Kostenlose Zeitungsartikel

13. Februar 2008 von Gerrit van Aaken

Einer macht es vor, alle machen es nach. Oder anders ausgedrückt: Offenbar benötigen die deutschen Verlage erst eine Autorität aus Amerika, die es genauso macht, bevor sie den Mut haben, eine Entscheidung zu treffen, die im Web einfach nur logisch und richtig ist: »Inhalte, die für eine breitere Leserschaft interessant ist, kann man im netz nicht gegen direkte Bezahlung anbieten. Dies bleibt bis auf weiteres den Spezial- und Expertenthemen vorenthalten, wenn überhaupt.«

Einige Wochen also, nachdem die New York Times ihre Archive öffnet, ziehen sie alle nach: DIE ZEIT, DER SPIEGEL in Suchmaschinenform, natürlich der Focus, und sicher bald auch die größeren Tageszeitungen. Wieso der plötzliche Sinneswandel? Ganz einfach: Niemand kauft online Zeitungsartikel! Deshalb verteilt man das alte Zeug lieber kostenlos, kommt dadurch in die Suchergebnislisten von Google und Co. und kassiert wenigstens ein bisschen Geld durch Werbeeinnahmen, hat außerdem weniger Stress mit den Bezahlsystemen.

Für alle ein Gewinn, oder? Aber immer muss es den deutschen Verlagen erst jemand vormachen! Feiglinge!

(via Fontblog)

Cool: Ein Artikel über meinen Großvater von 1966!

Ernst van Aaken

7 Kommentare

  1. Boris am 13. Februar 2008 #

    Und was haben sie nicht alle vor nicht allzu langer Zeit mit energischer Stimme und grimmiger Mimik das »Ende des Gratisinternets« verkündet!

    Wenn man halt in völliger Selbstverkennung davon ausgeht, dass man ein unersetzlicher »major player« im Netz ist und entscheidend den Lauf der Dinge bestimmt.

    Putzig.

  2. Andre am 13. Februar 2008 #

    »Inhalte, die für eine breitere Leserschaft interessant ist, kann man im netz nicht gegen direkte Bezahlung anbieten. Dies bleibt bis auf weiteres den Spezial- und Expertenthemen vorenthalten, wenn überhaupt.«

    Diese These finde ich falsch. Informationen müssen schließlich aufbereitet und die notwendige Infrastruktur bereitgestellt werden. In diesem Kontext reicht eine indirekte Bezahlung wie z.B. Werbung (einfallslos und abgelaufen) einfach nicht aus und ist sicherlich auch nicht zukunftssicher.

    Ab und an denke ich, dass man Begrifflichkeiten vollkommen falsch versteht. Das, was gerade unter dem Namen Social Web läuft, muss nicht zwangsläufig mit dem Kriterium kostenlos einhergehen.

  3. swi am 13. Februar 2008 #

    Die »Berliner Zeitung« hat immer schon eine freies Archiv.

  4. cube am 13. Februar 2008 #

    cooler Opa … ;)

  5. retsina am 13. Februar 2008 #

    Da gibt’s sicher Einiges zu entdecken … aber kam man denn »damals« noch nicht mit der Rechtschreibung zurecht oder wie wurden jetzt die ganzen Artikel fürs Netz transkribiert? In einem Artikel der »Zeit« anno 1958 über die Verbreitung der elektrischen Schreibmaschinen :) lese ich von »Biironaschinen« und man empfindet »am eigelen Leib« »bei fielen Stenotypistinnen«...
    Und was ist »die ertorüerliche absolute Mehrheit«, die mir in einem anderen Artikel gleich in die Augen sticht?? Seltsam.

  6. Daniel Harrington am 13. Februar 2008 #

    Die Artikel werden eingescannt und via »Texterkennung« verarbeitet. Wäre wohl sonst auch gar nicht möglich, bei der Fülle an Informationen. Irgendeine dieser Zeitungen (wars der Spiegel?) hatte auch auf jeder Archiv-Seite nen Link, über den man (Rechtschreib-)Fehler melden konnte. Die werden dann wohl nach und nach ausgemerzt.

  7. Nick Blume am 14. Februar 2008 #

    @Daniel. Ja, das war der Spiegel und die FAZ... klasse.

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