Offline zu Online
Es scheint neuerdings schwer in Mode zu kommen, selbst reinen Online-Publikationen (und dazu gehören natürlich auch Blogs) echte, gedruckte Pressemitteilungen oder noch tollere Nettigkeiten per Schneckenpost zukommen zu lassen. Offenbar soll diese nichtvirtuelle Kontaktaufnahme mehr Buzz und Aufmerksamkeit erzeugen als eine nervige Spam-Mail. Und wenn es den richtigen Blogger mit dem richtigen Thema trifft, ist das auch völlig okay, wie ich finde.
Negativbeispiel: marketing-blog.biz mit einer mysteriösen Postkarte, die (nicht nur) mir in den Briefkasten flatterte. Mir, dem bekennenden Marketing-Hasser. Ich konnte damit nun gar nichts anfangen und weiß auch nicht, was die dazugehörende Website soll.
Positivbeispiel: Linotype mit dem FontexplorerX, einem sehr gut gemachten und obendrein kostenlosen Stück Software für alle Schriftenfreunde. So wie mich – Zielgruppe voll erfasst. Deshalb berichte ich gerne. Das Mailing bestand aus einem B5-Umschlag, in dem sich ein dreiseitiges, nett gestaltetes Anschreiben befand, in dem die finale Version 1.0 des Schriftenmanagement-Tools angepriesen wird. Außerdem purzelte eine richtig gepresste CD-ROM mit eben dieser Software aus dem Umschlag. Ein netter Service, den ich nicht erwartet hätte. Linotype meint es also richtig ernst mit dem FEX, und hat auch die Downloadseite ein bisschen web2.0iger gestalten lassen – natürlich mit rotem Stern und einem freundlichen Iconset!
Und nun genug Werbung – weitermachen!
Mark am 15. März 2006 #
Machst Du, indem Du dieses seltsame Blog verlinkst, nicht genau das, was die Damen und Herren mit ihrer Aktion erreichen wollten?
Dirk am 15. März 2006 #
Ich hätt ja gerne einen FontexplorerW. Oder FontexplorerXP. Wunschträume …
Gerrit am 15. März 2006 #
@Mark, naja, wenn ihnen der Link 45 Cent Porto wert war, dann sollen sie nicht enttäuscht werden.
Geschmacksberater am 15. März 2006 #
iTunes für Fonts
Linotype kupfert bei Apple ab. Irgendwie.
Mit dem Programm »Linotype FontExplorer X«[1] kann man seine Schriften verwalten, sichten und neue Schriften kaufen. [mehr]
Frank am 15. März 2006 #
Und tausend mal sorry, dass wir dem marketinghassenden WEebdesigner (das verwundert irgendwie dann doch …)den Tag versauten. War sicher nicht unsere Absicht.
Peter am 15. März 2006 #
Die Sache ist eigentlich ganz einfach, Gerrit. Hier gehts nicht um Buzz oder Aufmerksamkeit, sondern einfach um korrektes, gesetzeskonformes Werbeverhalten. Werbe-Emails sind Spam und somit verboten. Das gilt übrigens auch für Werbung via Kontaktformulare.
Werbesendungen per Post sind legal, im Gegensatz zu Emails kosten sie nämlich beim Absender und nicht beim Empfänger. Insofern ist die einzige legale Möglichkeit, dir eine Werbebotschaft zukommen zu lassen, die Postsendung. Ich würde das nicht ausgerechnet denen vorhalten, die sich Mühe geben, bei ihren Werbemaßnahmen die Gesezte zu achten …
Abgesehen davon finde ich es ein bisschen seltsam, dass du dich über Werbung aufregst. Als Grafiker lebst du doch davon und damit.
Gerrit am 15. März 2006 #
@Frank: Es hat mir nicht den Tag versaut. Ich habe mich auch nicht geärgert. Es ist nur ineffektiv, weil an der falschen Stelle platziert. Ich frage mich halt ein bisschen, warum man mich in die Marketing- und Business-Ecke drängt, wo ich absolut nicht hingehöre. Ich mache keine Werbung, sondern Webseiten. Dies ist mein privates Blog, wo Marketing und Werbung niemals ein konstruktives Thema waren bzw. sind.
Donna Esmeralda am 15. März 2006 #
Bist du eigentlich »Marketing-Hasser« oder »inkompetente Kommunikationspolitik«-Hasser? Man liest immer wieder dieses sehr verkürzte Verständnis von Marketing=Werbung.
Dabei ist das, was dich nervt, eigentlich nur ein kleiner Bruchteil und der ist auch nur darum nervig, weil ein paar Hampelmänner und -frauen aus einigen schlechten Agenturen (die nie etwas anderes macht als den operativen Teil von Kommunikation) sagen, sie seien »Marketer« oder machten »Marketing«. Hört sich eben geiler an als »kreativ vorbelastete Bürokauffrau mit ‘mistress of the universe’ Abendstudien-Aufbaustudiengang«. Mit Marketing haben die aber genau soviel zu tun wie die Vorstandskloputzfrau mit der Konzernleitung.
Und nur deswegen bekommst du Sachen, die dich aufregen :)
Gerrit am 15. März 2006 #
Wahrscheinlich ist es so, Donna. Ich hasse die Anzugträger, die mir erklären wollen, wie groß jetzt das Logo des wichtigen Kooperationspartners sein muss (sehr groß), und dass man einen langen Text in 4 einzelne Seiten zerteilen muss, um mehr Pageviews zu erschwindeln. Die sich nur für Zahlen und nicht für Menschen interessieren. Und wenn sie sich für Menschen interessieren, dann nur dafür, um sie auszunehmen.
simon am 16. März 2006 #
Aber kommen wir doch mal auf die Positive Seite der Meldung zu sprechen:
FEX 1.0 ist da und läuft bei mir leider gar überhaupt nicht zufriedenstellend. Ich hatte aber bereits kontakt mit der sehr freundlichen und schnellen Support-Abteilung von Linotype. Leider konnten sie mir auch nach einigem Hin und Her nicht erfolgreich helfen. Ich bleibe also bei meiner geliebten Beta-Version und freue mich auf Version 1.0.1 die, wie mir gesagt wurde, sehr bald rauskommen soll. Es gibt wphl ein paar Probleme mit der Datenbank …
Trotzdem: FEX rockt schwer!
Aber so ein Mailing hätte ich natürlich auch gerne bekommen.
Observer am 16. März 2006 #
Gerrit: Lese- und Eintragbefehl!
at am 19. März 2006 #
»So wie mich – Zielgruppe voll erfasst.«
In Fachkreisen bezeichnet man dies wohl als gelungenes Marketing.