CSS-Layouts – Praxislösungen mit YAML (Dirk Jesse)

30. März 2007 von Gerrit van Aaken

Gar nicht so leicht, dieses Buch zu beschreiben, doch ich versuche es trotzdem. Umgangssprachlich heißt das Werk von Dirk Jesse natürlich nur das »YAML-Buch«, obwohl das nicht ganz treffend ist, wie wir gleich sehen werden.

Zunächst einmal ganz kurz etwas über YAML (Yet Another Multicolumn Layout). Es handelt sich dabei um ein HTML/CSS-Framework, das dem modernen Webdesigner dabei helfen soll, auf zeitsparende Art und Weise robuste Weblayouts aufzubauen. Enwickelt wird YAML von Dirk Jesse, der – man glaubt es kaum – auch Autor dieses Buches ist. Das Framework besteht aus einer Handvoll HTML-Grundgerüsten und Snippets, sowie einer erklecklichen Anzahl von CSS-Dateien, die nach besonderen Platzierungs- und Verlinkungsregeln miteinander eine Umgebung schaffen, in der es sich trefflich Weblayouts bauen lässt.

Ich persönlich finde des Ansatz von YAML zwar interessant, werde das Framework jedoch aller Voraussicht nach nicht einsetzen, weil ich

a) lieber alles selber mache.
b) die vielen verschachtelten div-Container nicht gut finde, die beim Einsatz von YAML obligatorisch sind.

Nichtsdestoweniger hat sich die Lektüre des Buches für mich gelohnt, denn so richtig spannend ist vor allem das erste Drittel, in dem es um allgemeine Themen der CSS-Entwicklung und Browserbugs geht. Der zweite Teil beschreibt dann das YAML-Framework in Theorie und Praxis, und im dritten Teil wird noch erläutert, wie man YAML in Verbindung mit TYPO3 und dem xt:Commerce Shopsystem einsetzen kann.

Warum ist der erste Teil so toll? Nun, Dirk Jesse hat das gemacht, was bisher keiner so richtig gemacht hat, nämlich die vergangenen dreieinhalb Jahre weltweite CSS-Laborforschung auf 130 Seiten zusammenzufassen. Seit etwa 2003 (Den Startschuss markiert wohl Jeff Zeldmans wegweisendes Buch »Designing with Web Standards«) kursieren in den einschlägigen Webdesigner-Blogs und -Foren eine Vielzahl von Artikeln, Tutorials und Tricks rund um das Thema CSS, dessen Möglichkeiten und Probleme.

Dirk Jesse schafft es, das gesammelte Wissen aus diesen Artikeln zu filtern, zu sortieren und so aufzubereiten, dass man es bequem und zusammenhängend lesen und auch verstehen kann. Großartig! Jesse legt insbesondere dann eine besondere wissenschaftlich-akribische Präzision an den Tag, wenn es um sein offensichtliches Lieblingsthema geht: Browserbugs. Endlich eine kompetent geschrieben Liste der wichtigsten Ärgernisse mit dem Internet-Explorer, plus diverse Lösungsvorschläge, die vom Autor sogar noch kommentiert und bewertet werden. Vielen Dank dafür!

Allein diesen ersten Teil des Buches könnte man getrost als weniger dickes Buch auf den Markt bringen. Vielleicht kann man ja mal mit den Verantwortlichen des Galileo-Verlages reden. Doch es geht ja noch weiter.

Der zweite Teil, in dem das eigentliche Thema des Buches behandelt wird, nämlich das YAML-Framework, teilt sich wiederum in Theorie und Praxis. Zunächst beschreibt Jesse, woraus das Framework besteht und warum welche Dateien wie aufgebaut sind. Viele der Punkte aus dem ersten Teil werden hier aufgegriffen und im Zusammenspiel mit YAML nochmals erläutert. Das führt zu einigen Doppelungen, die man gerne schnell überliest. Es scheint außerdem ein wenig die Atmosphäre einer technischen Dokumentation durch, was dem Lesefluss nicht gut tut.

Interessanter ist der YAML-Praxis-Teil, wo man dann konkret anfängt, diverse Layout-Varianten (Zweispalter, Dreispalter  …) mit Hilfe des Frameworks umzusetzen. Dies ist sicher ein gutes Nachschlagewerk für alle, die systematisch an YAML rangehen wollen und nicht so lange rumspielen wollen, bis es irgendwann irgendwie klappt.

Wahrscheinlich bin ich für den YAML-Teil nicht wirklich zu begeistern, weil ich schnell gemerkt habe, dass mir die vielen Redundanzen im HTML-Code nicht gefallen. Doch auch rein formal macht der zweite Teil des Buches einfach nicht so viel Laune und liest sich auch nicht so interessant wie die Grundlagen im ersten Teil.

Über Teil 3 (TYPO3 und xt:Commerce) kann ich nichts sagen, weil er auf mich nun gar nicht zutrifft und ich ihn von daher auch nicht gelesen habe.

Doch kommen wir zu einem Gesamt-Fazit: Ich mag das Buch insgesamt sehr, weil der Autor endlich mal nicht bei Adam und Eva anfängt, sondern gewisse Kenntnisse in modernem HTML und CSS voraussetzt. Darauf aufbauend hatte ich bei der Lektüre des ersten Teil eine Menge A-ha-Erlebnisse und murmelte mehrmals spontan: »Supergut zusammengefasst!« Die ganze YAML-Thematik hingegen, und das muss mal gesagt werden, ist meines Erachtens nicht wirklich ein ganzes gedrucktes Buch wert – hier hätte es eine gut gemachte Online-Doku auch getan, oder aber eine kleine, handliche Taschenfibel.

Und noch fürs Protokoll: Dirk Jesse schreibt gut verständlich, präzise und ein bisschen persönlich, wenn auch nicht immer übermäßig elegant. Insgesamt aber sehr angenehm zu lesen. Das Layout ist – wie bei Galileo üblich – hervorragend und augenfreundlich, und gerade die schematischen Abbildungen ergänzen Text und Screenshots ganz hervorragend.

Nun das obligatorische zitierfähige Zitat:

Ein Buch für Webdesigner mit Grundkenntnissen in CSS, die kompakt alle wichtigen Layouttechniken und Browerbugs nachlesen möchten. Wer YAML einsetzen möchte, kommt natürlich ganz besonders auf seine Kosten. Note 2.

6 Kommentare

  1. Glödu am 30. März 2007 #

    »Die ganze YAML-Thematik hingegen (…) – hier hätte es eine gut gemachte Online-Doku auch getan,« …

    Eine solche Online-Doku gibt’s unter http://yaml.de/ zum herunter laden. Oder habe ich da etwas falsch verstanden?

  2. Benjamin am 31. März 2007 #

    Schade, dass Du den xt:commerce-Teil nicht rezensiert hast, ich muss mich gerade auftragsmäßig darum kümmern und erwäge mir die xt:commercelizenz für YAML zu erstehen. Das Buch werde ich mir dann auch kaufen, mal sehen ob man sich auf Deine positive Bewertung verlassen kann.

  3. beewee am 1. April 2007 #

    30 Euro für ‘ne gut geschriebene CSS-Zusammenfassung sind mir denn doch ein bisschen zu viel … Indes tut’s mir fast Leid darauf zu verzichten nach Gerrits Schwärmerei — übrigens m.E. nur zu Teil eins des Buches, Benjamin, also mach’ unseren Gastgeber nicht für Enttäuschungen bei der Lektüre der anderen beiden Teile verantwortlich … ;-}

  4. Peter Müller am 3. April 2007 #

    Ich teile deine Begeisterung über den ersten Teil. Alleine diese »dreieinhalb Jahre weltweite CSS-Laborforschung auf 130 Seiten» sind schon das Eintrittsgeld wert.

    Bei Teil 2 kann ich dir nicht ganz folgen: YAML wegen der »vielen Redundanzen im HTML-Code» nicht zu mögen, finde ich eine eher schwache Argumentation. In der Online-Doku schreibt Dirk Jesse gleich in der Einführung »Nicht benötigte Elemente der XHTML-Struktur bzw. der CSS-Dateien sollten daher – nachdem das eigene Layout steht – aus dem Code entfernt werden.» YAML’s Grundprinzip ist halt »Anpassen durch Weglassen».

    Was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann ist die Aussage »Die ganze YAML-Thematik  … ist  … nicht wirklich ein ganzes gedrucktes Buch wert».

    Mit dem Hinweis auf das Ausreichen einer Online-Doku kannst du fast jedem Buch zu Webthemen die Existenzberechtigung entziehen, von »SelfHTML« über Michael Jendryschiks »Einführung« bis hin zu gedruckten Referenzen aller Art. Den Satz würde ich vielleicht nochmal überdenken  …

  5. Gerrit am 3. April 2007 #

    ... womit wir bei einer der grundsätzlichen Schwierigkeiten sind, die ich mit Computerbüchern habe – man braucht sie eigentlich nur dann, wenn sie eine gewisse Zeitlosigkeit besitzen. Die Doku eines sich schnell weiterentwickelnden Frameworks wie YAML (zum Glück ist hier eine Menge Dynamik drin), ist auf totem Holz einfach nicht so gut aufgehoben wie im Web.

    Okay, man kann den YAML-Code anpassen und die Redundanzen streichen, aber ist das der Sinn eines Frameworks? Es soll doch alles out-of-the-box funktionieren. Tut’s zwar auch, aber eben nicht so schrecklich elegant. Es ist ein Kompromiss, und das ist in Ordnung. Generell lässt sich jedoch auch sagen: Wer sich YAML so anpasst und für sich umkonfiguriert, dass alles stimmt (was sicher möglich ist), der benötigt YAML eigentlich gar nicht, weil man dann auch selber etwas ganz eigenes aufbauen kann.

  6. Dirk am 10. April 2007 #

    Ich denke schon, dass auch die YAML-Kapitel des Buches eine gewisse Zeitlosigkeit mitbringen, denn neben der Erläuterung inhaltlicher Details geht es auch hier vorwiegend um die Vermittlung der Denkansätze hinter YAML. Und diese ändern sich nicht von Version zu Version.

    Was die Redundanzen im Code angeht, dazu habe ich mir in meinem Blog vor einigen Tagen ein paar Gedanken gemacht, die die Diskussion darum vielleicht etwas anregen können. Ich würde mich freuen, Deine Meinung dazu zu lesen.

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