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Gerrit, 20.06.2007

Welches Webdesignderl hätten’s denn gern?

Was macht eigentlich so ein Webdesigner? Warum gibt es Leute, die sich für diese Berufsbezeichnung schämen? Und warum ist das eigentlich gar nicht nötig? Der Versuch einer Klärung – von einem Webdesigner: mir.

Was bin ich

(Foto: BR)

Webdesigner und Journalisten teilen zwei gemeinsame Schicksale: Sie machen »was mit Medien« und tragen eine nicht geschützte Berufsbezeichnung. Letzteres bedeutet, dass sich jedermann nach Belieben so nennen darf, auch ohne entsprechende Ausbildung. Im Falle des Webdesigners kommt noch ein zweites Problem hinzu: Je nachdem, in welchem Zusammenhang und in welcher Branche man den Begriff verwendet, kann man sich durchaus etwas anderes darunter vorstellen.

Um der Sache genauer auf den Grund zu gehen, habe ich vor einigen Wochen meine Leser nach ihren Eindrücken und Vorstellungen befragt, die sie bezüglich des Webdesigners und verwandter Berufe haben. Dabei kamen einige interessante Ergebnisse zustande, die ich hier zum Teil mit einfließen lassen möchte.

Webdesign als interdisziplinäre Tätigkeit

Für den Laien klingt die Sache einfach: Der Webdesigner entwirft Internetseiten. Dummerweise ist die Sache in der Realität ein wenig komplexer. Vor einiger Zeit schon habe ich mal eine Grafik entworfen, die zeigt, wie ich mir das in der Regel vorstelle:

  • Usability
  • Design
  • Technik

(Manchmal ist man geneigt, auch noch den Punkt »Inhalt« hinzuzunehmen, da sowohl Usability als auch Design von redaktionellen Texten und Bildern abhängig ist. Der Einfachheit vernachlässige ich diese Disziplin aber hier.)

Diese Dreier-Aufteilung lässt sich noch weiter differenzieren. Dies könnten möglicherweise die Teilaufgaben sein bei der Umsetzung einer modernen Internetseite:

  • Konzeption (Umfang, Zielsetzung, Sitemap)
  • Informationsarchitektur (Groblayout, Usability)
  • Screendesign (statisch, meist pixelbasiert)
  • Frontend-Entwicklung (HTML/CSS, Dynamisches Verhalten per DOMScripting)
  • Installieren und Einrichten eines CMS
  • Template-Dynamisierung (zur Einbindung in das CMS)
  • Migration auf den Liveserver

Wie man sieht, sind eine Menge an Teilaufgaben zu bewerkstelligen, und man könnte das locker noch weiter aufgliedern. (Bei aufwändigeren Web-Applikationen kommen zudem noch Dinge wie Serverprogrammierung, Datenbankarchitektur und so weiter hinzu.) Je nachdem, wie groß das gesamte Team ist, in dem man als Webdesigner arbeitet, ist auch Anzahl und Umfang der Aufgaben unterschiedlich. Als Freelancer wird man sich selbstverständlich um alle obigen Punkte alleine kümmern wollen. In einem Team von 5 Leuten begnügt sich eine einzelne Person vielleicht wirklich nur mit dem Malen von Screens, eine andere Person ist ausschließlich für den JavaScript-Code zuständig, eine dritte Person kümmert sich um HTML-Semantik und CSS-Umsetzung. Jeder der drei macht etwas komplett anderes. Jeder würde sich aber unter Umständen als Webdesigner bezeichnen.

Und jeder hat Recht – auf seine Weise! Denn vielleicht kommt jeder von einem unterschiedlichen beruflichen Background – Informatik, Grafikdesign, Mediengestaltung, Kommunikationswissenschaft, you name it! Webdesign ist ein klassischer Quereinsteiger-Beruf. Zumal es in der Tat keine staatliche Ausbildung als »Webdesigner« gibt. Ein jeder wurschtelt sich so durch und definiert seine Webdesign-Tätigkeit auf unterschiedliche Art und Weise.

Dies führte dann in der Vergangenheit zu einer Verwirrung über die Fähigkeiten, die man von einem entsprechenden Kandidaten erwarten konnte. Ein Abteilungsleiter mit Informatik-Hintergrund wird sich unter einem Webdesigner eben nicht den pixelschubsenden Mac-User vorstellen und ihn entsprechend auch nicht einstellen wollen, wenn keine intimen Kenntnisse in PHP oder Datenbanken vorhanden sind. In einer Designagentur kann das anders aussehen – da wird man als Bewerber mit einem fundierten Wissen über semantisches HTML und CSS-Browsertricks nicht weit kommen, wenn man von Farben, Formen und Schriften keine Ahnung hat.

Vielleicht liegt in diesen schwammigen Definitionen, falschen Erwartungen und fehlenden Ausbildungen der Grund für den schlechten Ruf, den die Bezeichnung »Webdesigner« hat – vielfach bestätigt durch die Kommentare in meiner Fragerunde. Man muss sich offenbar fast schon schämen, diese Bezeichnung auf seine Visitenkarte zu drucken. Viele weichen von daher auf spezialisierte Begriffe wie »Frontend-Entwickler«, »Webproducer« oder »Interface-Designer« aus. Andere suchen ihr Heil in der Ironie mit »Webmensch« oder »Internetspezialist«. Auch keine wirkliche Lösung.

Frontend, Backend – und das dazwischen!

Wenn man davon spricht, dass sich der Webdesigner (im Gegensatz zum Webentwickler) in erster Linie um Belange des Frontends kümmert, kommt schnell die Frage auf, ob eine Trennung zwischen Frontend und dem Backend heute eigentlich noch Sinn ergibt. Die Antwort ist von meiner Seite ein überdeutliches Jein!

Früher war das vielleicht ein wenig einfacher zu unterscheiden – im Frontend wurde gemalt, im Backend wurde programmiert. Doch seit einiger Zeit wird nun auch von ehemaligen klassischen Frontend-Entwicklern heftig programmiert:

  • JavaScript ist wieder cool und fördert die Usability
  • Ajax verknüpft Front- und Backend viel stärker miteinander als früher
  • Einfache CMS-Lösungen wie Wordpress erlauben auch Nicht-Programmieren das Spiel mit serverseitigen Scriptsprachen und Datenbanken

Weil vieles einfacher geworden ist, gilt das Aufsetzen von serverseitig dynamischen Websites nicht mehr als exklusive Fertigkeit von Backend-Entwicklern, sondern kann oftmals auch von Leuten erledigt werden, die früher nur Pixel geschubst oder Tabellen im Dreamweaver gebaut haben (So lang ist das gar nicht her!). Fraglich nur, ob das sinnvoll ist? Sollte man als klassischer Webdesigner auch noch den Serverpart mitübernehmen? Ich würde sagen: Es ist keine Pflichtübung – und wenn im Team ein Programmierer anwesend ist, ist die Arbeitsaufteilung klar. Aber als Freelancer sehe ich keinen Grund, warum man einfache Aufgabenstellungen im Backend nicht auch selber lösen kann!

Viele Webdesign-Freelancer beherrschen ein paar Brocken PHP oder Ruby on Rails. Damit können sie vielleicht keine komplexen Webapplikationen im Alleingang programmieren, aber für das eine oder andere CMS-Plugin reicht es vielleicht. Solange ein jeder weiß, wo für ihn persönlich Schluss ist mit der Kompetenz – wann man also besser bei einem befreundeten Webentwickler anfragt – gehören einfache Backend-Programmierkenntnisse auch zum Leistungsportfolio eines professionellen Webdesigners hinzu.

Was schließen wir daraus?

Meiner Meinung nach brauchen wir einen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf »Webdesigner«, der alle oben besprochenen Teildisziplinen gut abdeckt, dafür Ballast von früher über Bord wirft. Der Webdesigner muss nicht – wie der jetzige Mediengestalter – über Rasterweite und Beschnittzugaben Bescheid wissen, dafür jedoch über hexadezimale RGB-Farben und Subpixel-Rendering. Er betrachtet Typografie stets unter dem Aspekt der Screenfähigkeit. Er hat engagierte Lehrer, die sich weiterbilden und stets aktuelle Techniken vermitteln, keine abgehalfterten Drucktechniker (die aus Unkenntnis im Jahr 2007 noch Tabellenlayouts propagieren). Natürlich muss Kreativität im Screendesign gefördert und nicht bestraft werden. Aber auch Usability und Textarbeit gehören dazu. Es könnte auch zwei Schwerpunkte geben: »Webdesign Gestaltung« und »Webdesign Technik«. Letzterer bekommt noch eine stärkere Dosis PHP, JavaScript und Ruby on Rails verpasst. Ich will das jetzt gar nicht im Details ausarbeiten – man versteht aber wohl, was ich meine.

Meine Güte, hätte es sowas 1999 bereits gegeben, hätte ich mir das mit dem Mediendesign-Studium nochmal überlegt. Für’s erste wäre es exakt das Richtige gewesen. Und ein Studium kann man ja immer noch dranhängen, gerade in der verkürzten Bachelor-Form, die sich ja schon weitestgehend durchgesetzt hat.

Doch ganz abgesehen von dieser Forderung: Ganz persönlich bin ich mit der Bezeichnung »Webdesigner« recht glücklich. Er beschreibt kurz und prägnant, was ich mache: Ich designe das Web, zumindest Teile davon. Wobei ich den Begriff »Design« hier in der erweiterten Bedeutung verstanden wissen möchte – denn es geht über das reine Styling hinaus. Design ist mehr als nur »hübsch machen«. Design umfasst auch Konzeption und Konstruktion. Im Englischen versteht man das noch etwas eher – hier ist es selbstverständlich, dass auch Ingenieure sich als Designer sehen: »I’ve designed this bridge-construction« – da hat jemand nicht nur die Farbe für den Lack rausgesucht, sondern die Brücke auch wirklich komplett erdacht und konstruiert, so dass es hält und keine Autos ins Meer fallen.

Mir ist klar, dass dieser Artikel nicht alle Aspekte des Themas umfasst. Er dient auch mehr als Stichwortgeber und soll zum Sinnieren anregen. Von daher freue ich mich sehr über konstruktive und kritische Kommentare!

update am 13.8.2007: Auf 456 Berea Street gibt’s auch einen feinen Artikel zum Thema: Are we designers or developers?

40 Kommentare

  1. Manuel am 20. Juni 2007 #

    Prima Artikel, ich bin zu 100% einer Meinung mit dir! Eine solche Ausbildungsform wäre sehr realitätsnah und wirklich hifreich.
    Nach meiner Einschätzung sucht man auf dem Arbeitsmarkt zur Zeit händeringend nach Webdesignern mit den von dir geschriebenen Fähigkeiten (ich finde die Bezeichnung Webworker sehr passend).
    Vor 4-5 Jahren gab es für das beschriebene Arbeitsfeld viele interessierte Quereinsteiger, die eine gescheite Webseite in allen Disziplinen selbsständig erstellen konnten.
    Mittlerweile findet man leider meißtens nur noch das Eine (Frontend) oder das Andere (Backend).

  2. Moritz am 20. Juni 2007 #

    Also ich finde deine Ausführungen richtig gut und recht komplett. Bin deiner Meinung, was den »Staatlich anerkannten Webdesigner« angeht, da sollte mal eine Regelung gefunden werden.

  3. Matthias am 20. Juni 2007 #

    Wow – Genau die Definition von Web-Design die dem entspricht, was ich mir vorstelle :-). Danke für den Artikel.

  4. Nathanael am 20. Juni 2007 #

    Nebenbei… hast du deinen Fullfeed abgeschafft?

  5. Fabian am 20. Juni 2007 #

    Amen! sag ich da nur. Das sollten sich viele Hochschuldekane und Professoren zu herzen nehmen und solche Studiengänge wie auch meinen ehemaligen »Multimediatechnik« mit sinnvollen Inhalten füllen!

  6. Markus am 20. Juni 2007 #

    Ich nehm das mit der Brille  …
    Nein, im Ernst: klasse Artikel. 100% true.

  7. Michel am 20. Juni 2007 #

    In manchen Studienfächern (in Niedersachsen) kann man sich schon auf Webdesign spezialisieren:

    Der Abschluss Mediendesigner/in (BA) mit Schwerpunkt Webdesign setzt ein Studium an einer Berufsakademie in Niedersachsen voraus. Berufe.net

    Vielleicht hab ich das auch einfach falsch verstanden.

    Einen staatlichen Abschluss fänd ich auch begrüßenswert und auch mit dem Rest den du geschrieben hast bin ich größtenteils einer Meinung mit dir.

  8. Michel am 20. Juni 2007 #

    Ach ja: Der Begriff »Designer« ist ja eh schon rufgeschädigt. Zu geschätzten 98 % wird damit nicht »Planung, Entwurf, etc.« verstanden sondern »schöne Farben und Muster«.

  9. Nicolas am 20. Juni 2007 #

    Kleine Geschichte: Kürzlich rief mich ein Cousin an, von dem ich seit Jahren nichts gehört hatte. Bei der Frage, was ich jetzt so mache, meinte ich: Ich bin Webdesigner. Von der anderen Seite kam nur ein »Oh je …«, worauf ich meinte, dass ich das nun schon eine ganze Weile mache. Und wieder: »Oh je …«. Er fing dann an zu erzählen, dass er auch mal Webdesigner gewesen sei. War eine Weile arbeitslos und hat eine einjährige Ausbildung vom Arbeitsamt gemacht. »Java, auch so Apple und Photoimpact haben wir da gemacht.«

    Tja, so ist das :-)

  10. mike am 20. Juni 2007 #

    Interessanter Beitrag.
    In einem Punkt aber gehe ich nicht mit, das wäre der »Beruf«: »alle Disziplinen gut abzudecken«.
    Zuerst mal müsste man definieren was »gut« ist, aber das Hauptproblem, was ich sehe, ist, dass jemand mit gutem Händchen für Design UND einem Händchen zum Programmieren UND einem Händchen für Semantik jeweils incl. aller Unterpunkte usw. die absolute Ausnahme ist.
    Ich finde, dass man die »Webdesigner« eben doch – wie auch oben gefordert – in verschiedene Kompetenzen aufdröseln muss.
    Ich für meinen Teil bezeichne mich eher als Webtechniker, auch wenn das auch wieder eine Bezeichnung ist, die nicht ganz passt, für »Strukturdesigner« würde man mir wohl eher einen Vogel zeigen ;)

  11. Jens Meiert am 20. Juni 2007 #

    Vielleicht ein Versehen, aber QS ist ebenfalls toll – und über den Begriff Design sowie etwa benötigte Kenntnisse in Analytik kann man vielleicht ebenso »argumentieren« wie über die Abgrenzung von Konzeption und IA (»Sitemap« ohne/vor IA?).

  12. Jens Meiert am 20. Juni 2007 #

    ... und da ich jetzt etwas zu schnell war: Während ich die Einschätzung, dass »Webdesign [...] ein klassischer Quereinsteiger-Beruf« ist, zwar teile, betrachte ich sie doch (ebenfalls) als eines der Hauptprobleme unserer Branche. In diesem Sinne sollten bessere Ausbildungsmöglichkeiten geschaffen (und später von Arbeit- und Auftraggebern gefordert) werden, und da wiederum gebe ich dir, Gerrit, vollkommen recht.

  13. Gerrit am 20. Juni 2007 #

    Das mit dem Quereinsteiger-Beruf war auch eher die Beschreibung des Status Quo und nicht meine Wunschvorstellung :-)

  14. Benni am 20. Juni 2007 #

    Lob für den guten Artikel!

  15. Julian Schrader am 20. Juni 2007 #

    Sehr schöner Artikel, vielen Dank fürs Schreiben! ;-)

  16. Alexander Hahn am 21. Juni 2007 #

    Der beste Artikel den ich zum Thema gelesen habe!
    Danke Gerrit, ich fühle mich sehr bestätigt in dem was ich als Freelancer versuche einzuhalten.

    Auch wenn unsere Richtung, »Web(working) an sich«, bei meinem Studium in Braunschweig(HBK) eher Ausnahme ist. Die meisten Kommunikationsdesigner sind hier eher in Sachen Illustration/Video/Print unterwegs.

  17. Benjamin am 21. Juni 2007 #

    Dein Artikel hat wohl den Nerv getroffen, vor allem der interdisziplinäre Aspekt ist schwierig zu kommunizieren. So wie Du das beschreibst, erlebe ich es auch in meiner Praxis, was da heißt, die Kunden unterschätzen die Komplexität und Eigenständigkeit von professionellen Webdesign. Ich habe allerdings so meine Zweifel, ob eine staatlich festgelegte Ausbildung oder Berufsbezeichnung wirklich etwas zum besseren Image der Bezeichnung Webdesigner beiträgt. Zum Einem ist staatlich (oft) gleichzusetzen mit unflexibel, unsere Branche unterliegt so schnellen Wandlungen, dann kommt ein verordneter Lehrplan nicht hinterher. Zum Anderen ist der an Glaube an engagierte Lehrer und Förderung von Kreativität im deutschen Bildungssystem, Ausnahmen jetzt mal ausgeschlossen, noch nicht die Wahrheit, die ich in Ausbildungsstätten erlebe.

  18. Steffen am 21. Juni 2007 #

    Du hast es auf den Punkt gebracht, der Begriff ist nur schwammig. Und in größeren Webagenturen nennt sich keiner Webdesigner, sondern gibt es die Designer (auch liebevoll Pixelschubser genannt), Frontendler und Backendler, dazu kommen noch die Flashdesigner und Flashentwickler.

    Aber prinzipiell würde ich unter einem »Webdesigner« erst mal einen Designer mit Spezialisierung auf Screendesign verstehen. Darunter fällt auch Konzeption und Kategorisierung und Anordnung des Inhalts. Jegliche weitere Schritte der Umsetzung wären dann Bonbons, also HTML und CSS sowie Backend bzw. Anbindung an CMS.

    Und das ist zur Zeit das Hauptproblem: es gibt viele gute Designer die von Technik nichts hören wollen, es gibt gute Designer die sehr wohl sich mit der Technik beschäftigen und sie beherrschen und es gibt welche die beides nicht können. Eine Differenzierung anhand der Berufsbezeichnung ist zur Zeit also nicht möglich.

  19. Dentaku am 21. Juni 2007 #

    Sehr gut geschrieben — trotzdem fühle ich mich als Backendentwickler im »großen« Umfeld (J2EE, EAI, große Datenbanken, Telematik) unterrepräsentiert :-P .

  20. Veit am 30. Juni 2007 #

    Der Artikel trifft den Nagel auf den Kopf! Ich habe in Dresden Medienproduktion studiert (Berufsakademie) und da wurde auch sehr deutlich, wie vielfältig die verschiedenen Aspekte sind. Es wurde so vieles aus Zeitmangel nur verdammt kurz angerissen. Nun deckt Medienproduktion in Etwa die Bereiche ab wie Medieninformatik – also auch Print, Video, Audio, Journalismus, Medienrecht etc. und eben Informatik in ihrer »klassischen« Form (Datenbanken, Netzwerke, Systementwicklung etc.). Das hat mir schon bessere Voraussetzungen für die Informatik-Aspekte des Webdesigns gegeben, als das, was Mediengestalter oder Design-Studenten mitbekommen.

    Auf den Punkt gebracht wird aber deutlich, dass man die 3 Jahre ohne Weiteres ausschließlich mit den Disziplinen hätte füllen können, die ein Webdesigner beherrschen muss. Das Meiste davon habe musste ich mir eben doch mehr oder weniger autotidaktisch aneignen. Also: Her mit dem Ausbildungsberuf und/oder dem Studiengang! Rettet die Ehre des Webdesigners!

  21. Veit am 30. Juni 2007 #

    Noch eine Ergänzung: Wie Steffen schon geschrieben hat, gibt es viele gute Designer ohne Technik-Background. Und es gibt viele gute Entwickler, die aber keinen Unterschied zwischen Garamond und Times erkennen. Und es gibt Leute, die sich »Webdesigner« nennen. Unter diesen gibt es aber viele, die keine von den genannten Fähigkeiten haben, und relativ wenige, die beides können. Hier fehlt einfach die Möglichkeit, differenzieren zu können. Zumal kaum ein Auftraggeber die Fähigkeiten »seines Webdesigners« einschätzen kann und schluckt, wenn ich ihm einen vierstelligen Preis für die Gestaltung seiner Website nenne. Wie schön wäre es, wenn ich auf meine Visitenkarte z.b. »Dipl.-Webdesigner« schreiben könnte …

  22. Jürgen Liechtenecker am 26. März 2009 #

    Wie ich meinen heutigen Blogbeitrag (03/2009) geschrieben habe, musste ich mich an deinen Artikel hier erinnen. Im Prinzip hat es sich eher verschlimmbessert, was alles aus einem Webdesigner heraussprudeln sollte. Oder noch schlimmer ist der Webdesigner als solches gar tot? Ich darf darauf verlinken: http://www.liechtenecker.at/blogeintrag/webdesigner-haben-es-schwer/

  23. Heinrich Hofstädter am 15. Juli 2009 #

    Vielleicht liegt in diesen schwammigen Definitionen, falschen Erwartungen und fehlenden Ausbildungen der Grund für den schlechten Ruf, den die Bezeichnung »Webdesigner« hat..

    Mein Beitrag dazu, etwas verspätet, aber trotzdem:
    Wir bezeichnen uns nicht als Webdesigner, sondern als IT-Kakerlaken auf mittlerem Niveau

  24. Benjamin am 12. März 2010 #

    Als später Beitrag zur Diskussion der Berufs- und Tätigkeitsbezeichnung: Jans Meiert schreibt hier – vereinfachend und übertreibend, aber auf den Punkt gebracht – über die große Masse der »Web Decorators«: http://meiert.com/en/blog/20070824/are-you-a-web-designer-or-a-web-decorator/

    Lessenswert!

    Benjamin

  25. Philip am 22. Juni 2010 #

    Es kommt darauf an… Jeder hat Recht – auf seine Weise… Jein!…
    Irgendwie alles sehr unbefriedigend. Warum nicht mal jemandem auf den Schlips treten und Stellung beziehen?!

  26. Medani Oman am 13. Juli 2010 #

    Webdesign ist wirklich ein sehr weit gestreuter Begriff. Unterscheiden muss man vom Grafiker, Texter, Visual Designer bis hin zum Programmierer. Wobei derjenige, der das HTML / XHTML- Design zusammenbaut und coded noch eine leichte Arbeit hat. Weiter sollten gute Agenturen auch eine Suchmaschinenoptimierung bieten und mehr als nur fertige CMS Systeme anbieten können.

  27. Beolex web am 30. August 2010 #

    Ich entwerfe zwar auch die Webseiten, würde mich aber nicht als Webdesigner bezeichnen, ich baue eher in einer Tabellenform und füge die Grafiken und vor allem Logos, die von echten Webdesignern erstellt wurden, Pixel schieben allein mach noch nicht einen Webdesigner aus.

  28. Andreas Ntagas am 29. Oktober 2010 #

    @Medani Oman – Du sagst es.

    Heutzutage nennen sich viele Webdesigner und machen damit den Markt kaputt mit Preisen wie 200 € für eine Webseite. Dementsprechend sieht die Webseite dann aus, geschweige denn der code. Man muss immer wissen was man haben will. Mir sind schon Leute vor die Nase gekommen die sich Webdesigner nannten nur weil sie wie schon mein vorredner sagt »Pixel schieben«.

    Für eine Professionelle Webseite braucht man meistens immer einen Webdesigner und einen Programmierer, der den Quellcode dann valide umsetzt und wo Spielerein wie Javascript oder andere Anwendungen umsetzen kann.

  29. Elaine am 25. Mai 2011 #

    I’m somewhat certain they’ll be informed a lot of new stuff right here than any one else!

  30. Thomas am 7. Juni 2011 #

    Ja, klasse Artikel. Chapeau!!!

    Ich bin selbst Webdesigner ( ausgebildeter Mediengestalter für Digital- und Printmedien NON-Print)
    und bin seit 11 Jahren auf diesem Gebiet Selbständig.

    Kann dir nur voll zustimmen!

  31. Marcus am 19. Juli 2011 #

    Sehr genial geschrieben.
    Ich erwische mich auch immer wieder dabei, wenn ich nach der Frage meiner Branche nicht »webdesign« sondern »werbung« sage.

    Webdesign ist einfach mit einem Studenten der gerade keinen anderen Job hat verbunden.
    Damit kann man aber auch gleich feststellen, welchen Stellenwert eine erfolgreiche und gut gestaltete Webseite für viele Leute hat.

    Das dieses Werbemedium nur funktioniert, wenn man mit Erfahrung und »Ausbildung« eine Seite erstellt, leuchtet vielen nicht ein. »Homepages« macht man selbst, fragt den Bruder eines Freundes oder nutzt einen Baukasten.

    Webdesign und das »erstellen einer 0815« Webseite ist leider nicht klar getrennt, und daher ist man als Webdesigner leider auch immer mit einem Bein im Bereich des »kann doch jeder und braucht niemand«.

  32. Arina am 3. September 2011 #

    In der Tat ein sehr interessanter Denkansatz, aber ob es dazu wirklich gleich einen entsprechenden Ausbildungszweig braucht?

    Man sollte generell mal darüber nachdenken, ob man die einzelnen bereits bestehenden grafischen Ausbildungen nicht in verschiedene »Endausrichtungen« trennt und die Lehrinhalte entsprechend anpasst. Durch unterschiedliche Zusätze in der Berufsbezeichnung wie z.B. ..für Print- oder ..für Webdesign könnte man seine Qualifikation in diesen Bereichen kenntlich machen und sich von der Allgemeinheit abheben.

  33. Ibo am 6. Januar 2012 #

    Selbst es es einen einheitlichen Ausbildungsstandard geben würde, bleiden die drastischen Qualitätsunterschiede bei Design Umsetzung und evtl. Optimierung bestehen. Wenn der Webdesigner schlampig arbeitet, oder kein ästetisches Auge, was nutz da die Qualifikation.

  34. Xfan am 2. Mai 2012 #

    Ui, schöner Artikel, nicht veraltet ^^. Vor 12 Jahren wurde ich Werbe und- Medienvorlagenhersteller in Fachrichtung Gestaltung. Da gabs diesen neuen Beruf gerade 3-4 Jahre. Dann wurde er umbenannt in Mediengestalter in Fachrichtung Gestaltung. Eigentlich digital setzen, Druckvorstufe, aber das war ja der Übergang damals.

    Aber: Semi-Video/Tonschnitt, Schriften, Suprerasterzelle und Webdesign mit Netscape und Dreamwaver. Auch Spiele in Director und Flash haben wir gescriptet, also alles haben wir angefasst damit man ja gerüstet ist für die neue digitale Welt.

    Mittlerweile erstelle ich Web-Anwendungen (Webseiten ^^) intern in der Firma von der Konzeption über das Design/Layout (Photoshop) danach css , serverseitigen Scriptsprachen (PHP, Perl) bis zum Datenbankdesign alles selber und alleine. Nur die jeweiligen Server und das Netzwerk wird von anderen Fachleuten gewartet.

    Ein Webdesigner der/die wie ich früher einen der damals neuen Berufe erlernte, fungiert wohl teilweise nach wie vor als eierlegende Wollmilchsau und fast Keiner sieht, was wirklich alles zu tun ist.

    Achja, der weggelassene Content (oben im Artikel angedeutet) gehört wohl eher auch zum Job eines »Webdesigners«. Wie einer schon schrieb, sollte der Content auch SEO-mäßig einigermaßen passen xD

  35. Chris am 7. Juni 2012 #

    Soviele Artikel jeden Montag in welchen Webdesigner sich mit roten Bäckchen erklären und allen Menschen ihre Philosophie und ihren Wirkungskreis um die Ohren hauen, egal ob mans wissen will oder nicht.
    Webdesigner bleibt Webdesigner, egal wie oft er seinen Komplex wichtig redet: Er wird kein Ingenieur und auch kein Informatiker werden – und schonmal gar keine Schnittstelle zwischem beidem.

  36. Stefanie Böhme am 28. Juni 2012 #

    Hallo,
    ich finde den Artikel wirklich sehr interessant. Ich habe vor einem Jahr meine AUsbildung zur Anwendungsentwicklerin abgeshclossen und möchte mich nun eigentlich in Richtung Webdesign weiter entwickeln. DIe Grundkenntnisse dafür sind auch schon vorhanden. Aber es ist wirklich schwierig, etwas in dem Bereich zu machen, wenn meine seine Programmier-Ausbildung nicht bereits in einer Webdesign-Agentur gemacht hat. Ich würde mich auch über mehr Fortbildungsmöglichkeiten in diesem Bereich freuen. Egal wo man fragt und googlet – überall wird nur geraten »Learning bei doing«. Ich denke, dass gerade das nicht DIE Lösung ist. Natürlich kann ich html, css, php und co so lernen, aber die wichtigen Grundsätze und Erfahrungen eines Webdesigners kann ich so nicht erlangen. Außerdem brauche ich Referenzen, wenn ich mich bewerben möchte, beim »Learning by doing«-Verfahren hab ich da nicht all zu viele von. Jetzt noch ein komplettes Grafik-Studium zu absolvieren finde ich aber auch übertrieben. Ich weiß also auch nicht so wirklich wie ich weiter komme. Ich denke auch, es sollte einen extra Ausbildungsberuf dafür geben und wirklich differenzieren zu können und auch eben alle und nicht nut Teilqualifikationen zu erhalten.

  37. Henrik am 31. Oktober 2012 #

    Interessanter Artikel! Ich stimme zu, ein Freelance-Webdesigner muss viel können oder Leute kennen, die ihm helfen, wenn seine Kenntnisse nicht ausreichen.

    Neben Grafik, HTML, CSS, Texten und Programmierung wäre noch eine Disziplin zu erwähnen, in der sich ein Webdesigner auskennen sollte: Marketing.

    Da Websites normalerweise gemacht werden, um Kunden oder Klienten zu gewinnen oder etwas zu verkaufen, sollten diese Ziele, wenn es sie gibt, im Vordergrund stehen. Selbst die schönste Website muss sich letztendlich an den Ergebnissen messen lassen, die sie liefert.

    Ein Webdesigner scheint also Experte in einem halben Dutzend Fachbereichen sein zu müssen. Deshalb drängt sich die Frage auf, ob einer heute tatsächlich noch alles können kann oder ob es effektiver ist, in kleinen Netzwerken zusammenzuarbeiten.

  38. Roland am 3. März 2014 #

    Mir kommt die hiesige Definition des Berufs »Webdesigner« wie ein Mix aus Web Designer und Web Developer vor.

    Ich selbst bin ein schlechter Grafik Designer, ein noch schlechterer UI Designer, kann dafür aber so ziemlich jede krude Idee, die mir jemand vorwirft, mittels sauberem HTML, CSS, Javascript, also im Frontend, und, wenn nötig, mit PHP und etwas schlechterem Perl und Python, also im Backend umsetzen und auch typographische Fehler passieren mir nach vielen Jahren böser Schnitzer mittlerweile recht selten. Ich achte sogar auf den vertikalen Rhythmus, was viele Webdesigner bis heute noch nicht machen.

    Ich würde mich dennoch vehement dagegen wehren, als Web Designer bezeichnet zu werden, da das in meinen Augen ein völlig anderer Beruf ist. Ich würde die Forderung nach einer Berufsausbildung als Eier-legender-Wollmilch-Graphik-Front-Backend-Webdesigner eher ablehnen und diese aufteilen. Wer will, kann ja immer noch 2 oder 3 Ausbildungen machen …

    Siehe dazu auch CSS is for developers

  39. Denis am 7. März 2014 #

    Sehr schöner Artikel. 100% Zustimmung und Bestätigung meiner Gedanken. Mach ich selten aber deine Seite ist bookmarked, gefällt mir.

  40. Navarra am 20. März 2014 #

    Wie Ihr mir aus der Seele sprecht! Als Freiberuflerin bin ich zwangsweise die eierlegende WMS – also muss ich auch das Frontend »können«. Aber meine Welt (Begabung, Freude) ist das technische, die Programmierung, also der »trockene« Teil. Programmcode in diversen Programmiersprachen ist für mich wie Fliesstext, ich »spreche und träume« in Nullen und Einsen, aber das Gefühl für Farben, Formen und Typo? Oje. Das Design eines anständigen Frontends ist für mich eine Crux, die mir mangels Talent oft Tage verschlingt. Designer als »Pixelschubser« zu bezeichnen ist völlig daneben. Der »Pixelschubser« ist vielmehr der PROGRAMMIERER, der Nicht-Designer-sondern-Techniker, wenn er sich als Gestalter bemüht, also zum Beispiel ich. Ich schubse wirklich stundenlang die Pixel hin & her, bis ich etwas halbwegs schönes zusammenbekomme. Gestalterische Begabung liegt nicht am Strassenrand, genausowenig wie das Feeling für Bits & Bytes . Daher soll mir niemand kommen mit »das Designen ist ja einfach, aber das Programmieren ist wahre geistige Arbeit«. Pustekuchen. Lob an alle WebDESIGNER, lasst Euch nichts einreden!

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