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Gerrit, 31.01.2005

District Thin

District Thin - Laborschrift auf Diät

Eine Schrift mit sieben unterschiedlich fetten Schnitten nebst jeweils einer kursiven Variante sind längst nichts besonderes mehr. Auch beim Schrifthändler Phil’s Fonts, der seit 1996 online Schriften der unterschiedlichsten Foundries verkauft, ist das nicht anders. Relativ neu jedoch ist der Gedanke, dass man einen der vielen Schnitte kostenlos zum Download anbietet – um damit Werbung für die ganze Schriftenfamilie zu machen. So geschehen erst ganz kürzlich mit der frisch auf den Markt gekommenen District.

Sie wurde von Kienan Smith und Dylan Smith zwar für Garage Fonts entwickelt, wird nun aber auch über Phil’s Fonts vertrieben – inklusive der freien Schnupperversion, die wir uns hier einmal genauer zu Gemüte führen. Das Gesamtpaket mit allen 14 Schnitten kostet 143 Dollar.

(Es gibt übrigens schon eine Schrift, die District heißt. Genau genommen FF District. Diese basiert mal wieder auf abgerundeten Quadraten und versucht so verzweifelt, Retrocharme zu verbreiten.)

Charakteristik

Die Thin-Variante ist der magerste Schnitt dieser Amerikanischen Groteske. Sie besitzt eine noch geringere Strichstärke als die Light-Version. Und das will schon etwas heißen.

Schriftprobe District Thin

Um die District als Amerikanische Groteske einzustufen, bedarf es eines gewissen Gespürs für die Gesamtformsprache der Schrift: Das normalerweise untrügliche Merkmal in Form des kleinen g mit geschlossener unterer Schleife ist hier irreführend. Guckt man sich die District jedoch einmal im direkten Vergleich mit der News Gothic oder auch der Pigiarniq an, so werden schnell die Gemeinsamkeiten deutlich: Offene, voluminöse Binnenformen treffen auf eine große x-Höhe; Die Buchstaben stehen aufrecht und betonen somit stark die Vertikale.

Schriftprobe District Thin

Am kleinen a kann man noch den Hauch einer verspielten Komponente beobachten: Das stummelige Schwänzchen ist allerliebst! Aber ansonsten ist District eine extrem sachliche und neutrale Schrift – viel rationaler geht es eigentlich nicht. Die konsequent auf das Nötigste reduzierten Formen sind wohl auch die Ursache für den recht unregelmäßigen Grauwert. Schade eigentlich, denn einem gewissen spröden Charme kann man sich irgendwie nicht entziehen.

Schriftprobe District Thin

Umfang/Ausbau

Lobenswert ist die Vielzahl von Formaten, in der die District Thin zum Download angeboten wird: Mac- und PC-User können sich jeweils über eine Postscript- und eine TrueType-Version freuen. Aber auch eine Opentype-Variante steht bereit. Sehr fein.

Schriftprobe District Thin

Sonderzeichentechnisch gibt es, kurz gesagt, alle üblichen Basics plus Mediävalziffern. Diese sind bei Groteskschriften eher selten anzutreffen und stellen eine willkommene Abwechslung dar. Danke! Da kann man das fehlende Währungs-Symbol locker verschmerzen.

Die District Thin in der Praxis

»Thin« ist schon sehr, sehr dünn. In normalen Lesetextschriftgraden von 9 bis 12 Punkt geht das zwar noch in Ordnung, muss aber mit hoher Sorgfalt durchgeführt werden. Nur messerscharfe Laser- oder Offsetdrucker schaffen das überzeugend. Und auch dann sollte man nicht zu helles Papier verwenden. Kurz gesagt: Bis maximal 7 oder 8 Zeilen kann das gut gehen. Für echten Lauftext gibt es stabilere Schriftsätze.

Viel besser macht sich die District Thin in höheren Schriftgraden. Ab 24 Punkt fängt das an, richtig Spaß zu machen. Große Typo ist eh im Trend, daher trifft sich das gut! Für elegante, große Überschriften ist das wunderbar. Da kann man auch gerne mal die Laufweite ein bisschen verringern und schon hat man einen gediegenen Frauenzeitschriftenlook (Ist nur teilweise abwertend). Probieren Sie das doch einfach mal aus. Und seien sie mutig: 72 Punkt ist nicht die Obergrenze!

Rechtliches

This free font is copyrighted by the designer and the foundry. You may not post this font for distribution on the internet, on CD-ROM or any other media. Thanks for being so agreeable.

Mehr muss ich nicht sagen. Das ist auch der Grund, warum ich niemals die Freien Schriften auf meinem Server zum Download anbiete.

Download

10 Kommentare

  1. kronn am 31. Januar 2005 #

    »einen gediegenen Frauenzeitschriftenlook (Ist nur teilweise abwertend)«

    Du bist spitze, Gerrit! (ist nur teilweise aufwertendend gemeint) <lachab type="freundlich und nicht böse gemeint" />

    Schön, dass die Freie Schrift fortgeführt wird.
  2. kronn am 31. Januar 2005 #

    aufwertendend => aufwertentend
    s.v.p.

    Und eine schön geschnittene Schrift hast du wieder einmal ausgesucht. Nimmst du für die Grafiken eingentlich noch Korrekturen (Unterschneidung) vor oder sind das nur die gehinteten (sagt man so?) Originale? Ich frag nur, weil mir manchmal ein/zwei Pixel fehlen oder zuviel sind… (besonders o-Kombinationen)
  3. Gerrit am 31. Januar 2005 #

    Ich mache eigentlich keine Anpassungen bei den Samples (Jaja, Schande über mich). Hast aber Recht, da müsste ich in Zukunft mal drauf achten.
  4. Carsten am 31. Januar 2005 #

    Feines Teil, das! Danke!
  5. Dominik Osterholt am 31. Januar 2005 #

    Wirkt auf mich auf den ersten Blick wie eine elegantere Futura. Sehr schön.

    Ich wiederhole mich in diesem Fall übrigens gern – die ganze Serie: Ganz großartig, weiter so.
  6. kronn am 31. Januar 2005 #

    Du musst es nicht extra anpassen. Du möchtest doch die Schrift vorstellen, dazu gehören dann auch die Fehler. So sehe ich immerhin vorher, dass ich sie besser nicht via sIFR einsetze, da ich noch nacharbeiten muss.

    Unterm Strich ist es mir lieber, wenn ich auch solche Schwächen begutachten kann. Das wirkt dann ein stückweit ehrlicher. Ich war mir nur nicht sicher, weil es mir bei dieser Schrift zum ersten Mal auffiel. Du kannst ja in den Text noch einen kurzen Hinweis dazu aufnehmen, wie stark man nacharbeiten muss.
  7. andreas am 31. Januar 2005 #

    Schön, dass es die freie Schrift der Woche wieder gibt. Ich hab bisher fast alle runtergeladen und einige regelmäßig in Gebrauch.

    Vielen Dank für die Mühe!
  8. The Exit - Lesen auf eigene Gefahr am 1. Februar 2005 #

    Trackback: Unheimlich
    Richtig unheimlich ist die Statistik. Heute ist das R² auf 98,7% gestiegen, die Durbin-Watson-Statistik liegt bei 2,3 und das Residuum ist so was von stationär, da kann man mit dem Panzer drüber fahren. So ein gutes Ergebnis darf es gar nicht geben. ...
  9. Vitaly Friedman am 30. Januar 2006 #

    Gute Arbeit, Gerrit! Gut, dass die Serie fortgesetzt wird!

    Hast du etwas dagegen, wenn ich in meinem Blog Posts über deine Mühe und die von dir entdeckten Fonts schreibe? :)

    Weiter so!

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