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Gerrit, 13.06.2008

Zugänglichkeit im Webdesign – es bleibt schwierig!

Die einen Nutzer kennen sich aus, die anderen nicht. Der eine surft auf dem iPhone, der andere mit Riesenbuchstaben. Und die Webdesigner stehen mittendrin und wollen auch noch etwas hübsches daraus zaubern! Kann das gut gehen?

Machen wir uns nichts vor: Die Zeiten, in denen man dem erstaunten Grafiker mitteilen musste, dass sein hübscher Screenentwurf unter Umständen auf den Monitoren der Nutzer ein wenig anders aussehen könnte als im Photoshop, sind so langsam vorbei. Es hat sich langsam aber sicher eine gesunde Grundakzeptanz dafür gebildet, dass man im Hinblick auf die Zugänglichkeit (früher hieß das mal Barrierefreiheit) das visuelle Design von Websites nicht als vollständig kontrollierbar ansehen darf.

Die Gründe dafür sind ebenfalls hinlänglich bekannt. Als erstes werden dabei meist die Nutzer mit Sehbehinderungen genannt. Dabei stellt die unfassbare Vielfalt von Zugangsgeräten inzwischen fast das größere Problem dar: schlechte Browser auf winzigen Handydisplays, gute Browser auf kleinen Smartphonedisplays oder auf Vollbild gezogene Browser auf riesigen 30-Zoll-Monitoren. Außerdem sind langsame Netzverbindungen zu berücksichtigen (GPRS, EDGE), sowie restriktive Arbeitsplatzumgebungen, wo die paranoide IT-Abteilung verhindert, dass ein aktueller Browser installiert oder gar JavaScript aktiviert wird. Ein ganz schönes Dilemma! Aber an sich keine brandneue Erkenntnis.

(Am Rande: Vollblinde Nutzer tangiert das alles wenig – für Sie ist eigentlich nur der HTML-Quelltext interessant und irgendwann vielleicht mal das Audiostylesheet, falls sowas in diesem Leben noch von irgendeiner Screenreader-Software implementiert werden sollte.)

update: Wie Eric richtig anmerkt, bedienen sich Screenreader nicht direkt beim HTML, sondern bei der MSAA-Schnittstelle, die aber natürlich ihrerseits das HTML als Grundlage nimmt und nur wenige CSS-Parameter wie display: none; einfließen lässt.

Alle Macht dem User also; soweit ist ein Konsenz unter den professionellen Webentwicklern vorhanden. Doch jetzt wird es schwierig: Die spannende Frage an dieser Stelle lautet nun nicht mehr, ob man dem Nutzer ermöglichen soll, das Design an individuelle Bedürfnisse anzupassen, sondern vielmehr an welcher Stelle man sich idealerweise einhängt, um optimale Zugänglichkeit zu erreichen. Dabei spielen verteufelt viele Faktoren eine Rolle, die dummerweise oftmals im Gegensatz zueinander stehen und in unterschiedlichen Nutzungsszenarien betrachtet werden müssen.

1. Onsite-Faktoren

Naturgemäß können wir als Webdesigner nur die so genannten Onsite-Faktoren unter Kontrolle haben, also wie die Website umgesetzt und ausgestattet wird. Was dann der Empfänger später beim Betrachten damit anstellt, liegt (glücklicherweise) nicht in unserer Macht. Aber wir können natürlich für eine gute Grundvoraussetzung sorgen. Dazu gehört ganz selbstverständlich valides und semantisch aufbereitetes HTML – aber das ist nicht alles!

1.1 Das reguläre Stylesheet

In den Blogs und Foren werden erbitterte Kämpfe darüber geführt, ob man bereits das reguläre Stylesheet der Website auf die besonderen Eigenschaften von Sehbehinderungen abstimmen muss. Man denkt dann im Wesentlichen an zwei Maßnahmen: Große Schriften und starke Kontraste. Dumm nur, dass es auch Sehbehinderungen gibt, die mit starken Kontrasten gar nicht klarkommen! Außerdem kann man nicht wissen, ob ein weißer oder dunkler Hintergrund im Einzelfall besser geeignet ist. Darüber hinaus: Große Schriften können auf mobilen Geräten zu schwieriger Handhabung führen, weil mehr gescrollt werden muss, was dann abhängig vom Gerät mal mehr und mal weniger fummelig sein kann.

Und so weiter und so fort. Was für den einen Nutzer eine echte Hilfe ist, kann für den anderen eine neu geschaffene Barriere darstellen. Der Mythos einer »korrekten grafischen Gestaltung« zur Erreichung von Barrierefreiheit ist lange genug propagiert worden. Es gibt da leider keine absoluten Regeln.

Doch was machen wir nun konkret? Es gibt zwei verschiedene Vorgehensweisen:

  1. Man stellt alle potenziellen Schwierigkeiten der individuellen Nutzer zusammen. Junge, das wird eine lange Liste! Dann ermittelt man, wo sich zwei Probleme konträr gegenüberstehen und versucht herauszubekommen, welche Zielgruppe mehr Mitglieder hat, um dann dahingehend zu optimieren. Somit schafft man einen Kompromiss. Leer ausgehen tun dabei freilich die Nutzer mit exotischeren Anforderungen. Und man hat eine Menge Arbeit vor sich.
  2. Man vertagt das Problem einfach und richtet sich ausschließlich nach dem schicken und Corporate-Design-gerechten Entwurf des Grafikers. Es gibt ja noch andere Orte als das Default-Stylesheet, an dem das Aussehen der Seite bestimmt werden kann.

1.2 Faktor: Styleswitcher und Textzoom-Buttons

Lange Zeit dachte man, eine richtig barrierefreie Seite muss möglichst viele zusätzliche Regler und Buttons besitzen, über die man das Design extrem flexibel an die eigenen Bedürfnisse anpassen kann: Mindestens drei verschiedene Stylesheets (default, hoher Kontrast, invers, linearisiert usw.) und natürlich auch Buttons zum Skalieren des Schriftgrades. Wer richtig protzen wollte, ließ die Schriftfamilie nach Belieben austauschen, weil manche Menschen lange Texte lieber in serifenlosen Fonts oder gar Comic Sans lesen möchten.

Alles prinzipiell kein Problem, doch irgendwann ist dann auch die Grenze erreicht, wo die Anzahl der Optionen schlicht selber zu einer massiven Barriere wird. Zudem bleibt natürlich die Hauptfrage im Raum stehen, wo man diese Navigation am besten platziert und wie diese aussieht. Ein sehbehinderter User nämlich, der sich die Schrift einer Seite sehr groß wünscht, muss logischerweise beim ersten Besuch des Angebots erst einmal den entsprechenden Button finden. Wenn dieser dann im Default-Zustand entsprechend winzig ist, kann man es auch gleich sein lassen. Und wie soll ein Nutzer, der von komplett weißen #ffffff-Flächen geblendet wird und gar nichts mehr erkennt, den Regler zur invers-Version finden, wenn die entsprechende Website nun mal einen weißen Hintergrund besitzt?

(Am Rande: Interessant sind natürlich automatische Sniffer-Routinen, die über Server-Request, JavaScript und/oder media queries zumindest die Größe von Bildschirm und Viewport herausfinden können, und ob es sich beispielsweise um ein iPhone handelt. Gerade bei Letzterem tut sich derzeit so einiges, und das ist durchaus nicht zum schlechtesten für die Zugänglichkeit – machen iPhone-Versionen von Websites sind auch auf dem Desktop schlicht besser als ihre vollwertigen Verwandten …)

1.3 Fazit Onsite-Faktoren

Natürlich ist dies etwas überspitzt ausgedrückt. Wir dürfen es uns als Webdesigner nicht ganz so leicht machen und einfach alle Onsite-Faktoren der visuellen Zugänglichkeit als ungeeignet und widersprüchlich abtun! Doch ich behaupte, dass man es in vielen Fällen auch übertreiben kann mit der Bemutterung des Users und den wilden Spekulationen darüber, was dieser wohl am dringendsten benötigt. Und das bringt uns schon zum nächsten Punkt.

2. Offsite-Faktoren

Völlig unabhängig von der Gestaltung und Umsetzung der jeweiligen Website gibt es eine Menge von Faktoren, die primär auf der Seite des Nutzers eine Rolle spielen. Voraussetzung dafür ist natürlich eine gewisse Erfahrung im Umgang mit der gerade verwendeten Hard- und Software. Eine Rentnerin, die vor einer Woche auf einer Kreuzfahrt ihren ersten Computerkurs gemacht hat, wird womöglich mehr Schwierigkeiten bei der Bedienung von Websites haben als ein 40-jähriger Geburtsblinder, der sich seit 12 Jahren immer die neueste Spezialhardware leisten kann und alle Tricks im Browser kennt. Denn auch hier gibt es einiges zu beachten!

2.2 Browseroptionen

Bei vielen Webdesignern ist eine gewisse arrogante Grundhaltung zu beobachten (und da nehme ich mich ausdrücklich nicht von aus): »Sollen die Leute doch lernen, ihren Browser korrekt zu bedienen!«, »Wir brauchen einen Internet-Führerschein!«, usw… Charmanter könnte man behaupten, seine User »nicht für ganz dumm zu halten«, oder die Unsinnigkeit zu betonen, eine Textskalierung aufwändig mit JavaScript und Cookies nachzubauen, wenn doch jeder Browser von Haus aus die Möglichkeit bietet, dies bequem global für alle Websites zu regeln.

Genau hier liegt einer der Knackpunkte: Man weiß eben leider nicht, wie gut die User ihre Browser kennen. Es gibt darüber zu wenig gesichertes Wissen. Ständig werden Umfragen gemacht, ob die Leute schon mal Blogs gelesen oder Podcasts gehört haben. Aber offenbar kommt niemand auf die Idee, im großen Stile zu erheben, ob Webnutzer den eingebauten Textzoom ihres Browsers kennen oder sich bewusst sind, dass sie Werbebanner über Plugins wegfiltern können. Das wären einmal interessante Zahlen!

Man lässt sich leicht verführen von der Tatsache, dass die Benutzer der eigenen Website sich auskennen und eventuelle Schwierigkeiten mit dem Layout selber beheben können. Aber meine Güte: Die Besucher einer Webdesigner-Website sind vieles, aber sicher nicht repräsentativ für die gesamte Netzbevölkerung.

2.3 User-Stylesheets und die Betriebssytem-Ebene

Bei den meisten Usern noch viel weniger bekannt als die regulären Browseroptionen dürfte die Verwendung von User-Stylesheets sein. Dies ist eine Technik, die im großen Stile nur von Menschen genutzt wird, die unter einer sehr starken und/oder sehr speziellen Sehbehinderung leiden. Userstylesheets ermöglichen die knallharte individuelle Anpassung sämtlicher per CSS anpassbaren Elemente auf die jeweiligen Bedürfnisse des Nutzers: Alle Websites mit schwarzem Hintergrund und hellgrünem Text? Kein Problem! Alle Schriftangaben ignorieren und grundsätzlich nur Comic Sans auf 22 Pixel anzeigen? Wird erledigt.

Natürlich erfordert so ein Stylesheet ein ganz schönes Stück an Fachwissen und Erfahrung. Doch man muss immer die Motivation dahinter sehen: Die gesamten Netzinhalte endlich nutzbar machen zu können und nicht auf fremde Hilfe angewiesen zu sein!

Ähnliches gilt für die Ebene des Betriebssystems; auch hier kann man sich, falls nötig, alle Farben und Schriften so konfigurieren, dass es passt. Das geht inzwischen ganz selbstverständlich in jedem modernen Betriebssystem und wirkt sich in der Regel natürlich auch auf die Webinhalte aus, obwohl man zugegebenermaßen mit gut aufbereiteten Userstyles eine noch individuellere Darstellung erreichen kann.

Die Erkenntnis

Was ziehen wir daraus für Schlüsse? Müssen wir überhaupt noch auf zugängliches Webdesign achten, wenn doch der User letztlich alles selber einstellen kann? Andererseits: Genügt die theoretische Möglichkeit der individuellen Anpassung, um sich als Webdesigner vor seiner Verantwortung zu drücken? Wieviele behinderte User können sich spezielle Hard- und Software finanziell leisten? Und und und.

Es gibt nur ganz wenige Aussagen, die man gesichert treffen kann:

  • Zugängliches Webdesign ist keine Einbahnstraße, sondern ein Wechselspiel zwischen dem, was der Webdesigner anbietet und dem, was der Websurfer am Ende daraus macht.
  • Wenn ein Nutzer User-Stylesheets kennt und nutzt, sind Onsite-Optimierungen für ihn nicht mehr so wichtig.
  • Internet-Neulinge haben leider nichts davon, wenn viele andere Netzbewohner ihre Browser aus dem FF beherrschen.

Wer ist gefordert?

Sie ahnen es sicher schon: Ich komme auch in diesem Essay natürlich nicht zu einer Lösung! Dennoch möchte ich drei Appelle stellen, die sich an drei sehr unterschiedliche Gruppen richten.

Zunächst einmal die Webdesigner: Sie müssen sich des Problems der Zugänglichkeit stets bewusst sein, damit sie zumindest sinnvoll begründen können, warum sie diese und jede Funktion nicht eingebaut haben. Hier helfen keine Checklisten, sondern im Zweifelsfall der gesunde Menschenverstand und jede Menge Erfahrung.

Dann die Browserhersteller: Ihnen kommt die ehrenvolle Aufgabe zuteil, die Spezialfunktionen wie Textzoom, Seitenzoom, Tabnavigation, User-Stylesheets usw. besser zu promoten, damit sie mehr auffallen und immer mehr Leuten in Fleisch und Blut übergeht. Kein Mensch braucht einen Home-Button in der Kopfleiste! Aber ein deutlich zu erkennendes Plus und ein Minus, oder gar ein Schalter für einen automatischen Hochkontrast-Modus, das wäre doch mal was!

Nicht zuletzt appelliere ich an die betroffenen Nutzer, die auf zugängliches Webdesign besonders angewiesen sind: Ihr müsst dringend eine gemeinsame Stimme finden und den Webdesignern klar und deutlich mitteilen, was Ihr benötigt und was Euch weiterhilft. Es kann nicht sein, dass einige Screenreader-Nutzer postulieren, sie kämen mit Frame-Layouts am allerbesten zurecht, weil ihre veraltete Vorlesesoftware darauf zufällig optimiert ist. Oder dass niemand weiß, ob Serifenschriften für lernbehinderte Nutzer okay sind. Oder die Unsicherheit bei der Wahl der richtigen Seitenbreite für mobile Web-Anwendungen. Jeder erzählt einem was anderes, und das ist nicht sehr hilfreich.

Und sonst so?

Nicht umsonst werden zu diesem Thema viele Bücher geschrieben und Konferenzen abgehalten, deswegen füge ich der Diskussion keine wahrhaft neuen Erkenntnisse hinzu. Aber schaden tut meine kleine Übersicht sicher auch nicht! Wo ich selber derzeit stehe, wollen Sie wissen? Nun, ich tue mir zunehmend schwerer damit, mich als wahrhaft kompetenten Ansprechpartner für Fragen der Zugänglichkeit zu bezeichnen. Es ist ein bisschen wie in der Biochemie: Je mehr man weiß, desto weniger weiß man! Trotzdem: Ich bastele auf meine Weise weiter am zugänglichen Web und hoffe auf weitere spannende Diskussionen und Erkenntnisse.

64 Kommentare

  1. SonicHedgehog am 13. Juni 2008 #

    Wunderschöner Artikel, der eben auch die derzeitigen – auch immer wiederkehrenden – Probleme aufwirft…

    Besonders den Textzoom bei Browsern find‹ ich wichtig, damit lassen sich ja flexible Layouts leicht »konfigurieren«, jedoch kennen wirklich nicht viele Leute diese Funktion …

    PS: Es gibt ja auch so Bildschirmlupen?
    PPS: Ich weiß nicht, aber ich glaube, dass sagtest sogar du, Gerrrit! ;) Und zwar irgendwie so: »Die meisten ›behinderten‹ Menschen sind nicht körperlich behinderte Menschen, sondern genervte, gestresste, etc. Menschen …« (Glaube so in etwas ging der Satz gg und trifft auch voll und ganz zu ;-)

  2. Simon Wehr am 13. Juni 2008 #

    Eines hast Du treffend gesagt. Barrierefreiheit betrifft auch Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen. Aber es betrifft doch auch sehr starkt Menschen mit (aus unserer Sicht) mangelhafter technischer Expertise oder Hardware. Und da ist ja oft schon der Designer gefragt, der sich neben hübschem Design vielleicht doch ernsthafter mit Usability auskennen sollte. Zum Thema Barrierefreiheit fallen mir neben den Sehbehinderten Menschen auch die Gehörlosen ein. Was? Die können doch Sehen!
    Ja, Aber:
    – Soweit ich informiert bin – haben Gehörlose es schwer Schriftdeutsch zu verstehen, weil sie es nicht hören (und meist nicht sprechen) können. Die Gebärdensprache ist sehr stark reduziert und ähnlich reduziert müsste die Schriftsprache sein, um gut verständlich für diese Zielgruppe zu sein. Ironie und dergleichen mehr sind für normalhörende schon schwer zu erkennen. Man benötigte also eigentlich zwei Textversionen …
    Das jedenfalls habe ich gehört; ein Experte mag uns alle belehren.
    Was wohl das Entscheidende ist: Die Zielgruppe möglichst genau zu definieren und auf deren Bedürfnisse die Website anzupassen. Denn wenn ich mich auf einer Philosophen-Fachwebsite umtreibe habe ich da auch eine gaaanz große Barriere vor mir – gewaltig Offsite-mäßig übrigens!

  3. Patrick am 14. Juni 2008 #

    Danke fuer dieses wirklich gelungene Essay.

    Da ich mich selber noch nicht so viel mit diesem Thema beschaeftigt habe, war mir gar nicht beuwsst wie viele Faktoren einfliessen, um eine barrierefreie Webseite zu erstellen.

    Gibt es irgendein Buch, welches du dem Accessibility-Neuling empfehlen wuerdest?

    Danke im Voraus

  4. Eric Eggert am 14. Juni 2008 #

    „Mittlerweile ist es leider so, dass die größte Hürde auf dem Weg zu einem zugänglicheren Web Mythen sind, die auf veralteten Annahmen oder, schlimmer noch, auf Hörensagen beruhen.“ – Tomas Caspers, A-Tag 2007

    Dieses Essay wirft leider mal wieder alles durcheinander: Technische Zugänglichkeit (Handys), Usability und Barrierefreiheit (die seltsamerweise nur hier nicht mehr so heißt). Barrierefreiheit ist die Optimierung für Menschen mit Behinderungen. Dazu gehören große Klickflächen (Fitts Law), Sprachauszeichnung, Sprungnavigationen und einen hohen Farbkontrast.

    Dass die Webseite zu 100% auf die eigenen Bedürfnisse anpassbar sein soll wird von keiner der anerkannten internationalen Richtlinien vorgesehen (WCAG1/2).

    Screenreader greifen übrigens so gut wie nie auf das XHTML-Konstrukt sondern immer auf die MSAA-Schnittstelle zu – weshalb wir Sprunglinks beispielsweise nicht mit display:none verstecken dürfen. Sie tauchen dann auch im Screenreader nicht auf, der ja auf einem Browser aufsetzt.

    Mann kann sich auch die Mühe machen per JS-Sniffing herauszufinden, ob man es mit einem Mobile Safari zu tun hat, viel einfacher ist jedoch der Weg über media queries.

    Und es ist überhaupt nicht möglich jede Webseite 100% zugänglich zu machen. Spätestens, wenn man in den Bereich der Lernbehinderungen kommt, gibt es so viele Ausprägungen von Behinderungen wie Behinderte selbst.

    Eine letzte Anmerkung noch: Unerfahrene Benutzer hat es immer gegeben und wird es immer geben. Sie durch eine durchdachte und klare Nutzerführung an die Hand zu nehmen und die Webseite dadurch für sie einfacher benutzbar zu machen ist allerdings wirklich ein Thema für die Usability-Ecke.

    (PS: Können wir irgendwann mit RSS-Feeds für die Kommentare rechnen? Die E-Mails sind immer so nichts sagend…)

  5. Lothar am 14. Juni 2008 #

    Um meine Sicht klar zu machen, muss ich mal einen Moment das Internet verlassen.

    Nehmen wir mal einen Querschnitts-Gelähmten, der für seine Mobilität einen Rollstuhl benötigt. Damit der unbehindert durch sein Leben kommt, braucht der ein Rollstuhl-gerechtes Haus.

    Was ist meine Aufgabe als Haus-Designer (Architekt)? Ich muss dafür sorgen, dass er hinein kommt in sein Haus (ebenerdiger Zugang oder Rampe), sich dort überall frei bewegen kann (genügend breite Türen und Gänge/Flure), eine Möglichkeit vorfindet, um die Etage zu wechseln (Lift) und die Lichtschalter in einer Höhe anbringen, die vom Rollstuhl aus erreichbar ist.

    Andererseits bin ich nicht verantwortlich für das Funktionieren seines Rollstuhls. Darum muss sich der Hersteller kümmern. Ich bin auch nicht verantwortlich dafür, dass er den Rollstuhl bedienen kann und weis, wo die entsprechenden Knöpfe sind. Das muss er halt lernen.

    Und genau so sehe ich die Verantwortlichkeiten im Web verteilt. Ich bin verantwortlich für ein semantisches (X)HTML und eine Navigation, die auch ohne Maus und Javascript zu bedienen ist. Das ist mein Job. Damit trage ich meinen Teil bei, damit ein Behinderter das Web bedienen kann.

    Aber ich bin nicht verantwortlich für die Hard- und Software, die der Behinderte benutzt (Hersteller-Verantwortung). und ich bin auch nicht verantwortlich dafür, dass er gelernt hat, seine Ausrüstung zu bedienen (Eigenverantwortung).

    Niemand käme auf die Idee, den Architekten verantwortlich zu machen, wenn der Rollstuhlfahrer einen für ihn ungeeigneten Rollstuhl benutzt oder diesen nicht bedienen kann.

    Und niemand käme auf die Idee, die Autohersteller dazu zu zwingen, alle Autos so zu bauen, dass sie ohne Umbauten auch z. Bsp. von einem Querschnitts-Gelähmten gefahren werden können. Keiner würde sich einfallen lassen, dass Verleger nur noch solche Bücher verlegen dürfen, die auch von kognitiv Behinderten verstanden werden.

    Warum also sollte es Aufgabe des Webdesigners sein, in jede einzelne Website gleich alle Techniken einzubauen, damit ein Behinderter unabhängig von der Art seiner Behinderung diese ohne die Zuhilfenahme von Hilfsmitteln benutzen kann?

  6. Martin Ladstätter am 14. Juni 2008 #

    Also ich finde sowohl den Artikel, wie auch einige der Kommentare ziemlich schräg. Was hier an Wissen und Halbwissen verbreitet wird, tut mir schon echt weh. Der Artikel hätte nach der tollen Überschrift wirklich gut werden können, doch nach dem lesen bin ich nun enttäuscht.

    Für mich ist das quasi-Resümee: »Die Trainierten schaffen es eh und die Anderen sind eigentlich selbst schuld.« Oder hab ich den Artikel falsch verstanden?

    Angesichts der Tatsache, was uns so im Netz täglich neu präsentiert wird, würde ich mich schon auf die Qualität der Angebote konsentieren.

  7. Gerrit van Aaken am 14. Juni 2008 #

    @Eric: Danke für den ausführlichen Kommentar (wie immer!)

    Es ist stets einfach, einen markigen Spruch von Tomas Caspers zu zitieren. Aber es bringt meistens nichts, weil diese Sprüche immer nur negativ formuliert sind, aber niemals konstruktiv sagen, was denn nun konkret zu tun ist!

    Die Vermischung von »Barrierefreiheit« (ein Wort, welches auf beiden Fachkonferenzen, die ich bisher besucht habe, als schlecht und diskriminierend bezeichnet wurde), Zugänglichkeit und Usability, hat in diesem Artikel natürlich Methode. Denn ich halte es für irrsinnig, diese Disziplinen trennscharf voneinander abrenzen zu wollen – sie überschneiden sich doch zu einem sehr großen Teil! Gute Farbkontraste helfen nicht nur Sehbehinderten, große Buttons sind nicht nur für grobmotorische Menschen sinnvoll usw. Ich wollte eine universelle Sichtweise aufzeigen, die beim Stichwort Barrierefreiheit über das Abhaken von BITV-Regeln hinaus geht, klar. Und dann kommt man eben schnell zu dem Punkt, wo sich die Disziplinen vermischen. Allein das Motto »Einfach für alle« schließt ja ebenfalls Usability- und natürlich auch Designaspekte mit ein!

    Ansonsten danke für die kleinen Korrekturen. Und den Kommentarfeed habe ich für die kleine Randgruppe von RSS-Junkies ab jetzt stets parat – siehe unten!

  8. Eric Eggert am 14. Juni 2008 #

    Gerrit:

    Natürlich gibt es eine Vermischung, und klar ist, dass barrierefreies Webdesign auch Vorteile auf vielen, vielen anderen Ebenen hat. Eine Rampe vor einer Behörde hilft ja auch nicht nur Rollstuhlfahrern sondern auch Eltern mit Kinderwagen.

    Aber genauso wie eine valide Webseite keine barrierefreie Webseite sein muss so muss eine barrierefreie Webseite keine gute Usability aufweisen und umgekehrt eine gut benutzbare Seite nicht zugänglich sein. Die Kausalität ist nicht gegeben.

    Was du beschreibst, die Einheit von Usability, Barrierefreiheit und Zugänglichkeit ist einfach modernes/ganzheitliches Webdesign.

    Mit viel Einarbeitung und Anleitung, können bspw. Screenreadernutzer auch die schlechtesten Webseiten einigermaßen bedienen, die Angebote sind dann zwar nutzbar aber nichtmal annähernd barrierefrei. Deshalb ist es wichtig das Thema Barrierefreiheit „trennscharf“ zu betrachten.

  9. Eric Eggert am 14. Juni 2008 #

    Übrigens hatte zumindest die EfA-Tagung auf der wir beide zugegen waren sogar Barrierefreiheit im Titel, so geächtet kann die Bezeichnung also nicht sein :)

  10. Gerrit van Aaken am 14. Juni 2008 #

    @Eric: Dann trenn mal schön! Ich glaube dennoch nicht, dass das wirklich möglich ist bei den vielen verschiedenen Anforderungen, die von verschiedensten Seiten auf einen einprasseln – und auch bei der unverständlicherweise extrem hohen Emotionalität, die dieses Thema stets hervorruft – warum auch immer!

  11. Eric Eggert am 14. Juni 2008 #

    Okay, jetzt reden wir aneinander vorbei. Natürlich muss man das ganzheitliche Ergebnis im Blick haben. Aber beim Thema Barrierefreiheit direkt Usability und Unerfahrenheit von Benutzern mit hinzuzuziehen wird dem Thema nicht gerecht, weil es verschwimmen lässt worum es eigentlich geht. Das ist oft ein Problem, wenn es um barrierefreies Webdesign geht und trägt zur Überforderung der Menschen bei, die neu in das Thema einsteigen. „Was? Jetzt muss ich meine Webseite auch noch fürs iPhone optimieren um barrierefrei zu sein?!?“

  12. Gerrit van Aaken am 14. Juni 2008 #

    @Eric: Gut, dann reden wir doch nicht so stark aneinander vorbei – es ist eben doch ganz gut, dass der Artikel nicht mit »Barrierefreiheit« überschrieben ist, sondern mit »Zugänglichkeit«. Denn die sinnvolle Unterstützung mobiler Geräte zähle ich ganz klar auch zur Zugänglichkeit.

  13. GE am 14. Juni 2008 #

    Hallo Lothar,

    bin jetzt aber echt sauer auf Dich !!! Genau das wollte ich gerade schreiben (mit dem Rollstuhl und dem Architekten ;-).

    Naja, dann schreibe ich eben im gleichen Stil etwas zum anderen Aspekt dieses Essays, der Darstellbarkeit von WebSites auf Handys und anderen Minibildschirmen.

    Wenn ich eine Strasse baue, entscheide ich vorher, ob es eine Autobahn, eine Bundesstrasse, eine Landstrasse oder ein Radweg werden soll. Wobei es neben einer Landstrasse durchaus sinnvoll sein kann, einen Radweg zu bauen.

    Niemand wird aber auf die Idee kommen, eine Autobahn mit Radweg zu bauen. Aber genau das entspricht dem Versuch, eine WebSite so zu gestalten, dass sie für Auflösungen von 200-2000px Breite darstellbar ist.

    Wenn ich eine Autobahn mit Radweg bauen würde, müsste ich die Geschwindigkeit auf dieser Autobahn aus Sicherheitsgründen auf 80 kmh beschränken. Auf dieser Autobahn würde nun aber weder ein Auto fahren (zu langsam) noch ein Radfahrer (zu langweilig, und die Ausfahrten zu weit auseinander).

    Um nun aber wieder zum Webdesign zurückzukommen: Auch zuviel Inhalt kann eine Behinderung darstellen, wenn ich mit einem Handy auf eine Seite gehe. Natürlich kann ich theoretisch auf einer Autobahn mit dem Fahrrad fahren, aber ich tu es nicht und würde es auch dann nicht tun, wenn sie einen Radweg hätte.

    Wir stehen also vor den gleichen Entscheidungen wie die Planer einer Strasse, wenn wir eine Website konzipieren. Einfach für alle ist zwar machbar, aber nicht sinnvoll.

  14. Tomas Caspers am 14. Juni 2008 #

    @GvA: Haben wir ein kleines Problem?

  15. Tomas Caspers am 14. Juni 2008 #

    Nur nochmal zum besseren Verständnis: es heisst

    »Einfach für Alle«,

    und nicht

    »Einheitsbrei für Alle«.

    OK?

  16. GE am 14. Juni 2008 #

    »Einfach für alle« kann aber auch ganz schnell zu »Für niemanden so richtig« werden …

  17. Gerrit van Aaken am 14. Juni 2008 #

    @T: Überhaupt kein Problem. Leider kommt es nur sehr häufig vor, dass man ein Tomas-Caspers-Zitat vor den Latz geknallt bekommt, mit dem man ohne weitere Erläuterung nicht viel anfangen kann. Da wird viel aus dem Zusammenhang gerissen, was schade ist.

    Die Zitate an sich können da nichts für, die sind innerhalb einer Präsi oder eines Artikels meist gut aufgehoben.

  18. Maxx Hilberer am 14. Juni 2008 #

    da war zwischendurch auch mal eine Frage nach guter Fachliteratur…
    http://tinyurl.com/52kcev

  19. Eric Eggert am 14. Juni 2008 #

    Gerrit: Naja, ohne weitere Erläuterung habe ich das Zitat ja nun wirklich nicht stehen lassen.

    GE: Nein. „Eins für alle“ ist „für niemanden richtig“. „Einfach für alle“ bedeutet „Für jeden einfach“.

  20. GE am 14. Juni 2008 #

    @ Eric: Genau das halte ich für eine Utopie. Die Voraussetzungen der verschiedenen Besucher sind einfach zu verschieden.

    Dynamische Klappmenüs in mehreren Ebenen sind zum Beispiel für den, der die Struktur der Seiten schnell erfasst, einfacher, weil er jederzeit die erste Navigationsebene im Überblick hat und so schnell die gesuchte Information findet.

    Der Anfänger hat lieber ein offenes, statisches Navigationsmenü vor sich, auch wenn er nun senkrecht scrollen muss zum suchen.

    Für den einen ist das eine einfach, für den anderen das andere, und da muss ich noch nicht einmal Behinderungen bemühen.

    Die Jahrhunderte alten Sprichwörter meiner Oma gelten in ihrer Weisheit eben auch noch im Internet-Zeitalter:

    Einem jeden recht getan
    ist eine Kunst die keiner kann …

    Deshalb ist mir bewusst, dass ich meine Seiten nur »für möglichst viele möglichst einfach« machen kann, und ich glaube, das versuchen wir alle, nur eben jeder etwas anders.

  21. Søren Birkemeyer am 14. Juni 2008 #

    Kleiner Zwischenruf:

    »Dann die Browserhersteller: Ihnen kommt die ehrenvolle Aufgabe zuteil, die Spezialfunktionen wie Textzoom, Seitenzoom, Tabnavigation, User-Stylesheets usw. besser zu promoten, damit sie mehr auffallen und immer mehr Leuten in Fleisch und Blut übergeht. Kein Mensch braucht einen Home-Button in der Kopfleiste! Aber ein deutlich zu erkennendes Plus und ein Minus, oder gar ein Schalter für einen automatischen Hochkontrast-Modus, das wäre doch mal was!«

    Mein Lieblingsbrowser hat neuerdings genau das umgesetzt. Ein dickes, fettes Pluszeichen (Link zu einer Review bei lifehacker mit screenshots) zum Öffnen eines neuen Tabs — danke, Opera.

  22. Moritz am 14. Juni 2008 #

    Jetzt geb ich meinen Senf auch noch dazu ;-). Ich finde auch, dass die Browserhersteller mehr in die Pflicht genommen werden sollten, da es nicht möglich ist bei der Vielzahl an verschiedenen Browsertypen (Handy, Text usw.) für alle zu optimieren und für jeden sein eigenes Stylesheet zu schreiben. Oder bspw. der Full-Zoom sollte im Browser implementiert sein und nicht vom Webdesigner. Da steht Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis.

    Der User, der eine Behinderung hat, wird sich seinen Browser so einrichten, wie er damit umgehen kann. Ich glaube nicht, dass die ganzen »Text größer« oder »Kontrast höher« Buttons groß genutzt werden. Ich sehe die eher als eine Spielerei. Recht geben muss ich Gerrit, wenn er sagt, dass die Funktionen (bspw. Zoom) im Browser eine besser auffindbare Position bekommen sollten. Das wäre in der Tat eine Erleichterung.

  23. Dirk Schürjohann am 15. Juni 2008 #

    Trackback
    Ich fand die Schlussworte bei »Und sonst so?« sehr angebracht.

    Zum Essay: Ich glaube, ich wüsste da demnächst eine gute Gelegenheit, um das alles mal gemeinsam in einer gemischten Diskussionsrunde auf ein Projekt anzuwenden.. – Aber erstmal noch kurz einwirken lassen ;)

  24. Michael am 15. Juni 2008 #

    Den User bzw. den Kunden interessiert es nicht, ob eine Website zugänglich oder benutzerfreundlich ist.

    Hauptsache, sie sieht »gut« aus und ist klickbar.

    Alles andere gehört für ihn in die Kategorie »Technisches Geplänkel« unter Profis, für das er so oder so keinerlei Verständnis aufzubringen vermag (und in der Regel auch nicht muß).

  25. Eric Eggert am 15. Juni 2008 #

    Michael:Den Kunden sollte aber interessieren, dass seine Webseite zugänglich und benutzerfreundlich ist, es sei denn er kann auf mehrere Prozent Kunden verzichten.

    Zudem ist es in vielen Ländern Europas auch für die Privatwirtschaft verpflichtend barrierefreie Websites zu haben, in Österreich beispielsweise.

  26. Michael am 15. Juni 2008 #

    @Eric

    Ich durfte in dieser Hinsicht andere Erfahrungswerte sammeln. Nur ein Beispiel: Vor kurzem hat sich ein ehemaliger Kunde dazu entschieden, eine von mir modern und barrierearm entwickelte Website vom Netz zu nehmen. Stattdessen griff er auf ein tabellenbasiertes »Webdesign« zurück.

    Für mich ist das ein eindeutiger Beweis, das sowohl Kunde als auch Endverbraucher keinen Bedarf daran haben, sich mit dieser Thematik ernsthaft auseinanderzusetzen. Auch dann nicht, wenn man auf einer normalen Ebene kommuniziert.

    Deshalb bleibt es für einen fortschrittlichen Webdesigner (zu denen ich mich auch zählen darf ;-)) schwierig, logische Sachverhalte zu vermitteln.

  27. Gerrit van Aaken am 15. Juni 2008 #

    @Michael: In diesen Fällen greift der pragmatische Webdesigner zur Notlüge »Suchmaschinenfreundlichkeit« und alles wird gut. Gefunden werden wollen sie doch alle.

  28. Michael am 15. Juni 2008 #

    @Gerrit

    Korrekt. Aber manche ziehen es eben vor, ein Schattendasein zu führen. Da sucht sich jeder Bot zu Tode.

  29. Eric Eggert am 15. Juni 2008 #

    Michael: Wenn sich Kunden den Rat nicht annehmen, dann sind sie eben schlecht beraten :) Große Kunden wie die Bahn oder kleine Kunden deren Kerngeschäft über das Internet funktioniert sind natürlich wesentlich weniger beratungsresistent als Kunden bei denen die Webseite nur ein Anhängsel ist.

    Aber das führt irgendwie jetzt vom Thema weg…

  30. GE am 15. Juni 2008 #

    @ Eric: Wie macht man denn das in Österreich? Wenn man barrierefreie Seiten auch für die Privatwirtschaft vorschreibt, dann muss man das ja ziemlich genau definieren.

    Zum einen, was barrierefrei ist, zum anderen, ab wann man zur Privatwirtschaft zählt. (Freiberufler, selbstständiger Handwerker …)

  31. Eric Eggert am 16. Juni 2008 #

    GE: Sobald die Firmen eine Geschäftsbeziehung anbahnen bei denen sie unter das Konsumentenschutzgesetz fallen, was letztlich auch alles ist, was online für dein Produkt oder deine Dienstleistung wirbt. Vorgeschrieben sind Barrierefreie Seiten nach „Internationalen Standards“, was i.d.R. WCAG1-AA bedeutet, nach der Veröffentlichung von WCAG2 gelten dessen Richtlinien. Betroffene haben die Möglichkeit Lösungen für Zugänglichkeitsprobleme durch Schlichtungen oder Klagen zu erreichen, bei einer Klage kann Schadenersatz von bis zu 10.000€ pro Diskriminierung fällig werden. In einem Schlichtungsverfahren befanden sich mehrere große österreichische Unternehmen.

  32. GE am 16. Juni 2008 #

    Haben die österreichischen Anbieter von Rechtsschutzversicherungen schon darauf reagiert? ;-)

    Ein solches Gesetz brauchen wir unbedingt auch in Deutschland. In Verbindung mit unserer deutschen Abmahnkultur würden sich ungeahnte Möglichkeiten für spezialisierte Rechtsanwälte ergeben.

    Im Zusammenhang mit Europa könnte man ja auch mal darüber nachdenken, die grösste Barriere abzuschaffen, die Barriere nämlich, die sich im babylonischen Sprachengewirr innerhalb der EU begründet. Alle privatwirtschaftlichen und öffentlichen Internetseiten müssen in allen EU-Sprachen veröffentlicht werden. Damit verbunden sollte selbstverständlich eine Mindestgrösse für die Sprachbuttons zwingend vorgeschrieben werden, jeder Sprachbutton muss natürlich noch einmal in jeder Sprache beschriftet sein usw …

    Oder wäre es vielleicht sinnvoller, eine Amtssprache für Europa festzulegen?

    Ich halte Barrierefreiheit für sinnvoll, wichtig und richtig. Sie sollte zum Ehrencodex für jeden professionellen Webdesigner und -entwickler erhoben werden und für behördliche und öffentlich-rechtliche Seiten auch zwingend vorgeschrieben sein. Das können die aber intern definieren, internationale Richtlinien verleiten nur zu unsinnigen Gesetzen.

    Als ABM für Rechtsanwälte sollten Barrierefreheit und Zugänglichkeit nicht herhalten.

  33. Eric Eggert am 16. Juni 2008 #

    GE: Es können sich nur Betroffene gegen Diskriminierungen wehren. Abmahnungen von nicht-betroffenen sind dadurch ausgeschlossen. Auf deine unnötige Übertreibung gehe ich hier einfach mal nicht ein, sags der Wand.

  34. GE am 16. Juni 2008 #

    He Eric, bleib doch mal locker ;-)

    Wir haben eben auch unterschiedliche Auffassungen davon, was »Übertreibung« ist. Für mich ist schon der Begriff »Barrierefreiheit« eine Übertreibung, ich kann gut verstehen, dass Gerrit damit so seine Probleme hat.

    Der letzte Abschnitt seines Essays (Und sonst so?) zeugt von wahrer Kompetenz, auch wenn er das in einem Anfall von Koketterie anders schreibt ;-).

    Mir jedenfalls ist eine gut gemachte, valide, ordentlich strukturierte und gestaltete Internetseite ohne den üblichen Firlefanz im Namen der Barrierefreiheit allemal lieber als ein »barrierefreies« Monster.

    Ich lasse mir auch nicht die Verantwortung für Dinge unterjubeln, die Browser und Spezialsoftware viel effektiver erledigen können als ich. Der Opera mit seinen vielen Autoren- und Benutzermodi zeigt den richtigen Weg, wie kleinere Probleme aus dem Weg geschafft werden können.

    Ich sehe meine Verantwortung darin, die Seiten so zu erstellen, dass spezielle Software für Behinderte oder eingeschränkte Personen damit umgehen kann. Aber eigentlich sollte das bei standardgerechten, validen, gut strukturierten und semantisch sinnvoll ausgezeichneten Seiten kein Problem sein.

    Ich denke nicht im Traum daran, darüber nachzudenken, ob es mehr Nutzer gibt, die Kontraste brauchen, oder mehr Nutzer, die durch starke Kontraste behindert werden. Diese speziellen Nutzergruppen lösen ihre Probleme auch ohne mich, ohne Gesetze, ohne Richter oder Schiedsgericht und ohne Rechtsanwalt.

    Und ich habe es nun doch hier her geschrieben, und nicht der Wand gesagt oder meinem Friseur erzählt ;-).

  35. Nils am 16. Juni 2008 #

    @GE:
    Dir ist also
    eine gut gemachte, valide, ordentlich strukturierte und gestaltete Internetseite ohne den üblichen Firlefanz im Namen der Barrierefreiheit allemal lieber als ein »barrierefreies« Monster.

    Wo finde ich denn im Umkehrschluss so ein von Dir zitiertes »barrierefreies« Monster, das nicht valide und nicht ordentlich strukturiert ist?

  36. GE am 16. Juni 2008 #

    Hallo Nils,

    natürlich gehe ich davon aus, dass ein solches »barrierefreies« Monster auch valide, semantisch sinnvoll und ordentlich strukturiert ist. Wer sich mit Zugänglichkeit und Barrierefreiheit beschäftigt, hat sich mit diesen Dingen in der Regel schon auseinandergesetzt. Der Schwerpunkt des von Dir zitierten Satzes liegt auf »ohne den üblichen Firlefanz im Namen der Barrierefreiheit«. Hätte ich vielleicht fett formatieren sollen.

    Ich meine damit Seiten, auf denen man Buttons findet wie:

    - Schriftart ändern – grosse Schrift – kleine Schrift – kontrastreich – kontrastarm – dunkel auf hell – hell auf dunkel

    oder Styleswitcher oder ähnliche Dinge. Das halte ich für »Firlefanz im Namen der Barrierefreiheit«.

    Gerrit hat dazu geschrieben:

    »… Ein sehbehinderter User nämlich, der sich die Schrift einer Seite sehr groß wünscht, muss logischerweise beim ersten Besuch des Angebots erst einmal den entsprechenden Button finden …«.

    Ich denke, dass Anfänger grössere Probleme haben als Menschen mit bestimmten Behinderungen und Einschränkungen. Die richten sich ihr System schon entsprechend ihren Bedürfnissen ein.

    Genau deshalb denke ich darüber nach, wie weit die onsite-Optimierung gehen muss, und was man getrost den Browsern und spezieller Software überlassen darf. Ich verweise hier noch einmal auf den Kommentar von Lothar, Nr. 5 oder so, weit oben.

  37. Nils am 16. Juni 2008 #

    Firlefanz sind dir von dir erwähnten Features nur dann, wenn sie Barrierefreieheit definieren sollen. Als Merkmale der Benutzerfreundlichkeit werden sie auch eingesetzt.

    Der zitierte sehbehinderte User weiß meistens, wie er die Schrift vergrößern kann, der 60jährige Brillenträger mit nagelneuem Flachbildschirm aber nicht und der mit frischer Augenpoperation auch nicht.

    Es gibt aber deshalb ganz bestimmte Grade von Behinderungen, und die gibt es aus guten Gründen. Es gibt deshalb auch Verordnungen wie die BITV, die ganz klar regeln, was eine barrierefreie Website auszeichnen soll. Man kann dazu stehen wie man will, aber es geht ja scheinbar nicht ohne solche Regelwerke, will man die ständigen Vermischungen von Usabilty, Webstandards, Barrierefreiheit und Design verhindern. Eine valide Webseite ist ja auch nicht automatisch barrierefrei.

    Barrierefreies Internet ist für behinderte Menschen. Was hier als Style- oder Fontsize-Switcher tatsächlich ein Bug sein kann, ist dort ein eher Feature (Usability), woanders eine Spielerei (Design) oder gar ein Instrument der Aufklärung (Flexiblilität von CSS-Layouts).

    Allerdings darauf zu verweisen, dass der behinderte Internetnutzer sich sein System schon entsprechend seiner Bedürfnisse einrichtet und man den Rest eh getrost den Herstellern überlassen kann, das ist kein Pragmatismus. Das ist eher die norddeutsche Rubrik »watt geit mi dat an« oder auch endlich ein Grund, den TÜV komplett abzuschaffen, die Fussgängerampeln auch und die lästigen Radwege sowieso, weil man ja alles den Herstellern und Verkehrsteilnehmern überlassen kann.

    Dann doch bitteschön den Hintern in der Hose haben und sagen, was Sache ist, ohne dabei Themen zu verramschen. Einmal, nur ein einziges Mal möchte ich den ehrlichen Satz von Webentwicklern lesen, die es angeht: »Ja, ich interessiere mich nicht gerade über Gebühr für das Thema, auch wenn es vielleicht wichtig ist, aber ich will da auch nicht mehr Zeit und Energie investieren.« Das wäre wenigstens ehrlich, wahrhaftig und damit akzeptabel.

  38. GE am 16. Juni 2008 #

    Hallo Nils, es ist nicht so, dass mich das Thema nicht interessiert. Ich bin bereit, Zeit und Energie in dieses Thema zu investieren, sonst würde ich wohl hier nicht diskutieren. Ich will aber nicht Zeit und Energie investieren in Dinge, die die Browser und spezielle Software zunehmend sowieso können.

    Warum soll ich ein em-basiertes Layout machen, um auch bei Schriftvergrösserung ein vernünftiges Schriftbild zu haben, wenn alle namhaften Browser Seitenzoom einführen?

    Ist es wirklich unzumutbar für einen leicht Sehbehinderten, sich den passenden Browser zu besorgen? Der auch noch nix kostet?

    Meinst Du wirklich, dass ein sehbehinderter Nutzer auf jeder Seite von neuem den Textzoom-Button sucht, wo er doch weiss, wo der in seinem Browser ist?

    Noch ein Trend sorgt dafür, dass der Abbau von Barrieren nicht alleine vom Webentwickler gelöst werden kann, und das ist der zunehmende Einsatz von CMS. Heute will doch jeder Kunde selbst Hand anlegen können. Wir richten es ein, und dann legt der Kunde oder seine Autoren mit dem WYSIWYG los, und der hat ja eine Funktion zum einfügen von Word-Texten per copy und paste.

    Da kann man noch so viel Dokumentation mitgeben und Lehrgänge machen, wenn die eine h3 grösser haben wollen, nehmen die eben eine h1.

    Listen? Da wird ein Bindestrich genommen, am Ende der Zeile ein Enter und dann 2-3 Leerzeichen, damit die nächste Zeile nicht unter dem Bindestrich anfängt.

    Fremdwörter oder Abkürzungen auszeichnen? Um Gottes willen.

    Sollen wir nun um der Barrierefreiheit willen die Einrichtung von CMS ablehnen? Und uns damit der Zukunft verweigern?

    Wir können in einem gewissen Umfang die Voraussetzungen zum Abbau von Barrieren schaffen, indem wir z. B. Funktionen aus dem WYSIWYG entfernen, nur CMS einrichten, die valides (X)html ausgeben usw. Das barrierefreie Web bekommen wir nicht auf die Reihe. Barrierefreiheit nur durch barrierefreies Webdesign ist eine Illusion und kann nur auf Seiten realisiert werden, auf denen wir auch die Inhalte erstellen oder überarbeiten und einfügen.

    Der Abbau von Barrieren kann nur durch die Browserhersteller und die Hersteller von spezieller Software geleistet werden. Opera 9.5 bietet schon Sprachsteuerung und Sprachausgabe an, vorerst aber mal nur in englisch.

    Das ist meine Meinung, und die resultiert (wirklich) nicht aus Ignoranz, Faulheit, Dummheit oder Unfähigkeit, wie unsereiner sie gerne unterstellt bekommt.

    Es liegt ganz einfach daran, dass das Web nicht mehr nur von Experten gemacht wird. Im Gegenteil, WIR schaffen durch die Einrichtung von CMS die Voraussetzung dafür, dass sich jeder im Web produzieren kann.

  39. Eric Eggert am 16. Juni 2008 #

    GE: Quatsch. Es gibt CMS die das alles können. Und natürlich muss man die Redaktion einer Webseite entsprechend schulen. Auch das gehört zum Thema Barrierefreiheit.

    Es ist ein Murks Webseiten zu verlangen, die im IE6 funktionieren aber dann kein elastisches Layout zu benutzen weil die Sehbehinderten sich doch einen besseren Browser holen können.

    Wenn du nur Schwarz/Weiß siehst, dass kann ich auch. CMSe bilden die Grundlage für ein barrierefreies Web. handgecodete Seiten sind keine Alternative. Wien.at ist barrierefrei und hat – Überraschung – ein CMS im Hintergrund.

    Und mal zwischendurch eine falsche Überschrift macht ja eine Webseite nicht nicht barrierefrei. Die fundamentalen Merkmale von Barrierefreiheit sind davon ja nicht abhängig. Wenn das CMS eine Listenfunktion hat, dann werden die Leute das benutzen, erst recht, wenn das Ergebnis gut aussieht. Man muss das den Leuten auch anbieten. Mit dem Standard-WYSIWYG-Editor bekommst du auch nur Standard-Ergebnisse. Es sind auch neue Lösungen in diesen Sachen gefordert.

    Man hat ja bei Erfindung des Autos auch nicht gesagt: „Oh, das kann ja gar nicht fliegen. Dann fahren wir eben nur noch.“ Nein, es wurde weiterentwickelt. Die Argumentation, dass die heutigen Werkzeuge unzureichend sind und es daher nicht möglich ist, ist doch die falsche, es muss Ansporn sein die Werkzeuge zu verbessern. Und das scheint nur mit Gesetzen und Vorschriften zu funktionieren, weil sich sonst auf dem Status Quo ausgeruht wird.

  40. GE am 16. Juni 2008 #

    Hallo Eric, Deutschland hat gewonnen und ich habe fertig. Danke für die Steilvorlage mit www.Wien.at.

    Habe folgendes festgestellt:

    Alle Seiten von »Bildung« bis »Wohnen« validieren nach html 4.01 mit 13-15 Warnungen. Die Inhalte sind nämlich in Xhtml erstellt, während der gesamte head-Bereich html ist, meta-tags ohne End-tag usw. Die DTD ist html 4.01 transitional, die Inhalte Xhtml. So fängt es an.

    Es gibt sehr wohl CMS, die alles können, aber auf die Leute, die damit umgehen, scheint das nicht zuzutreffen. Der Validator des W3C gibt jedenfalls eindeutige Warnungen aus.

  41. Eric Eggert am 17. Juni 2008 #

    GE: Und Validität hat nichts mit Barrierefreiheit zu tun, q.e.d. Es spricht für dich sich mit diesen Nebenschauplätzen aufzuhalten.

  42. Eric Eggert am 17. Juni 2008 #

    GE: Übrigens sind Warnungen Warnungen, die Seiten sind valide. Fehler und Warnungen des W3C Validators sind zwei unterschiedliche Dinge. Eine Site mit 40.000 Seiten (Bestand!) valide umzusetzen ist an sich schon eine Leistung. Das noch weitgehend semantisch und barrierefrei zu machen ist die viel größere Leistung.

  43. Nicolai Schwarz am 17. Juni 2008 #

    Interessanterweise habe ich zuerst die Kommentare überflogen. Und dann erst den Artikel gelesen.

    Ich finde den Artikel gar nicht so schlecht, wie es einige Kommentare vermuten lassen; prinzipiell finde ich den Artikel sogar ganz gut. Und zwar in der Hinsicht, dass er zeigt, dass wir Webworker es nicht einfach haben mit dem Thema Zugänglichkeit. Denn – wie mehrfach gesagt – verschiedene Gruppen haben verschiedene Wünsche. Von persönlichen Vorlieben und Ausgabegeräten mal ganz abgesehen.

    Außerdem ist dies ein Artikel und kein Fachbuch. All diese angesprochenen Themen und Nutzergruppen wirklich punktgenau abzuhandeln, dauert ewig.

    Und dass »wir alle« uns um eine möglichst breite Zugänglichkeit bemühen, steht doch wohl außer Frage.

  44. GE am 17. Juni 2008 #

    So, Eric, jetzt ist es genug. Jetzt ist Schluss mit lustigem Geplänkel und augenzwinkernden Smileys.

    Erst ist Dir die Semantik nicht mehr so wichtig (h1 oder h3 – wen interessiert es), dann erklärst Du Validität und Webstandards zu Nebenschauplätzen. Verrat an Semantik und Webstandards, nur um Recht zu behalten.

    Und Du unterstellst mir andauernd, dass ich keine Ahnung habe, willst mir den Unterschied zwischen Fehlermeldung und Warnung erklären. Ich habe geschrieben »…die Seiten … validieren nach html 4.01 …«, was willst Du mehr?

    Gewöhne Dich bitte daran, dass es Leute gibt, die zu bestimmten Dingen eine andere Meinung haben, die nicht zwangsläufig falsch sein muss, weil sie Deiner Meinung widerspricht. Auch DU kannst noch etwas lernen.

    Als erstes vielleicht (lernen) mal zu sagen: »In Ordnung, ich seh das anders, aber ich denke mal drüber nach …«. Statt dessen erklärst Du mir, dass eine Seite, die per DTD als html 4.1 transitional deklariert ist und in Xhtml geschrieben, valide ist, nur weil ein gruener Balken im Validator des W3C erscheint. Mag ja so sein, aber mit Webstandards ist das nicht vereinbar.

    Mag sein, dass Du in einer anderen Liga spielst als ich, aber ein wenig Achtung vor der Altherrenmannschaft in der Regionalliga steht jedem Bundesligaprofi gut.

    Wenn wir uns wieder einig sind, dass Semantik, Webstandards und valide Seiten die Voraussetzung für weitere Schritte zum Abbau von Barrieren sind (und kein Nebenschauplatz), dann können wir gerne weiter diskutieren.

  45. Gerrit van Aaken am 17. Juni 2008 #

    An dieser Stelle möchte ich gerne die emotionale Diskussion beenden und werde alle weiteren Kommentare von Eric und GE löschen.

  46. GE am 17. Juni 2008 #

    Hallo Gerrit, ich akzeptiere Deinen Wunsch und werde den Disput mit Eric einstellen. Du kannst Eric gerne die Gelegenheit geben, noch einmal zu antworten, ich werde das dann so stehen lassen. Ich habe ihn ja ziemlich heftig und persönlich angegriffen, das hätte wohl nicht sein müssen.

    Was mich jedoch interessiert:

    Wie beurteilst Du oder andere die zunehmende Verbreitung von CMS im Zusammenhang mit WYSIWYG-Editoren in Bezug auf den Abbau von Barrieren im Netz?

    Ich hatte eigentlich gehofft, mit dem Hinweis auf CMS und WYSIWYG-Editoren einen weiteren interessanten Aspekt im Zusammenhang mit dem Abbau von Barrieren im Internet in die Diskussion einzubringen.

  47. Michael am 17. Juni 2008 #

    @GE

    Manche Leute scheinen eben mehr über die Bedienung eines Computers als über den Umgang mit Menschen gelernt zu haben. Eine herablassende Haltung gegenüber potentiellen Gesprächspartnern hat nichts mit Stärke zu tun, sondern resultiert aus Unsicherheit. Dabei spielen Altersunterschiede sehr häufig eine Rolle.

    Wenn man mit 45+ für die heutige Gesellschaft keinerlei Nutzen mehr darstellt, sieht es mit 35+ auch nicht besser aus. Doch selbst diese traurige Tatsache sollte keinen Anlaß geben, untereinander mit Respektlosigkeit oder mangelndem Taktgefühl zu begegnen. Wer das nicht kapiert, hat in einer Diskussionsrunde definitiv nichts verloren.

    Abgesehen davon finde ich die österreichische Rechtssprechung in Bezug auf Barrierefreiheit von Websites ziemlich gruselig. Mit solchen Schreckensszenarien wird man mit Sicherheit keine neuen Kundenkontakte generieren können.

  48. Helge am 17. Juni 2008 #

    @Gerrit:

    Deinen Aufruf zum Ende der Diskussion finde ich ziemlich dünnhäutig. Andere Blogger würden sich glücklich schätzen einen Streit auf so hohem fachlichen Niveau hosten zu dürfen.

  49. Jens Grochtdreis am 17. Juni 2008 #

    @Michael: Alter ist ein Zustand, keine Leistung. Alter korreliert auch nicht zwangsweise mit Wissen. Oft nicht einmal mit Erfahrung.

    Ich würde gerne ein Argument hören, keine Ausgrenzung oder Beleidigung. Eric hat seinen Standpunkt mit einer Meinung klar untermauert und kann dies auch mit Fakten belegen. Umgekehrt lese ich nur Abkanzelungen unter der Gürtellinie. Das macht es schwer, Dich und andere, die auf diesem Niveau sprechen, ernst zu nehmen.

    Gerrits Meinung würde ich mich auch mal interessieren. Er ist ansonsten nie um einen Standpunkt verlegen. Schließlich hat er Eric, der noch mit Substanz kommentierte, hier quasi Hausverbot erteilt.

    BTW, Michael: Beschimpfungen aus der Anonymität (wo ist der Link zu Deiner Seite?) sind natürlich auch toll. Sowas finde ich immer klasse.

  50. Gerrit van Aaken am 17. Juni 2008 #

    Für mich sind die Argumente in diesem Punkt bereits ausreichend ausgetauscht, damit jeder sich seinen eigenen Standpunkt bilden kann. Wenn man nicht in freundlichem Ton diskutieren kann, helfen meines Erachtens auch keine Fachargumente – das ist für mich ein Unding und in meinem Blog nicht tolerierbar.

    Wenn ich selber eine feste Meinung zu dem ganzen Themenkomplex hätte, wäre mein Artikel sicher nicht so lang ausgefallen und hätte mehr Handlungsanweisungen beinhaltet. Ich bin primär verunsichert. Und immer wieder erstaunt, wieviel Sprengstoff so ein interessantes Thema immer wieder bietet.

  51. Michael am 17. Juni 2008 #

    @Jens Grochtdreis

    Es ist durchaus eine Leistung, unter solchen Zeitgenossen in Würde zu altern. Ich hoffe, das auch den wertgeschätzten, jüngeren Diskussionsteilnehmern diese Ehre irgendwann zuteil wird. Das meine ich ohne Ironie, um Fehlinterpreationen vorzubeugen. ;-)

  52. Jürgen Liechtenecker am 17. Juni 2008 #

    @Lothar Barrierefreie Webseiten kann man aber nicht mit einem Auto vergleichen. Webseiten sollen jedem in der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Ein privates Auto oder Haus eben nicht unbedingt.

    Ich finde den Artikel etwas frustriert, denn wenn man sich im Internet umschaut hat sich Accessibility alles andere als durchgesetzt.

  53. Jürgen Liechtenecker am 17. Juni 2008 #

    @GE valider Code ist zwar toll. Aber der chaotischste Code kann valide sein. Das sagt ziemlich wenig aus und hat mit barrierefreien Webseiten wirklich nichts zu tun.

  54. Martin Ladstätter am 17. Juni 2008 #

    @Michael: Du schreibst »Abgesehen davon finde ich die österreichische Rechtssprechung in Bezug auf Barrierefreiheit von Websites ziemlich gruselig.«

    Ich finde diese Gesetz für die Betroffenen wichtig und es macht Sinn, große Unternehmen, wie beispielsweise der Bahn oder dem Rewe Vorschriften zu machen. Das ist üblich und zwar nicht nur im Bereich Barrierefreiheit. Das Deutschland noch nicht so weit ist und bisher nur einem Teil der öffentlichen Verwaltung solche Vorschriften macht ist bedauerlich, aber Deutschland wird seine Gesetze – wie andere Staaten auch – weiterentwickeln.

  55. Matthias Koch am 19. Juni 2008 #

    Die Anschlusskommunikation zu deinem Text, der wie eine Collage einige Dinge zusammensetzt und so in einem neuen Blickwinkel erscheinen lässt, führt eindringlich vor, wo die eigentlichen Barrieren zu verorten sind.

    Der Artikel fordert doch nichts Unerhörtes, sondern etwas Grundlegendes im Umgang mit dem, was früher »Neue Medien« genannt wurde:

    Medienkompetenz (Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung).

    Dieses Konzept ist nicht neu, aber im Zusammenhang mit der z. T. leidigen und immer wieder um sich selbst kreisenden Diskussion, ein Orientierungsraster.

    Selbstverständlich haben wir heute die aktiven Nutzer, die sich ihre Software (z.B. User-Agents) anpassen, natürlich gibt es den Rentner, der einen URI in die Suchmaske von Google eingibt und sich wundert, warum er seine Homepage nicht sofort angezeigt bekommt.

    Aber dadurch, dass die Entwicklung immer differenziertere Nutzungsmodi ermöglicht (ja, der Opera 9.5 mit der Webdeveloper Toolbar für Opera ist ein Gewinn!), verstehe ich die Argumentation von Gerrit sehr gut: Eine so genannte barrierefreie (barrierearm umgesetzte) Webseite kann durch zu viel Anpassung und gut gemeintem Arsenal an »Erleichterungen« selbst zur Barriere werden.

    Barrierefrei heißt für mich auch im Hinblick auf die Vielfalt der Meinungen eine Offenheit und Flexibilität im gegenseitigen Miteinander zu leben. Nur so funktioniert Entwicklung – oder habe ich da etwas missverstanden?

  56. Harald am 22. Juni 2008 #

    Was soll, was kann, was muss? Ich kann es nicht allen Recht machen, nicht allen Usern, den Designern, allen Entwicklern und allen Entscheidern. Es gibt halt immer Einschränkungen, ob da nun eine spezielle Behinderung, ein knapper Termin oder eine überkommene Überzeugung ist.

    Wichtig ist, dass das Muss klar ist, um eine grundlegende Zugänglichkeit auf breiter Basis durchzusetzen. Das ist für mich eine der Fragen, die dieser Artikel aufwirft: wo sind die Pflichtvorgaben, die auf mein aktuelles Projekt passen?

    Aus beruflicher Hinsicht sind da besonders Webanwendungen für mich interessant – vom Tool über Communities bis zum CMS. Da gibt es noch einiges zu klären, insbesondere wenn es um AJAX geht.

    Ab wann darf ich mein Internetprojekt barrierearm nennen?

  57. Rainer am 24. Juni 2008 #

    Interessant, wie sich die Diskussion in alle Richtungen ausbreitet.
    Da fällt mir ein: Sollte die große Studie vor der EfA-Tagung nicht ermitteln, wo für Behinderte WIRKLICH und PRAKTISCH die Barrieren stecken? Und sollten die Ergebnisse der Studie nicht für alle ab der Tagung zur Verfügung stehen? Also so, dass man daraus sein künftiges Handeln ableiten kann? Nein nein (keinen Wind in die Segel der Ideologen), ich erwarte kein vorgekautes wenn-das-dann-jenes-Rezept, sondern konkret beschriebene Nöte, auf die ich mit meinem Sachverstand entsprechend reagieren kann.
    Und dann baue ich mit meinem CMS valide und semantisch strukturierte Seiten mit den notwendigen Barrieretötern. So sollte es doch sein, oder?

  58. Stefan am 30. Juni 2008 #

    Grundsätzlich finde ich jeden Ansatz eine Seite zugänglicher zu gestalten sinnvoll. Was ich an dem Essay gut finde ist der Hinweis an die Webdesigner
    Hier helfen keine Checklisten, sondern im Zweifelsfall der gesunde Menschenverstand und jede Menge Erfahrung.

    Sicherlich gibt es viele Regeln die man einhalten kann, aber etwas eigene Überlegungen sind oft wertvoller. Gerade bin ich über eine Seite gestolpert, die eine »barrierefreie Version« anbietet. Leider beinhaltet diese Version nur die reine Textdarstellung ohne Bilder oder Grafiken und der Link dorthin steckt innerhalb eines verschachtelten Framesets.
    Positiv ist der Ansatz die Inhalte »barrierefrei« vorzuhalten, die Umsetzung ist jedoch mangelhaft. Ich finde hier ist aufklärung sinnvoller als zu diskutieren, welcher Unterschied zwischen »Zugänglichkeit« und »Barrierefreiheit« steckt.

  59. Adam am 11. Juli 2008 #

    Interessant die ganzen Kommentare zu verfolgen. Offenbar ist das Thema immer noch Diskussionswürdig und brisant weil es keine 100%tige Lösung gibt.

    Was ich noch ergänzen wollte: Die aktuelle Browsergeneration unterstützt den ›sehbehinderten‹ Benutzer an fast allen Ecken – wie schon richtig genannt wurde, sollte der User sich auch mal mit seinen ›Werkzeugen‹ auseinandersetzen und die neuen Funktionen kennen lernen (Vergrößerung, Textgröße, Kontraste, UserStylesheets, Sprachausgabe, Sprachsteuerung, etc.). Aus Sicht des Webdesigners könnte man diese Browser-Funktionen prominenter nutzen: Anstelle einer abgestimmten JavaScript Textvergrößerung, kann der Hinweis auf die Tastenkombination STRG + ›+/-‹ gesetzt werden… vielleicht wäre das ein schöner Anfang.

    Und sollte das ›Center für erleichterte Bedienung‹ unter Vista (Hallo lieber Vista User) noch nicht bekannt sein: einmal die Tastenkombination ’WIN-Taste + U’ ausprobieren. Man muss sich einfach mal damit beschäftigen…

  60. datenkind am 14. Juli 2008 #

    Hallo Gerrit!

    Schöner Essay, spricht mir teils aus der Seele. Habe an der Website eines Blindenverbandes mitgearbeitet und das ist schon ein enormer Aufwand, den man betreiben muss. Wir haben u. a. zusätzliche Schriftvergrößerung und zwei alternative Stylesheets eingebunden, einmal komplett invers sowie ein angepasstes inverses.

    Dazu kommt ja auch noch die Benutzerführung im Menü etc. Es ist ein riesiger Aufwand, zu verstehen, wie Sehbehinderte surfen <em>müssen</em>. Aber da lernt man natürlich auch extrem viel dabei.

    Und deinem Schlusswort ist wahrlich nichts mehr hinzuzufügen. Mir geht’s nicht anders.

  61. Matthias am 18. Juli 2008 #

    Verglichen mit anderen Lebensbereichen ist das Web für Behinderte aber ein enorm zugänglicher Bereich.
    Verglichen mit den Auswirkungen denke ich, lohnt sich auch für Webdesigner die Arbeit an barrierefreiem Kontent, sollte es noch nicht zu einer Selbstverständlichkeit geworden sein. Selbst Technologien wie Flash bieten mittlerweile alle Möglichkeiten, die nötig sind.

  62. Jean-Jacques Sarton am 3. Februar 2010 #

    Ich weiss, es ist lange her, dass heier etwas erschienen ist. Ich bin kein Profi, wass der Gestaltung von Webseiten anbelangt, betreue aber die Webpräsenz meiner Wahl- Heimatsgemeinde. Da ich ein Bildschirm mit hohe Auflösung (ppi) habe, ärgere ich mich immer mit Seiten die von angebliche Profis erstellt wurden. In der Regel sind die Texten unleserlich (font-size:12px oder 0.7em). Somit muss ich für jede neue besuchte Seite erstmal, damit ich die Texte lesen kann, zoomen. Die nenne ich nicht »Zugänglichkeit«, aber unangemessen Design und freue mich darüber, dass ich kein Spezialist bin. Sogar Seiten die sich Barrierefreiheit verschrieben haben, zeugen von eine Missachtung des Anwenders. Viele Seiten verwenden neben EM noch PX als Maßeinheit für Breite Bzw. Höhe, diese Mischung ist tödlich und zwing der einigermaßen technisch fitten Anwender an der »Vorgabe Schriftgröße« nicht zu drehen, dies würde ohnehin bei der so tolle Seiten die nur der Einheit px beherrschen nichts ändern.
    Ich befassen mich also mit ein einigermaßen zugänglichen Design, leider ist die Software einen namhaften Anbieter (die Bezeichnung Betriebssystem für das Zeug möchte ich nicht verwenden) so gestaltet, dass ein Bildschirm eine Punktdichte von 96 DPI aufweisen muss damit alles korrekt angezeigt wird. Neuerdings trifft es leider auf für Mac OS und Linux zu wobei unter Linux und Gnome Bzw, KDE die Punktdichte des Systems einstellbar ist (und global für alle angeschlossene Bildschirme dient, auch ein Designfehler). Browser haben alle Fehlern und sind nicht optimal auf Zugänglichkeit ausgerichtet. Einiges steht also im Weg und eine zugängliche Seite zu erstellen, vor allem wenn sie noch auf den IE 6 einigermass OK sein soll, ist unmöglich. Kompromisse müssen eingegangen werden.

  63. Steffen am 13. Dezember 2010 #

    An dieser stelle möchte ich mich ganz herzlich für diese guten Beiträge bedanken.

  64. العاب فلاش am 30. Juli 2012 #

    Verglichen mit anderen Lebensbereichen ist das Web für Behinderte aber ein enorm zugänglicher Bereich.
    Verglichen mit den Auswirkungen denke ich, lohnt sich auch für Webdesigner die Arbeit an barrierefreiem Kontent, sollte es noch nicht zu einer Selbstverständlichkeit geworden sein. Selbst Technologien wie Flash bieten mittlerweile alle Möglichkeiten, die nötig sind.

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