Die Polar-Produktpolitik
Die Welt der Polar-Pulsmesser ist ein Zoo. Wer die hübsch geordneten Welt der Apple-Geräte gewohnt ist, schüttelt absolut unverständlich den Kopf darüber, wieviele Variationen von hässlich gestalteten Armbandgeräten es gibt. Wenn man davon ausgeht, dass es etwa ein Dutzend Funktionen gibt, die so ein Gerät erfüllen kann, kann man davon ausgehen, dass es so gut wie jede mögliche Kombination dieser Features als einzelnes Gerät zu kaufen gibt. Wären dann also 212 Geräte. Da jedes Vierteljahr eine neue Variante rauskommt, und es jedes Modell noch in drei Farb-Variationen gibt, sind das geschätzte 20 Trillarden verschiedene Geräte, die man sich kaufen kann. Wobei ich überzeugt bin, dass sie alle auf der gleichen Hardware-Basis aufbauen und die unterschiedlichen Features nur an- oder abgeschaltet haben.

Überhaupt mal rauszufinden, welche Features das eigene Gerät überhaupt beherrscht, ist eine tückisch-schwierige Recherche-Aufgabe. (Nicht umsonst verwendet die Polar-Website Google als interne Suche.) Ich besitze seit Sommer 2009 eine Polar F7 in Blau. Dieses Gerät beherrscht laut Website das Senden von (nicht näher bestimmten Daten) über Uplink, Weblink, SonicLink und SchlagmichtotLink… Was das alles genau ist, muss man nicht wissen. Umgehauen hat mich nur die SonicLink-Technologie. Hier muss man (ernsthaft!) den Pulsmesser an den Mikrofoneingangs seines Rechners halten, auf »Send« drücken, und dann werden eine Minute lang lustige Fieptöne gespielt, die dann vom Rechner interpretiert werden und in strukturierte Daten über die letzten Läufe umgewandelt. A truly magical and revolutionary device!
Natürlich läuft das nur über ein Windows-Programm, und natürlich kann man sich die Daten danach nicht etwa angucken, sondern muss sie auf ein proprietäres Web1.2-Portal raufladen, wo man sie dann betrachten und neuerdings sogar exportieren kann, natürlich aber nicht in ein gängiges und dokumentiertes Format (HRM), sondern in ein XML-Format, was aber sowieso egal ist, weil das F7 gar keine kontinuierlichen Herzraten speichert, sondern nur die Durchschnittswerte per Lauf … So ein 2-MB-Speichermodul ist ja sicher heftig teuer.
Machen wir es kurz: Die Produktpolitik von Polar ist lachhaft, und das völlig unnötigerweise: Die Firma stellt ein absolut überschaubares Produkt her, welches man mit drei Modellen in unterschiedlichen Preisstufen komplett abfeiern könnte – 49 Euro, 129 Euro und 199 Euro. Von mir aus mit je einer Männer- und einer Frauenvariante. Und was spricht gegen eine iPhone-Hardware (Dock-Connector-Dongle), die per Funk mit den Brustgurten kommunizieren kann? Dann könnte man die Herzraten mit den Geodaten direkt kombinieren und hätte spannendere Auswertungsmöglichkeiten …
Da ist noch viel Potenzial für Komplexitätsreduktion.
Martin Keller am 8. März 2010 #
Wer sich ein bißchen mit dem Gerät beschäftigt und vorher weiß, welche Anforderungen er an ein Gerät stellt, wird mit Polar bestens bedient. Es gibt keinen Hersteller, der eine vergleichbare Leistung in der Aufzeichnung von Herz-, Trittfrequenz, Höhenmesser, Schrittlänge, Fitnesszustand etc. bietet.
Besitze einen RS 800 CX und ein besseres Gerät ist auf dem Markt nicht zu finden. Aber mehr benötigt man auch nicht.
Gerrit am 8. März 2010 #
Ich habe auch nicht von der Qualität der Geräte an sich gesprochen, sondern von der verwirrenden Vielzahl unterschiedlicher Geräte.
Da Stefan aus F. an der I. am 8. März 2010 #
@Martin: dass Polar gute Geräte baut, ist unbestritten. Nicht umsonst hat fast jeder zweite Haushalt solche Dinger daheim. Aber Gerrits angesprochene Probleme stellen für manche Leute ein echtes Hindernis dar. Verwirrung, wo es eigentlich nicht nötig ist.
Simon am 8. März 2010 #
Ja, ich wollte mir auch mal eine Polar-Uhr kaufen.
Nachdem selbst die Polarseite nicht wirklich den Eindruck machte einem ernsthaft ein passendes Gerät vermitteln zu wollen, sondern eher ein Produktwissens-Quiz über Polar-Uhren-Funktionen abfragen wollte, hab ich beschlossen, dass es einfach die Zeit nicht wert ist mich damit weiter zu beschäftigen und hab die Zeit in eine ausgedehnte Runde auf meiner Laufstrecke investiert.
Alexander Hahn am 8. März 2010 #
Genau wegern der Verwirrung hab ich mir dann eine Garmin Forerunner 50 gekauft (-;
TruckTurner am 8. März 2010 #
Um mal vom Thema abzulenken:
Dass man mit dem iPhone besser keine schweißtreibenden Tätigkeiten ausüben sollte, belegt ja (unter anderem) dieser Artikel
Ich finde da eher die Apple-Produktpolitik fragwürdig – wird das iPhone doch schlielich mit vorinstalliertem Nike+ ausgeliefert.
Roman am 8. März 2010 #
Ich habe auch eine Polar mit Pulsgurt und bin damit vollends zufrieden. Die Auswahl der jeweiligen Uhr war dann aber, wie du schon schreibst, sehr verwirrend. :)
Lars am 8. März 2010 #
Wenn man sonst keine Probleme hat…
Thomas Maier am 8. März 2010 #
Ah. Ja das sit bei vielen Produkten aber so.
Tipp am Rande: Der Content braucht zur Überschrift unbedingt mehr Abstand (also zu dem grünen Balken, der den Header bildet). Ganz dringend. Sonst top!
Ewald am 10. März 2010 #
Wären dann also 2^12^ Geräte.
Nur wenn es dabei auch ein Gerät gibt, dass keine der 12 Funktionen hat. ;)
Martin Keller am 11. März 2010 #
Wollte damit ja eigentlich auch nur schreiben, dass man bspw. bei Audi auch einen R8 oder einen A2 kaufen kann. Entsprechend unterschiedlich ist die Ausstattung und Qualität. So verhält sich das nun mal auch bei Polar. Aber ich denke, dass Polar auch für Anregungen und Vorschläge stets offen ist.
Da Stefan aus F. an der I. am 11. März 2010 #
@Martin: guter Vergleich. Allerdings wird einem beim Betrachten der Audis sofort klar, welches Modell für welchen Fahrstil (und Benzinverbrauch) steht. ;)
textanfall am 13. März 2010 #
Endlich sagt es mal einer! Ich spiele schon seit mindestens einem Jahr mit dem Gedanken, mir eine Polar-Pulsuhr anzuschaffen. Aber jedesmal, wenn ich einschlägige Infowebsites besuche, denke ich nach 10 Minuten: Nee, das ist mir jetzt zu blöd. Dann renn ich lieber weiterhin nach Gefühl.
Warum muss denn der Kauf (fast) aller technischen Produkte auch immer gleich so wehtun!
»Sonic Link« ist allerdings eine Killerfeature!
Andy Berg am 17. März 2010 #
Wie hier schon jemand schrieb: »Wenn man sonst keine Probleme hat.« Natürlich fehlt dann nicht der obligate Vergleich mit Apple – von wegen proprietäre Formate und so. Was gegen XML spricht ist mir des weiteren auch schleierhaft. Die Produktpolitik von Polar wiederum ist mir klar: Prätentiös und damit großspurig um ein vollkommen überflüssiges Produkt zu verkaufen. Pulsmesser braucht man genau so dringend wie einen Kropf.