praegnanz.de büro für intervernetzte medien

Gerrit, 19.10.2011

Typografenstreit um Roboto

Nachdem Google dieser Tage sein neues mobiles Betriebssystem »Ice Cream Sandwich« vorgestellt hat, was – wie man hört – mit allerlei Nettigkeiten gesegnet sein wird, kann man den dort verwendeten Font »Roboto« schon jetzt herunterladen und testen.

Das einhellige Urteil der Typografengemeinde: Zusammengeklaut! Die einen behaupten, es handelt sich um eine Mischung aus Helvetica, Myriad, Univers, FF Din und Ronnia, die anderen halten die neue Google-Schrift schlicht für ebenso Helvetica-geripofft wie die Arial seinerzeit.

Nun gut.

Ich bin da etwas entspannter, denn meines Erachtens ist bei genau dieser Art von Schrift, also bei bewusst neutral gehaltenen serifenlosen Schriften ohne jeden Schnörkel, die aber nicht geometrisch konstruiert sind, ohnehin kein sonderlich großer Spielraum, was individuelle Kreativität angeht.

Die Roboto ist keine originelle Schrift, aber sie gleich als Rip-Off oder Chimäre zu bezeichnen, erscheint mir zu hart. Auch die Myriad ist von der Frutiger nur schwer zu unterscheiden.

3 Kommentare

  1. Sergej am 19. Oktober 2011 #

    Viel interessanter ist doch die Frage ob die Schrift gut ist und passend für den Zweck ist?

  2. Gerhard Großmann am 20. Oktober 2011 #

    Es scheint sich bei der jetzt veröffentlichten Datei noch um eine Beta-Version zu handeln, denn sie enthält noch einige Fehler (falsch sitzende Diakritika, falsch ausgerichtete Zeichen im Kursivschnitt). Der Entwickler ist darauf aber schon eingegangen und verspricht, solche Fehler noch auszumerzen. (siehe Update auf typographica.org).

    Was Stephen Coles dort bemängelt, ist nicht so sehr die Frage, ob die Schrift zusammengeklaut ist (denn wie du richtig bemerkst, Gerrit, ist bei neutralen Sans-Schriften da nicht so besonders viel Spielraum für Originalität). Ich haben seinen Einwand gegen Roboto vor allem so verstanden, dass er darin keine einheitliche Stilführung erkennen kann. Beispielsweise ist das e sehr offen, das c endet aber mit waagrechten Abschlüssen. Ebenso sind a und s eher geschlossen, die Schlaufe des g aber wieder geöffnet …

    Der Schriftdesigner Christian Robertson begründet das mit mehr Lebendigkeit im Schriftbild und stellt in Frage, ob alle Buchstaben auf Teufel komm raus exakt gleiche Merkmals aufweisen müssen.

    Laufweitenvergleiche wie bei theunderstandment sind dagegen völliger Unsinn, denn es gibt sehr viele Schriften, deren Buchstabenbreiten absichtlich an Helvetica angeglichen sind – aus Kombatibilitätsgründen (Beispiele: FreeSans, Arial, Liberation Sans und sogar die Office-Variante der Corportate Schrift der Deutschen Bahn).

    Die Frage ist also: Wie ähnlich sollten sich die Buchstaben innerhalb einer Schrift sein? Und das ist eine sehr alte Frage, die sich jeder Typograf beim Entwickeln einer Schrift stellt.

    Davon abgesehen ist das kleine ß wirklich hässlich ☺ (Twitpic von typefacts)

  3. Simon am 22. Oktober 2011 #

    Ich habe mir die Schrift mal angeschaut… auf den ersten Blick hat die Schrift das typische desinteressierte »Whatever«-Gefühl erzeugt, wie es nur eine Arial oder Helvetica kann.

    Intelligenter wäre es gewesen die Droid um weitere Schnitte zu erweitern, statt mit der Roboto wieder von vorne anzufangen.

    Zumal bei der Veröffentlichung im Hintergrund insgesamt 5 Schnitte gezeigt wurden, Thin, Regular, Medium, Bold und Black, außerdem Condensed. Ich hoffe also da tut sich noch etwas.

    GROẞES Manko: Natürlich mal wieder kein Versal-Eszett. Da sollte sich jeder fragen, ob er die Schrift überhaupt geschenkt haben will…

Kommentar schreiben

Nutzt Textile zum Strukturieren eures Textes.
SEO-Beiträge werden gelöscht, auch bei thematisch passendem Spam.