „Segelmodus“. Wenn man die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten klug nutzt, ist der Ioniq ein echtes Sparwunder und verbraucht angeblich nur ca.  10 bis 11 kWh auf 100 km im Sommerhalbjahr. Aber auch im Winter soll der Verbrauch nicht so heftig ansteigen wie beispielsweise bei der ZOE. Die 28er-Batterie dürfte ähnliche Reichweiten zwischen 200 und 260 km erzielen wie eine (theoretische) 33er ZOE-Batterie. Dank CCS-Schnellladung verliert die Autobahn aber definitiv ihren Schrecken.

Aber nochmal zurück zur Ausstattung: Es fehlt quasi nichts in diesem Ausstattungsprimus: Tempomat mit Abstandshalter, 12V-Buchsen und Qi-Handyladung an allen möglichen Stellen, CarPlay und Android Auto, DAB-Radio, Sitzheizung und Lenkradheizung. Letztere sind echte Stromsparfunktionen, da man die Innenraumbeheizung reduzieren kann!

Sagen wir es so: Minimalismus geht anders. Und das wäre auch einer meiner Kritikpunkte. Das Ding hat definitiv zu viele Knöpfe und Schalter, sowohl am Lenkrad als auch an der Konsole und im Cockpit-Display. Man ist ein wenig erschlagen von den hundert Möglichkeiten. Ich bin, was diese Dinge angeht, wohl eher im „Team Model 3“ angesiedelt, wo einfach alle Einstellmöglichkeiten virtualisiert auf einem großen Touchscreen stattfinden statt überall im Innenraum verteilt.

Der andere Kritikpunkt ist die Garantie auf die Kaufbatterie. 8 Jahre sind natürlich fein, aber leider wird erst unter 70 % Batteriegesundheit oder weniger ausgetauscht. Zum Vergleich: Renault und Nissan machten’s jeweils bei unter 75 %.

Ach ja, und da wäre die Sache mit der Lieferzeit: zwischen zwei und zwölf Monaten ist alles drin, so die offizielle Sprachregelung für die Händler. Das ist natürlich hart, zumal die Vorführmodelle definitiv nicht zum Verkauf stehen und gebrauchte Wagen noch rar sein dürften.

Ob der Wagen insgesamt schick ist – Geschmackssache. Für uns ist er sicherlich etwas zu groß und ein bisschen spießig gestaltet im Innenraum, eben ein echtes „Auto-Auto“, kein „Elektroauto-Auto“. Der Vergleich mit der ZOE liegt für mich zwar irgendwie nahe, passt aber nicht wirklich, da sehr unterschiedliche Geschichten erzählt werden: Pragmatischer und erschwinglicher Minimalismus bei Renault, klassischer Komfort und Features satt bei Hyundai. Fairer wäre wahrscheinlich ein Vergleich mit dem Kia Soul EV. Dazu müsstet ihr dann mal die (noch) aktuelle Folge von CleanElectric anhören.

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Gerrit van Aaken 2017-08-20T00:00:00Z 2017-08-20T00:00:00Z Trends im Content Management tag:praegnanz.de,2017-08-20:574ed68c2108cfa96e3f90431d20a41c Ein 108-minütiger Videovortrag über fast alles, was ich über Content-Management-Systeme weiß. Oder zumindest, was wir als Agentur in den letzten Jahren ganz praxisnah darüber gelernt haben.

Audiotechnisch suboptimal mitgeschnitten bei der Vortragsreihe Technik & Zukunft der Typografischen Gesellschaft München (19. Juli 2017):

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Gerrit van Aaken 2017-08-19T00:00:00Z 2017-08-19T00:00:00Z Wahlprogramm-Design-CheckUp 2017 tag:praegnanz.de,2017-08-19:d9eadf79d1b08b4ba071f7d387aee604 Es ist wieder soweit – die Wahlprogramme der Parteien zur Bundestagswahl müssen analysiert und verglichen werden. Allerdings selbstverständlich nicht inhaltlich, sondern nach typografischen Gesichtspunkten. Starten Sie Ihren PDF-Viewer und los geht’s!

Zunächst jedoch ein paar Aspekte, die ich im Vergleich zur 2004er-, 2005er- und 2009er-Edition dieses Artikels für erwähnenswert halte. Auch wenn alle Parteien nach wie vor ein Hauptdokument im PDF-Format anbieten, so existiert inzwischen eine Vielzahl von Darreichnungsformen, die dem realen Konsum der Inhalte sehr viel mehr entgegen komme als das sperrige 150-Seiten-Büchlein, das sich nur echte Idealisten und ungewöhnlich engagierte Sozialkundelehrer durchlesen werden. Es gibt Zusammenfassungen von 1 bis 10 Minuten Leselänge, Versionen in einfacher Sprache, EPUBs für E-Book-Reader, vorgelesene Audiodateien und natürlich hunderte von Sharepics mit den Kernthesen. Miniwebsites zum bequemen Navigieren machen den Einstieg in die Lieblings-Themen einfach. Endlich ist den Wahlkämpfern klar geworden, dass die Menschen heutzutage an Bildschirmen jeder Größe Inhalte lesen und bieten passende Formate an. Großes Lob für diese mediendiverse und Barrieren abbauenden Entscheidungen!

Dennoch wollte ich aus Gründen der Tradition und der Vergleichbarkeit nur das ungekürzte, vom Parteitag abgesegnete Dokument betrachten, und zwar von allen sechs Fraktionen, die eine realistische Chance auf 5% bei der Bundestagswahl im Herbst haben. Und ich sage es gleich dazu: Ja, ich halte die AfD aus inhaltlichen Gründen für einen echten Schandfleck in dieser Reihe! Ich werde dennoch ihren demokratisch erarbeiteten Erfolg respektieren, während ich gleichzeitig auf anderen Kanälen ihre Inhalte und Protagonisten mit voller Verve rhetorisch bekämpfe!


CDU/CSU

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Merkel strengt sich nicht einmal mehr an, so geht das Mantra der vergangenen Tage. Und das „Regierungsprogramm“ bzw. #fedidwgugl getaufte Wahlprogramm der CDU/CSU ist eine direkte Entsprechung dieser Geisteshaltung. Es hat noch nicht einmal für Doppelseiten gereicht. Das 76-seitige PDF kommt als DIN-A4-Einzelseiten-Textwüste daher, enthält nicht eine einzige Abbildung, dafür gelangweilte Standard-Formatvorlagen in der CDU-Hausschrift Kievit (immerhin nicht Arial). Das PDF wurde mit Word 2000 erstellt, wahrscheinlich auf dem virenbefallenen Windows-XP-Rechner des GF-Sekretärs. (Der letzte Halbsatz ist allerdings spekulativ.)

In seiner formatvorlagigen Schlichtheit sind keine allzu groben Fehler erkennbar: Abstände, Größenverhältnisse und Lesbarkeit passen soweit. Einzig der linke Einzug der zahlreichen Bullet-Points ist zu groß, und der vertikale Abstand zur Seitenzahl zu klein. Das Titelbild ist blau hinterlegt, im angedeuteten neuen Corporate Design der CDU, aber sehr gemäßigt – immerhin ist die bayerische CSU ja irgendwie zu einem Sechzehntel an diesem Dokument beteiligt.

Note 4–


SPD

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Die SPD hält auch nichts von Abbildungen im Innenteil Ihres optimistisch „Regierungsprogramm“ getauften Dokumentes, aber es ist etwas mehr Gestaltungswille vorhanden als bei der CDU. Die Sozen-Agentur nutzte InDesign CC 2017, wir erblicken Doppelseiten, und wir haben das rote Quadrat an verschiedenen Stellen: zum einen als Bullet-Points, zum anderen als neckisches Daumenkino rechts oben, wo es einen animierten Ladebalken oder Fortschrittsanzeiger mimt. Verstehste? Fortschritt! SPD! Da war mal was!

Warum die SPD nach Futura in den Neunzigern, TheSans in den Nuller- und Zehnerjahren nun auf die Neutralität der Neuen Helvetica setzt (und zwar konsequent), ist nicht ganz klar ersichtlich. Eine ironische Hipsternutzung dieser Schrift kann es irgendwie nicht sein. Ich verstehe es nicht: Die Helvetica hat nichts Kämpferisches oder Progressives, sie ist einfach nur Standard. Eine schwache Botschaft des Herausforderers! Immerhin wird im Fließtext der Blick auf fettgedruckte Schlagwörter gelenkt, die das Lesen auflockern.

Note 3


FDP

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Die FDP sieht sich gemäß ihres Wahlkampf-Designs als progressive „Kursiv“-Partei. Da Ungeduld die Tugend der Stunde ist, haben sie scheinbar keine Zeit für eine mega-sorgfältige und ausgewogene Gestaltung investiert, sondern rotzen ihre Kernaussagen und Claims dahin, von der Ungeduld getrieben, in den Basis-Druckfarben Magenta, Cyan und Gelb.

So soll es vielleicht ein bisschen wirken. Das Programm der Lindner-Partei ist in dieser modernen Rumpeligkeit gesetzt, die man nur mit viel Coolness hinbekommt. Der Fließtext mit zu engem Zeilenabstand in der Scheißdrauf-Calibri, die Einschübe in einer zu fetten DIN-Schrift in kursiv, nicht mal für die Lizenz einer feingeschliffenen DIN Next hat es gereicht. Das Dokument ist mit 158 DIN-A5-Seiten alles andere als kurz, wird aber durch einige Diagramme aufgelockert.

Aber: Es sieht halt leider geil aus! Lässig und kraftvoll, ein kleiner Affront gegen das Beständige und – in diesem Falle – die reine typografische Lehre. Zu verlieren hat die FDP bekanntlich nichts. Mit ihrer Kampagne und diesem Wahlprogramm kann sie punkten!

Note 1


Die Linke

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Müssen Sozialisten immer soviel schreiben? Die Linke gewinnt mit 480.000 Zeichen das Rennen um das ausführlichste bzw. geschwätzigste Wahlprogramm. Das Layout ist seit 2009 übrigens unverändert: eine schmale Corporate S – ach, diese Ironie! – in zwei engen Spalten, alles etwas zu gedrungen gesetzt. Dennoch insgesamt gut lesbar dank DIN-A5-Doppelseiten mit Flattersatz und guter Struktur. Die Bullet Points sind nicht mit einem Einzug versehen, was sie besser in den Text integriert. Ungewöhnlich, aber für diese Art von Texten wohl sinnvoll. Bei der CDU sieht man, dass es andersrum doof aussieht.

Auch die Linke verzichtet auf Abbildungen jeglicher Art. Die Titelseite könnte auch ein Plakat sein. Keine Überraschungen von links, die Konzentration auf den Inhalt sei ihnen gegönnt. Und der Kontrast zur FDP ist dieses Jahr mehr als deutlich. Eine Besonderheit: Nach dem Index finden sich jede Menge Call-To-Actions: Spendenaufrufe, Beitrittsformulare, SEPA-Antrag usw.

Note 2–


Die Grünen

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Die Grünen haben das Layout ihres Parteiprogramms seit 2005 nicht mehr geändert. Das sind inzwischen zwölf Jahre! Lediglich die Schrift wird anscheinend immer wieder der aktuellen Kampagne angeglichen, so haben wir es mit der Mac-Systemschrift PT Sans im Fließtext und dem Freefont Arvo in den Headlines zu tun.

Das Doppelseitenlayout wird von allen Seiten eingerahmt: Themenheadlines, Striche, graue Kästchen, insgesamt wirkt das leider etwas unruhig und der eigentliche Text kann sich nicht souverän ausbreiten. Der Blocksatz und der Verzicht auf Bullet-Points führt zu bemerkenswert gleichartigen Seitenansichten, über sage und schreibe 248 abbildungslose DIN-A5-Seiten. Einzig die grau hinterlegten Zusammenfassungen lenken den Blick, sind aber mit zu geringem Innenabstand keine Augenweide. Die angeblich so progressive Partei bleibt vom Layout her in den späten Neunzigern stecken. Hier wäre mit der richtigen Agentur wesentlich mehr drin gewesen!

Note 3–


Die AfD

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Die Wahl der fetten Futura als rumpeliger Hingucker für die AfD funktioniert stilistisch sehr gut, ist aber auch schrifthistorisch interessant. Einerseits klar: Futura = Zukunft, passt immer – war ja auch lange Zeit SPD-Hausschrift. Andererseits stammt die Futura aus dem Jahr 1927, und das finden die völkischen Spinner in den AfD-Reihen bestimmt ausgesprochen schicklich.

Die AfD hat sich für das ungewöhnliche Querformat entschieden, was das Durchblättern der gedruckten Fassung sperrig macht, aber auch einen selbstbewussten und hochglanzkatalogigen Touch hat. Die Powerpoint-Anmutung wird unter anderem auch durch die vollformatigen Thementrennerseiten verstärkt, die ich aber als Atempause ganz angenehm finde. Die Doppelspalten im Fließtextbereich sind dann wieder relativ standardisiert gestaltet: Georgia als blutleere Brotschrift, etwas unsouveräner Umgang mit den vertikalen Abständen, aber im Großen und Ganzen okay. Ein typografischer Kardinalfehler hingegen: Die AfD benutzt sowohl eine Leerzeile zwischen den Absätzen, als auch einen Einzug am Anfang jedes Absatzes. Es ist aber nur eine der beiden Maßnahmen sinnvoll, nie beide zusammen! Die großzügigen Weißflächen um die Textblöcke herum erfüllen ihren Zweck, wären auf der Doppelseite spiegelbildlich angeordnet noch schöner, täuschen aber auch nur unzureichend darüber hinweg, dass das Programm mit 140.000 Zeichen nur ein Viertel des Umfangs einnimmt, den die Linke oder die Grünen zu bieten haben.

Note 2–


Bemerkung

Auch wenn man die eine oder andere Tendenz zu erkennen glaubt – die Gestaltung der Wahlprogramme hat nichts mit der täglichen Arbeit der Parteien zu tun. Bitte wählt um Gottes Willen nicht auf Basis dieser kleinen scherzhaften Beurteilung!

Hinweis: ich bin seit fast zehn Jahren Mitglied der Grünen und habe 2009 aus Lust und Laune das Wahlprogramm der Piraten gestaltet.

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Gerrit van Aaken 2017-06-26T00:00:00Z 2017-06-26T00:00:00Z Nur noch E-Zulassungen ab 2030? tag:praegnanz.de,2017-06-26:68551c4090546332cddfe72df6192a92 Wenn es nach der Grünen Bundestagsfraktion und dem Bundesrat geht, wird es in Deutschland ab 2030 keine neuen Zulassungen für Verbrenner-Autos mehr geben. Ist das überhaupt machbar oder bricht dann alles zusammen? Wie realistisch ist der Zeitplan? Ich gebe sachliche Antworten zu berechtigter Skepsis.

1. Tankstellen haben nicht genug Platz für ladende E-Fahrzeuge.

Wenn die jetzigen Tankstellen die einzigen Orte wären, an denen man Elektroautos aufladen kann, wäre das korrekt. De facto lassen sich aber überall Ladesäulen aufstellen, wo elektrischer Strom verfügbar ist – insbesondere an Orten, wo das Fahrzeug sowieso einige Zeit steht (Tiefgarage, Supermarkt, Arbeitsplatz oder die eigene Garage).

2. Lange Autobahnfahrten kosten viel Zeit.

Das ist korrekt. Wer auf der Autobahn schneller als 120 km/h fährt, verbraucht deutlich mehr Energie und muss häufiger aufladen, was mehr Zeit kostet als man durch die schnelle Fahrweise gespart hat. Autobahnfahrten über 200 Kilometern dauern mit E-Autos merklich länger. Wir müssen uns als Gesellschaft allerdings die Frage stellen, ob stundenlanges Rasen bei 160 km/h der Maßstab aller Dinge ist. Sollte nicht eine sichere und entspannte Reisegeschwindigkeit mit ausreichend langen Pausen das Ziel sein, ganz unabhängig von der Frage nach der Antriebsart der Fahrzeuge?

3. Die Rohstoffe für Batterien sind nicht unendlich verfügbar.

Es stimmt, dass die heutigen Li-Ion-Akkus auf seltene Erden und Lithium angewiesen sind. Dies betrifft auch die Batterien von Smartphones und Laptops, welche einen weit größeren Anteil an der weltweiten Gesamtkapazität halten. Mit den enormen Innovationen, die aktuell in der Batterieforschung stattfinden, wird die aktuelle Technologie jedoch in absehbarer Zeit durch nachhaltigere Lösungen ersetzt.

Quellen:

4. Es gibt keinen Plan für die Altbatterien.

Nicht richtig. Gebrauchte Fahrzeugbatterien mit nachlassender Kapazität können für Notstromaggregate, als Heimbatterie oder zum Ausgleich von Lastspitzen in Kraftwerken verwendet werden. Da erst seit 2010 Elektroautos in Serie hergestellt werden, ist diese „Second-Life“-Nutzung noch nicht in vollem Gange; Infrastruktur und Geschäftsmodelle sind aber vorbereitet.

Quellen:

5. Die CO2-Bilanz von E-Autos ist nicht besser als bei Verbrennern.

Kommt drauf an. Die Herstellung von großen Batterien erfordert tatsächlich viel elektrische Energie. Entscheidend ist der jeweilige Energiemix des Fertigungsstandorts. In Teslas Gigafactorys setzt man auf Solarstrom, andere Batterieproduktionen arbeiten noch mit Anteilen von Kohlestrom. Als Faustregel gilt: Wer sein Elektroauto mit 30-kWh-Akku größtenteils mit Ökostrom auflädt, fährt nach weniger als drei Jahren mit einem kleineren CO2-Fußabdruck als ein vergleichbarer Verbrennerfahrer. Öffentliche Ladesäulen werden übrigens sehr häufig mit erneuerbaren Energien betrieben.

Quellen:

6. Der Bedarf an Strom kann nicht zuverlässig gedeckt werden.

Von heute auf morgen ist ein Ausbau der Kapazitäten tatsächlich nicht zu schaffen. Es bleiben jedoch noch einige Jahre, in denen der Anteil an E-Fahrzeugen Schritt für Schritt ansteigt. Die Stromnetze werden seit Jahren intelligenter und dezentraler. Der heimische Ladevorgang könnte automatisch zu einer Zeit stattfinden, wenn das Netz weniger belastet und der Strom billig ist. Autarke Stromversorgung vor Ort ergänzt sich prima mit Autobatterien zur Kapazitäts- und Lastverteilung.

Quellen:

7. Elektroautos sind teurer als Verbrenner.

Das ist Stand 2017 natürlich richtig, wenn man nur den Anschaffungspreis betrachtet. Dieser entwickelt sich nach unten, wenn Batterien und elektrische Antriebsstränge in höheren Stückzahlen gefertigt werden, was seit einigen Jahren bereits geschieht. Die laufenden Fahrtkosten in Form von Strom und ggf. Batteriemiete hängen von sehr vielen Faktoren ab und müssen individuell betrachtet werden. Als grobe Faustregel zahlt man pro Kilometer etwa 50 % des Benzinpreis für den verbrauchten Strom. In Sachen Verschleiß und Wertverlust stehen Elektromobile sehr gut da. Eine echte Preisparität in Bezug auf die Total Cost Of Ownership wird – je nach Studie – für Anfang bis Mitte der Zwanziger Jahre erwartet.

Quellen:

Fazit

Es gibt viel zu tun. Nicht alle Kritikpunkte von E-Auto-Skeptikern sind als „dämlich“ von der Hand zu weisen. Die Politik und die Wirtschaft sind nun gefragt, richtungsweisende Entscheidungen zu treffen und Innovationskultur zu fördern – Lippenbekenntnisse, wie sie die alteingesessene Autoindustrie fast täglich in die Welt posaunt, reichen alleine nicht aus!

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