WebM & VP8
Und Google wirbelt immer weiteren Staub auf – ein Feuerwerk der Neuigkeiten, das da auf der I/O-Entwicklerkonferenz gezündet wird. Sehr gut!
Nun wissen wir, was Google mit dem Kauf der Videocodec-Schmide On2 machen möchte. Sie nehmen sich den guten alten russischen Open-Source-Videocontainer Matroska (sehr beliebt bei Filesharern), verpassen ihm einen neuen Namen (WebM), damit es nicht mehr so nach Raubkopien riecht, und definieren die bevorzugten Codecs, die in WebM Verwendung finden sollen: VP8 für Video (vollständig ge-opensourced) und Vorbis für Audio. Das WebM Project ist geboren!
Über die Qualität und die praktische Einsetzbarkeit von VP8 gibt es geteilte Meinungen, Matroska und Vorbis scheinen jedoch eine gute Wahl gewesen zu sein. Ein wirklich langer, langer, langer Artikel über diese Aspekte kommt von Jason Garrett-Glaser, seines Zeichens Entwickler beim x264-Projekt. Sein Fazit:
VP8, as a spec, should be a bit better than H.264 Baseline Profile and VC-1. It’s not even close to competitive with H.264 Main or High Profile. If Google is willing to revise the spec, this can probably be improved.
VP8, as an encoder, is somewhere between Xvid and Microsoft’s VC-1 in terms of visual quality. This can definitely be improved a lot, but not via conventional means.
VP8, as a decoder, decodes even slower than ffmpeg’s H.264. This probably can’t be improved that much.
With regard to patents, VP8 copies way too much from H.264 for anyone sane to be comfortable with it, no matter whose word is behind the claim of being patent-free.
VP8 is definitely better compression-wise than Theora and Dirac, so if its claim to being patent-free does stand up, it’s an upgrade with regard to patent-free video formats.
VP8 is not ready for prime-time; the spec is a pile of copy-pasted C code and the encoder’s interface is lacking in features and buggy. They aren’t even ready to finalize the bitstream format, let alone switch the world over to VP8.
With the lack of a real spec, the VP8 software basically is the spec–and with the spec being “final”, any bugs are now set in stone. Such bugs have already been found and Google has rejected fixes
Google made the right decision to pick Matroska and Vorbis for its HTML5 video proposal.
Mal sehen, wie das dann läuft. Google hat jedenfalls beschlossen, das gesamte YouTube-Archiv nach und nach parallel in H.264 und WebM anzubieten, und Mozilla und Opera sind natürlich auch mit dabei – bleibt ihnen ja auch kaum was anderes übrig. (update: Selbst Microsoft springt auf den WebM-Zug auf! IE9 mit VP8 …)
Noch ist also exakt gar nichts entschieden in Sachen Webvideo der Zukunft. Ich fürchte eher, dass es mal wieder darauf hinausläuft, zwei parallele Videoformate anbieten zu müssen, oder mit hässlichen Flash-Fallbacks zu arbeiten. Wir werden sehen.
Retrax am 20. Mai 2010 #
Mein erster Gedanke war, dass durch WebM und VP8 ein gewisser Druck auf die MPEG-Allianz ausgeübt werden kann welcher dazu führt dass H-264 Baseline als Web-Codec freigegeben wird. VP8 könnte somit der Quasitüröffner für einen kommenden Royality-Free-H.264 Codec sein welcher dann vom W3C als Basis-Video-Codec für HTML5 angenommen werden kann.
Alles andere ist nur eine Diversifikation der Formate, welche dem »freien Internet« einen Bärendienst erweist.
Die Philosophie hinter dem »HTML5 Video Tag« ist es einen Basis Video Codec zu empfehlen, welcher von allen modernen Browser »out of the Box« abgespielt werden kann, und man somit eine konsistente Darstellung erreicht.
Soweit ich gelesen habe ist es falsch dass IE9 von Haus aus VP8 unterstützen wird, sondern der Nutzer muss den Codec quasi von Hand nachinstallieren. Das widerspricht dem HTML5-Duktus nach einer niedrigschwelligen Unterstützung und Ermöglichung.
Durch VP8 ist es so, dass nun zwei verhärterte Fronten mit MS und Apple zusammen mit jener in Hardware gegossener Bandbreite an H.264 Implementationen auf der einen und Mozilla und Opera, Google auf der anderen Seite gegeneinandersetehen welche auch alle wiederum im W3C sitzen und dort an den Entscheidungen um einen freien Videocodec ringen.
Eine Einigung wird also erschwert, da vermutlich keine Seite nachgeben möchte und mit ihrem je eigenen Codec eigene Interessen verfolgt. Dies hat in der Vergangenheit sogar dazu geführt, dass das entsprechende Issue (Issue-7) vom W3C resigniert geschlossen wurde: http://www.w3.org/html/wg/tracker/issues/7
Der Leidtragende ist eine fehlende solide Empfehlung im kommenden HTML5 Standard und letztlich dann auch wieder der Nutzer, welcher eigentlich durch eine breite native Unterstützung von einem Plugin-System wie Flash erlöst werden sollte und sich nun wieder mit verschiedenen Formaten konfrontiert sieht und Flash als »Alles-Player« somit letztlich als Gewinner dastehen könnte.
cmi am 20. Mai 2010 #
Ich finde es trotzdem besser so (großer Gegenkandidat zu h264 mit breiter Unterstützung) als wie es vorher war: die Browser mit Megafirmen im Hintergrund (Apple, Google, Microsoft) setzen auf h264, die Kleinen bzw. Freien (Mozilla, Opera) auf das (imho völlig chancenlose) Ogg Theora. Die Situation der x Versionen (h264, Ogg Theora, Flashfallback) hatte man also schon vorher, ohne Aussicht auf Änderung.
Durch den Druck der durch diesen Paukenschlag nun aufgebaut wird, kann es in 2 von 3 Fällen (die subjektiv beide realistisch klingen) zu einem Standard kommen. MPEG gibt h264 quasi frei (und wenn dann Mozilla und Opera über ihren Schatten springen und es ebenfalls einbinden hat man als Anbieter sogar die Wahl des Codecs) oder aber WebM wird der neue König. Wie gesagt: fehlt Apple, aber ob es sich His Jobsness an dieser Stelle wirklich leisten kann (und/oder will) als einziger »Major Player« nicht mitzuspielen… Fall 3 wäre das Fortbestehen des Codec-Wirrwarrs – ist aber deutlich unwahrscheinlicher als noch vorgestern.
Stefan am 20. Mai 2010 #
Matroska mit »Raubkopien« zu assoziieren finde ich etwas weit hergeholt. Wenn man 720p oder 1080p Videos schauen möchte, dann ist mkv nun mal das Format der Wahl.
erlehmann am 20. Mai 2010 #
Naja, wenn Microsoft sagt, sie würden WebM unterstützen, wenn man ein Plugin installiert hat, ist das kaum revolutionär. Schließlich spielt Theora auch im Safari ab, wenn man ein Plugin installiert hat.
Torsten am 26. August 2010 #
Die MPEG LA reagiert und gibt H264 für kostenlose Webvideos frei:
http://www.golem.de/1008/77493.html