(Noch) kein Zeitungskiosk fürs iPad

27. Januar 2010

Die allgemein um sich greifende Ernüchterung/Enttäuschung bezüglich des iPads kann ich durchaus nicht teilen, dafür ist das Gerät einfach zu shiny. Dennoch hätte ich mir in zumindest einer Hinsicht etwas anderes erwartet: Mich wundert, dass Apple mit dem »iBook Store« eine fertige Infrastruktur für lineare, nicht-multimediale Bücher am Start hat, jedoch nichts vergleichbares für Zeitungen und Magazine.

Lediglich am Beispiel der dedizierten New-York-Times-Applikation wurde gezeigt, was in Sachen nonlinearer Multimedia-Lektüre auf dem neuen Gerät angedacht ist. Ob für diesen Zweck jedoch die Vorstellung von lauter einzelnen Apps so prickelnd ist? Als Konsument hätte ich doch gerne eine halbwegs einheitliche Bedienung für meine diversen Zeitschriften, die ich abonniere. Wie soll das realisiert werden? Stellt Apple eine Art »Muster-App« zur Verfügung, die von den Verlagen nur noch gebrandet und mit Inhalten befüllt werden muss? Oder gibt es nur eine unverbindliche Richtlinie, wie so etwas ungefähr aussehen soll, und jeder Verlag backt prinzipiell sein eigenes App-Süppchen?

Ich hätte lieber einen Magazinstore (iKiosk) gesehen als einen Buchladen, denn meiner Meinung nach eignet sich das iPad hervorragend gerade für das aktive Konsumieren von »bunten« Inhalten. Bücherlesen geht zwar auch, aber der Fokus auf Magazine ist spannender.

Vielleicht sieht Apple das prinzipiell genauso wie ich und hat nur noch nicht die Konditionen für einen Magazin-Store ausgehandelt, man weiß es nicht. Und wie das ganze technisch aussieht, kann zu diesem Zeitpunkt auch noch niemand sagen. In jedem Falle würde ich mich freuen, wenn Magazine mittels HTML5-Techniken und Webkit-Spielereien gebaut werden könnten, denn da sehe ich auch für mich als Dienstleister eine große Chance, tief einzusteigen. Ich kenne mich sowohl im Print- als auch im Webdesign aus und würde gerne beide Welten miteinander verbinden, so wie Derek Powazek das gestern schön beschrieben hat. Noch ist das nicht abgeschmettert. Vielleicht brauchen wir noch ein wenig Geduld.

9 Kommentare

  1. MacMacken am 27. Januar 2010 #

    Publikationen als App scheint Apple leider tatsächlich zu favorisieren – siehe iPhone und iPod Touch … allerdings spricht IMHO nichts dagegen, Publikationen über entsprechend gestaltete Websites zu vertreiben – HTML5 unterstützt die Offline-Nutzung und man muss sich nicht auf Apple’sche Geräte konzentrieren.

    Ich bin neugierig, welche Käuferschichten das iPad erobern wird … wer bereits mit iPhone und MacBook unterwegs ist, dürfte sich aus Kostengründen eher kein iPad kaufen. Obwohl, die Kaufkraft und -gier von Apple-Kunden ist ja eigentlich berühmt-berüchtigt!?

  2. Der Alex am 28. Januar 2010 #

    Also ich wollte mir das Ding auf jeden Fall kaufen – habe aber nach der Vorstellung gestern so meine Zweifel… allein das das Display mit so einer alten Technik (IPS) und dann so eine kümmerliche Auflösung ist für mich eigentlich ein K.O.-Grund.
    Bei 1024 × 768 Pixeln kann ich mir nicht vorstellen, dass eine ganzseitige Ansicht einer Magazinseite meinen verwöhnten Augen standhalten kann.
    Und warum die nicht wenigstens die Auflösung 1280 × 768 gemacht haben, sodass Filme in 720p nicht runterkonvertiert werden müssen, ist mir ein Rätsel – ebenso wie die Abmessungen des Displays (4:3 – WTF?)

    Aber meinem Opa würde ich es kaufen… :-)

  3. Dominik am 28. Januar 2010 #

    Es gibt eine »allgemein um sich greifende Ernüchterung/Enttäuschung«? Konnte ich bisher nicht beobachten. Ich glaube ich folge den falschen Twitter-Feeds und lese die falschen Medien.

    Ich freue mich auf HTML5/Webkit-Magazine, die wir dann nicht nur auf iPad Geräten lesen können, sondern universal abrufbar und auch ohne Touchpad benutzbar sind.

  4. Gerrit am 28. Januar 2010 #

    @MacMacken: Klar, Websites gehen immer, aber ich würde hat gerne die iTunes-Infrastruktur für die Bezahlung von Kleinbeträgen nutzen – nur so kann man vernünftig hochwertige Magazine verkaufen.

  5. Pixelflicker am 28. Januar 2010 #

    Also ich finde es schon ziemlich ernüchternd, wenn nicht enttäuschend nach dem Hype und der Aussage von Jobs das wär das beste was er je gemacht habe.

    Ein Prozessor mit 1GHz sollte nicht hier drin sondern im iPhone stecken und hier sollte ein dualcore-Atom drin stecken, zur Auflösung und Display wurde ja schon was gesagt. Die fehlende Tastatur finde ich auch nicht gut, aber das war ja zu erwarten, da Apple Displaytastaturen schon länger gern nutzt.

    Der Sache mit den iPhone-Apps trau ich auch nicht so ganz, wie die wohl aussehen werden, wenn sie von 3« auf 10« hochskaliert werden?

    Außerdem fand ich es sehr enttäuschend, dass zum neuen iPhone gar nichts gesagt wurde, da scheint Apple derzeit einen großen Durchhänger zu haben, das 3Gs war ja schon ein mikriges Update.

  6. Jens am 30. Januar 2010 #

    Oh Gott, es ist einfach grauenvoll, nach Produktvorstellungen von Apple immer diese Nörgelei lesen zu müssen. Die Welt hat auf das iPad gewartet, es bekommen und ist trotzdem enttäuscht. Was habt ihr erwartet? Die Technologie ist seit dem iPhone hinlänglich bekannt, wurde von der Konkurrenz bisher mehr schlecht als recht kopiert und ist mittlerweile »ein alter Hut«. Trotzdem wird jedes neue Smartphone am iPhone gemesen. Genauso wird zukünftig jedes Tablet am iPad gemesen werden. Ich halte es für eine gelungene Erweiterung des Produktportfolios. Da hab ich mich seinerzeit mehr über die Einführung eines überteuerten MacBook Air gewundert. Sicher gibt es immer Spielraum für Verbesserungen, dort ne Kamera hier noch nen SD-Kartenslot usw. Aber Apple hat ja bisher nicht unbedingt durch Schnittstellenwahnsinn geglänzt. In Vergleichen mit besser ausgestatteten Geräten im Falle des iPhones hat letzteres bisher in der Summe seiner Eigenschaften meist mehr überzeugt. Ich gehe davon aus, das das beim iPad ähnlich sein wird.

    Was die Print-Industrie angeht, so ist Apple ja nun nicht für deren weitere Existenz verantwortlich. Die haben ja scheinbar auch seit Erscheinen von Amazons Kindle den Arsch nicht hochbekommen. Und das mit der Zeit Magazine oder Zeitungen nicht auch im iBook-Store zu finden sein könnten hat bisher noch keiner bestätigt oder dementiert. Jedenfalls hat der iTunes-Store ja ne ähnliche Entwicklung genommen, erst Musik, dann TV-Shows, jetzt Filme zum kaufen und leihen. Wenn ich dann noch an die Verhandlungen mit den beteiligten Verlagen denke, wo jeder denkt er sei der Größte, dann kann ich Apple sogar nur zu dem Mut gratulieren, sich das anzutun.

    Alles in allem ist das iPad ein gelungenes Gesamtkonzept mit annehmbaren Preis. Bisher hat es jedenfalls niemand besser gemacht, soweit ich das überblicken kann. Und als altem Star Trek-Fan, wo die Leute mit Tricordern rumlaufen und stapelweise Tablets auf dem Tisch liegen haben hat für mich seit Einführung des iPhones die Zukunft begonnen.

  7. Willi am 31. Januar 2010 #

    (grummel, mein gestern geschriebener Post ist sofort nach dem Abschicken verschwunden, lag wohl an dem Bug in der Kommentarfunktion)

    @Alex: Es gibt drei LCD-Techniken: TN, IPS und PVA/MVA – und IPS ist die beste. Das iPad hat also ein hochmodernes Display, das sogar besser sein dürfte als so ziemlich jedes Notebook-Display, da in tragbaren Geräten normalerweise nur billige TN-Displays (oft schlechtere Farben, schlechterer Schwarzwert, sehr schlechte Blickwinkel) verbaut werden. Die Pixeldichte ist mit 132ppi zumindest höher als bei Computermonitoren, das Display sollte also scharf genug sein. Ich hätte mir jedoch auch 1280 Pixel in der Breite gewünscht.

    @Pixelflicker: Reine Taktraten sind überhaupt nicht miteinander vergleichbar. Im iPad steckt ein hochspezialisierter und sehr effizienter ARM-Prozessor (mit mindestens einem Kern), während der Intel Atom auf einer alten, ineffizienten und lahmen In-Order-Architektur basiert. Es ist also fraglich, ob der Atom schneller ist – mehr Energie braucht er in jedem Fall.

    Dass kein neues iPhone vorgestellt werden würde, war schon vorher klar – die gibts nämlich nur auf der jährlichen WWDC im Sommer.

    @Gerrit: Ich hätte mir auch Magazine im iBook Store gewünscht. Das würde die Verwaltung und das Stöbern nach Magazinen vereinfachen, und außerdem könnten sie dann automatisch von iTunes heruntergeladen werden. So stattdessen muss jedes Programm einzeln nach neuen Ausgaben suchen.

  8. David Hellmann am 1. Februar 2010 #

    Ich bin mal gespannt wie das Teil wirklich ist wenn man es mal live gesehen / getestet hat. interessant ist es auf jeden fall, so viel steht fest. das mit den zeitungen sehe ich ähnlich, hier wäre etwas über itunes oder ähnlichem wünschenswert.

    aber ich glaube es ist nicht gut die erste version zu kaufen. wobei ich es vielleicht dennoch tun werden, mal schauen.

  9. nuz:y am 3. Februar 2010 #

    Mit diesem Beitrag hast du es sogar in die SZ Ausgabe geschafft. Ein seltener Beleg für den Übergang von Online- und Printjournalismus… Herzlichen Glückwunsch ;-)

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