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Media Markt macht’s möglich: Blogger für Gericht!

18. September 2006

Beklemmend zu beobachten, wie wenig gesunder Menschenverstand zählt, wenn Media Markt und die Anwaltskanzlei Steinhöfel sich von einem kleinen Blogger angegriffen fühlt.

Zugegeben, Rainer von Rainer sacht hat im Januar dieses Jahres nicht gerade mit Samthandschuhen hantiert, als er sich in seinem Blog zur WM-Werbekampagne des Media Markt geäußert hatte. Ein halbes Jahr später hat Staranwalt Steinhöfel dann doch endlich mal Ego-Googling betrieben und wurde auf den Artikel aufmerksam. Nach einem kurzen Mailwechsel waren die entsprechenden Passagen im Blog schnell gelöscht und eine Unterlassungserklärung hat Rainer auch brav unterschrieben, man ist ja kein Unmensch.

Doch eine solch kurze und schmerzlose Lösung des Problems, mit der an sich alle Parteien zufrieden sein könnten, genügte dem Steinhöfel wohl nicht. So ging es weiter

Ende der Geschichte: Rainer steht Ende Oktober in Hamburg vor Gericht und muss möglicherweise über € 3.000 zahlen. Er sammelt schon mal Spenden bei seinen Lesern, und ich kann nur sagen: Ja, da simma dabei!

Und jetzt folgt kein Boykottaufruf: Sämtliche Filialen der Metro-Gruppe sind für mich ab sofort tabu. Saturn, Media-Markt und real,– können von den Lesern des prägnanten Weblogs nicht mehr ohne Karmaverlust betreten werden. Ende der Durchsage!

Straft die Bösen mit Verweigerung, es ist die einzige Waffe, die wir haben. Und unsere Blogs natürlich. In diesem Sinne spendiere ich noch eine zusätzliche h1:

Media Markt verklagt harmlosen Blogger

29 Kommentare

  1. Zodiac am 18. September 2006 #

    »Und jetzt folgt kein Boykottaufruf«

    Rechtliche Absicherung oder Tippfehler?

  2. Pete am 18. September 2006 #

    Wenn der Rainer was sacht, was nicht gesetzeskonform ist (muss erst ein Gericht entscheiden, oder hat es das schon?), dann muss er halt auch dafuer geradestehen und – falls das Gericht so entscheidet – auch Strafe zahlen. Er kann ja die Geldstrafe verweigern und ein paar Wochen hinter Gittern leben, zusammen mit den ganzen »Raubkopierern«, man liest ja taeglich davon.

    Selbst Schuld sach ich da nur. Ich kaufe zwar nicht in solchen Billigmaerkten, denn ich bin zu arm, um billigen Ramsch ueberteuert zu kaufen. Dann koennte ich das Geld auch gleich profilierungswuetigen Bloggern in den Rachen werfen  …

  3. EarMaster am 18. September 2006 #

    Kann mich der Meinung von Pete nur anschließen. Das ist ein Risiko mit dem man leben muss, wenn man Dinge schreibt, die nicht auf Gegenliebe stoßen werden. Wenn das Gericht gegen ihn entscheidet, dann soll er das bloß nicht auf seine armen Leser abwälzen und Märtyrer spielen, sondern seinen Fehler einsehen und Zahlen …

  4. neolith am 18. September 2006 #

    Ich habe mich nicht mit dem Fall beschäftigt, aber es muß nichtmal vor Gericht gehen, damit man bei sowas in der Tinte sitzt. Das deutsche Recht spricht nämlich Abmahnern sehr viel mehr Möglichkeiten zu, als das bei den Abgemahnten der Fall ist. Da genügen u.U. ein paar Schikanen und man sieht kein Land mehr …

  5. macx am 18. September 2006 #

    Anwälte sind lästig, besonders Anwälte die sich so wie beschrieben verhalten. Ich kenne zwar nur die »entschärfte« Variante des Blogeintrages, lese aber Dinge, die ich auch nicht toll finden würde, würden sie mich treffen. Ganz im Gegenteil. Den Text hätte Rainer auch anders schreiben können, ohne dass ihn Anwälte dafür fertig machen würden. Ich habe Mitgefühl mit Rainer und wünsche ihm keine Verurteilung, aber es ist doch offensichtlich, dass er sich damit keine Freunde machen kann. Kritik sollte überall erlaubt sein, aber nicht so.

  6. Gerrit am 18. September 2006 #

    @macx: Das Delikate an der Sache ist, dass Steinhöfel auf seiner eigenen Website stolz Artikel zitiert, in denen er sich selbst als »Arschlosch« bezeichnet. Und wer die bisherigen öffentlichen Auftritte von ihm kennt, sollte meinen, dass er auch in der Lage sein sollte, mal einzustecken.

  7. Peter am 18. September 2006 #

    @Gerrit: Warum sollte er das denn? Das Ganze ist doch kein Spiel, sondern für einen Rechtswanwalt einfach seine tägliche Arbeit. Ich habe den Artikel von Reiner gelesen und bin der Meinung, dass er den Bogen überspannt hat, dass seine Darstellung über Kritik hinausgeht und persönlich beleidigt. Und man muss einfach damit rechnen, dass sich die Leute wehren, wenn man sie beleidigt, egal ob öffentlich oder privat. Dabei wird jeder sich so wehren, wie er es beherrscht: ein Journalist schreibend, ein Rechtsanwalt rechtlich ...

    Ausserdem: Einen Rechtsanwalt öffentlich beleidigen, also bitte, da könnte er genausogut einen frei laufenden Rottweiler ärgern  … Zumindest klug ist das nicht.

  8. Martin Hiegl am 18. September 2006 #

    Gerrit, da haste aber welche vergessen  … Extra und galeria Kaufhog gehören auch zur Metro Group

  9. simon am 18. September 2006 #

    Es ist schon richtig: Wenn man etwas öffentlich (und dazu noch schriftlich) erzählt, sollte man es so tun, dass man das auch nach einem halben Jahr noch ehrenvoll vertreten kann. Der Artikel war sehr unklug formuliert. Sowas hat schon vielen Politikern das Genick gebrochen. Dass es jetzt einen kleinen Mann trifft, der von vermeintlich größeren Männern mit offensichtlichen Komplexen verklagt wird, ist natürlich traurig.
    Und: Karma-mäßig ist es schon längst verboten, bei besagten Läden zu kaufen! Nicht erst, seit Gerrit das verkündet.

  10. Gerrit am 18. September 2006 #

    Natürlich ist der Text grenzwertig und wahrscheinlich nach deutschem Recht als Beleidigung auszulegen. Sei’s drum, darum geht es nicht. Es geht darum, dass man in solchen Fällen einfach mal eine kurze Mail schreibt oder anruft, bevor man den Anwalt einschaltet. Das sind Firmen und Personen, die einen Ruf zu wahren haben. Und die meisten Blogger würden bei einem kurzen, formlosen Hinweis sofort einlenken. Ich hatte das ja auch schon zweimal hier im Blog, allerdings ging das gut aus, denn die Firmen ORAD und 1&1 haben mit mir ganz normal auf Augenhöhe kommuniziert und wir haben das geklärt. So löst man Probleme unter Leuten, die in der Öffentlichkeit stehen (Unternehmen, Staranwälte und Blogger stehen alle in der Öffentlichkeit).

  11. Stefan am 18. September 2006 #

    So wie Gerrit es beschreibt ist es auch der normale Weg. Ein halbes Jahr nach Erscheinen einen kleinen Blogger mit Abmahnungen per E-Mail(!) zu überziehen ist eigentlich schon ein Witz.
    Hätte er nicht reagiert, hätte ihm nicht mal ein Strick draus gedreht werden können, ohne Einschreiben mit Rückschein ist der Erhalt so einer Nachricht nicht mal gesichert …

  12. Michael R. am 18. September 2006 #

    Gerrit, wie soll ein Anwalt, der persönlich angepisst ist, erstmal »kurz eine Mail schreiben oder anrufen, bevor er den Anwalt einschaltet« – das liegt dann wohl in der Natur der Sache, dass ein Anwalt hier gleich den offiziellen Rechtsweg einschreitet (vor allem, weil er dann gleiczeitig noch seine Urlaubskasse aufbesser kann!). Und ein positives Image hat dieser Anwalt doch eh nicht mehr nötig.

    Vielleicht soll hier auch wieder mal ein Präzedenzfall stattfinden: Blogger einschüchtern und ruhig halten.

  13. Christian am 18. September 2006 #

    Hmm. In der Konsequenz muss man sich fragen, wer hier den größeren Schaden davonträgt. Ich persönlich habe den Eindruck, dass Steinhöfel letztendlich die saftigere Rechnung zu begleichen hat – nicht unbedingt finanziell, sondern vielmehr durch den Schaden, der ihn an seinem Ruf bzw. Renommée (hüstel) entsteht – allerdings erst jetzt und mit jedem weiteren Kommentar wie diesem, der die Sache zusätzlich publik macht. Das hat Steinhöfel durch die Wahl seiner Waffen ganz offensichtlich viel zu spät begriffen.

    Dementsprechend verfolgt er mit seiner in vielen Augen überzogenen Reaktion die Absicht, seinem getroffenen Ego durch Schlag mit der nächstgrößeren Keule lindernde Genugtuung zu verschaffen. Und das ist menschlich, aber wohl eben nicht souverän – zumal dieses Motiv mehr als transparent wird.

    Dass Steinhöfel als RA in dieser Situation am längeren Hebel sitzt, ist Pech für Rainer, dessen Artikel – in meinen Augen auch in der entschäften Version – mit Sicherheit unter die Gürtellinie trifft. Dass er Steinhöfel als A … bezeichnet, was Steinhöfel als Markenkern seit Jahren bei vollem Bewusstsein und selbstgewollt in unzähligen Auftritten nach außen trägt, ist allerdings nichts Neues. Am wenigsten wohl für Steinhöfel selbst, der damit seinen von ihm geschätzten Bekanntheitsgrad unterfüttert. Abschätzbar, und das war Rainers Fehler, wäre allerdings die Reaktion gewesen: Eine gereiztes Insekt sticht eben. Hier möglicherweise aber eben auch sich selbst.

  14. Rene am 18. September 2006 #

    Mal ganz naiv (auch durch pures Nichtwissen) gefragt: Darf ein Rechtsanwalt überhaupt in einer TV/Radio/Printmedien-Werbekampagne eines aus der freien Wirtschaft stammendem Unternehmen mitwirken?

  15. Stefan am 18. September 2006 #

    Er ist doch selber Teil dieser freien Wirtschaft? Honorare für Beratungen sind ja neuerdings auch frei verhandelbar …

  16. Tim am 18. September 2006 #

    Das ist auf jedenfall eine Frage die, in meinen Augen, nicht eindeutig beantwortet werden kann. Einerseits sollte man als vernünftiger Mensch so ein Problem einfach und unkompliziert klären können. Andererseits ist der Herr S. nunmal Anwalt und muss nunmal seine Familie mit Abmahnungen und anderen Dingen ernähren. Wenn man ihm dann so eine Steilvorlage bietet, kann das eben auch mal nach hinten losgehen.

  17. Andy am 18. September 2006 #

    Daß ein Beitrag in gegenseitigem Einvernehmen, gelöscht wird, gut. Daß jedoch im Nachhinein Geld gefordert wird, i.d.R. als Kompensation für einen hypothetischen Schaden, das ist albern. Wir sollten langsam aus dem traditionellen Paradigma der »Schädigung« ausbrechen können, denn eines ist klar: Wenn ein Herr XY irgendeinen Repsäsentanten eines bekannten Konzerns mit beleidigenden Ausdrücken beschreibt, so wirft das auf Herrn XY ein schlechtes Licht, nicht auf den Konzern – der über so etwas eigentlich lachen könnte.

    Schwieriger ist es, wenn Blogger beim Darstellen von Problemen mit der Qualität eines Produkts oder einer Leistung übertreiben und unter dem Anschein objektiver Berichterstattung dem Unternehmen willentlich »eins reindrücken« wollen. Das ist nicht okay, und dagegen sollte eine Firma sich wehren dürfen – aber nicht gegen Primitivität (»der Chef von Firma X ist voll der Versager, ey …«). Da wird von vornherein keine Objektivität vorgegaukelt und somit wird dies von allen Lesern klar als subjektive Meinungsäußerung verstanden. Der Image-Schaden für den Blogger ist hierbei höher als für die angegriffene Partei.

  18. Niko am 18. September 2006 #

    Diese böse Metro-Group aber auch.
    Und wenn sie recht bekommen sollten, ist »der Staat« natürlich auch böse. Aber das ist er ja sowieso.

    Aber zum Glück gibt es ja auch die Guten. Die Blogger. Die dürfen auch beleidigen. Sind ja Gute.

  19. Gerrit am 18. September 2006 #

    Stimmt, Blogger zu sein ist gleichbedeutend mit Immunität. Das sollte man mal besser kommunizieren, damit es jeder weiß!

  20. Nick Blume am 18. September 2006 #

    »Stimmt, Blogger zu sein ist gleichbedeutend mit Immunität. Das sollte man mal besser kommunizieren, damit es jeder weiß!« So ein Quatsch. Blogger ist einfach erstmal ein Hobby, auch wenn es einige nennenswerte Beispiele wie Spreeblick gibt.

    Immerhin hat der Herr Rainer Sacht wirklich keine gute Wortwahl genommen, meiner Meinung nach. Das sollte man wirklich – auch im Namen der Meinungsfreiheit – respektieren. Man sollte sachlich diskutieren, und nicht einfach unter der Gürtellinie reden. So redet einer, der primitiv denkt und nicht erstmal überlegt, wie man es sagen soll, finde ich. Eher aus dem Affekt heraus. Zwar bin ich auch gegen MediaMarkt und deren Art von Werbung, allerdings ist es meistens so: Geschäft ist Geschäft.

    Und Werbung manipuliert immer.

    DAS sollte man sich immer zu denken geben.

  21. Gerrit am 18. September 2006 #

    @Nick: Bitte öfter mal den Ironiedetektor einschalten!

  22. Nick Blume am 18. September 2006 #

    @Gerrit: bei ernsten Themen nicht! ;)

  23. Martin am 19. September 2006 #

    @Stefan:
    Hätte er nicht reagiert, hätte ihm nicht mal ein Strick draus gedreht werden können, ohne Einschreiben mit Rückschein ist der Erhalt so einer Nachricht nicht mal gesichert …

    Pustekuchen. Eine Abmahnung ist auch ohne Zugangsnachweis wirksam.

  24. oldman am 19. September 2006 #

    Es gibt Abmahnungen da erschließt sich mir die Berechtigung nicht.
    Und es gibt Abmahnungen die halte ich für berechtigt.
    Jeder baut mal Bockmist. Dann hat man dafür einzustehen.
    Und kein Rumlaufen mit der Sammelbüchse.
    Peinlich sowas.

  25. oldman am 19. September 2006 #

    Es gibt Abmahnungen da erschließt sich mir die Berechtigung nicht.
    Und es gibt Abmahnungen die halte ich für berechtigt.
    Jeder baut mal Bockmist. Dann hat man dafür einzustehen.
    Und kein Rumlaufen mit der Sammelbüchse.
    Peinlich sowas.

    PS.: Datenfelder werden verschoben dargestellt.

  26. Konstantin am 19. September 2006 #

    Das Internet ist eben kein rechtsfreier Raum. Wenn ich jemanden mit Verstand auf der Straße öffentlich beleidige, kann dieser mich auch zivilrechtlich verklagen. Selbst Schuld.

  27. erik am 21. September 2006 #

    Ich denke der Kerl ist deutlich übers Ziel hinausgeschossen. Aber einem selbstbetiteltem Arschloch sollte man für dasselbe Wort nichts (in Ziffern: 0) dafür bezahlen. Lachhaft die Diskussion, die Reaktion, und auch die Spendenaktion. Schaden nimmt nur Media Markt weil sich deren Maskottchen profilieren muss …

  28. Media Addicted am 26. September 2006 #

    FALSCH! Konsumverweigerung ist nicht die einzige Waffe, die wir haben!

    Fakt ist: Es gibt Organisationen / Personen, die das dt. Recht mißbräuchlich ausschlachten bzw. wissentlich aus einer juristisch unterlegenen Position heraus eine vermeintlich wirtschaftlich schwache / schwächere Partei angehen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, das nicht immer mit unseren rechtsstaatlichen Grundsätzen vereinbar ist.

    Knackpunkt ist die wirtschaftliche Unterlegenheit: die meisten Betroffenen haben weder Mittel noch Zeit und Nerven, um so etwas durchzuziehen.

    Wenn die Community hier aktiv wird und bleibt und in diesen Fällen auch finanziell unterstützt, dann kann man das Phänomen zumindest eindämmen! Denn wenn sich rausstellt, dass in den meisten Fällen ein Prozess durch Spenden finanziert werden kann, dann werden sich die Herrschaften dreimal überlegen, ob und was sie unternehmen.

    Noch besser wäre natürlich eine institutionalisierte variante, z.B. ein »Verein gegen Rechtsmißbrauch im Internet e.V.« – eine Art Fonds, der Spenden sammelt und in solchen Fällen auf Antrag oder auch initiativ tätig wird.

    Frage mich sowieso, warum noch keine Versicherung einen Rechtsschutz »Urheberrecht für Eigenpublikationen im Internet« anbietet ….

  29. Media Addicted am 26. September 2006 #

    PS: Ein wenig Medienkompetenz für Blogger täte es auch. Wenn man sich an gewisse Regeln hält (die sich teils intuitiv erschließen), dem kann kaum etwas passieren. Vielleicht muss sich die Szene auch hier etwas sensibiliseren.

    Ich habe zum beispiel einen Artikel bei mir zum Thema »Euroweb«, der ist bei Google recht weit oben und wird seit Monaten von gewissen Usern aufgerufen, die ihn sicherlich seziert und hin und her gedreht haben. Nur: so wie ich den geschrieben habe, können die mir gar nichts. Meist reichen schon kleine Einwürfe wie »in meinem Fall« oder «...ist die Frage« oder «...meiner Meinung nach«, um sogar »frechen« Bemerkungen die Grundlage für den Vorwurf der Schmähkritik zu entziehen!

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