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Gerrit, 03.04.2010

Der große Magazin-Reboot

Wie es Zeitungen und Magazin im Internet doch noch schaffen könnten, Geld zu verdienen, ohne ihre Seele zu verkaufen.

Nur für den Fall, dass Sie die letzten Jahre unter einem Stein gelebt haben, sei zu Beginn noch einmal darauf hingewiesen, dass Zeitungen und Magazine im Internet bisher keine großen Geldsummen verdient haben. Jedenfalls nicht soviel, dass sich Online-Redaktionen mit einem gewissen Qualitätsanspruch von alleine finanzieren könnten (und vielleicht auch einmal im Jahr ihre Mitarbeiter schick zum Essen einladen könnten.)

Der Status Quo

Das hat natürlich Gründe und auch Folgen, wobei nicht immer klar ist, was in diesem Spiel was ist. Nennen wir beide deswegen der Einfachheit halber »Probleme«. Deren sind meines Erachtens in erster Line drei:

1. Nichtunterscheidbarkeit

Guckt man sich die Websites der großen Tageszeitung und Magazine an, so erkennt man kaum noch Unterschiede: Die gleichen Meldungen und Berichte in Einheitslayouts gegossen, die immer gleichen Bilderstrecken zum Durchklicken. Selbst Themenmagazine brechen nicht sonderlich aus dem Schema aus. Alle machen es wie Spiegel Online, das große Vorbild. Denn die erwirtschaften angeblich sogar ein paar Euros mit ihrer Website, die letztlich aber auch nur ein extrem weichgespültes tagesaktuelles Zerrbild des gedruckten Magazins ist. Wenn das schon der aktuelle Gold Standard in Sachen Nachrichten-Websites sein soll, kann man nur mit dem Kopf schütteln.

2. Niedrige Qualität

Über schlechte Qualität von Online-Medien ist schon viel geschrieben worden – und im Carta-Weblog erscheinen fast täglich lesenswerte Artikel darüber. Insgesamt lässt sich jedoch zusammenfassen, dass für höhere Qualität im Online-Bereich schlicht kein Geld vorhanden ist. Um dennoch kurzfristig ein paar schnelle Euros zu machen, werden die Themen reißerischer, die Klickstrecken absurder, und die gut geschriebenen, selbstproduzierten Stücke immer seltener. Für den langfristigen Aufbau von Qualität besitzt kein Verlag genug Durchhaltevermögen, zumal völlig unklar ist, ob sich mit Qualität am Ende auch wirklich Geld verdienen lässt.

3. Penetranz der Werbung

Trotz der jüngsten Bemühungen um diverse Bezahlmodelle: Derzeit sind Werbeeinnahmen das einzige nennenswerte Geld, was mit Zeitungen und Magazinen im Internet verdient wird. Es ist freilich viel zu wenig, um davon leben zu können. Die Preise sind im Keller, und eventuell könnten die oben beschrieben Punkte »Nichtunterscheidbarkeit« und »Niedrige Qualität« damit zusammenhängen. Doch wieder flüchtet man sich in Quantität: Mehr Werbebanner pro Seite, auffälliger animierte Werbemittel. Überall blitzt es und flackert es, und auch vor automatisch abgespielten Videos wird nicht Halt gemacht. Die Reißleine ist für die meisten Besucher die Installation eines Werbeblockers. Deren Beliebtheit ist nichts weiter als eine logische Konsequenz aus der mangelnden Bereitschaft der Verlage, sich eindeutig auf die Seite des guten Geschmack und der hohen Qualität zu schlagen – was sowohl den redaktionellen als auch den werblichen Teil der Publikation angeht.

Bezahlsysteme, mal wieder

Dass es so nicht weitergehen kann, hat inzwischen jeder Chefredakteur und Herausgeber erkannt. Doch in welche Richtung man sich grundsätzlich entwickeln möchte, während im Tagesgeschäft die Qualität jeden Tag ein bisschen mehr vor die Hunde geht, ist mehr als unklar.

Da sind zum einen die Befürworter von Bezahlmodellen. Ein weites Feld. Alle drei bis vier Jahre ändert sich nämlich in schöner Regelmäßigkeit die Auffassung darüber, ob man Geld für die Inhalte seiner Publikation verlangen kann. Ausschlaggebend ist meist – ganz pragmatisch -, wie es die New York Times zur jeweiligen Zeit handhabt. Vor ein paar Jahren machte diese ihr gesamtes Archiv offen zugänglich (die großen Mengen an Google-Besuchern und die dadurch gesteigerten Werbeeinahmen werden’s schon richten). Alle deutschen Verlage zogen nach. Hat jedoch wohl nicht funktioniert, das mit den gesteigerten Werbeeinnahmen. Die NYT rudert Anfang des Jahres zurück und lässt sich nun wieder bezahlen. Und was machen die deutschen Verlage? Klare Sache.

Nun ist das mit dem Bezahlen so eine Sache: Ich habe einmal versucht, einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung online zu kaufen. Einen 30-Zeiler, der mich 1,50 € gekostet hat und eine halbe Stunde meiner Zeit, weil der Bezahlvorgang so kotz-nutzerfeindlich war. Es wäre einfacher gewesen, einen Brief mit Füllfederhalter an die Redaktion zu schreiben und den Artikel als Fotokopie anzufordern.

Nicht, dass die Verlage daran schuld wären, dass in Deutschland kein ordentliches Micropayment möglich ist – aber ein bisschen mehr Flexibilität und Nutzerfreundlichkeit würden schon helfen. Völlig daneben sind selbstverständlich die sogenannten E-Papers, also im Grunde PDF-Dateien der regulären Printausgaben. Dass diese am Bildschirm quasi nicht konsumierbar sind (egal, wie groß oder hochaufgelöst dieser sein mag), ist allgemein bekannt. Die Gestaltung eines Layouts für ein bestimmtes Papierformat hat mit der Gestaltung für Bildschirme nur sehr wenig zu tun. PDF ist kein Endformat für Leser, sondern ein Austauschformat für den Druck.

Das hält den Axel-Springer-Verlag allerdings nicht davon ab, seine Qualitätspublikation DIE WELT als PDF auf Apples iPad anzubieten. Dieses Experiment wird logischerweise fehlschlagen, da müssen wir gar nicht drüber reden: Auch für das iPad müssen Print-Inhalte durch massive Anpassungen mediengerecht gemacht werden – unter anderem wegen seiner geringen Auflösung von nur 1024×768 Pixeln.

Dennoch müssen wir kurz bei Apple bleiben, denn eine Sache treibt das Verlagswesen schon seit geraumer Zeit um, nämlich das funktionierende Micropayment im iTunes Store / AppStore! Wer auch immer ein iPhone besitzt oder sich Musik bei iTunes herunterlädt, hat dort seine Bezahldaten hinterlegt und kann bargeldlos kleinere (oder größere) Geldbeträge bezahlen. Wenn das kein bequemes Ökosystem ist, um auch Zeitschriften zu verkaufen! Und jetzt kommt mit dem iPad auch noch ein Lesegerät, welches sich augenscheinlich hervorragend für das Lesen von Texten eignet.

Let’s talk about Apps

Auf dem iPhone hat es also angefangen (Bild, Süddeutsche, Spiegel), doch auf dem iPad wird es erst richtig losgehen: Magazine als Apps. Die Verlage umgehen komplett das öffentliche Web, liefern (hoffentlich) mediengerecht aufbereitete Inhalte und können über den AppStore bequem abrechnen, zu den fairen 70:30-Gebühren, die von Apple ja schon als De-facto-Standard für derartige Distribution etabliert wurden.

Und wieder einmal ist die New York Times das leuchtende Vorbild, diesmal sogar von Apple offiziell für gut befunden: Die App der NYT war eine der wenigen Third-Party- Anwendungen, die bei der ersten Vorstellung des iPads demonstriert wurden. Auf dieser Veranstaltung wurde zwar auch eine iBooks-Applikation von Apple gezeigt, doch diese ist tatsächlich nur für Bücher gedacht, nicht aber für regelmäßig erscheinende Publikationen. Und bis heute hört man in der Tat nichts von einer dedizierten iPad-Infrastruktur für solche Periodika.

Nun gut, derzeit suchen die meisten Verlage ihr Heil im Bauen und Verkaufen von iPad-Apps. Die genauen Preismodelle werden sich im Laufe der Zeit einpendeln, und man wird nach einem oder zwei Jahren sagen könne, ob es sich gelohnt hat. Und ich muss ehrlich sagen, dass ich nicht vorherzusagen vermag, ob die Rechnung aufgeht.

Möglicherweise ist den Tablet-Lesern der Komfort einer ruhigen, mediengerechten und nicht werbeverseuchten Publikation soviel Geld wert, dass sie gerne dafür bezahlen, und dies auch dann noch tun, wenn der große Hype und die Neugier nachgelassen hat. Sollte dies klappen, beglückwünsche ich die Beteiligten und freue mich auf tolle neue redaktionelle Ideen und Formate.

Andererseits werden die iPad-Apps auch in Zukunft immer die kostenlose Konkurrenz namens »Website« haben. Das freie, chaotische Web hat sich in der Vergangenheit stets gegen die aufgeräumten und kostenpflichtigen Walled Gardens duchgesetzt. Sollte es diesmal anders sein?

Für Verleger, die vielleicht einen anderen Weg einschlagen wollen, als sich mit Haut und Haaren einem bestimmten Computerhersteller zu unterwerfen und dessen Spielregeln zu befolgen, bietet sich mit dem iPad und anderen zukünftigen Tablet-Computern nämlich noch eine andere Chance auf einen erfolgreichen Reboot.

Magazin-Reboot

Im Gegensatz zu Helmut Schmidt glaube ich, dass Visionen eine feine Sache sind. Und meine Vision von einem zukünftigen Erfolgsmagazin sieht anders aus als die App der New York Times. Und sicher sehr viel anders als die peinlichen PDF-Versuche der WELT.

Dies sind die wichtigsten Eigenschaften:

1. Hochwertig

Auch wenn es weh tut: Online-Magazine brauchen die gleiche Sorgfalt und den gleichen Enthusiasmus wie ihre Print-Pendants, um erfolgreich zu sein. Das kostet Geld und Durchhaltevermögen, aber letztlich ist nur ein Qualitätsprodukt die richtige Basis, um damit Geld verdienen zu können. Schund gibt es überall kostenlos nachgeworfen. Das ist nicht der richtige Weg.

2. Mediengerecht

Tablet-Computer sind keine Laptops und auch keine DIN-A4-Magazine, sondern haben ganz eigene Regeln in der Bedienung. Wie genau diese aussehen, lässt sich wohl erst in ein paar Monaten sicher sagen. Vor allem die Frage, ob man die Inhalte auf blätterbare virtuelle Seiten aufteilt, oder beim webtypischen Scrolling-Konzept bleibt, kann derzeit nicht beantwortet werden.

Auf jeden Fall jedoch müssen Tablet-Magazine anders aussehen als die derzeitigen Websites. Deren große Stärke ist ihre Flexibilität; die Fähigkeit, auf den unterschiedlichsten Ausgabegeräten halbwegs zu funktionieren. Mit speziellen Tablet-Versionen haben wir jedoch die Möglichkeit, dezidierter auf bestimmte Hardware-Eigenschaften zu optimieren. Gerade was Seitenlayout und Schriftbild angeht, können wir viele Erkenntnisse, die wir im Print seit vielen Jahrzehnten gelernt haben, nun wieder anwenden, weil im Vergleich zum Web mehr Rahmenbedingungen festgezurrt sind: ungefähre Größe und Auflösung des Bildschirms, Leseabstand, usw.

Insbesondere die Agentur Bonnier AB hat mit einem cleveren Prototypen-Video und der jetzt verfügbaren iPad-Applikation für Popular Science ein paar kluge Ideen zu neuen Bedienkonzepten gehabt. Manches daran vermag zu gefallen, anderes überhaupt nicht, aber generell ist genau jetzt die Zeit, sich über genau diese Dinge Gedanken zu machen.

3. Werbefinanziert

Ich glaube, dass die Installation von Werbeblockern eher Notwehr ist als Gehässigkeit. Leser von Magazinen sind grundsätzlich bereit, sich Werbung anzuschauen. Voraussetzung: nicht zuviel und nicht zu laut. Es ist Zeit für einen New Deal zwischen der werbenden Industrie, den Online-Magazinen und den Lesern. Dieser könnte darin bestehen, komplett auf Animationen zu verzichten, die Größe der Werbefläche zu beschränken, und auch die Anzahl der gleichzeitig dargestellten Anzeigen zu reduzieren. Das Modell von The Deck macht es schon sehr radikal vor, auch wenn das derzeit nur für sehr kleine Publikationen praktikabel ist. Aber die Tendenz stimmt.

Das iPad unterstützt übrigens ganz konkret diesen New Deal: Im eingebauten Safari-Browser lässt sich einerseits kein Werbeblocker installieren, andererseites werden Flash-Anzeigen überhaupt nicht angezeigt. Anlass genug, um mal darüber nachzudenken, stilvolle Werbeplätze zu schaffen und diese zu höheren Preisen anzubieten. Warum nicht auf einem sechseitigen Artikel dauerhaft fixiert im rechten Viertel eine schicke Mercedes-Benz-Anzeige?

Mit einem Reboot der Online-Magazinkultur hat Werbung wieder die Chance, eine Bereicherung zu sein statt nur lästiges Flash-Gezappel!

4. Webstandards-basiert

Das Internet ist mehr als nur ein Transportkanal von geschlossenen, authentifizierten und bezahlten Datenströmen. Speziell das World Wide Web hat bereits bewiesen, dass es sich locker gegen geschlossene Systeme wie AOL oder Second Life durchsetzen kann. Die neuen Online-Magazine sind technisch gesehen ganz normale, offen zugängliche Websites – aber sie müssen freilich nicht so aussehen. Das Schöne daran: Dank der großen Leistungs-Sprünge, die die modernen Browser in den letzten Jahren gemacht haben, benötigen wir noch nicht einmal proprietäre Technologien wie Flash oder Silverlight, um eindrucksvolle Magazine für Touchgeräte umzusetzen.

Noch gibt es meines Erachtens kein wirklich anfassbares Beispiel für ein fertig umgesetztes HTML-basiertes Touch-Magazin, aber eine Menge an spannenden CSS– und JavaScript-Techniken lassen erahnen, dass so ein »Popular Science«-Magazin auch mit Webstandards möglich ist – zumal auf den meisten Tablet-Geräten ja eine leistungsfähige Webkit-Version vorhanden ist, die zu allerlei Spielereien fähig ist. Ich vermute, dass viele der jetzt erscheinenden Bezahl-Apps intern auch nichts anderes als Cocoa-Webviews verwenden werden, um Texte und Bilder zu platzieren. Und wenn schon Webviews, dann kann ich die ganze Sache doch gleich in den Browser verlegen, auf Vollbild schalten, und würdige damit den offenen Charakter des Internets.

Nebenbei bemerkt sind Dinge wie eingehende und ausgehende Hyperlinks generell eine gute Idee und sollten auch bei einem Magazin-Konzept eine Rolle spielen. Trotz des stärkeren »Produkt«-Charakters sollte man die Vernetzung mit dem Rest des Webs nicht aus den Augen verlieren.

Fazit

Wie sehr sollten sich digitale Publikationen einkapseln? Wieviel Offenheit verträgt das Geschäftsmodell eines Verlags? Kann man den Werbemarkt im Internet mit Qualität und neuen Endgeräten retten?

Ich weiß es nicht. Möglicherweise lässt sich mit geschlossenen Apps gutes Geld verdienen. Vielleicht ist ein frei zugängliches Web-Magazin im Tablet-Stil die bessere Alternative. Eines ist jedoch klar: Mit schrottigen Websites im Einheitsstil und aufdringlicher Werbung wird man sich schwer tun, die Krise zu überleben.

Und am Rande: Natürlich arbeite ich an einem HTML-basierten Magazin-Prototypen für das iPad. Doch wie sagt man so schön: Erst Ei, dann Gack.

18 Kommentare

  1. Justus am 3. April 2010 #

    Ein großartiger Artikel, allerdings glaube ich nicht, dass das iPad in seinem Reichweitenpotential überschätzt wird – die Nische ist viel zu klein als dass es eine so enorme Verbreitung wie z.B. das iPhone erreichen kann.

    Das iPad und die ganze Tablet-Entourage, die noch folgen wird, ist bei weitem nicht in der Lage, die klassischen Verlage aus Ihrem Dilemma zu retten, aber vielleicht ist es ein Standbein mehr mit dem man weniger wacklig dasteht.
    Aber bevor man sich auf die Tablets stürzt sollte man lernen, dass bunte Blinkebanner nichts mit wirkungsvoller Monetarisierung zu tun haben.

    Übrigens gefällt mir die neue Schrift sehr sehr gut, macht Spaß zu lesen.

  2. Gernot am 3. April 2010 #

    Schöner Artikel :-)

    Ich kann dir fast zu 100% zustimmen, bis auf den Aspekt, dass ich nicht denke, dass die Inhalte aus den »Apps mit WebViews« heraus müssen und in den Browser gehören.

    Vielmehr sollten den HTML5 basierten Inhalten eine – durchaus eigene – Umgebung geboten werden, um die Möglichkeiten des Gerätes und der Software ideal zu nutzen. Sonst sind wir sehr schnell wieder beim Problem der Nichtunterscheidbarkeit, das wir derzeit auch schon haben.

    Das bedeutet jedoch nicht, dass man sich in die totale Abhängigkeit von einem Hersteller begibt. Vom Standpunkt der Software gilt: Um den »kleinsten gemeinsamen Nenner« herum – der auf Mobilgeräten momentan WebKit heisst – kann auf Android und Co eine zum iPhone äquivalente, jedoch für das native OS spezifische Umgebung geschaffen werden.

    Ein Web-only Ansatz jedoch fällt grundsätzlich hinter Applikationen zurück, die diesen Ansatz mit einer plattformspezifischen Implementation kombinieren. Aber nichts spricht dagegen, die selben Inhalte auch auf anderen Plattformen entsprechend nativ zu integrieren.

    Dennoch: Momentan ist die Plattformdebatte eine Phantomdebatte. Es gibt aktuell kein System, das Apples Gesamtkonzept wirklich ebenbürtig ist: Software, Hardware, Bezahlsystem, und die Ausstattung der Nutzer mit aktuellen Systemversionen sind hier entscheidend. Nur ein System, das in allen diesen Aspekten gut aufgestellt ist, kann technisch und wirtschaftlich als »neue Magazinplattform« funktionieren. Ich freue mich wenn es die gibt, aber ausser dem iPad sehe ich da leider nichts.

    Im Moment ist man am Besten beraten, zu versuchen das Maximum aus der Plattform herauszuholen, die wir haben. Sonst kann man es gleich bleiben lassen, denn den meisten Usern ist dieser ganze Diskurs in Politiktheorie egal. Die wollen ein Magazinangebot das rockt.

  3. Maik am 3. April 2010 #

    An zwei Stellen widerspreche ich.

    Erstens ist iTunes keine Plattform für Micropayments, jedenfalls nicht nach der Definition, mit der der Begriff mal eingeführt wurde (Zahlungen bis runter in den Bruchteile-von-Cents-Bereich). Sinnvoll verwendbar ist das nur für Transaktionen im deutlich zweistelligen Centbereich und darüber; Transaktionen über 1 Cent mag man theoretisch noch abwickeln können, aber es ist offensichtlich nicht dafür gedacht. Damit sind wir aber klar im Bereich der ganz normalen Abrechnungsmodelle – Macropayment, wenn man es so nennen möchte. Ich glaube im Übrigen auch nicht, dass Micropayments eine Lösung für Anbieter seien können. Das Gefühl, dass jeder einzelne Klick gezählt und abgerechnet wird, ruiniert den Spaß am Lesen völlig, ziemlich unabhängig davon, ob pro Klick zehn Cent oder ein Zehntel Cent abgebucht werden.

    Der zweite Punkt ist der, dass Werbung eine Bereicherung sein kann. Das mögen sich Agenturmitarbeiter einreden, damit sie nachts schlafen können, aber Unfug bleibt es trotzdem. Werbung ist etwas, dass der Kunde sich nicht freiwillig angucken würde, wenn man es nicht zwangsweise an einen anderen Inhalt bindet. Wäre sie das nicht, würde niemand für genau diese Bindung irgendetwas bezahlen. Werbung kann bestenfalls nur wenig störend sein, aber eine Bereicherung? Nein. Das ist lächerliches Wunschdenken der Werbeindustrie. Nun mag jemand einwerfen, dass es aber doch tatsächlich ein paar Werbespots gibt, die so witzig sind, dass Leute freiwillig auf Youtube gehen, um sie anzuschauen. Nun, Ausnahmen bestätigen die Regel, und ich behaupte, auch solche Spots fänden die selben Leute irrsinnig lästig, wenn sich einer ungefragt neben einem Artikel abspielt, den sie gerade in Ruhe lesen wollten.

  4. Peter Kröner am 3. April 2010 #

    Ich kenne auch niemanden, der sich freiwillig Werbung anschaut, ausgenommen jene, die selbst ein werbefinanziertes Medienangebot betreiben. Und denen glaube ich nicht :)

  5. Gerrit am 3. April 2010 #

    Vielleicht ist »Bereicherung« das falsche Wort, aber in bestimmten Print-Magazinen gehört Werbung schon so sehr zum Gesamtbild dazu, dass sie fehlen würde, wäre sie nicht mehr enthalten. Ich denk natürlich vor allem an Lifestyle- und Modemagazine, aber auch an die unbezahlbaren Armbanduhren im gedruckten Spiegel. Aber vielleicht habe ich tatsächlich zuviel Interesse an Medien und Werbung, dass mir die Außensicht fehlt …

    Und ja, ich habe in der Tat eine andere Definition von »Micropayment« im Sinn gehabt. Logisch, dass im iTunes-Modell erst ab einem Euro der Spaß losgeht.

  6. Patrick W. am 3. April 2010 #

    Eine Sache auch noch zu Flash Werbung (auch wenn diese Flash Diskussionen langsam echt ausgelutscht sind…): Da HTML5 mit JavaScript ja Flash in nahezu allem ablösen soll (zumindest nach der Meinung vieler Leute, die sich nicht im Klaren sind, dass Flash etwas mehr als Animation und Video ist), kannst du davon ausgehen, dass sobald die Leute bemerken, dass auf Flash zunehmend verzichtet wird, auch die animierte Werbung früher oder später nicht mehr in Flash umgesetzt wird, sondern ebenso in HTML5 mit JavaScript. Schließlich klappt Ton und Animation damit ja genauso gut. Und wenn es soweit ist, werden Leute vermutlich wieder genötigt, Blocker wie noscript zu verwenden. Und dann sind wir wieder genau da, wo wir jetzt sind – Bis auf den kleinen Unterschied das man mit Flash Blockern in der Lage ist, einzelne Flash Inhalte wieder zu aktivieren, JavaScript Blocker aber global an oder aus sind.

  7. Götz am 3. April 2010 #

    Ich möchte nicht für jede Zeitschrift etc. eine separate App haben. Ich möchte auch keine Zwangs-Abos. Ich möchte das auch nicht als Website haben – wo ich mir dann für jedes Magazin andere Zugangsdaten merken muss.

    Ich glaube, solange es keine virtuelle Version eines Zeitschriftenladens (quasi iMagazin) gibt, wird sich virtuelles Print nicht durchsetzen. Man mag ja ein Magazin und eine Tages- bzw. Wochenzeitung abonnieren – aber dann ist auch Schluss. Aber jeden Monat 10-20 Apps starten, nur um zu gucken, ob mal was interessantes dabei ist, wird niemand machen. Eher werden diese Apps nach und nach gelöscht. Das ist die Hürde – nicht, ob die Inhalte als PDF oder HTML5 oder wasauchimmer verteilt werden.

    Erst wenn es etwas wie iTunes für Zeitungen/Magazine gibt, wird sich das in der breiten Masse durchsetzen. Man bekommt die neuesten Titel der aktuellen Ausgaben gezeigt und kann entscheiden ob man nur das eine »Heft« kaufen möchte, oder gleich ein Abo.

  8. Gerrit am 3. April 2010 #

    @Götz: Ich glaube, du siehst hier ein paar Probleme, die gar keine sind. Zunächst müsste man sich bei Websites keine Zugangsdaten merken, weil die offen sind und ohne Nutzeraccounts auskommen, wenn man sich über Werbung finanzieren möchte.

    Zweiter Punkt: nachgucken, ob es was neues gibt. Diese Frage kann sehr einfach über Push-Notifications gelöst werden. Sobald ein neues »Heft« da ist, gibt’s eine kleine Ziffer am Icon, und gut ist – niemand muss auf Verdacht die Apps öffnen.

    Ich wäre auch ein Fan eines gesammelten Stores, aber ich will gar nicht wissen, wieviel Überredungsarbeit hier geleistet werden muss, um alle Verlage ins Boot zu holen. Auch bei den Büchern sind es ja bisher ausschließlich ein paar Großverlage, die mitspielen dürfen.

  9. Deacon Frost am 4. April 2010 #

    Netter Artikel!

    Aber folgendem möchte ich doch widersprechen:

    »PDF ist kein Endformat für Leser, sondern ein Austauschformat für den Druck.«

    Das ist vielleicht heute so, der Grundgedanke war ein anderer und es hat einige Zeit gedauert bis man vernünftig aus einem PDF drucken konnte…
    Ursprünglich sollte PDF ein plattformübergreifendes Dateiformat zum (am Bildschirm) lesen sein.

  10. Perun am 5. April 2010 #

    @Maik,

    erst durch Klicks auf AdSense-Anzeigen kam ich zu meinem HTML-Editor (WeBuilder) und meinem Farb-Tool (ColorSchemer) … Werbung kann manchmal auch hilfreich sein.

  11. Tim am 6. April 2010 #

    Ich kann mir nicht vorstellen, daß das iPad den Verlagen mehr als ein Nischengeschäft liefern kann. Wahrscheinlich müssen einfach erst noch sehr viele Online-Angebote eingehen, bis die dann überlebenden Angebote wieder richtiges Geld verdienen können …

  12. Hansy Schekahn am 7. April 2010 #

    Hallo,

    netter Artikel. Aber Eines wird hier leider total vergessen: Grafisch eingebaute, absolut themeaffine Werbung. Ok, es geht hier um die Massenmedien, aber die Zukunft liegt in der Nische.

    Ich bin Betreiber eines Nischen-Nischen-Magazines und wir können erfolgreich davon leben. Wir verzichten fast komplett auf Agentur-Werbung, Flash-Werbung etc und bieten unseren Kunden absolut 100% Zielgruppen-orientierte Werbung an. Diese wird z.B. wie bei TV-Sendungen in das Design eingebaut.

    Ausnahmen sind lediglich Google-Adwords oder ähnliche Modelle, weil diese erstaunlich hohe Klickraten erzeugen und zumindest bei uns erfolgreich (als Ergänzung) laufen.

    Hauptsächlich bieten wir Individual-Werbeformen oder die Verknüpfung mit Online- und Offlineauftritten, dies fast nur in eigens bestimmten Pixel-Formaten, da Werbeblocker fast nur standartisierte Formate blocken.

    Sehr beliebt ist bei uns z.B. die Werbemöglichkeit des »Bilderbrandings«. Hierbei bieten wir Kunden an, Fotos – die vom User dann bewusst Gratis weiter verwendet dürfen, mit ihrem Logo zu branden. Das erlebt eine Eigendynamik, die gebrandeten Bilder tauchen weltweit in Blogs, Magazinen oder Börsen wie »mobile.de« auf.

    Unsere Kunden freuen sich extrem über diese Art der Werbung, Links werden nachweislich nicht im 0,x Bereich, sondern im 1-stelligen Prozentbereich angeklickt.

    Wir setzten auf absolute Zielgruppenorientierung. Und Massenmedien sollten sich vielleicht einfach nach dem TV richten: »Dieser Artikel erscheint nach einer kurzen Werbung«.

    Gruss,
    Hansy

  13. Gerrit am 7. April 2010 #

    @Hansy: Vielen Dank für deine Ausführungen. Genauso könnte ich mir das auch vorstellen, habe es aber nicht so ausführlich formuliert wie Du! Eventuelle komme ich nochmal auf dich zu, wenn es bei mir konkreter wird mit Planung und Tests :-)

  14. Gerrit am 7. April 2010 #

    Kleiner Nachtrag: Auch wenn es noch nicht repräsentativ ist: Laut Spiegel Online ist bisher die Nachfrage nach den wenigen erhältlichen digitalen Kaufmagazinen auf dem iPad eher zurückhaltend …

  15. Ex am 7. April 2010 #

    Normalerweise ist es nicht meine Art Blogs zu kommentieren, da sie für mich die Meinungen des Autors sind. Sie stehen für sich und müssen eigendlich nicht kommentiert werden.

    TL;DR Werbung in jeglicher Form ist mist, der Autor scheint ein Apple-Fanboy zu sein.

    Aber hier nun Ausführlich:
    Zuerst Werbung, das haben schon Viele angesprochen und ich gebe es zu, ich habe nicht alle Kommentare gelesen. Ich empfinde jegliche Werbung als störend. Besonders schlimm sind die blinkenden, quengelnen die man nicht einmal deaktivieren kann. Sie sind ein Kill-Kritererium für diese Seite. Beruflich bewege ich mich sehr viel im Netz und auf meiner »täglichen Runde« begegnen mir des Öfftenren diese Nervtöter. Auch Youtub-Werbung ist das allerletzte. Dann guck ich mir diesen Clip nicht an, fertig. Kein 20 Sekundnen Clip ist es Wert sich dafür 15 Sekunden Werbung anzutun. Besonders hat die Werbung im Spiegel/Focus/Stern zugenommen. Vermutlich wollten die Offline-Elefanten noch den letzten Cent aus dem (für sie) unmündigen Offline-Nutzer quetschen. Ich schere alle über einen Kamm, is mir auch egal. Ich kann es nicht ertragen, wenn ich für solche Magazine bezahle und dann seitenweise Werbung sehen muss. Manchmal sogar mehr Werbung als Artikel.

    Mag sein, dass ich eine Minderheit bin. Aber ich besitze genug Technisches Wissen um Werbung im Internet zu deaktivieren.
    Apropos technisches Wissen.
    Meiner subjektiven Meinung nach, ist das ganze Tabletpc gehype eine riesige Blase, die bald platzen wird. Einen qualitativ besseren Tablet PC gab es schon vor 5 Jahren, ein Compaq. Mit Windows Xp und USB2.0. Der steht 2 Meter neben mir. Jeder der in mein Büro schneit und wie ein Apple-Fanboy von dem iPad schwärmt, dem zeige ich das. Das ist aber noch nicht alles. Logischerweise zeigt der Safari-Browser auf dem iPad keine Flashwerbung an, weil überaupt keine Flashformate angezeigt werden können.

    Bevor ich mich jetzt gänzlich in Rage schreibe, komme ich zum Schluss.
    Die Übertragung des Offline-Verlagsmodells auf das Internet, ist schlicht und ergreifend nicht möglich. Niemals, in keiner Form.
    Apps werden niemals von dem »chaotischen, freien Web« akzeptiert, denn es gibt alles frei im Internet, warum sollte ich dafür bezahlen?

  16. Gerrit am 7. April 2010 #

    @Ex: Also erwartest Du, dass es alle Inhalte kostenlos und werbefrei im Internet gibt. Und Du bist der Meinung, dass man komplett ohne Einnahmen Reporter, Redakteure und Korrespondenten bezahlen kann. Na dann viel Spaß.

    Es gibt drei Möglichkeiten, Journalismus zu bezahlen: Werbung, kostenpflichtige Angebote oder staatlich finanzierte Angebote. Such dir eines davon aus, oder eine Mischkalkulation der drei. Allein durch Liebhaberei lässt sich kein professionelles Magazin machen, jedenfalls nicht auf Dauer und nicht in einer akzeptablen Qualität.

  17. Mario H. am 12. April 2010 #

    Super Artikel. Vielen Dank dafür.
    Dass in den etablierten Medien journalistische Qualität zu finden sei, habe ich schon so oft gehört, dass ich’s fast glaube. Dann allerdings sehe ich einen schlampig zusammengeschusterten Artikel bei der SZ und frage mich, ob die ach-so-qualitätsbewussten Journalisten ihr Geschwurbel eigentlich ein zweites Mal lesen… Aber zum Thema Qualität in den Medien gibt es so viele Texte, darauf möchte ich nicht allzu sehr eingehen…
    Aber es stimmt mich schon ein wenig ängstlich – iSv es ist beunruhigend – in welchem Maße die Medien(macher) Apple als neuen Heilsbringer verehren. Da fragt man sich schon, ob Apple – zumindest den Aussagen der Medien zufolge – jemals ein nicht oberaffenspitzenmäßiges Produkt hervorbringen – sie müssen sich ihren Gott doch gewogen halten!

  18. Jörg am 28. November 2010 #

    Interessanter Artikel. Frage mich, ob vor allem kleine Nischenmagazine (das sind vermutlich die meisten) den Spagat schaffen können. Qualität, Mehrwert und mediengerechte Umsetzung auf höchstem journalistischen Niveau zum fast Nulltarif, dafür aber ohne Werbung. Okay, ich übertreibe. Aber warten wir doch erstmal ab, wie zukünftig derartige Lösungen aussehen werden. Bis dahin gibt es beispielsweise ältere Ausgaben unseres Webstandards-Magazin lediglich als PDF – das allerdings kostenlos…

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