Das Microsoft Expression Studio Dingens

25. Januar 2007

Heute mal ein etwas populistischer Beitrag von meiner Seite, billig erworbener Beifall von meinen Lesern. Es geht um die Firma Microsoft und ihr Verständnis von Produktinformation und Marketing. Beides ist nämlich nicht das gleiche.

Wusstet Ihr, dass es eine Software-Suite von Microsoft gibt, die für »Kreative« bzw. Gestalter gemacht ist und in manchen Bereichen den Adobe-Produkten Konkurrenz machen will? Ich nämlich auch nicht. Aber tatsächlich: Unter dem Stichwort Microsoft Expression gibt es vier Applikationen, die  … die  … nun ja, mit denen man so kreatives Zeugs am PC machen kann. Ich stottere bewusst, weil es genau um diese Problematik geht: Auf der Website zur Expression Suite erfährt man nicht wirklich Konretes darüber, was diese Produkte eigentlich machen.

Expression Website

Ich wusste gerade mal zufälligerweise, dass »Microsoft Expression Web« der Quasi-Nachfolger von Frontpage ist, allerdings schon deutlich besser und standardnäher arbeitet. Aber was zur Hölle macht »Microsoft Expression Blend«? Schauen wir auf die Startseite, da gibt es scheinbar eine Antwort:

Expression Blend is the professional design tool to create engaging, Web-connected, user experiences for Windows.

Ah, engaging, Web-connected user experiences kann man kreieren! Dolle Sache. Und wie sieht’s mit »Microsoft Expression Design« aus?

Expression Design is a professional illustration and graphic design tool that lets you build compelling elements for both Web and desktop application user interfaces.

Ah, compelling elements for both Web and desktop application user interfaces kann man bauen. Genial! Ist das nun ein Vektorzeichenprogramm ausschließlich für Bedienoberflächen? Kann ich damit keine Visitenkarten machen? Fragen über Fragen, die selbst im Image-Filmchen nicht hinreichend beantwortet werden.

Die gesamte Website ist ein Gestücht aus Marketingphrasen, die einem interessierten Nutzer (mir), der auch noch zur Zielgruppe gehört, völlig im Unklaren darüber lässt, was man eigentlich mit den vier Anwendungen so machen kann und was deren Stärken sind.

Natürlich habe ich dann nach ein wenig lesen schon rausbekommen, dass es ungefähr darum geht, Desktop- und Web-Applikationen hübsch zu machen. Aber eben nur so ungefähr und ziemlich verworren. Dabei ist die Website keineswegs arm an textlichem Inhalt. Wieso muss das immer so sein? Wenn ich als Zielgruppenmitglied auf diese Website gehe, will ich innerhalb von 10 Sekunden wissen, womit ich es hier zu tun habe. Da helfen mir Phrasen wie diese nicht wirklich weiter:

Microsoft Expression takes your creative possibilities to a new level. The professional design tools and innovative technologies in Expression give you the flexibility and freedom to bring your vision to reality—whether you are designing standards-based Web sites, rich user experiences on the desktop, or managing digital assets and content.

Freunde, mit Marketing-Sprech kommen wir hier nicht weiter. Lasst mal die Produktdesigner ran und sagt uns konkret, was die Programme machen und warum man sie braucht. Dann testen wir sie vielleicht sogar.

Ach ja, und die Website ist auf Safari nicht nutzbar. Soviel zum Thema »standards-based« Web sites  …

18 Kommentare

  1. John am 25. Januar 2007 #

    Irgendwie ganz passend … Jerikos Gedanken zu Microsoft Expression.

    ;-)

  2. Eric am 25. Januar 2007 #

    Also mein Safari schluckt die Seite ohne zu meckern. Aber was die Programme wirklich können oder wofür sie gemacht sind weiss ich auch nicht. Meine Geduld hat aber auch nur 5 Min gereicht.

  3. mike am 25. Januar 2007 #

    »Ach ja, und die Website ist auf Safari nicht nutzbar. Soviel zum Thema »standards-based« Web sites«
    Kannst Du da etwas konkreter werden? Hier unter Win läuft das in Swift, wenn auch geringfügig zerhackt, ganz »normal«.
    Zu »Standards-based« würden mir allerdings auch eher die Unmengen Fehler auf der Seite einfallen …

  4. jayMoena am 25. Januar 2007 #

    Das habe ich auch gedacht als ich vor einigen Wochen über diese »Internetseite« gestolpert bin. Allerdings hatte ich schon bei dem Zusammenhang mit Microsoft kein gutes Gefühl und habe nach etwa einer halben Minute die Waffen gestreckt und bin verschwunden ohne zu wissen was das eigentlich alles soll.

    Man kann nur sagen: Ein Beispiel wie man auf gar keinen Fall eine Internetseite gestalten soll.

  5. Simon Reinhardt am 25. Januar 2007 #

    Irgendwie erinnert mich das an den Internetauftritt der Firma SimDesk – vielleicht besser bekannt als Virtudyne (sehr lustige Geschichte, lest es euch mal durch).
    Viel Blabla und nix dahinter. Nur dass Microsoft keine Witzfirma sondern ein Global Player ist – da sollte man doch mehr erwarten.

  6. Michael am 26. Januar 2007 #

    vor allem find ich lustig, dass hier (http://www.microsoft.com/products/expression/en/expression-media/default.mspx) auf dem ersten screenshot ganz deutlich ‘Macintosh HD’ zu lesen ist ;-))))))))

    aber mal im ernst, expression war mal ein vectorzeichenprogramm, das sich microsoft eingekauft hat und eine weile als freeware zum download angeboten hatte. das war glaub ich noch zu os9 zeiten. dann gab es mal einen osx patch dazu. ich hab mal eine weile öfter damit gearbeitet und benutz es auch immer noch ab und an. ich glaube nur, dass es mit dem jetzigen programm gar nichts mehr zu tun hat.

    und ich hab auch nicht genau verstanden, was man mit den jetzigen bundels alles machen kann und vor allem worin sie sich unterscheiden. hab dann irgendwann aufgegeben und bin nun beruhigt zu sehen, dass es anderen ähnlich geht.

    grüsse und schönen abend.

  7. p3st am 26. Januar 2007 #

    Vielleicht ist es ja wie bei den Mogelpackungen ab 2007

    Man darf raten, welches Paket am meisten enthält und wählt dann den Preis aus, den man am ansprechendsten findet. Das würde rein logisch zu den Werbe-Phrasen passen.

  8. at am 26. Januar 2007 #

    Expression, ursprünglich von Creature House, war so etwas wie die vektorbasierte Version von Painter. Inzwischen bastelt Microsoft auf dieser zugekauften Basis und in Verbindung mit einer eigenen Konkurrenzentwicklung zu Flash ein System, dessen Ergebisse irgendwo zwischen Widget und Web 2.0 stehen sollen. Details im entsprechenden Weblog: http://blogs.msdn.com/expression/

  9. Alex am 26. Januar 2007 #

    Ach ja, und die Website ist auf Safari nicht nutzbar. Soviel zum Thema »standards-based« Web sites …

    Also machen Die da weiter wo sie mit Frontpage aufgehört haben ;)
    —————————————-
    Kannst Du da etwas konkreter werden? Hier unter Win läuft das in Swift, wenn auch geringfügig zerhackt, ganz »normal«.

    Swift ist nicht Safari – musste ich auch schmerzhaft bei einem Projekt erfahren. Safari hat ein Problem mit DIV Anordnungen in bestimmten Fällen, die auf keinem anderen System/Browser nachzuvollziehen sind, also bitte nicht auf Swift verlassen.

  10. Roman am 26. Januar 2007 #

    Erinnert ihr euch noch an die Marketing-Briefe, die Microsoft kurz vor Weihnachten verschickt hat? Manch ein Blogger hatte die Werbeaktion ja unaufgefordert gleich ins Web ausgedehnt.

    In dem Brief damals stand komischerweise einigermaßen verständlich drin, worum es geht:

    »Expression Web für standardkonforme Websites ...«

    »... Blend zur Gestaltung moderner interaktiver Benutzeroberflächen und Anwendungen«

    »Das vektorbasierte Zeichenprogramm Expression Design«

    »... Media für Digital Asset Management und Video Processing«

    Die Erklärung zu Blend ist dabei noch die schwammigste, aber eigentlich ist doch jedem Fachmenschen sofort klar, worum es geht ...

    Übrigens gibt es die Expression-Website auch auf deutsch. Jetzt ist aber genug mit Microsoft-Werbung ;-)

  11. typneun_ms am 26. Januar 2007 #

    Also, ich würde sagen, die Seite musste sofort raus, aber die Programme waren noch nicht fertig. Sagt der Abteilungsleiter zum Texter: »Mach da mal nen Text rein.« Sagt der Texter: »Aber was macht dat Programm?« »Keine Ahnung, is noch nicht fertig. Schreib Du mal was, wir machen dat schon.« Und sowas kommt halt dabei raus. :)

  12. typneun_ms am 26. Januar 2007 #

    Ach du Sch … Expression Media ist das ehemals wirklich geniale Programm iView Media Pro, welches MS letztens gekauft hat. Urks … Schaut schlecht aus mit Update fürn Mac … :(

  13. Benjamin am 26. Januar 2007 #

    diffuse Beschreibungen von professionellen Irgendwas gepaart mit schauen Ausdrücken haben sich bei unkundiger Klientel immer noch gut fürs Verkaufen von nicht konkurrenzfähigen Produkten geeignet. Wenn die wirklich die Fakten reinschreiben, kann vielleicht schon der Unerfahrene sehen, dass das Zeug nicht so viel taugt.

  14. Harald Kampen am 27. Januar 2007 #

    Ich bin platt: Expression Design kann PDF exportieren! (Siehe FAQ).

    Angeguckt hatte ich mir die Tools, als ich mal wieder den Stand der Dinge um SVG erfahren wollte. Natürlich unterstützt keins der Tools SVG (soviel zu Webstandards). Das Ganze wohl nur dafür da, um XAML und .NET unter die Leute zu bringen.

  15. Brutos am 27. Januar 2007 #

    Expression Web ist garnicht so schlecht.
    Den WYSIWYG teil benutzt ist sowieso nicht, aber als HTML editor ist Expression Web nicht schlecht.

  16. Gero am 27. Januar 2007 #

    Dass coole Covermotive von Kreativwerkzeugen keinen Bezug zum Produkt herstellen, ist uns von Macr^h^h^h^h Adobe ja wohlbekannt. Insofern sollten wir die Kaleidoskop-Coverbildchen der vier Expression-Produkte wohl besser gar nicht hinterfragen.

    Wobei  …

    Spannend ist, dass die beiden Herren der Schöpfung auf Expression Web und Expression Blend beide ziemlich  … na, sagen wir  … unergonomisch herumzusitzen scheinen.
    Im Gegensatz dazu präsentieren die beiden Fräuleins vom Amt auf Expression Design und Expression Media ihren jeweils sehr wohlgeformteten  …

    Nein, ich will aus Gründen der political correctness lieber nicht weitersprechen. Trotzdem interessant, wenn man das mal hinterfragt  …

  17. Steffen Ritter (Microsoft) am 4. Februar 2007 #

    Hi zusammen,

    ich bin Steffen Ritter, der deutsche Product Marketing Manager für Microsoft Expression. Ich nehme das Feedback gerne auf, lasse den Beitrag und alle Kommentare aber vorerst unkommentiert. Ich beantworte gerne alle spezifischen Fragen und auch sonst bin ich gerne zur Diskussion bereit (sofern es meine Zeit zulässt).

    Grüße aus München,

    Steffen Ritter (steffen.ritter@microsoft.com)

  18. Stoffel am 28. März 2007 #

    Merke: Wenn Microsoft von »Standards« spricht, ist normalerweise von den eigenen Standards die Rede, nicht von den Standards der Konkurrenz, auch wenn sie noch so etabliert sind. ;-)

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